Alkohol an Bord schmuggeln: Wodka in Wasserflaschen

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Alkohol-Schmuggel: Im Supermarkt ist's billiger als an der Bar

Alkohol-Schmuggel: Im Supermarkt ist’s billiger als an der Bar

Alkohol an Bord schmuggeln – faszinierenderweise kocht dieses Thema in Diskussionsforen immer wieder hoch. Da gibt es regelrechte Experten, die alle Tricks kennen, um Wodka, Rum & Co unbemerkt an Bord von Kreuzfahrtschiffen zu schaffen. Klar ist: Fast alle Kreuzfahrtgesellschaften konfiszieren Spirituosen beim Einsteigen, der Passagier bekommt die Flaschen erst am Ende der Kreuzfahrt zurück. Aber warum versuchen manche Passagiere alles, um den Alkohol an Bord zu bringen?

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Wir haben und das Thema genauer angeschaut und – ja – auch ein paar Schmuggeltricks zusammengestellt. Nicht, weil wir das empfehlen würden, sondern weil es spannend ist zu sehen, was sich Leute so alles einfallen lassen und welchen Aufwand sie dafür treiben. Ein Vorgeschmack: Der aktuelle (und durchaus ernst gemeinte) “Geheimtipp” in der Szene lautet, Wodka in Listerine-Mundwasser-Flaschen umzufüllen und mit etwas grüner Lebensmittelfarbe aufzuhübschen, damit es wirklich wie Mundwasser aussieht.

Bei einer Umfrage von Cruisecritic.com  – „Ist Alkohol an Bord zu teuer?“ – antwortete kürzlich mehr als die Hälfte der über 2.000 Teilnehmer mit „ja“. Nur 10,5 Prozent fanden die Alkoholpreise an Bord „fair“. Hier liegt wohl der Hauptgrund, warum Passagiere Alkohol billig im Supermarkt kaufen und dann an Bord schmuggeln. Freilich müssen sie auch dort den Alkohol gut verstecken, unauffällig in ihre Drinks mischen, um nicht auffallen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Da gehört schon ein gewisses Suchtpotenzial dazu, dass man so einen Aufwand auf sich nimmt.

Alkoholpreise an Bord: Eine Frage der Sichtweise

Sind alkoholische Getränke an Bord von Kreuzfahrtschiffen wirklich so teuer? Letztlich ist das eine Frage der Sichtweise. Beim Vergleich mit den Supermarkt-Preisen ergibt sich ein völlig anderes Bild als wenn man die Preise von Restaurants und Bars an Land ansetzt. Und selbst hier kommt es auf die Herkunftsregion des Passagiers an: Ein Münchner oder Hamburger wird einen Cocktail für 6,50 Euro an Bord als durchaus preisgünstig empfinden. Wer aus einer Kleinstadt am flachen Land stallt, bekommt einen Cocktail zu Hause auch schonmal für 4,50 Euro.

Eines jedoch sollte man auf jeden Fall im Auge behalten: Die Einnahmen der Kreuzfahrtgesellschaften basieren immer auf einer Mischkalkulation. Mit den Einnahmen aus dem Kabinenpreis allein würden die meisten nicht überleben können. Mindestens ein Viertel der Einnahmen stammen gewöhnlich aus Zusatzgeschäften an Bord: Shops, Casino, Getränke, Landausflüge. Im Umkehrschluss heißt das: Erwartet man niedrigere Alkoholpreise an Bord, müsste man einen höheren Kreuzfahrtpreis akzeptieren. Deshalb sind die Kabinen bei All-Inklusive-Anbietern in der Regel teurer.

In einem Restaurant an Land würde (fast) niemand auf die Idee kommen, mitgebrachte Getränke aufzumachen. Auf einem Kreuzfahrtschiff dagegen findet man es – aus unerfindlichen Gründen – empörend, dass der Bartender, respektive die Kreuzfahrtgesellschaft, für einen Cocktail mehr als den Supermarkt-Preis verlangt. Und dann womöglich auch noch ein Trinkgeld erwartet. Aber letzteres ist noch einmal ein ganz anderes Thema ;-)

Alkohol wird konsequent konfisziert

Die Kreuzfahrtgesellschaften sind jedenfalls konsequent: Selbst eine Flasche Rum, die man als Mitbringsel von einer Karibik-Insel mit an Bord nehmen will, wird beim Einsteigen konfisziert und erst am Ende der Kreuzfahrt wieder ausgehändigt. Oft bekommt der Passagier die konfiszierten Flaschen immerhin am Abend vor der Abreise auf die Kabine geliefert. Das selbe gilt auch für Spirituosen-Einkäufe im bordeigenen Duty-Free-Shop.

Dass Alkohol nicht an Bord genommen werden darf, steht bei den Kreuzfahrtgesellschaften übrigens in den Reisebedingungen oder AGB.

Einige wenige Kreuzfahrtgesellschaften wie beispielsweise Celebrity Cruises, Carnival Cruise Line, Royal Caribbean International oder Princess Cruises gestatten eine oder zwei Flasche Wein pro Person, die man auf der Kabine trinken oder sogar gegen eine Kork-Gebühr (10-25 Dollar) ins Restaurant oder an die Bar mitnehmen darf. Fast durchgängig akzeptiert wird dagegen das Mitbringen alkoholfreier Getränke, vor allem Wasser in großen PET-Flaschen – zum Trinken auf der Kabine oder für den Landausflug. Und da setzten denn auch die meisten Tricks an, Alkohol an Bord zu bringen: Sobald der Alkohol klar und farblos ist, beispielsweise Wodka, ist er bei flüchtiger Kontrolle beim Einsteigen nicht von Wasser zu unterscheiden und rutscht meist durch (aber nicht immer – die Security-Crew kennt die Tricks natürlich auch!).

Schwieriger wird es bei braunem Rum, Whiskey und anderen Alkoholika, die man aufgrund ihrer Färbung nicht als Wasser ausgeben kann. Da setzt dann bei manchen Passagieren eine Fantasie ein, die von hohem Leidensdruck zeugt. So wird der Alkohol beispielsweise in leere Mundwasser-Flaschen umgefüllt und in der Badtasche an Bord geschmuggelt. Geschmacklich dürfte das dem Schnaps auch bei noch so gründlichem Ausspülen der Mundwasserflasche sicherlich nicht zuträglich sein.

Übrigens: Mit dem an Bord schmuggeln ist es noch nicht getan. Der Alkohol sollte auch in der Kabine so gut versteckt oder getarnt werden, dass er dem Kabinenpersonal nicht auffällt.

Wer sich bei Cruisecritic die teils grotesken Diskussion zum Thema ansehen möchte, sucht dort nach den Stichwörtern „Rum Runners“ oder „Booze“.

Onlineshops verkaufen Utensilien zum Alkohol-Schmuggel

Wie absurd das Ganze werden kann, zeigt auch die US-Website Easy Traveler Inc, wo fabrikfrische, leere Kosmetika-Tuben einschließlich passenden Trichters zum Abfüllen der Spirituosen verkauft werden. Rumrunnerflasks.com verkauft Plastikschläuche zum Abfüllen von Hochprozentigem und Wein, die beim Durchleuchten des aufgegebenen Gepäcks nicht weiter auffallen und daher angeblich problemlos mit an Bord gehen.

Nur fürs Handgepäck eignen sich diese Behälter nicht, denn ihr Zweck ist einfach zu offensichtlich. Und das ebenfalls im Shop angebotene „Rum Runners Flask“ Fan-T-Shirt sollte man bei der Einschiffung wohl auch eher nicht tragen … ;-)

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4 Kommentare zu Alkohol an Bord schmuggeln: Wodka in Wasserflaschen

  1. Domenik on Juni 4, 2014 at 5:25 pm

    Interessante Angelegenheit, ja wirklich, aber wieso sind diese kleinen Alkoholschmuggler nun alles auch Alkoholiker?
    Wenn man irgendeinen billigen Fusel reinschmuggelt oder viele Liter dann deutet das drauf hin, aber wenn jemand 2 Liter für 2 Wochen mitnimmt ist durchaus im Rahmen. Immerhin sind die Preise wuchernd bei dem letzten Billigdreck. Man bestellt sich n Cuba Libre für 8,50 mit Billigcola und Bacardi.
    Auf der Karte stehen nur Jack, Jim und John Konsorten bei viel Glück mal n Jameson. Und dass für 4,50 á 0,4cl.
    Man muss ja nicht saufen bis zum umfallen aber den Abend aufm Schiff mitm schönen Rum oder Whisky abzuschließen ist doch schön.

    Scherrt doch nich alle über einen Kamm.

  2. Franz Neumeier on Juni 5, 2014 at 8:13 am

    @Domenik: Ich glaube, das “alle über den Kamm scheren” und dass das alles Alkoholiker seien, hast Du in den Text nur hinein interpretiert, denn das ist überhaupt nicht die Aussage des Textes ;-) Wir beschreiben nur, was passiert und wie die Leute das machen. Das “warum” muss jeder für sich selbst beantworten …

    Fakt ist halt einfach, dass die Reedereien in ihren AGB und damit als Bestandteil des Reisevertrags das Mitbringen von Alkohol an Bord nicht zulassen. Wer’s trotzdem tut, verstößt gegen den Reisevertrag. Dabei spielt juristisch keine Rolle, ob der einzelne für sich moralische Rechtfertigungsgründe (als zu hoch empfundene Preise an Bord) findet – dann darf er den Reisevertrag halt nicht abschließen.

    Leider schauen viele Kreuzfahrer bei der Buchung nur auf den (möglichst niedrigen) Reisepreis, weswegen die Reedereien um konkurrenzfähig zu bleiben, eine Mischkalkulation machen, dabei den Reisepreis möglichst niedrig halten (“subventionieren”) und sich das Geld, das sie für einen profitablen Betrieb brauchen, auf anderem Weg holen (z.B. über die Getränkepreise an Bord).

    Diese Bedingungen sind Bestandteil des Reisevertrags und nur so funktioniert das System für die Reedereien. Hebeln Passagiere in großem Umfang dieses System aus, indem sie ihren Alkohol mitbringen und an Bord nichts kaufen (und unterbinden die Reedereien das nicht), dann klappt das nicht mehr. Das wäre ein wenig so, als würde ich eine Flugreise in der billigen Economy buchen und mich im Flieger dann auf einen Business-Class-Sitz setzen, weil ich finde, dass die Business einfach zu teuer ist, ich aber trotzdem bequem fliegen will ;-) Die Economy-Preise funktionieren halt nur deshalb, weil man dafür schlechte Luft, mieses Essen und kaum Beinfreiheit als negative Bestandteile des Reisevertrags mit einkalkuliert.

  3. Rudi on August 26, 2014 at 9:01 pm

    Hallo, als ich bei meiner letzten Kreuzfahrt (Costa Pazifica) meine Koffer auspackte, fand ich im Nachtkästchen 4 leere Weinflaschen (deutsche Etiketten, die bei Costa nicht in der Weinkarte waren). Wie kamen die an Board? Werden die Koffer nicht kontrolliert?

  4. Franz Neumeier on September 15, 2014 at 9:52 am

    @Rudi: Sorry für die späte Rückmeldung – ich war ausnahmsweise selbst mal in Urlaub ;-)

    Grundsätzlich werden die Koffer und auch das Handgepäck kontrolliert, aber natürlich finden Passagiere, die es unbedingt wollen, auch immer einen Weg, Alkohol an Bord zu bringen. Denn einerseits kontrollieren die Reedereien zwar, andererseits können sie sich gegenüber ihren Kunden aber natürlich auch nicht wie die Großinquisitoren aufspielen, sodass schonmal was durchrutscht.

    Das habe ich kürzlich (unbeabsichtigt) sogar selbst geschafft – hatte bei der Einschiffung in Fort Lauderdale eine Flasche Rum im Rucksack und niemand hat etwas gesagt. Die war allerdings eh’ für zu Hause gedacht und nicht zum Trinken am Schiff ;-)

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