Die zehn ungewöhnlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt

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Aranui 3 (Bild: G. Mulberry)
Aranui 3 (Bild: G. Mulberry)

Wirklich ungewöhnliche Kreuzfahrtschiffe sind selten. Zwar haben die meisten modernen Schiffe ganz besondere Features wie Eislaufbahn, Hochseilgarten, Formel-1-Simulator oder Ähnliches. Schiffsgrößen und die Raumaufteilung an Bord variiert, Zielgruppen und Ausstattung variiert von Massenmarkt bis Luxus. Doch irgendwie sind sich viele Schiffe einfach sehr ähnlich und unterscheiden sich eher in Details.

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Kreuzfahrtkonzerne wie Carnival gehen sogar soweit, dass sie Schiffe teils so einheitlich bauen, dass sie flexibel zwischen verschiedenen Tochter-Reedereien austauschbar sind – so fahren dann beispielsweise fast baugleiche Schiffe gleichzeitig unter verschiedenen Marken wie Costa oder Carnival Cruise Lines, die beide zur Carnival Corp. gehören.

Daneben gibt es einige sehr besondere Schiffe wie die Segelschiffe von Star Clippers und Sea Cloud Cruises, faszinierende Klassiker wie die Athena oder revolutionäre Mega-Schiffe wie die Oasis of the Seas und Allure of the Seas.

Aber es geht noch viel ausgefallener. In der Liste der zehn ungewöhnlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt stellen wir Schiffe vor, die in ihrer Art einzigartig oder doch zumindest sehr außergewöhnlich sind, auf die eine oder andere Weise.

China Star

Radisson Diamond, heute: China Star (Bild: Tomas Fano)
Radisson Diamond aka China Star (Bild: Tomas Fano)

Die China Star wurde 1992 als „Radisson Diamond“ in Finnland gebaut und hat eine für ein Kreuzfahrtschiff äußerst ungewöhnliche Rumpf-Form: Sie hat einen Doppel-Rumpf im SWATH-Design (Small Waterplane Area Twin Hull). Einem Katamaran ähnlich lagern die Aufbauten dabei auf zwei unabhängigen Rümpfen. Anders als beim Katamaran ist das Design aber darauf optimiert, möglichst wenig Angriffsfläche direkt an der Wasseroberfläche zu bieten, was das Kreuzfahrtschiff zusammen mit vier Stabilisatoren weniger anfällig für Seegang macht.

Optisch wirkt die China Star dadurch eher wie eine Schnellfähre, ist aber tatsächlich ein 131 Meter langes und 32 Meter breites, luxuriöses Kreuzfahrtschiff mit insgesamt zwölf Decks, das Platz für 345 Passagiere bietet.

Zu den ungewöhnlichen Eigenheiten des Luxus-Schiffs gehört auch eine hydraulische Plattform, die sich zwischen den beiden Rümpfen bis zur Wasserlinie absenken lässt und dort als Anlegeplatz für Wassersportfahrzeuge dient.

Erst seit diesem Jahr ist die China Star wieder als Kreuzfahrtschiff unterwegs, und zwar für die China Cruise Company mit Sitz in Wenzhou, China. Davor diente sie rund sieben Jahr lang als Spielkasino-Schiff. In dieser Zeit trug sie die Namen Omar Star“ und später „Asia Star“.

  • Besitzer: China Cruise Company
  • Länge: 131 m
  • Breite: 32 m
  • Passagierkapazität: 350
  • Indienststellung: 1992
  • BRZ: 20.000

St. Helena

St. Helena (Bild: St. Helena Line)
St. Helena (Bild: St. Helena Line)

Die St. Helena ist das letzte noch tatsächlich als Postschiff verkehrende Royal Mail Ship (RMS) und fährt standesgemäß unter britischer Flagge. Ihre Fahrtroute verbindet die Atlantik-Inseln St. Helena und Ascension mit Kapstadt und stellt für St. Helena die einzige regelmäßige Verbindung zum Festland dar. Erst 2015 soll die Insel einen Flughafen erhalten. Das 128-Passagiere-Schiff wurde 1989 speziell für die Postroute zwischen England, St. Helena und Kapstadt gebaut.

Das kombinierte Fracht- und Passagierschiff stellt aber nicht nur eine wichtige Lebensader für St. Helenas und Ascension dar, indem sie die Inseln mit Lebensmitteln ebenso versorgt wie mit allen anderen Gütern, von Möbeln und Auto-Ersatzteilen bis hin zu Schafen zu Ziegen. Die St. Helena dient zugleich auch als Kreuzfahrtschiff, auf dem Urlaubern das besondere Flair eines Linienschiffs im Südatlantik genießen. Selbst ein wenig Entertainment und Vorträge gibt es an Bord, regelmäßig veranstaltet die Reederei auch Themen-Kreuzfahrten.

Eine weitere Besonderheit: Durch den Linienfahrplan können Passagiere ihre Reise auch unterbrechen und in einem Hafen unterwegs ein paar Tage bleiben, bevor sie beim nächsten Hafenstopp der St. Helena wieder an Bord gehen.

  • Besitzer: St. Helena Line
  • Länge: 105 m
  • Breite: 19,20 m
  • Passagierkapazität: 128
  • Indienststellung: 1989
  • BRZ: 6.767

The World

The World (Bild: Bruce Tuten)
The World (Bild: Bruce Tuten)

The World ist eigentlich ein schwimmender Eigentumswohnungskomplex, denn die 165 wie Wohnungen an Land ausgebauten Suiten an Bord gehören den jeweiligen Passagieren. Wer mitfahren will, muss sich einkaufen, allerdings werden einige Wohnungen auch vermietet. 130 Familien aus 19 Ländern sind die derzeitigen Bewohner von The World, knapp die Hälfte davon Nordamerikaner, 36 Prozent Europäer, die übrigen 15 Prozent stammen aus aller Welt. Die Eigentümer verbringen im Schnitt vier Monate pro Jahr auf dem Schiff, meist sind etwa 150-200 Bewohner und Gäste gleichzeitig an Bord und genießen den Service der 260 Crew-Mitglieder.

In Betrieb gegangen ist The World 2002, rund vier Jahre später waren alle Wohnungen an Bord verkauft – zu Preisen zwischen 950.000 und fünf Millionen Dollar, zuzüglich jährlicher Betriebskosten von 33.000 bis 246.000 Dollar, Verpflegung nicht mit eingeschlossen.

The World ist, wie schon ihr Name andeutet, das ganze Jahr über auf den Weltmeeren unterwegs und hat seit 2002 bereits über 800 Häfen in rund 140 Ländern angelaufen. Dabei geht alles gemütlich zu: Anders als die touristischen Kreuzfahrtschiffe bleibt The World durchschnittlich zweieinhalb Tage in jedem Hafen und gibt den Bewohnern viel Zeit zum Sightseeing an Land.

Ebenfalls eine Besonderheit für ein Schiff dieser Größe: The World fährt ausschließlich mit Marine Diesel und verzichtet auf das deutlich umweltschädlichere Schweröl als Treibstoff.

  • Besitzer: Eigentümergemeinschaft / ResidenSea
  • Länge: 196,35 m
  • Breite: 29,80 m
  • Passagierkapazität: durchschnittlich 150-200
  • Indienststellung: 2002
  • BRZ: 43.524

Noorderlicht

Noorderlicht (Bild: Copyright ©Oceanwide Expeditions, Remy Marion)
Noorderlicht (Bild: Copyright ©Oceanwide Expeditions, Remy Marion)

Auf einem kleinen, historischen Segelschiff in arktischen Gewässern entlang der Küste Spitzbergens und zu den Lofoten zu fahren, erfordert schon ein wenig Abenteuerlust bei den Passagieren. Gerade einmal 20 Passagiere haben in den Kabinen der 46 Meter langen Noorderlicht Platz, Mithelfen an Bord wird ausdrücklich erwartet – vom Anpacken beim Segel setzen bis zur Nachtwache auf der Brücke.

Besonders abenteuerlich sind die Kreuzfahrten, auf denen die Noorderlicht versucht, Spitzbergen komplett zu umrunden. Je nach Eislage gelingt das nicht immer, doch die Passagiere kommen allemal auf ihre Kosten mit unberührtem Naturerlebnis und Eisbären-Sichtungen.

Die Noorderlicht begann ihr Schiffsleben am 2. Juli 1910 unter dem Namen „Kalkgrund“ als Feuerschiff bei Flensburg. Ursprünglich als Dreimastschoner ausgerüstet fährt die Noorderlicht heute als Zweimastschoner. Zum Kreuzfahrt-Segelschiff wurde das Schiff von 1991 an zweieinhalb Jahre lang umgebaut und restauriert, denn die Noorderlicht war in schlechtem Zustand und war viele Jahre lang nicht mehr gesegelt. Seitdem fährt die Noorderlicht unter niederländischer Flagge mit Bordsprache Englisch und einem internationalen Publikum.

  • Besitzer: Ted van Broeckhuysen und Gert Ritzema
  • Länge: 46 m
  • Breite: 6,50 m
  • Passagierkapazität: 20
  • Indienststellung: 1910
  • BRZ: 140

Sea Pearl, Sea Shell

Sea Pearl (Bild: Silhouette Cruises)
Sea Pearl (Bild: Silhouette Cruises)

Romantischer und entspannter ist eine Kreuzfahrt kaum vorstellbar: Auf einem historischen Segelschiff durch die traumhafte Inselwelt der Seychellen gleiten, in einsamen Buchten, vor kleinen Inseln, an Korallenriffen anhalten und Schnorcheln oder einfach nur die Sonne genießen – genau das bieten die beiden kleinen Kreuzfahrt-Segelschiffe Sea Pearl und Sea Shell. Die ältere der beiden, die 1915 in den Niederlanden als Fischerboot „Dirk“ gebaute Sea Pearl sowie die fünf Jahre jüngere, 1920 ebenfalls in den Niederlanden als Lotsenboot für den Englischen Kanal gebaute Sea Shell.

Die auf den Seychellen ansässige, kleine Kreuzfahrtgesellschaft Silhouette Cruises kaufte die Sea Pearl 1999 – acht Jahre zuvor war sie bereits zu einem Kreuzfahrtschiff umgebaut worden und fuhr unter dem Namen „Regina Chatarina“ in der Karibik und vor Kanada, nachdem sie zuvor Jahrzehnte lang als Fischerboot gedient hatte.

Die Sea Shell begann ihre Karriere als Lotsenboot, ging später aber ebenfalls in die Fischerei. 1982 wurde sie zum Segelschulschiff umgebaut, bevor Silhouette Cruises sie 1997 kaufte und seitdem als Kreuzfahrtschiff einsetzt.

  • Besitzer: Silhouette Cruises
  • Länge: 35 m (Sea Pearl), 36,17 m (Sea Shell)
  • Breite: 6,60 m (Sea Pearl), 6,58 m (Sea Shell)
  • Passagierkapazität: 18
  • Indienststellung: 1915 (Sea Pearl), 1920 (Sea Shell)
  • Verdrängung: 155 t (Sea Pearl), 160 t (Sea Shell)

-> weiter zu Teil 2: David B, Aranui 3, Grand Caribe / Grand Mariner, Freewinds, Savannah

Bildquellen: Aranui 3 (G. Mulberry, mit freundlicher Genehmigung), Radisson Diamond (Tomas Fano, Lizenz: CC BY SA 2.0), RMS St. Helena (St. Helena Line), The World (Bruce Tuten, Lizenz CC BY 2.0), Noorderlicht (Copyright ©Oceanwide Expeditions, Remy Marion), Sea Pearl (Silhouette Cruises).

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2 Kommentare zu Die zehn ungewöhnlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt

  1. Mares on Juni 28, 2012 at 3:49 pm

    Hallo Franz,

    ein sehr toller Bericht. Es ist schon erstaunlich, was es für ungewöhnliche Schiffe gibt. Mein persönliches Heiglight ist die St. Helena. Ich war überrascht als ich lass, dass es noch als Postschiff fungiert…echt cool.

    Vielen Dank für den netten Einblich in die Schiffswelt.

    Vielen Grüße
    Mares

  2. oliver on März 24, 2013 at 9:05 pm

    hallo, tooler bericht,

    bin vor kurzem eine woche auf der sea pearl gefahren und das war wirklich ungewöhnlich, ein so schönes altes schiff in einer so traumhaften inselwelt. das schiff wurde wirklich mit liebe umgebaut und gibt einem ein tolles „zuhause“ wenn man die seychellen bereist.
    gruß oliver

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