Big Business: So viel verdienen die Häfen an Kreuzfahrtschiffen

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Kreuzfahrtschiffe: Hundertausende Euro Umsatz je Hafen-Anlauf

Kreuzfahrtschiffe: Hundertausende Euro Umsatz je Hafen-Anlauf

Kreuzfahrt ist „Big Business“, aber die die Dimensionen kann man sich als Passagier nur schwer vorstellen. Eine Studie der Universität Genua zusammen mit Royal Caribbean zeigt jetzt besonders anschaulich, wie viel eine Region schon von einem einzigen Kreuzfahrtschiff-Anlauf profitiert und wie viel Geld auch die Passagiere durchschnittlich in jedem Hafen ausgeben. Unter anderem hat die Wirtschaftsfakultät der Uni Genua dafür von Juli bis September 2011 die Passagiere der Mariner of the Seas direkt befragt.

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Die Studie erfasst dabei nicht nur den Umsatz der Reedereien selbst. Auch die Hafenstädte, in denen die Kreuzfahrtschiffe anlegen oder gar einen Passagierwechsel durchführen, profitieren von der Kreuzfahrt enorm. Die entsprechenden Zahlen hat die Uni Genua ebenfalls erfasst. Die Häfen verdienen dabei nicht nur an den Gebühren für Anleger, Terminalnutzung und Lotsen. Auch die Hafenstädte und die lokale Wirtschaft profitiert, wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt: Hafenagenten, Flughafen, Taxi- und Busunternehmer, Restaurants, Hotels, Souvenirhändler und viele mehr.

856.000 Euro je Hafenstopp

Die Zahlen sind imposant: Je Hafenstopp des 3.114-Passagiere-Schiffs Mariner of the Seas blieben allein durch direkte Ausgaben der Reederei rund 56.000 Euro in Genua, über die ganze Saison mit sieben Anläufen also etwa 395.000 Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 800.000 Euro durch individuelle Ausgaben der Passagiere je Hafenstopp. Jeder Anlauf der Mariner of the Seas brachte der Wirtschaft in Genua also einen Umsatz von beeindruckenden 856.000 Euro.

Die Mariner of the Seas hatte auf dieser Route 2011 Teil-Passagierwechsel in Genua und Civitavecchia durchgeführt, sodass die Wissenschaftler in der Studie sowohl Passagiere erfassen konnte, die in Genua zugestiegen waren (insgesamt 8.900 Passagiere) als auch solche, die in Genua lediglich einen Landgang als Zwischenstopp hatten (15.600). 2.500 davon hatten einen Landausflug gebucht, 13.100 unternahm an einen Landgang auf eigene Faust. Auch hier liefert die Studie also quasi nebenbei sehr interessante Zahlen, was den Anteil der über die Reederei gebuchten Landausflüge angeht.

Ausgaben der Passagiere

Passagiere, die in Genua einstiegen, gaben im Schnitt rund 85 Euro an Land aus, blieben sie vor oder nach der Kreuzfahrt noch eine Nacht im Hotel, waren es sogar 194 Euro.

Passagiere, die ihren Landgang selbst organisierten, ließen durchschnittlich 40 Euro in Genua.

Diejenigen, die mit einem organisierten Landausflug unterwegs waren, gaben mit 25 Euro augenscheinlich am wenigsten aus. Allerdings profitierten die lokalen Ausflugsanbieter mit etwa noch einmal demselben Betrag von diesen Passagieren über die Ausflugspreise, die sie indirekt über die Reedereien einnahmen.

Passagiere auf organisierten Landausflügen sind also geringfügig attraktiver für die Hafenstadt als individuelle Landausflügler.

Werbewirkung der Kreuzfahrt-Anläufe

Die Studie der Universität Genua ging aber noch einen Schritt weiter: Sie untersuchte auch, welche Werbewirkung und damit langfristige Auswirkungen die Anläufe der Mariner of the Seas für die Region um Genua bringen. Dabei ermittelten die Forscher, dass allein die Werbemaßnahmen von Royal Caribean beispielsweise in ihren Katalogen und auf der Website rund zwei Millionen Menschen erreicht – und damit indirekt auch das Marketing für die Urlaubsregion Genua unterstützt.

Eine Zufriedenheitsbefragung unter den Mariner-of-the-Seas-Passagieren zeigt außerdem, dass die meisten Passagiere Freunden und Verwandten von Genua erzählen würde – marketingtechnisch gesehen also als „Multiplikatoren“ zählen und dabei helfen, Genua bekannter zu machen.

In der Kombination aus Werbewirkung durch Royal Caribbean selbst und die Mundpropaganda der Passagiere errechneten die Wissenschaftler der Uni Genua, dass die sieben Anläufe der Mariner of the Seas 2011 annähernd 2,5 Millionen Menschen zusätzliche „Kontakte“ entstanden sind – eine für das Marketing wichtige Kennzahl. Denn je mehr Kontakte generiert werden, desto wahrscheinlich ist es, dass ein Urlauber irgendwann einmal tatsächlich Genua als Urlaubsziel einplant.

Fazit

Die Untersuchungen der Universität Genua zeigen eindrucksvoll, welche enormen wirtschaftlichen Auswirkungen schon ein einziger Anlauf eines Kreuzfahrtschiffs für eine Region haben kann und auch welche langfristige Werbewirkung dadurch entsteht. Die Zahlen erklären, warum Hafenstädte oft sehr viel Geld in den Ausbau von Kreuzfahrtterminals investieren in der Hoffnung, mehr von dem großen Kuchen der Kreuzfahrtindustrie abzubekommen. Die Zahlen zeigen aber auch, welche finanzielle Macht die Reedereien bei Verhandlungen mit Kreuzfahrthäfen ausspielen können – insbesondere wenn es um bislang seltener angefahrene Häfen geht.

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4 Kommentare zu Big Business: So viel verdienen die Häfen an Kreuzfahrtschiffen

  1. Peggy Günther on Juni 4, 2012 at 1:10 pm

    Spannende Zahlen! Aber wie können bei 3.114 Passagieren 800.000 Euro Ausgaben pro Anlauf zusammenkommen? Dann müsste ja jeder 257 Euro ausgeben, was deutlich mehr als 25, 85 und 194 Euro ist…

  2. Franz Neumeier on Juni 4, 2012 at 1:21 pm

    Die 25, 85 und 194 Euro sind die direkten Ausgaben der Passagiere an Land. Bei den 800.000 Euro sind, wenn ich die Studie richtig verstanden habe, auch die Ausgaben eingerechnet, die indirekt über die Reederei fließen, also z.B. organisierte Landausflüge.

  3. Carl on Juni 6, 2012 at 2:20 am

    Nun, man muss aber auch dagegen rechnen, was die Behörden aufwenden müssen, wie den Hafen instand zu halten, die Polizei und alle anderen Kosten.

  4. Franz Neumeier on Juni 6, 2012 at 7:00 am

    @Carl: Klar, wir reden hier von Umsatz, nicht von Gewinn. Aber Umsatz schafft Arbeitplätze, selbst wenn der Gewinn nur geringfügig sein sollte, und bringt Steuereinnahmen.

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