Abschlussbericht zur Explosion auf der Queen Mary 2

Queen Mary 2 (Bild: John Ambler)
Am 23. September 2010 hatte sich auf der Queen Mary 2 früh morgens kurz vor Barcelona eine Explosion im Bereich des Maschinenkontrollraums ereignet. Alle Details des Unfalls schildert der jetzt veröffentlichte Abschlussbericht einer Untersuchung durch die britischen „Marine Accident Investigation Branch“ (MAIB). Die MAIB ist eine staatliche Untersuchungsbehörde in Großbritannien, die dem Transportministerium untersteht.
Dem abschließenden Bericht zufolge fielen auf der Queen Mary 2 nach der Explosion innerhalb weniger Sekunden alle vier Antriebsmotoren aus, für kurze Zeit hatte das Schiff einen kompletten Stromausfall. Automatisch startende Notstromaggregate stellten die Stromversorgung jedoch schnell wieder her. Bereits eine Stunde nach dem Vorfall konnte die Queen Mary 2 wieder aus eigener Kraft Kurs auf Barcelona nehmen konnte, wo sie gut vier Stunden später anlegte. Verletzt wurde bei der Explosion niemand, es entstand aber hoher Sachschaden. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich insgesamt 3.823 Personen an Bord der Queen Mary 2.
Der genaue Ort der Explosion war dem Bericht zufolge ein Raum, in dem ein sogenannter „harmonischer Filter“ für das Stromnetz an Bord installiert ist. Harmonische Filter stellen im Wesentlichen sicher, dass im Stromnetz keine sogenannten Oberschwingungen entstehen, die empfindliche elektronische Geräte wie Steuerungsanlagen und Computer zum Absturz bringen oder beschädigen können. Letztlich ausgelöst wurde die Explosion dem Bericht zufolge durch Materialermüdung an einem Kondensator.
Allgemeine Erkenntnisse aus der Explosion
Der Abschlussbericht zu der Explosion auf der Queen Mary 2 ist aber auch unter allgemeinen Gesichtspunkten und weit über die damalige Situation auf dem Kreuzfahrtschiff hinaus sehr interessant. Denn die Empfehlungen der MAIB sagen recht deutlich, wie wichtig es ist, dass bei der Einführung immer neuer Technologien – inzwischen hauptsächlich getrieben von Treibstoff-Einsparungen und Energie-Effizienz – unbedingt auch die intensive Fortbildung der Crew stärker berücksichtigt werden muss. Nur eine Crew, die die immer komplexeren technischen Zusammenhänge der neuen Technologien genau versteht, kann bei Problemen adäquat handeln.
Im Falle der Queen Mary 2 waren erste Warnsignale nicht wahrgenommen worden. Wie der Bericht feststellt, wäre ein stärkeres Bewusstsein für Frühindikatoren im Hochspannungs-Stromnetz des Schiffs, das Wissen über tiefere Zusammenhänge in diesen technischen Anlagen sowie ein automatisches Monitoring-System für bestimmte Leistungsdaten in Zusammenhang mit besagtem harmonischen Filter sehr hilfreich gewesen.
Andererseits zeigt der Bericht auch, dass die Crew nach der Explosion durchaus sehr konzentriert und fachkundig sowie mit den richtigen Geräten und dem nötigen Knowhow ausgestattet war, um die Situation schnell in den Griff zu bekommen, ohne die Sicherheit des Schiffs weiter zu gefährden.
Der Bericht zur QM2 zeigt, dass die Ursache der Explosion eine Kombination aus einer nicht ganz optimale technische Konfiguration, eine nicht funktionsfähigen Alarmsystem und mangelndes Fachwissen der Crew war. Aus den (geringfügigen, nicht ausschlaggebenden) Konstruktionsmängeln kann die Kreuzfahrtindustrie lernen. Alarmsysteme lassen sich problemlos funktionsfähig halten, wenn sie regelmäßig getestet werden – was hier offenbar nicht der Fall war, zumindest aber nicht dokumentiert wurde. Und Crew lässt sich adäquat aus- beziehungsweise fortbilden.
Das Positive an dem Bericht ist daher, dass es sich nicht um ein unlösbares Problem gehandelt hat, deren Risiko man nicht mindern kann. Vielmehr lässt es sich durch veränderte Abläufe an Bord, Kontrollen und Ausbildung schnell lösen – was laut Cunard Line nach dem Vorfall auch längst geschehen ist.
Allerdings zeigt der Vorfall auch, dass die Sicherheit von Passagieren stark von der Kompetenz und der Zuverlässigkeit der Crew und damit den Standards der Reederei abhängt – die bei Cunard Line trotz des Vorfalls auf der Queen Mary 2 als sehr hoch einzuschätzen ist. Für Passagiere bedeutet das meiner Meinung nach vor allem, genau hinzusehen, bei welcher Reederei man eine Kreuzfahrt bucht und sich im Zweifel lieber für ein etwas teureres Schiff entscheidet, bei dem man weiß, vermutet oder zumindest begründet hofft, dass die Sicherheit der Passagiere wirklich ernst genommen wird und in Sachen Sicherheit keinerlei Laissez-faire akzeptiert ist.
(Bildquelle “Queen Mary 2 in Southampton”: John Ambler (Creative Commons Lizenz CC BY-ND 2.0)
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