“Cruise to Hell”? So machen Sie das Beste daraus …

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Sich den Urlaub nicht verderben lassen ...

Sich den Urlaub nicht verderben lassen …

Mit Schlagzeilen wie „Alptraum-Kreuzfahrt“ oder „Cruise to Hell“ sind Zeitungen schnell zur Hand. In manchen Fällen durchaus zu Recht, wenn man sich von Passagieren erzählen lässt, wie es auf Kreuzfahrtschiffen zugeht, die mit größeren Problemen zu kämpfen hatten. Aber muss eine solche Reise wirklich ein Höllentrip sein? Oder kann man die Reise trotzdem genießen? Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit und Kreuzfahrt-Genuss auch bei Problemen an Bord …

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Ärger, Frust und Zorn entstehen im Kopf. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ob ich mich über einen ausgefallenen Hafen so sehr ärgere, dass mir der Spaß an der ganzen Reise vergeht, entscheide ich auch selbst mit. Ob ich zum Wutbürger werde, liegt bei mir selbst.

Jetzt werden sich einige Leser empören und fragen: Wie kann er sowas schreiben? Man der Reederei doch nicht alles einfach durchgehen lassen! Schließlich habe ich dafür bezahlt! Ist doch nicht mein Problem, dass die das nicht auf die Reihe kriegen!

Stimmt. Und nichts liegt mir ferner, als etwas durchgehen zu lassen, das inakzeptabel ist. Nur ändern kann ich die Situation in solchen Moment eben meist auch nicht. Egal, wie sehr ich mich echauffiere und auf den Kopf stelle.

Die Frage ist also weniger, ob ich etwas unternehme, sondern vielmehr wann und in welcher Form.

Wutbürger oder Opportunist?

Ich kann mich genau in dem Augenblick aufregen, in dem das Problem auftritt. Empört sein und meinen negativen Gedanken freien Lauf lassen. Mich  gegen Unabänderliches sträuben.

Ich kann aber auch versuchen, meinen Ärger einfach erst einmal auszublenden, das Beste aus der Situation zu machen und das zu genießen, was noch übrig ist. Meist bleibt nämlich sehr viel Positives, wenn man nur danach sucht.

Die einen werden zum Wutbürger, stellen sich stundenlang an der Rezeption an, um sich über Dinge zu beschweren, die die Crew ganz offensichtlich nicht ändern kann. Die anderen frönen einem fast schon provokativen Opportunismus und genießen am Pooldeck die Sonne oder relaxen in der Bibliothek bei einem guten Buch.

Strategie für Wutbürger

Wer nicht anders kann und seinem Ärger irgendwo Luft machen muss, sollte sich einen Plan zu Recht legen. Sich bewusst sein, warum man sich aufregt und wie weit man gehen will. Steigert man sich ohne selbst gestecktes Limit in die Sache hinein, verdirbt man sich den Urlaub in einer Weise, die in keinem Verhältnis mehr zum letztlichen Ergebnis steht. Nicht einmal dann, wenn man großzügig entschädigt wird.

Wer also direkt vor Ort Genugtuung braucht: Eine nicht funktionierende Toilette, die nicht nach ein paar Stunden repariert ist, sollte schon eine gratis Flasche Sekt von der Rezeption wert sein – aber mehr auch nicht, dann ist’s gut. Bei unabänderlichen Problemen sollte man sich eine schriftliche Bestätigung dafür geben lassen, um nach dem Urlaub etwas damit anfangen zu können. Aber für den Moment ist die Bestätigung dann erst einmal ausreichend Genugtuung. Sache vorerst abgehakt, zurück zu den Positiven Dingen der Reise.

Strategie für Opportunisten

Perspektivenwechsel: Wie geht es eigentlich der Crew in Problemsituationen? Die Leute stehen unter enormem Druck, ihnen schlägt der ganze Ärger der Passagiere ungefiltert entgegen, obwohl sie selbst in der Regel nichts für die Situation können. Ein Kellner beispielsweise, der mit dem Ausliefern des Essens nicht nachkommt, tut das nicht absichtlich, sondern weil er völlig überlastet ist, die Küche die Essen nicht schnell genug heranschafft, die Restaurantleitung ihm viele Tische zugeteilt hat.

Was interessiert mich das als Passagier? Nun, ich kann meinen Zorn an der unschuldigen und machtlosen Crew auslassen und mit Luft machen. Oder ich kann mir einen Vorteil verschaffen, indem ich verständnisvoll und freundlich mit meinem Kellner umgehe, ihm zeige, wie sehr ich seine Situation verstehe. Im Rahmen seiner Möglichkeiten wird er dafür so dankbar sein, dass es ganz sicher nicht zu meinem Schaden ist.

Zur Selbsthilfe greifen

Und warum eigentlich nicht unorthodox auf Probleme reagieren? Klappt beispielsweise die Getränkeversorgung im Restaurant nachhaltig nicht und schafft es der Kellner dauerhaft nicht, wenigstens ein Glas Wasser innerhalb von zehn Minuten auf den Tisch zu stellen? Dann kaufe ich mir im nächsten Hafen selbst eine Flasche Wasser und bringe sie ins Restaurant mit. Das ist zwar nicht „erlaubt“, aber sobald ich mir selbst einschenke, habe ich zumindest die Aufmerksamkeit des Kellners oder Restaurantleiters, der sich danach wahrscheinlich um eine bessere Versorgung kümmert. Und wenn nicht? Auch egal, mein Wasser – und vor allem meinen Urlaubsgenuss – habe ich dann ja trotzdem.

Psychotricks für den eigenen Urlaubsspaß

Psychologisch argumentiert: Unser Hirn funktioniert manchmal sehr perfide, lässt sich aber auch erstaunlich leicht manipulieren. Kurz gefasst: Wer nach Positivem sucht, wird auch mehr Positives finden – und umgekehrt. Auch wenn man sich also anfänglich über ein Problem an Bord ärgert, kann man seine eigene Stimmung umdrehen und damit den Urlaubsgenuss wiederherstellen, wenn man sich anfänglich zwingt, das Positive zu sehen.

Der beschriebene Effekt verstärkt sich von selbst und führt dazu, dass man alles viel lockerer sehen kann. Umgekehrt funktioniert das natürlich genauso. Wer sich ins Negative hineinsteigert, wird zum Schluss subjektiv einen Höllen-Trip erlebt haben, selbst wenn der Ausgangspunkt des Ärgers erst einmal nur eine Kleinigkeit war.

Fähnchen im Wind …

Verhalte ich mich damit aber nicht wie das Fähnchen im Wind? Ja, vielleicht. Die entscheidende Frage ist doch aber: Warum habe ich die Kreuzfahrt gebucht? Um mich zu ärgern? Um die Reederei nach meinen Wünschen umzubauen? Um die Welt zu verbessern? Nein, ich will mich erholen, genießen, Spaß haben. Wenn ich mir das, im Rahmen des Möglichen, trotz aller Probleme verschaffe, ist das doch nichts Schlechtes.

Meine Genugtuung kann ich mir auch nach der Reise holen. Indem ich – wenn es denn aussichtsreich ist – Entschädigung beziehungsweise Rückzahlung eines Teils des Reisepreises einfordere. Oder indem ich meine nächste Kreuzfahrt bei einer anderen Reederei buche. Denn in jedem Segment gibt es Alternativen, kaum eine Reederei ist so einzigartig, dass ich nicht die Wahl hätte,  etwas ganz ähnliches zum gleichen Preis auch woanders zu bekommen.

Wenn’s vermeintlich ganz hart kommt: Noro-Virus

Aber was ist beispielsweise auf einer Kreuzfahrt mit Noro-Virus an Bord? Eigentlich kann einem doch kaum etwas Besseres passieren, als auf einer solchen Reise dabei zu sein.

„Wie bitte?“, werden jetzt wieder einige aufschreien.

Doch, ich meine das so, auch wenn mir persönlich auch lieber ist, so etwas nicht miterleben zu müssen.

Fakt ist, gegen Noro kann man sich selbst sehr gut schätzen: häufiges, intensives Händewasche. Finger aus dem Gesicht lassen. Buffet-Restaurant meiden. Keine Aufzugsknöpfe, Treppengeländer und Türgriffe öffentlicher Toiletten anfassen. Das senkt das Ansteckungsrisiko drastisch. Und was bleibt dann? Eine Kreuzfahrt mit allem Service und allen Annehmlichkeiten, mit nur ein paar kleinen Einschränkungen durch die Hygienemaßnahmen an Bord.

Aber meist eben auch eine großzügige Entschädigung der Reederei in Form von Bordguthaben, Reisepreiserstattung oder Reisegutschein. Das Ergebnis ist also letztlich eine sehr günstige, aber schöne Reise. Das ist doch nicht wirklich ein Höllen-Trip, wenn man mit der richtigen Einstellung an die Sache herangeht, oder?

Wo der Spaß seine Grenzen hat …

Klar ist aber natürlich auch: Ab einem gewissen Punkt ist eine Grenze überschritten, die auch den ruhigsten und friedfertigsten Menschen auf die Palme bringt. Kommt Angst hinzu, weil sicherheitsrelevante Einrichtungen an Bord ausgefallen sind, ist der Kreuzfahrt-Spaß auf jeden Fall dahin.

Aber sind wir auch hier ehrlich: Auf den meisten nicht optimal verlaufenden Kreuzfahrten geht es nicht um bedrohliche, gefährliche Situationen, sondern lediglich um nervige Unannehmlichkeiten. Inge, die man nach der Reise über eine finanzielle Entschädigungszahlung regeln und aus der Welt schaffen kann. Darum kann sich ein Anwalt kümmern, damit muss man sich noch nicht einmal selbst belasten.

Entschädigung, Bordguthaben, Rabatte auf künftige Reisen

Reedereien bieten heutzutage – zumindest bei größeren Vorkommnissen, insbesondere bei Reiseabbruch oder erheblichen Problemen – von sich aus Entschädigungen an, die oft deutlich höher ausfallen als das, was einem ein Gericht wahrscheinlich zusprechen würde.

Bei angebotenen Entschädigungen durch die Reederei ist trotzdem immer Vorsicht geboten: Nimmt man die Entschädigung an, ist danach der Rechtsweg in der Regel verbaut – denn man hat sich ja bereits außergerichtlich mit der Reederei geeinigt. Erscheint einem die angebotene Entschädigung also zu niedrig oder will man beispielsweise Bargeld und keinen Reisegutschein, sollte man das Reedereiangebot besser erst einmal nicht annehmen und sich mit einem Anwalt beraten.

Alternative: Erst gar keine Kreuzfahrt buchen?

Nein, wirklich nicht! Kleinere Problemchen treten auf vielen Kreuzfahrten auf. So wie auch beim Urlaub an Land. Wer nach Problemen sucht, wird immer welche finden, denn überall arbeiten nur Menschen. Mit Freundlichkeit, Unaufgeregtheit und ein wenig Verständnis für die direkt involvierten Crewmitglieder lässt sich das aber fast immer aus der Welt schaffen.

Wirklich große Probleme treten dagegen sehr selten auf, auch wenn die Medienberichterstattung etwas anderes vermuten lässt. Aber in die Schlagzeilen geraden eben nur die wenigen Problem-Reisen, während Hunderte und Tausende von problemfreien Kreuzfahrten unbemerkt von der Öffentlichkeit keine Höllentrips sondern Traumurlaube sind.

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Ein Kommentar zu “Cruise to Hell”? So machen Sie das Beste daraus …

  1. Wendy on September 15, 2014 at 9:37 pm

    Ich reise, um mich zu erholen, Spaß zu haben. Was allerdings in mir drin ist – ich gucke mir Dinge sehr genau an. Berufskrankheit. Jahre in der Reisebranche prägen – auch wenns schon lang vorbei ist. Und der aktuelle Beruf (in einem Architekturbüro) prägt auch, an manchen Stellen schaut man schon genau hin. Und auch auf Schiffen gibts reichtlich Pfusch am Bau und Pfusch bei der Wartung zu sehen! Daran kann man oft sehen, was in die laufende Instandhaltung investiert wird und was beim Bau investiert wurde und wo gespart wurde…

    Mängel stören aber in der Regel nicht mein Urlaubsvergnügen. Sind es Dinge, die mich ganz persönlich tangieren, kann ich ziemlich hartnäckig sein bei der Lösung des Problems (Nicht verbuchtes Bordguthaben etc. – da gibts immer den ersten höflichen Besuch an der Rezeption. Passiert dann nichts, kann ich energischer auftreten. Überraschungsmoment ist meist, daß nicht der 1,90 große mitreisende Herr in solchen Situationen das Wort führt, sondern die 1,60 kleine Wendy. Höflich – aber ziemlich bestimmt.) Bis jetzt habe ich noch keine Situation erlebt, die nicht zur Zufriedenheit gelöst werden konnte.

    Daß ich mich richtig aufrege ist mir noch nie passiert. Ich bin immer sehr lösungsorientiert (weitere Berufskrankheit). Außerdem würde ich an mancher Stelle eher “Fünfe gerade sein lassen”, bevor ich mir den Spaß verderben ließe.

    Ich habe allerdings auch eine realistische Erwartungshaltung und ziemlich viel Reiseerfahrung. Das hilft ebenfalls ungemein.

    Denn wenn Gäste den Urlaub als ein “Once in a lifetime”-Event sehen, vor allem, wenn es ihnen auch als Super-Duper-Luxus verkauft wird und sich dann vor Ort als zwar komfortabler Urlaub – aber eher gehobene Mittelklasse denn Super-Luxus entpuppt – dann wird es halt immer schwierig.

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