Delphin-Crew sitzt immer noch am Schiff fest
Die Lage für die Crew der MS Delphin
spitzt sich laut einer Pressemitteilung der Delphin Cruises GmbH dramatisch zu: Seit der Insolvenz der Delphin Cruises GmbH und diverser Schwesterunternehmen Mitte Oktober liegt die MS Delphin in Venedig, ein großer Teil der Crew kann das Schiff nicht verlassen. Die meisten der verbliebenen 220 Besatzungsmitglieder sind Ukrainer ohne gültige Einreisepapiere für Italien, sodass sie nicht von Bord gehen können – selbst wenn Sie das Geld hätten, die Heimreise selbst zu finanzieren. Da die Gehaltszahlungen aber ebenfalls eingefroren sind, dürften die wenigsten sich eine Heimreise aus eigener Tasche überhaupt leisten können. Da durch die Insolvenz alle Konten von Delphin Cruises gesperrt sind, ist eine von der Kreuzfahrtgesellschaft finanzierte Heimreise derzeit ebenfalls nicht möglich.
Besonders prekär: Der Treibstoff-Vorrat des Schiffs geht zur Neige und reicht wohl nur noch für heute, Mittwoch. Dann gehen auch Lichter, Klimaanlage, Heizung und Lebensmittelkühlung sowie die sanitären Einrichtungen aus. Laut eTN greifen Crewmitglieder inzwischen zur Selbsthilfen und beginnen mit dem Verkauf von Einrichtungsgegenständen. Der bisheriger Eigentümer der MS Delphin, Reeder Heinz-Herbert Hey, bemüht sich demnach darum, die Situation zu klären, hat aber wegen der Insolvenz wenig Handlungsspielraum. Angeblich fehlen 80.000 Euro, die jetzt sogar über einen Spendenaufruf besorgt werden sollen.
UPDATE (5.11.2010): Laut Seatrader Inside hat sich der Betreiber des Passagierterminals in Venedig erbarmt und einen Stromanschluß für die MS Delphin sowie zunächst 20 Tonnen Treibstoff zur Verfügung gestellt, damit die Energieversorgung für die Crew an Bord der MS Delphin sichergestellt ist. Unter anderem dient dies aber auch dazu, die Sicherheitssysteme an Bord am Laufen zu halten, was auch dem Terminalbetreiber nützt.
Diskussion um Insolvenzversicherung und Sicherungsschein
Derweil diskutieren Passagiere von Hansa Kreuzfahrten heftig darüber, ob gebuchte zukünftige Kreuzfahrten angesichts des bevorstehenden Insolvenzverfahrens überhaupt stattfinden werden – der Insolvenzverwalter hat hier wohl eine Antwort bis 10. November versprochen.
Besonders aufgebracht sind Passagiere der im September wegen eines – angeblichen oder tatsächlichen – Maschinenschadens abgebrochenen Kreuzfahrt. Da dieser Kreuzfahrt-Abbruch vor der Insolvenz stattfand und die Erstattung eines Teils des Reisepreises aber nicht mehr vor der Insolvenz erfolgte, werden diese Passagiere ihr Geld möglicherweise nicht mehr sehen. Denn der Sicherungsschein mit Insolvenzversicherung ist nur relevant für Reiseabsagen in Folge von Zahlungsunfähigkeit des Reiseanbieters beziehungsweise für die Rückreisekosten bei Insolvenz während einer Reise. Da die betreffende Kreuzfahrt aber bereits vor der Insolvenz abgeschlossen war und der Grund für den Abbruch mit einem Maschinenschaden begründet wird, werden sich die betroffenen Passagiere mit ihren Forderungen an den Insolvenzverwalter wenden müssen und hoffen, dass ausreichend Masse für die ausstehenden Zahlungen vorhanden ist.







[...] Anders als die Crew der MS Delphin, die immer noch am Schiff festsitzt, sind die Passagiere längt wieder wohlbehalten zuhause - wenn auch um die Erfahrung reicher, [...]
[...] ihrer Ankunft im kanadischen Hafen St. John’s (Neufundland) – fast zeitgleich mit der MS Delphin in Frankreich – beschlagnahmt worden, um Forderungen der kanadische Charterfirma des Schiffs [...]