Costa Concordia soll im September aufgerichtet werden

(aktualisiert - News vom 08.09.2013) von
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Es ist die wohl teuerste, aufwändigste und spektakulärste Schiffsbergung aller Zeiten: Ende September soll die verunglückte Costa Concordia aufgerichtet werden. Die beiden Bergungsfirmen Micoperi und Titan Salvage haben die Vorbereitungsarbeiten nahezu abgeschlossen und am Freitag gaben auch die italienischen Behörden grünes Licht.

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Update: Der Termin wurde auf Montag, 16. September festgesetzt, die Aktion soll um 6 Uhr morgens beginnen. mitverfolgen lässt sich die Aktion über diverse Live-Webcams, zudem werden zahlreiche TV-Stationen vor Ort sein und wohl teils auch live von Giglio berichten.

Als Termin-Rahmen für das „Parbuckling“, also das Aufrichten des umgekippten Kreuzfahrtschiffs, gelten laut dem italienischen Umweltministerium die Tage vom 20. bis 23. September als wahrscheinlich, die italienische Zeitung La Repubblica zitiert Quellen auf Giglio, die bereits eine Termin im Zeitraum von 16. bis 26. September für möglich halten. Der genaue Zeitpunkt hängt vor allem von den See- und Wetterkonditionen ab.

Bei der Operation muss das havarierte Kreuzfahrtschiff um 65 Grad um seine Längsachse gedreht werden. Dazu wurden unter anderem große Wassertanks an der oben liegenden Schiffswand angeschweißt, die langsam vollgepumpt werden sollen, um ausreichend Gegengewicht zu schaffen, um das Schiff drehen zu können. Dabei wird die Costa Concordia von zahllosen Stahltrossen und Ketten und mit Hilfe von elf künstlich errichteten Türmen gestützt und gehalten. 36 ferngesteuerte Hydraulik-Vorrichtungen sollen das Schiff an Stahlseilen langsam aufrichten und auf einer unter dem Schiff angebrachten Plattform zum Stehen bringen. Der Vorgang soll insgesamt rund zehn bis zwölf Stunden dauern. Alle Details zur Bergung der Costa Concordia liefert die Website The Parbuckling Project.

Nach dem Aufrichten soll die Costa Concordia übrigens erst einmal über den Winter auf der künstlichen Plattform stehen bleiben, bevor sie im Frühjahr 2014 dann wieder schwimmfähig gemacht und letztlich zum Verschrotten geschleppt werden soll.

Risiken und Zweifel

Selbst die Bergungsfirmen selbst räumen ein, dass das “Parbuckling” trotz aller Berechnungen und Planungen nicht ohne Restrisiken sei. So wisse man beispielsweise nicht genau, wie sehr die im Wasser liegende Seite des Schiffs sich in den eineinhalb Jahren unter Wasser verändert habe. Die Bauteile seien ursprünglich nicht für so starke Belastungen konstruiert worden, wie sie beim Aufrichten des Schiffs entstünden. Man wisse allerdings beispielsweise, dass der Schiffsrumpf schon jetzt rund drei Meter zusammengepresst worden sei. Auch deshalb ist es wohl wichtig, das die Aktion auf Anhieb gelinge – damit die Teile es Schiff unter Wasser nicht noch weiter geschädigt werden.

Weltweites Medien-Event

Für das „Parbuckling“ werden Journalisten und Fernseh-Teams aus aller Welt erwartet. Während des Aufrichtens des Schiffs soll der Luftraum übe der Region gesperrt, eine Sperrzone im Meer rund um die Unglückstellt eingerichtet und der Fährverkehr von und nach Giglio für zwölf Stunden eingestellt werden.

Die Concordia-Katastrophe

Die Costa Concordia war am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen aufgelaufen, gekentert und gesunken. 32 Passagiere und Crew-Mitglieder kamen bei der Katastrophe ums Leben, darunter auch zwölf Deutsche. 4.197 Menschen konnten sich lebend von dem havarierten Schiff retten. Zwei der 32 umgekommenen Menschen werden nach wie vor vermisst. Die Behörden hoffen, diese beiden Opfer der Katastrophe jetzt noch zu finden. Die Suche nach den beiden verbleibenden Opfern soll nach dem Aufrichten des Unglücksschiffs wieder aufgenommen werden.

Etwa zur selben Zeit, zu der das Aufrichten der Costa Concordia geplant ist, geht übrigens auch der Prozess gegen den Concordia-Kapitän Francesco Schettino weiter. Am 23 .September ist der nächste Verhandlungstag angesetzt.

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4 Kommentare zu Costa Concordia soll im September aufgerichtet werden

  1. grillbert on September 8, 2013 at 6:42 pm

    Ich bin sicher, dass die von vielen Medien beschriebene Bergung der CC. so nicht funktionieren kann.
    1.) Die schweren Wassertanks, die an der Bb.-Bordwand befestigt werden, unter Umständen beim Befüllen mit Wasser die Bordwand eindrücken und das Schiff noch stärker beschädigen.

    2.) Falls das doch gelingen sollte, wird bei dem Versuch das Schiff mit Kranen aufzurichten, ab einem bestimmten Drehwinkel ein dermaßen hohes Drehmoment (hervorgerufen durch die einseitig angebrachten Wassertanks) entstehen, dass das weitere Aufrichten auße Kontrolle gerät und ein “turn over” Effekt entsteht, der das Schiff mit einer enormen Wucht auf die Kranschiffe wirft. Auch wenn man mit hydraulisch (gleichmäßig gespannten) Stahltrossen dem Drehmoment entgegen wirken möchte, wird das nur funktionieren, wenn alle Haltepunkte (sowohl am Schiff als auch an Land) halten und die Berechnungen stimmen.
    Das Hauptproblem ist, etwas in der Größenordnung hat noch nie jemand gemacht !
    Das beste Beispiel ist der Brückenbau. Da hat man mit kleinen Brücken begonnen und hat nach und nach auf den Erfahrungen der Vorgänger aufgebaut. Wirklich berechnen lässt sich sowas nicht.
    Es sind im Grunde Erfahrungswete.
    Das Schlimmste aber ist, an solchen Projekten haben zuviele etwas zu sagen.
    Red Adair, der Feuerteufel aus Texas, hätte niemals diese Erfolge gehabt, wenn ihm alle möglichen Leute hineinreden hätten dürfen.

    Ich hätte niemals versucht das Schiff auf diese Art zu bergen.
    Festmachen mittels Stahltrossen an Land ok. Unterbau, unter der Wasserlinie wahrscheilich auch, aber dann nach einem bestimmten komplizierten Modus ausschäumen der Innenräume, oberhalb der normalen Wasserlinie, oder auch knapp darunter. Damit könnte das Schiff fast ohne Kranassistenz aufgerichtet werden.
    Dabei müssten natürlich auch die jetzt trockenen Räume, die oberhalb der gegenwärtigen Wasserlinie liegen, ausgeschäumt werden, um beim Aufschwimmen des Schiffes und einem überdrehen in die Gegenrichtung, zu verhindern, dass diese Räume geflutet werden.

  2. Franz Neumeier on September 9, 2013 at 7:01 am

    Ich würde empfehlen, die Beschreibung des Projekts in der Original-Quelle bei “The Parbuckling Project” nachzulesen. Es handelt sich um eine hoch komplexe Operation, die man in ein paar Zeilen in einem solchen Bericht wie diesem hier nie auch nur annähernd korrekt beschreiben, sondern nur holzschnittartig umreißen kann um grobe eine Vorstellung davon zu geben, die die Bergungsaktion ungefähr vonstatten gehen soll.

    @grillbert: Ähnliche Bedenken wurden auch von Experten schon vor vielen Monaten geäußert. Da es sich bei den Bergungsfirmen um sehr erfahrene Spezialisten handelt, bin ich mir sicher, dass die genannten Aspekte berücksichtigt wurden und sicherlich auch andere Methoden in Erwägung gezogen wurden. Man darf bei diesem Projekt allerdings auch nicht übersehen, dass hier viel Politik mitspielt und auch Umweltschutz (zumindest augenscheinlich) einen hohen Stellenwert hat, sodass man vielleicht auch zum Teil aus diesem Grund das Parbuckling als Methode gewählt hat und keine andere.

  3. grillbert on September 9, 2013 at 7:02 pm

    Gott zum Gruß, Herr Neumeier.
    Bereits kurz nach der Havarie habe ich ähnliche Kommentare geschrieben. Natürlich habe ich mit besonderem Interesse die Ausführungen des “Parbuckling” gelesen.
    Da ich Schiffsingenieur im Ruhest. bin, habe ich in der Praxis einige haarige Schiffsbeladungszustände erlebt und mit Ballastaktionen eingreifen müssen. Wer mit besonderem Interesse an seinem Beruf und nicht nur an einem Job interessiert ist, hat erheblich mehr Gefühl für alle diese Zusammenhänge.
    Kein Normalbürger kann sich vorstellen welche Kräfte frei werden wenn diese “Seitentanks” geflutet werden.
    Ferner ist keinem Normalbürger klar, welch eine dünnwandige Blechdose er betritt, wenn er eines dieser “modernen” Passagierschiffe für eine Reise bucht.
    Diese Dünnwandigkeit ist auch das größte Problem, bei der jetzt anstehenden Bergung.
    1969/70 habe ich (noch als Storekeeper) die “MS Tilo-von-Wilmowsky” nach sehr kurzer Zeit verlassen, weil ich ihre Stabilität anzweifelte. Das Schiff hatte etwar 35 000 tdw. Zwischen 1970 und 72 ist das Schiff etwa in der nördlichen Nordsee oder am Nordkap gesunken und man hat nichts davon wieder gefunden, außer einem stark beschädigten Rettungsboot, dessen Zustand darauf schließen ließ, dass es nichtmehr richtig gelöst werden konnte.
    Ich wünsche den Bergungsspezialisten viel Glück.
    Das sage ich ohne Häme, denn die Angelegenheit ist wahrlich zu ernst.

  4. Franz Neumeier on September 9, 2013 at 7:35 pm

    Dem schließe ich mich gerne an – Viel Glück für das Bergungsteam! Wenn alles gut geht, sind sie Helden. Wenn’s schief geht, ist es allerdings eine gewaltige (PR-)Katastrophe …

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