Costa Concordia: Kapitän Schettino zu 16 Jahren verurteilt

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Costa Concordia (Bild: Laurent de Pierrefeu, CC BY-ND 2.0)
Costa Concordia (Bild: Laurent de Pierrefeu, CC BY-ND 2.0)

Francesco Schettino, Kapitän des am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio verunglückten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, muss voraussichtlich für 16 Jahre und Gefängnis. So lautet das Urteil des Strafgerichts in Grosseto in einem der aufsehenerregendsten Prozesse der vergangenen Jahre. Es wird allerdings erwartet, dass Schettino über seinen Anwalt Berufung gegen das Urteil einlegen wird. Das Gericht ordnete außerdem Schadensersatz-Zahlungen an diverse Nebenklärer an, die Costa und Schettino gemeinsam leisten sollen.

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Laut de italienischen Nachrichtenagentur ANSA umfasst das Urteil folgende Strafen im Detail: ein Jahr für das vorzeitige Verlassen des Schiffs, fünf Jahre für den Unfall selbst und zehn Jahre für Totschlag und fahrlässige Tötung sowie eine Sperre von fünf Jahre, in denen der ehemalige Concordia-Kapitän kein Schiff führen darf. Ob Schettino allerdings noch einmal eine Reederei finden würde, die ihm das Kommando eines Schiffs anvertraut, ist wohl mehr als fraglich.

Das Gericht ordnete außerdem Schadensersatz-Zahlungen an die Nebenkläger in dem Prozess an, die Costa und Kapitän Schettino gemeinsam aufbringen müssen: 1,5 Millionen Euro sollen an das italienische Umweltministerium gezahlt werden, 1 Million Euro an das Ministeratspräsidium (eine dem Ministerpräsidenten Italiens zugeordnete Behörde), 500.000 Euro ans Zivilschutz-Ministerium und 300.000 Euro an die Gemeinde Giglio. Außerdem sollen diverse Nebenklärger, darunter Opfer-Angehörige und die moldavische Tänzerin Domnica Cemortan jeweils 30.000 Euro bekommen.

Schettino hält sich für unschuldig

Schettino hatte während des Verfahrens immer wieder seine Unschuld beteuert und sich als Held dargestellt, der nach dem Unglück durch sein vorgeblich besonnenes Verhalten viele Menschenleben gerettet habe. Er hatte versucht, die Schuld an der Katastrophe auf seine Mitarbeiter abzuwälzen – beispielsweise den aus Indonesien stammenden Steuermann, der seine Befehle falsch ausgeführt habe. Zudem fühlt sich Schettino von Costa in Stich gelassen und zum Sündenbock gemacht.

Zum Abschluss des Prozesses plädierte Schettinos Anwalt daher auf Freispruch. In seinem Schlusswort sagte der Unglückskapitän: „An diesem 13. Januar 2012 bin auch ich zum Teil gestorben.“

Die Staatsanwaltschaft hatte kurz vor Prozess-Ende im Gerichtssaal klar gemacht, dass sie auch bei Costa selbst eine Mitschuld sehe – die freilich in dem Verfahren nicht zur Debatte stand. Die Anwälte des Kreuzfahrtunternehmens hatten nach diesem Äußerungen der Staatsanwaltschaft aus Protest den Gerichtssaal verlassen und sich gegen die Unterstellung verwehrt, Costa hätte ein solches Unglück vorhersehen können.

Kapitän Francesco Schettino musste sich seit dem 9. Juli 2013 vor dem Strafgericht in Grosseto unter anderem wegen Totschlags und des vorzeitigen Verlassen des havarierten Kreuzfahrtschiffs verantworten.

Weitere Schuldige: Deals und Strafzahlungen

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt zwölf Costa-Mitarbeiter und Besatzungsmitglieder ermittelt, letztlich hatte sich aber der Verdacht bei sechs von ihnen im Laufe der Ermittlungen nicht erhärtet.

Costa-Krisenmanager Roberto Ferrarini, Staff Captain Ciro Ambrosio, Steuermann Jacob Rusli, Dritte Offizierin Silvia Coronica sowie Hoteldirektor Manrico Giampedroni wurden im Rahmen eines Deals mit der Staatsanwaltschaft im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis ohne aufwändiges Gerichtsverfahren zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Für Kapitän Schettino hatte die Staatsanwaltschaft einen ähnlichen Deal jedoch abgelehnt, sodass er sich als Einziger der für die Katastrophe mutmaßlich Verantwortlichen einem umfänglichen Gerichtsverfahren stellen musste.

Costa selbst hat eine strafrechtliche Verfolgung im April 2013 gegen eine Geldstrafe von einer Million Euro abgewendet – dem gesetzlich vorgesehen Höchstbetrag für solche Fälle. Zivilrechtliche Ansprüche gegen Costa, also vor allem Schadensersatzforderungen, sind davon nicht berührt. Eine Besonderheit des italienischen Strafrechts sieht vor, dass auch Unternehmen eine strafrechtliche Mitverantwortung für das Handeln ihrer Mitarbeiter haben können. In den Rechtssystemen der meisten anderen Länder dieser Welt können nur auf natürliche Personen strafrechtlich belangt werden.

Schadenersatz-Klagen

Noch viele Jahre hinziehen werden sich wohl diverse Schadensersatzklagen gegen Costa. Wie Seereisenportal.de schreibt, fordert unter anderem die Inselverwaltung von Giglio 200 Millionen Euro, die Inselbewohner zusammen noch einmal 20 Millionen Euro. Das Umweltministerium der Region Toskana will 222,8 Millionen Euro und 330 Passagiere fordern jeweils 1 Million Euro. Die meisten Passagiere der Costa Concordia hatten dagegen die Costa pauschal angebotenen 11.000 Euro pro betroffenen Passagier als Entschädigung akzeptiert.

Ungemach könnte Costa auch aus der Richtung von Verbraucherschutzverbänden noch drohen: Codancons beispielsweise will juristisch gegen Costa vorgehen wegen möglicher Urkundenfälschung in Bezug auf Dokumente über die Wartung von Rettungseinrichtungen an Bord der Costa Concordia. Costa hat solche Vorwürfe allerdings immer als falsch zurückgewiesen.

Und auch die moldawische Tänzerin Domnica Cemortan, die eine Affäre mit Kapitän Schettino gehabt hatte und mit Schettino zusammen war, als das Unglück passierte, will Geld: Sie fordert 200.000 Euro für erlittene psychische Schäden sowie die Rufschädigung, die vor allem durch die Medienberichterstattung über sie entstanden sei.

Die Costa-Concordia-Katastrophe

Bei der Schiffs-Katastrophe der Costa Concordia sind 2012 in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 32 Menschen gestorben, darunter zwölf Deutsche. Die Suche nach den Vermissten dauerte mehrere Wochen. Die sterblichen Überreste des letzten noch vermissten Opfers, dem aus Indien stammenden Crewmitglied Russel Rebello, wurden erst Anfang November 2014 während der Abbruch-Arbeiten der Costa Concordia in Genua gefunden.

4.197 Menschen konnten sich von der Costa Concordia retten und überlebten das Unglück. An Bord der Costa Concordia waren in der Unglücksnacht insgesamt 4.229 Menschen – 3.206 Passagiere und 1.023 Crew-Mitglieder.

Alle Details zu dem Unglück haben wir ein Jahr nach der Katastrophe in unserem Beitrag „Costa Concordia – ein Jahr nach der Katastrophe“  zusammengefasst.

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2 Kommentare zu Costa Concordia: Kapitän Schettino zu 16 Jahren verurteilt

  1. Thomas Niekamp on Februar 11, 2015 at 10:40 pm

    Das Urteil ist zugleich eine ganz klare Warung für die gesammt Kreuzfahrt-Industrie. Das alle Menschen die Verantwortung auf einen Kreuzfahrtschiff haben genauestens überlegen welche Entscheidungen sie treffen und welche Konsequenzen es haben kann wenn grobe Fehler gemacht werden die zu so einer Katastrophe führen.

  2. Amalia H. on Februar 12, 2015 at 11:08 am

    Endlich kam es mal zu einem Urteil und das Schettino sich für unschuldig hält war doch klar.

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