Anreise ohne Frust: ein kleiner Flug-Knigge

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Flieger voll? Ärger vorprogrammiert!

Flieger voll? Ärger vorprogrammiert! (Bild: Cha già José)

Die Anreise zur Kreuzfahrt ist der unangenehmste Teil. Vor allem bei Anreise mit dem Flugzeug schlägt man sich mit nerviger Warterei am Flughafen herum. Die Sicherheitskontrollen unterscheiden sich nur geringfügig von einer Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt. Und sitzt man im Flieger, kann man sich aber erst so richtig aufregen – über das Benehmen vieler Mitreisender, bei denen man sich wundert, wie sie es überhaupt bis zum Flughafen geschafft haben, ohne verprügelt zu werden.

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Freilich kann man’s gerade bei einem Kurzstreckenflug auch einfach locker nehmen, den Blick aus dem Fenster genießen und den unflätigen Pöbel rund um einen herum großzügig ignorieren. Dem Erholungswert des eigenen Urlaubs ist das jedenfalls am zuträglichsten. Bei einem Nachtflug zurück aus den USA hat freilich auch die Dehnfähigkeit der Nerven des geduldigsten Passagiers gewisse Grenzen …

Für alle, die gerne wissen möchten (oder partout nicht von selbst nicht draufkommen), wie man sich in einem Flugzeug idealerweise benimmt, hier die zehn wichtigsten Benimm-Regeln im Flugzeug und Tipps, wie man in Zukunft weniger giftige Blicke von Mitreisenden erntet:

1) Beim Einsteigen den Rucksack oder die große Handtasche möglichst seitlich tragen, damit selbige bei den schon sitzenden Passagieren auf den Gangplätzen besonders effektiv und hart einschlagen. Schließlich sitzen diese Leute ja auf einem Gangplatz, weil sie erschlagen werden wollen. Nein! Bitte Rucksack und große Taschen abnehmen und vor sich hertragen.

2) Auch wenn die Flughafenmitarbeiter es vormachen: Gepäck nicht mit Gewalt und möglichst viel Schwung in die schon belegten Ablagefächer knallen und pressen. Schon mal daran gedacht, dass Leute manche Dinge deshalb ins Handgepäck (und eben nicht ins aufgegebene Gepäck) tun, weil sie zerbrechlich sind?

3) Die Rückenlehne des Vordersitzes gehört? Richtig, dem Vordermann! Deshalb beim Aufstehen und Hinsetzen nicht an dessen Rückenlehne ziehen, sondern statt dessen auf den eigenen Armlehnen abstützen. Vor allem dann nicht, wenn er schläft. Übrigens: Auch sanfte Tritte in die Rückenlehne oder permanentes Hantieren in der Sitztssche nerven den Vordermann.

4) Und bitte, bitte: Schuhe anlassen. Muss ich wirklich erläutern, warum? Ich meine abgesehen davon, dass man im unwahrscheinlichen Falle eines Druckverlustes in der Kabine – sorry, falsches Tonband – also: im Falle einer Evakuierung des Fliegers ohne Schuhe ziemlich blöd dasteht (ausnahmsweise ernst gemeint, nicht ironisch!).

5) Beim Essen sollte man die eigene Rückenlehne senkrecht stellen, damit der Hintermann Platz zum Essen hat und seine “Pasta or Chicken” nicht mühseelig unter dem zurückgeklappten Sitz hervor angeln muss.

6) Und vor dem Zurücklehnen, bitte kontrollieren, dass hinten kein Laptop oder ein Getränk nahe an der Lehne steht. Getränk macht Sauerei beim Umfallen, Laptop-Bildschirm macht Krach-Kaputt beim schwungvollen Zurücklehnen. Den Schaden, der dabei entsteht, zahlt übrigens der Zurücklehner – das nur sicherheitshalber angemerkt. Auch vor dem gewaltigen Hineinplumsenlassen in den Sitz sollte man übrigens darauf achten, was auf dem Essenstablett dahinter steht – gleicher Effekt wie beim Sitzzurücklehnen!

7) Diese unsäglichen Armlehnen … würden Fluggesellschaften die doch bitte einfach abschaffen, dann gehörten die stundenlangen, erbittert geführten Kleinkriege mit den Ellbogen endlich der Vergangenheit angehören. Tipp Nr. 1 für ein friedliches Miteinander: Bei Dreierreihen gehören die beiden mittleren Armlehnen dem Passagier in der Mitte. Tipp Nr. 2: Armlehnen hochklappen gibt’s nur, wenn man den Sitznachbarn wirklich, wirklich gut kennt.

8) Die Lufthoheit ist besonders im Flieger heilig. Zeitunglesen ist okay, solange das im eigenen Luftraum stattfindet. Glatze kratzen des Vordermanns mit der Zeitung ist nicht drin, selbst wenn der seinen Sitz komplett zurücklehnt.

9) Ihre lauten Gespräche mit dem Kollegen interessieren die umsitzenden Passagiere nicht? Irrtum, die interessieren sich sogar brennend für Ihre Geschäftsgeheimnisse. Sie glauben gar nicht, wieviele Leute aus der gleichen Branche um Sie herumsitzen und mit den Information etwas anfangen können. Hinterher schreien Sie dann laut “Industriespionage” … Und wenn sie erst einmal anfangen, über die Assistentin des Chefs zu lästern, haben Sie anschließend garantiert 20 neue Follower bei Twitter, und zehn Freundschaftskündigungen bei Facebook.

10) Ein Tipp an Eltern, die mit kleinen Kindern unterwegs sind: Erziehung muss vor dem Flug stattfinden, nicht während. Ein Flugzeug ist der falsche Ort für Erziehungsmethoden wie “einfach schreien und am Boden zappeln lassen”. Vor allem nicht bei Nachtflügen auf denen die Mitreisenden – wie unverschämt und rücksichtslos von denen – schlafen wollen.

Übrigens: Klatschen nach der Landung ist eine der besten Gelegenheiten zum Fremdschämen. Tut niemandem weh, ist aber endlos peinlich. Vor allem, wenn der Pilot gerade besonders hart aufgesetzt hat. Er könnte das Klatschen glatt als Ironie missverstehen und die Passagiere anschließend beim Aussteigen eher säuerlich als freundlich anlächeln. Gegen ein freundliches “Dankeschön” im Vorbeigehen an die Crew spricht dagegen absolut nichts.

In diesem Sinne, einen guten Flug beim nächsten Mal wieder. Und wer’s gar nicht ertragen kann, dem sei zum Trost gesagt: Auch in der Business Class gibt’s nervige Kinder, die die ganze Nacht hindurch quengeln. Und auch in der Business Class gibt’s Leute, die meinen, ihre Schuhe ausziehen zu müssen. Upgrade bringt als auch nicht wirklich viel, zumindest nicht in dieser Hinsicht. Dann lieber gleich Bahnfahren. Mit den netten Besoffenen vom Kegelclub aus Irgendwo gleich am Tisch nebenan.

(Bild: Cha già JoséCreative Commons Lizenz 2.0 – Attribution – Share Alike)

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8 Kommentare zu Anreise ohne Frust: ein kleiner Flug-Knigge

  1. Alexander Mühlenburg on August 11, 2011 at 6:20 pm

    Die Crews werden’s Dir danken. By the way, eine harte Landung ist eine sichere und damit gute Landung, alle weichen sind für die Galerie und eher unsicher.

  2. Franz Neumeier on August 11, 2011 at 6:34 pm

    @Alexander: Wieder was gelernt. Ich dachte bislang, dass eine einigermaßen sanfte Landung quai die Kür für jeden Piloten ist. Da sieht man, dass ich mich mit Schiffen halt doch besser auskenne als mit der Fliegerei ;-)

  3. Marita on August 25, 2011 at 3:46 pm

    Wozu gibt es dann eigentlich die langen warmen Strümpfe, wenn man die Schuhe nicht ausziehen darf?

  4. Franz Neumeier on August 25, 2011 at 4:17 pm

    @Marita: Eigentlich spricht gar nichts gegen Schuhe ausziehen, wenn man Socken anhat oder zusätzlich Flugsocken drüberzieht.

    Aber abscheinend riechen viele Leute ihre eigenen Füße nicht, obwohl sie zum Himmel stinken. Ich habe schon zu oft erlebt, dass Leute mit ordentlichen Käsefüßen ganz großzügig ihre Schuhe ausziehen, kaum dass sie an ihrem Platz angekommen sind und dann – teils sogar die nackten – Füße auch noch halb zwischen den Sitzen hindurch auf der Armlehne des Vordermanns ablegen. Hauptsache bequem …

  5. Moni on August 30, 2011 at 3:28 pm

    Spitzenklasse, der Artikel. Absolut treffende Bemerkungen. Aber es fehlt noch was:
    – Beim Einsteigen den in der Schlange Wartenden so viel Zeit wie möglich in frischer Zugluft stehend gönnen. Den Schritt zur Seite in die Sitzreihe vermeiden. Die während des Fluges benötigten Utensilien im Handgepäck nur umständlich unauffindbar verstauen. Im Flugzeug bleibt genug Zeit zum Hantieren an der Gepäckablage.
    Anmerkung: manchmal denke ich, die Leute haben Angst jemand wolle ihren Sitz streitig machen. Nur in fast leeren Flugzeugen rückt vielleicht mal jemand zur Seite um nachfolgenden Personen Platz zu machen. Ein Phänomen: im Zug nämlich macht es fast jede/r.

    – Tipp für Männer im Mittelsitz 3-er Reihe: beide Armlehnen gehören Ihnen sowie der halbe Raum Ihrer Nachbarin. Zierliche Damen benötigen logischerweise weniger Platz, auch wenn sie den denselben Preis bezahlt haben. Lassen Sie Ihre Beine entspannt auseinander fallen und den Kopf beim Schlafen zur Seite sinken, denn Frauen lieben Berührung und engen Kontakt mit fremden Männer. Und keine Hemmungen: kräftiges Schnarchen betont Ihre Männlichkeit.

    Mir ist klar daß mir der männliche Zorn gewiß ist. Fact ist, und ich bin in 40 Jahren schon viel geflogen: noch nie hab ich erlebt daß eine weibliche Sitznachbarin so besitzergreifend ist wie es offenbar für Männer selbstverständlich ist. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel. Nach meiner Erfahrung ist es in der Economy keine Übertreibung. Graus bei vollbesetzen Nachtflügen ständig männliche Köpfe von der Schulter schubsen zu müssen. Die Menschen werden halt immer größer und kräftiger, der sitzabstand selbst bei Linienfliegern so eng, daß selbst zierliche Personen sich besorgt sagen müssen: bloß kein Kilo mehr zunehmen. Früher freute man sich auf den Flug, heute braucht man starke Nerven oder das Geld für die Business Class.

  6. Franz Neumeier on August 30, 2011 at 3:59 pm

    @Moni: Ganz lieben Dank für die Ergänzungen, die ich – obwohl Mann – absolut unterschreiben kann. Übrigens hat man auch als Mann nahezu dieselben Probleme mit männlichen Sitznachbarn. Ich finde nur, dass es trotz allem eher die Ausnahmen sind, die sich so mies benehmen. Blöderweise sitze ich trotzdem meistens neben solchen Ausnahmen ;-)

    Ist Dir übrigens auch schon aufgefallen, dass das Phänomen, im Gang stehen zu bleiben und nicht weiterzugehen, besonders dann auftritt, wenn man mit dem Bus zum Flieger fährt und es draußen regnet?

  7. Thorsten on September 7, 2011 at 3:25 pm

    Oh ja das kenn ich auch!
    Ich bin gestern von München nach Hamburg geflogen und hatte nur Pech. Obwohl die Dame am Check-In extra, die einzelnen Flugabteile nacheinander aufgerufen hat, gibt es ja doch immer wieder die Experten die sofort ins Flugzeug sprinten, obwohl ihr Platz ganz vorne ist, sodass alle Anderen darauf warten können, dass diese Person ihr Handgepäck verstaut und Platz genommen hat, bis wir dann auch auf unsere Plätze kommen. Riesen Chaos für nichts!

  8. Gilbert Ringsdorf on September 29, 2011 at 7:02 am

    Kurz nach dem hoffentlich guten Flug kommt immer noch eins.
    Die Gepäckrückgabe. Sehr cool wenn bei 150 – 300 Fluggästen
    alle bis auf 5 cm an die Gepäckbänder drängen, den Gepäckwagen
    dazwischenzwängen der an den Rand der Bandanlage stößt, oder
    die ganz wichtigen die schon mit einem Fuß auf dem Rahmen flözen.
    Und die die schon mal den ersten Koffer zurück haben den auch erst mal ganz vorne deponieren. Das sind die ersten die sich aufregen wenn man aus der zweiten oder dritten Reihe höflich nach vorne fragt, “darf ich bitte, mein Koffer kommt gerade” und
    dann mit seinem Koffer wieder dezent nach hinten verschwindet,
    bekommt man noch so einen kollegialen Schupser. Dabei wäre es so übersichtlich und angenehm für jeden, blieben alle erst mal so zwei drei Meter vom Band zurück, wenn der Koffer kommt tritt man vor nimmt ihn und geht wieder zurück. So bleibt die Sicht für alle frei, es gibt kein gedränge und geschupse, – es wäre einfach nur entspannend. Stress käme dann echt nur auf, wenn ein
    Gepäckstück mal wirklich nicht kommt.

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