Carnival Triumph ist nicht das ekligste Schiff auf See!

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Brian David Bruns kommentiert die Rückkunft der Carnival Triumph nach Alabama

CNN-Interview zur Carnival Triumph: Brian David Bruns

Die Carnival Triumph ist nach entbehrungsreichen Tagen auf See sicher in den Hafen zurückgekehrt. Worüber ich mich wirklich gefreut habe: Während der intensiven Medienberichterstattung auf CNN und anderer Fernsehstationen, in die ich ebenfalls eingebunden war, haben alle Passagiere einhellig die unermüdliche, harte Arbeit und positive Einstellung der Crew gelobt. Es gab viele Horrorgeschichten über die Hygienezustände an Bord des manövrierunfähigen Schiffs. Aber leider gibt es das auch abseits von solchen Unglücksfällen.

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Erlauben Sie mir, dass ich ein wenig von einem in dieser Hinsicht besonders unappetitlichen Schiff erzähle, auf dem ich für einige Monate gearbeitet habe. Wir, die Crew, ertragen solche Zustände nämlich häufig für Sie, liebe Passagiere.

Eklige Zustände gibt es auf Kreuzfahrtschiffen oft. Nein, ich meine nicht die ständige Bedrohung durch Darmbakterien an den Buffets, so grausig das sein mag. Ich rede von dem, was sich unterhalb der Wasserlinie abspielt. Aber ich rede auch nicht vom öligen, schleimigen Bilge-Wasser. Ich spreche vom alltäglichen Leben auf den Crew-Decks.

Die Carnival Triumph machte eben erst Schlagzeilen, weil durch ein Feuer der Antrieb ausfiel, es kaum fließendes Wasser gab, wenig elektrischer Strom zur Verfügung stand und die sanitären Einrichtungen völlig ausfielen. Ein Passagiere berichtete von „Abwasser, das an Wänden und Böden herumfloss“ und sagte, die Passagiere hätten ihr großes Geschäft in Plastiktüten erledigen und in die Duschen pinkeln müssen, weil die Toilettenspülung nicht funktionierte.

Brian David Bruns

cruisetricks.de-Gastautor Brian David Bruns ist der Autor der US-Bestseller-Reihe “Cruise Confidential” und sorgt mit seinem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen von Kreuzfahrtschiffen für Aufsehen.

Verständlicherweise schockiert so etwas die Passagiere, wenn man bedenkt, wie selten Sie in ihrem Leben mit einer solchen Notlage konfrontiert sind. Aber die Crew hat damit täglich zu tun. Allerdings tut sich die Crew das selbst an.

Crewmitglieder dürfen grundsätzlich kein Essen mit in ihre Kabine nehmen, weil es unweigerlich in den Toiletten endet. Denn wie beseitigt man die Beweise für einen eingeschmuggelten Mitternachtssnack? Man spült ihn die Toilette hinunter. Schließlich gibt es sechs Meter unter dem Meeresspiegel keine Bullaugen, durch die man die Essensreste schnell hinaus werfen könnte. Unglücklicherweise sind sie Toiletten auf einem Schiff sehr, sehr empfindlich. Ganz im Gegensatz zur Crew.

Als ich auf einem etwas kleineren, älteren Schiff einer anderen Reederei arbeitete, verstopften Fischgräten das Abwasser mit solcher Regelmäßigkeit, dass der gesamte hintere Bereich des Crewdecks nach Fäkalien roch. Und das war genau dort, wo auch die Crew-Küche und die Crew-Messe lag!

Seltsamerweise benutzten viele Crewmitglieder die Toilettenspülung ausschließlich dann, wenn sie die Essens-Beweismittel verschwinden lassen wollten. Das lässt sich teilweise durch die große Vielfalt der Herkunftsländer der Crew erklären. Hygiene-Standards unterscheiden sich drastisch von Land zu Land und in einigen Entwicklungsländern gibt es quasi überhaupt keine Hygienestandards. Und von dort kommen eben die meisten Menschen, die von der Kreuzfahrt-Industrie als Arbeitskräfte angeheuert werden.

Natürlich bekommt jedes neue Crew-Mitglied die Anforderungen an die Hygiene-Standards der Ersten Welt genau erklärt. Die Leute bekommen die Anweisung, sich täglich zu waschen und Deo zu benutzen, ob sie es nun „brauchen“ oder nicht. Viele nehmen das auch an. Aber wenn man mindestens 80 Stunden pro Woche ohne einen freien Tag zehn Monate lang am Stück arbeitet, verschieben sich schonmal die Schwerpunkte.

Auf besagten Kreuzfahrtschiff lebten diese Männer in kleinen Mehrbett-Kabinen entlang des Haupt-Korridors, der zur Crew-Messe führte. Dazwischen lagen Gemeinschaftsduschen und Toiletten. Alles war überfüllt, alles stank. Und es war erdrückend heiß. Weil die Klimaanlage recht unregelmäßig funktionierte, standen ständig alle Türen offen.

Dreimal täglich, auf dem Weg zu jeder Mahlzeit, lief ich an Dutzenden überarbeiteter Zombies vorbei, die sich gerade direkt neben den bis zum Rand gefüllten Toilettenschüsseln die Zähne putzten. Der wirklich perfekte Appetitanreger, um eine Mahlzeit direkt neben einer Latrine zu genießen.

All das lernte ich auf dramatische Weise kennen, nachdem ich auf besagtem Schiff als Junior Officer angeheuert hatte. Ich überraschte einen Mann in der für Offiziere typischen, weißen Kleidung, wie der sich über meinen Schreibtisch beugte und dessen Inhalt durchsuchte. Auch wenn es auf Kreuzfahrtschiffen so etwas wie Privatsphäre nicht wirklich gibt, hatte ich zumindest in meiner eigenen Kabine ein wenig davon erwartet. Als der Mann mich eintreten hörte, schloss er schnell die Schublade und blaffte: „Kabinen-Inspektion. Mir wurde berichtet, dass Sie regelmäßig den Room-Service nutzen. Das ist hochgradig unangemessen und darf nicht mehr vorkommen. Wir haben schon ein Küchenschaben-Problem am Achterdeck und ich werde nicht zulassen, dass sich das auf diesen Bereich des Schiffs ausbreitet.“

Er schob mich sofort zur Seite, um meine Dusche zu untersuchen, sodass ich nicht einmal Zeit hatte zu erklären, dass ich eben erst auf dem Schiff angekommen war. Nachdem Kabinen-Inspektionen üblicherweise von den Abteilungsleitern durchgeführt werden und ich selbst Abteilungsleiter war, wurde mir plötzlich klar, dass der Mann, der gerade mein Badezimmer durchsuchte, nach dem Kapitän der zweitmächtigste Mann am Schiff sein musste! Er schlug den Toilettendeckel mit einem Knall zu, während er versuchte, seine Enttäuschung hinter einer professionell anmutenden Ruhe zu verbergen. Aber sein Gesichtsausdruck verriet ihn.

„Keine Fisch-Gräten“, sagte ich fröhlich. Er starte mich zornig an und antwortete: „Ich suche einen Schuh.“

„Schuhe?“, fragte ich verwundert. Er korrigiert mich scharf: „Einen Schuh! Das Abwasssersystem am gesamten Schiff ist blockiert, weil ein Crewmitglied heute Morgen einen Schuh in der Toilette heruntergespült hat.“

(Diese Geschichte stammt aus Brian David Bruns’ Buch “Ship for Brains: Cruise Confidential 2“.)

Anmerkung: “Cruise Confidential”-Bestsellerautor Brian David Bruns schreibt regelmäßig Gastbeiträge für cruisetricks.de, in deutscher Übersetzung exklusiv.

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Ein Kommentar zu Carnival Triumph ist nicht das ekligste Schiff auf See!

  1. Mani on April 10, 2014 at 12:37 pm

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

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