Ein wahrhaft höflicher Dieb

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Der Leidensweg eines Koffers, dokumentiert mit Gepäck-Labels

Der Leidensweg eines Koffers, dokumentiert mit Gepäck-Labels

Die Geschichte eines Koffers, der in Istanbul unter die Räuber fiel, statt durch kubanische Gewässer zu segeln – oder wie es Gepäck und seinem Besitzer ergeht, der von der Air France beim Umsteigen in Paris Charles de Gaulle stehen gelassen wird.

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Von Istanbul war nie die Rede. Brav berichteten die ebenso so hilf- wie ahnungslosen Agents im Call Center von Air France vom Verbleib meines Koffers: Er hatte es in Paris nicht auf die Maschine nach Havanna geschafft. Das stand auch in der SMS und in der E-Mail, die Air France kurz nach der Landung in Havanna schickte. Das war am Sonntag, 9. März. Von da ab erzählen Air France und mein Koffer sehr unterschiedliche Versionen derselben Geschichte.

Der Koffer sei am Montag nach Havanna geflogen, sagte Air France, die Ankunft habe das dortige Büro aber nicht bestätigt. Aus Montag wurde Dienstag, eine Bestätigung aus Havanna kam immer noch nicht. Dann war der Koffer plötzlich in Manitoba – das ist eine Provinz in Kanada. Manitoba? Ja, Manitoba, bestätigt das Call Center, dort sei der Koffer jetzt.

Die Anhänger und Aufkleber erzählen später eine ganz andere Geschichte. Ich schäme mich ein wenig, weil ich den AF-Leuten in Havanna tagelang unterstellt hatte, sie seien zu faul, meinen Koffer nachzuliefern.

Wie fühlt sich das an: Kreuzfahrt ohne Gepäck?

Auf einer Kreuzfahrt ist das besonders ärgerlich, denn die Einkaufsmöglichkeiten selbst für das Allernötigste sind da sehr begrenzt, zumal auf einem kleinen Schiff wie der Star Flyer. Keine Unterwäsche, kein Rasierer, keine Ladegeräte für meine Kameras, dafür immerhin eine Tube Sonnencreme gegen die karibische Sonne: die einzige im Bordshop verfügbar Creme hat einen geradezu unwiderstehlichen Erdbeer-Duft.

Der Koffer flog derweil nach Istanbul – vielleicht schon am 9. März, vielleicht auch später. Von Air France blieb sein Irrweg lange unbemerkt. Warum er den Weg zum Bosporus einschlug, statt mir in karibische Wärme zu folgen, wird sich wohl nie beantworten lassen.

Ersatz-Label - ersetzte das Original-Label offenbar schon am Abflugtag in Paris

Ersatz-Label – ersetzte das Original-Label offenbar schon am Abflugtag in Paris

Fest steht: Nachdem der Koffer am Pariser Airport Charles de Gaulle allein zurück blieb, nahm ihm jemand sein ursprüngliches Gepäck-Label ab und stattete ihn mit einem neuen „OHD“-Label mit Air-France-Logo aus. Damit werden, wie ich mit Hilfe eines fachkundigen Freundes herausfand, Gepäckstücke gekennzeichnet, die entweder gefunden oder gestohlen wurden. Auf dem Label stehen auch alle wichtigen Daten: Passagiername, ursprünglich geplante Flugroute und Flugnummern. Das wird später für meine Detektiv-Arbeit noch wichtig werden.

Von da ab wäre es für meinen Koffer nur noch ein kleiner Schritt zum Flugzeug gewesen, denn dass er nach Havanna gehen sollte, stand zweifelsfrei auf dem Gepäckanhänger. Aber irgendetwas oder irgendwer kam dazwischen.

Von hier an muss ich spekulieren, denn auch mit der Tracking-Nummer am Label sind die Gründe für die Istanbul-Route nicht zu ermitteln.

Jemand könnte sich beim Eingeben des Reiseziels für den Koffer vertippt haben. Das wirkt ein wenig archaisch, solche Daten werden auch heute noch von Hand eingetippt. Der Bar-Code an den Gepäcklabels enthält die Information über den Zielort nicht direkt.

Der Koffer könnte aber auch versehentlich in einem falschen Gepäckwagen gelandet sein. Der Irrtum fiel auch beim Verladen in die Maschine nach Istanbul nicht auf. Oder ein Mitarbeiter wollte sich keine Arbeit aufhalsen und hat ihn verladen, obwohl er den Irrtum bemerkte.

Wieder etwas gelernt: “OHD” heißt nicht immer Ohrid, Mazedonien

Mein persönlicher Favorit unter den Theorien ist aber die Folgende, weil ich diesem Irrtum angesichts des Gepäcklabels auch selbst zunächst aufgesessen bin: Jemand, der besonders wenig Ahnung hat, schickte den Koffer absichtlich nach Istanbul. Schließlich steht auf dem Label ja in großen, weißen Lettern auf schwarzem Grund: „OHD“. Das ist nicht nur das Kennzeichen für verlorenes Gepäck, sondern auch für den kleinen Provinz-Flughafen Ohrid in Mazedonien. Weil Air France diesen Flughafen nicht anfliegt, hat sich der schlaue Flughafen-Mitarbeiter wahrscheinlich gedacht: „Packen wir den Koffer erstmal auf die nächste Maschine nach Istanbul, von dort kommt er dann schon irgendwie nach Ohrid.“ Seine Kollegen in Istanbul waren aufmerksamer und haben den Weitertransport nach Mazedonien gestoppt. Mehr allerdings auch nicht.

Das ist natürlich alles nur Spekulation. Aber so könnte es gewesen sein. Irgendwie landete der Koffer jedenfalls in Istanbul.

Erste Seetag: unrasiert aber wohlauf ...

Erste Seetag: unrasiert aber wohlauf …

Während dessen wartete ich gemeinsam mit Star-Flyer-Purserin Julia vergeblich auf Nachricht des Reederei-Agenten in Havanna. Wir hofften, dass er den Koffer von Air France bekommen hat und an Tag drei der Kreuzfahrt in Trinidad (Kuba) aufs Schiff nachliefert. Ein paar Mal hat das hier schon geklappt, sagt Julia. Im Bord-Shop habe ich bis dahin Zahnpasta, Sonnencreme (die mit dem Erdbeer-Duft), Poloshirt, Pullover, Sonnenhut und Badehose gekauft.

Für Unterwäsche muss ich notgedrungen bis zu den Cayman Islands warten. Auf Cayman Brac erst einmal Fehlanzeige. Immerhin Badeschuhe und ein frisches T-Shirt (cool: Wer hat schon ein T-Shirt von Cayman Brac?) bekomme ich auf der kleinsten und ursprünglichsten der Cayman Islands, ein Kollege schenkt mir einen Einmalrasierer, eine Kollegin treibt an Land sogar ein paar Kosmetik-Artikel für mich auf. Seife (zum Waschen der Unterwäsche) und die Klimaanlage der Kabine (zum Wäschetrocken über Nacht) werden meine besten Freunde. Als Reisejournalist darf man nicht zimperlich sein.

Nichts zum Anziehen im Shopping-Paradies

"Selfie" auf Cayo Rico: Endlich wieder ordentlich rasiert ...

“Selfie” auf Cayo Rico: Endlich wieder ordentlich rasiert …

Georgetown auf Grand Cayman ist die letzte Hoffnung vor Havanna, den Koffer noch zu bekommen. Dass die Hoffnung vergebens ist, weil mein Gepäck längst in Istanbul ist, erfahre ich erst viel später. Trotzdem, jetzt reicht’s. Jetzt wird eingekauft, Air France muss zahlen. Aber wo bekommt man in einem der touristischsten Häfen der Karibik etwas Anständiges zum Anziehen? Etwas anders als Made-in-China-Souvenirs? Gefühlte 50 Geschäfte direkt an der Uferpromenade und nirgendwo gibt es auch nur eine normale, lange Hose. Ein einziger Laden hat schließlich exakt eine einzige lange Hose in meiner Größe, immerhin. Nirgendwo ist ein UV-Schutz-T-Shirt zu bekommen, um Sonnenbrand beim Schnorcheln zu vermeiden. Stattdessen Shirts mit Sprüchen, die man erst nach dem fünften Bier in der Margaritaville-Bar witzig findet. Und absurd überteuerte Del-Sol-Shirts, die in der Sonne ihre Farbe verändern.

Wo man fragt, nur Schulterzucken. Dann der mitfühlende Tipp, es im Shopping-Center für Einheimische zu probieren: zwei Seitenstraßen hinter der Promenade, gegenüber der Post. Dort trifft einen die ganze, deprimierende Realität der nicht-touristischen Seite der Karibik: Selbst auf den durch Offshore-Banking vergleichsweise reichen Cayman Islands kaufen Einheimische in einem heruntergekommener Betonbau ein, in dem sich auf drei Etagen kleine, karg eingerichtete Läden aneinander reihen und eher an einen Bazar erinnern als an ein Shopping Center.

Georgetown: Schmuck und Schnaps, aber nichts anständiges zum Anziehen

Georgetown: Schmuck und Schnaps, aber nichts anständiges zum Anziehen

An der Promenade für die Touristen: Chanel, Lancôme, Diamonds International und Margaritaville. In der realen Welt der Caymans: ärmlich wirkende, kleine Läden mit Kleidung, deren schlechte Qualität einem die Tränen in die Augen treibt. Ich finde mich damit ab: Socken und Unterhosen werden in den nächsten Tagen für mich aus billigem, kratzigem Polyester bestehen. Deo, Rasierschaum und Feuchtigkeitscreme gegen den Sonnenbrand finde ich schließlich nach 20 Minuten Fußmarsch in einem Supermarkt.

Der Hafenstopp in Grand Cayman brachte mir eine auf seltsame Weise faszinierende Erkenntnis: Georgetown ist eine Stadt, in der man absolut nichts Sinnvolles kaufen kann; nichts, was man irgendwie zum Leben braucht. Trotzdem fahren jedes Jahr Hundertausende von Kreuzfahrt-Touristen hier her zum Shopping.

Flughafen Istanbul: Der Koffer fällt unter die Räuber

Derweil steht mein Koffer – mutmaßlich einsam und verlassen – in einem Lager am Flughafen von Istanbul. Auch nachts. Jeder weiß, dass man einsame Ecken in solchen Städten nachts meiden sollte. Aber mein Koffer hat keine Wahl – und fällt prompt unter die Räuber. Brutal reißen sie seinen Reißverschluss auf, wohl weil sie keine Zange dabei haben, um das windige Kofferschloss zu knacken. Wühlen sich durch T-Shirts und Schuhe, Kippen den Kulturbeutel aus und öffnen die Box des Rasierers – immerhin ein teurer Braun Series 7. Aber der Dieb ist anspruchsvoll: Der Rasierer ist schon etwas älter, ein wenig Farbe ist abgeblättert. Uninteressant. Auch die Ladegeräte für meine Kamera-Akkus und die Ersatz-Brille, Titanflex von Eschenbach, passen glücklicherweise nicht ins Beuteschema.

Aber die 17-Euro-Badeschuhe und das UV-Schutz-T-Shirt (ca. 40 Euro) sind brandneu und wahrscheinlich an einer nächsten Straßenecke leicht zu verticken. Oder wollte der Dieb anschließend nur baden gehen? Denn meine weiß-blaue Badehose im Norwegian-Cruise-Line-Design fehlt ebenfalls. Und meine Lieblings-Shirts: je zwei Polos und T-Shirts der Marke Icebreaker. Jeweils 70 Euro kosten die und sind jeden Cent wert. Aus feiner Merino-Wolle, die besten Reise-Shirts, die man sich vorstellen kann. Das weiß anscheinend auch der Dieb. Sie fehlen später im Koffer. Ob aus Mitleid oder aus Eile: Eines Icebreaker-Shirts lässt der Dieb im Koffer. Auch ansonsten ist alles da.

“Thank you very much!” – wie höflich …

Immerhin bedankt sich der Dieb höflich.

Immerhin bedankt sich der Dieb höflich.

Aber der Dieb ist nicht nur rücksichtsvoll und wählerisch, er ist auch ausnehmend höflich. Er bedankt sich artig für die drei wunderbaren Shirts, die er mir klaut. „Thank you very much!“ schreibt er auf einen Zettel. Ich verweigere mich dem Gedanken, dass die Notiz vielleicht mehr höhnisch als dankbar gemeint sein könnte.

Woher ich weiß, dass ein Dieb den Koffer geöffnet hat und nicht etwa der Zoll, Sicherheitsbehörden oder Flughafen? Oder dass der Koffer nicht vielleicht bei einem Sturz von ganz alleine aufgeplatzt ist? Warum ich weiß, dass das in Istanbul passiert ist? Schließlich war selbst Air France noch nicht einmal bekannt, dass der Koffer überhaupt in Istanbul ist.

Behörden hätten das Schloss geknackt, nicht den Reißverschluss aufgerissen. Der Flughafen hätte keine Veranlassung gehabt, den Koffer zu durchwühlen, um die Identität des Koffer-Eigentümers zu ermitteln, denn diese Daten standen bereits säuberlich und formal korrekt auf dem Gepäcklabel. Kleidungsstücke aus der intakten Außentasche fanden sich im aufgerissenen Innenteil wieder – das passiert nicht, wenn der Koffer nur gestürzt wäre. Und dass der Dieb am Flughafen in Istanbul zugeschlagen hat liegt nahe, weil ich mitten in der durchwühlten Wäsche einen Gepäck-Barcode-Aufkleber mit türkischer Aufschrift gefunden habe, der beim Auspacken offenbar versehentlich in meine Kleider geraten ist.

Hotline zur Kundenverwirrung

Viel zu wenig habe ich bislang die grandiose Leistung der Gepäck-Hotline von Air France gewürdigt. Den angeblichen Abstecher meines Koffers nach Manitoba habe ich ja schon erwähnt. Auch in Hannover war er laut Hotline zwischenzeitlich noch kurz. Den Zielort HAV (=Havanna) kann man schonmal mit Ankunftsort Hannover verwechseln. Vor allem, wenn man für eine Airline arbeitet. Da muss man sich erst einmal mit dem Vorgesetzten beraten, bevor man den Irrtum bemerkt.

Die Hotline verbringt aber auch wahre Wunder. Sie schafft es tatsächlich, dass der Koffer an zwei Orten gleichzeitig ist. Das soll ihr erst einmal jemand nachmachen. Als ich am Mittwoch, 19. März, vormittags dort anrief, hatten der Agent eine erfreuliche Nachricht für mich: Der Koffer sei schon am Tag zuvor – ich vermutete in der gleichen Maschine wie ich selbst – in München angekommen, müsse nur noch erfasst und an den Lieferdienst von Aerogate übergeben werden. Ich würde den Koffer noch am selben Abend bekommen.

Endlich, nach 10 Tagen: per "Rush"-Label von Istanbul nach München

Endlich, nach 10 Tagen: per “Rush”-Label von Istanbul nach München

Ende einer Odyssee? Beinahe. Denn in Wirklichkeit stand der Koffer zu diesem Zeitpunkt immer noch in Istanbul. Dann allerdings muss bei Air France operative Hektik ausgebrochen sein: „Hoppla, der Kunde meint es ernst, der will einen Koffer tatsächlich zurück haben.“ Ich spekuliere ein wenig, zugegeben. Aber die Fakten deuten darauf hin, dass es genau so war.

Denn jetzt bekommt der Koffer endlich das „RUSH“-Tag verpasst, dass er sinnvollerweise schon sieben bis acht Tage zuvor verdient hätte. Er wird in die nächste Maschine der Konkurrenz-Airline Turkish Airways verladen. Mutmaßlich sogar als Handgepäck einem Crew-Mitglied mitgegeben, um wirklich sicherstellen, dass er in MUC ankommt. Zusätzlich zum „RUSH“-Tag für Flug TK1631 hat der Koffer nämlich auch ein „Approved Cabin Baggage“ mit KLM-Logo, der Partner-Airline von Air France.

Besonders besorgt ist Air-France-Hotline aber um meinen Wohnsitz und meine Telefonnummer. Die Korrektheit dieser Daten schien der Airline mehr Kopfschmerzen zu bereiten als das Auffinden und Nachliefern meines Koffers. Denn ohne Straße, Postleitzahl, Ort und Telefonnummer zu bestätigen, reden die Call-Center-Agents nicht mit ihren Kunden. Selbst wenn der letzte Anruf nur zwei Stunden her ist. Man könnte seitdem ja umgezogen sein – was ungefähr so wahrscheinlich ist wie die Möglichkeit, dass Air France tatsächlich weiß, wo der Koffer zum jeweiligen Zeitpunkt ist.

So lieferte die Airline den Koffer nach 11 Tagen Irrfahrt kommentarlos aus.

So lieferte die Airline den Koffer nach 11 Tagen Irrfahrt kommentarlos aus.

Für meinen Koffer fand die Reise schließlich nach elf Tagen Irrfahrt ein Ende. Wie ein gequältes Entführungsopfer stand er am Donnerstagabend vor der Tür, dilettantisch in Klebeband eingewickelt, mit einem dicken Strick gefesselt.

Ich selbst hatte es da deutlich besser getroffen. Auch ohne Gepäck war die Reise auf der Star Flyer entlang der kubanischen Küste und zu den Cayman Islands traumhaft. Der Erdbeer-Duft der Sonnencreme war leicht zu verschmerzen angesichts der Faszination von Havanna und dem Weltkulturerbe Trinidad, den strahlend weißen Stränden kubanischer Inseln, den herzlichen Menschen und der unvergleichlichen Musik, die man in Kuba an jeder Ecke hört. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Erst ein Kontakt via Facebook hilft ernsthaft weiter

Von Air France bekam ich erst eine vernünftige Reaktion, nachdem ich ein wenig süffisant an die Facebook-Wall der Airline gepostet hatte. Die private Nachricht mit der Frage nach meinem Gepäck-Tracking-Code kam prompt, der Telefonanruf einer Dame des Teams für Social Media Customer Support am nächsten Tag. Und die Zusage, sämtliche entstandenen Kosten zu übernehmen: Not-Einkäufe während der Reise, gestohlene Gegenstände aus dem Koffer und den kaputten Koffer selbst. Das ist dann endlich ordentlicher Kundenservice.

Vom strahlend weißen Strand in Cayo Rico ...

Vom strahlend weißen Strand in Cayo Rico …

Die Rechnung von knapp 800 Euro hat Air France nach mehrmaligen E-Mail-Verkehr weitgehend anerkannt und Anfang April auch schon überwiesen. “Auf dem Wege der Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht”, wie die Airline betont. Fairerweise muss man dazu sagen: Stimmt, erstatten muss die Airline nur das, was man mit Rechnung nachweisen kann – aber wer kann das schon beispielweise für Schuhe oder Kleidung im Urlaubskoffer? Insofern bin ich für die Kulanz dankbar, die zumindest einen Großteil meiner tatsächlich entstandenen Kosten abdeckt.

... oder einer Cabriolet-Fahrt in Havanna konnte mein Koffer nur träumen.

… oder einer Cabriolet-Fahrt in Havanna konnte mein Koffer nur träumen.

Jetzt mache ich mir Gedanken um ein anständiges Begräbnis für meinen geschundenen Lieblingskoffer. Und an den werten Dieb in Istanbul geht ein Glückwunsch: Mit meinen Icebreaker-Shirts hat Du Geschmack bewiesen. Schick‘ doch netterweise einen Dankesbrief an Air France, denn die hat letztlich nämlich dafür bezahlt. Aber bitte unbedingt mit vollständiger Absenderadresse und Telefonnummer, sonst liest den Brief bei Air France wahrscheinlich niemand. Außer Du machst das via Facebook.

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12 Kommentare zu Ein wahrhaft höflicher Dieb

  1. Christine on April 6, 2014 at 11:00 pm

    Herrlich geschrieben!
    So leid es mir ja tut, was Dir da während der Reise widerfahren ist (und ich hoffe inständig, dass unser Gepäck uns Richtung Miami folgen wird trotz Umsteigens) –> die Geschichte, die daraus resultierte und die Du hier zu Papier bzw. in Netz gebracht hast, ist dermaßen lesenswert, dass es fast schade wäre, wäre das Geschehene nicht passiert… Ich hoffe, Ihr findet einen neuen Lieblingskoffer für Dich!
    (ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ohne Kleidung und persönliche Pflegeartikel – von der Zahnbürste angefangen – auf Reisen ist…) Deine Lieblingsshirts magst Du verloren haben – den Humor jedenfalls nicht!

  2. Franz Neumeier on April 7, 2014 at 7:52 am

    Christine, Du hast meine innere Zerrissenheit ziemlich gut beschrieben: Den ganzen Mist hätte ich mir gerne erspart, vor allem die nervige Bürokratie-Arbeit hinterher. Und auch die (fast) ergebnislose Suche nach Ersatzkleidung in Georgetown war recht frustrierend.
    Aber das Erlebnis selbst (“ohne Koffer auf Kreuzfahrt”) will ich eigentlich nicht missen. Ich denke, einmal sollte man das mitgemacht haben – auch um zu merken, dass alles halb so schlimm ist, wenn man’s nicht so erst und tragisch nimmt. Ich werde für Kreuzfahrten jedenfalls künftig viel weniger einpacken, weil ich gemerkt habe, wie wenig man eigentlich wirklich braucht ;-)

  3. Achim on April 7, 2014 at 9:13 am

    Selten, nur ganz, ganz selten (eigentlich fast nie) lese ich online einen so langen Artikel bis zu Ende! Den schon. Klasse – hat streckenweise etwas von Douglas Adams, ach was sag ich – von Franz Neumeier.
    Allerdings glaube ich, dass der Dieb ein gestrandeter Tourist in Istanbul war, dessen Koffer nun tatsächlich in Ohrid vergessen wurde und der sich nichts sehnlicher wünschte als endlich etwas anzuziehen. Er meinte das “Thank you very much!” wirklich, wirklich ernst. In seinem Namen: Danke! :)

  4. Franz Neumeier on April 7, 2014 at 9:17 am

    @Achim: Deine Theorie gefällt mir – schon weil sie so positiv denkend ist ;-) Wenn’s wirklich so war, dann gönne ich dem gestrandeten Touristen meine Sache von Herzen.

    Und Wow, was für ein Kompliment! Douglas Adams hat einen genialen Schreistil, den ich immer bewundert habe.

  5. Marita Oppermann on April 7, 2014 at 11:14 am

    Hallo Franz, trotz deiner “schrecklichen” Erlebnisse, die ich ja teilweise nachvollziehen kann, die ich noch nicht mal in Jacksonville Florida zu frischer Wäsche kam, hast du deinen Humor bewahrt und uns alle an dieser tollen Geschichte teilhaben lassen. Ich habe schon seit Tagen der Aufläsung entgegen gefiebert und es hat sich gelohnt.Es war herrlich zu lesen und nachzuvollziehen, denn es gehört jedes Mal zu meinen Albträumen, wenn wir die Koffer abgeben. Auch wenn wir bis jetzt Glück hatten und nur einmal einen Tag warten mussten. Ich habe aber auch immer einlaminierte Tabellen mit der kompletten Reiseroute in den beiden Koffern, damit man auch in jeden Hafen nachliefern kann. Wenn man Glück hat. Danke für die für uns tolle Geschichte.

  6. Uwe on April 7, 2014 at 11:54 am

    Lieber Franz,
    noch gestern, im Zug von München nach Fürth (wir hatten in der Landeshauptstadt den 70. Geburtstag einer Freundin gefeiert)sagte ich Karin, jetzt müsste man ein Smartphone haben, um im Internet “cruistricks” nach dem verlorenen Koffer anzufragen. Wieder daheim, gab es Anderes. So kam ich erst jetzt dazu, deinen grandiosen Text zu lesen. Mega-Kompliment.
    Die Odyssee deines Koffers solltest du “An Bord” zum Nachdruck anbieten. Damit alle, die jemals in die Verlegenheit kommen, dein Schicksal teilen zu müssen, das Malheur positiv sehen.

    Ich muß sagen, das Warten auf deine Erzählung hat sich wahrlich gelohnt. Selten war eine Geschichte so packend geschrieben und hat den Leser (also mich) bis zum letzten Buchstaben gefesselt,
    Chapeau!

    Uwe

  7. Franz Neumeier on April 7, 2014 at 11:58 am

    Lieber Uwe, aus Deinem Mund freut mich dieses Lob ganz besonders, Danke!

  8. Tien-Lun Yao on April 7, 2014 at 12:05 pm

    Naja – so ärgerlich das ist, muss man eigentlich bei Air France sagen, dass die Quote recht gering ist, weil eigentlich alles mit einem RFID-Tag dort versehen wird. Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Eichhörnchen und wenn Murphy zuschlägt, dann richtig.

    Bei uns war es damals so, dass die Lufthansa unser Gepäck nicht rechtzeitig nach Florida bekommen hat. Sie haben uns direkt gesagt, dass wir uns für 400 USD neu einkleiden dürften und wir auf dem Rückweg Travellers Checks bekommen, die denen leider ausgegangen sind.

    So konnten wir ein paar Klamotten holen und eine neue Unterwasserkamera, weil wir in Georgetown Cayman ausgerechnet eine Schnorchel-Tour gebucht hatten, die aber hinterher ausfiel…

    Lufthansa hatte gefragt, wie die Route des Schiffes ist und dann festgestellt, dass nur Georgetown über einen Flughafen verfügt.

    An Bord wurde nicht differenziert, ob wir das Anreisepaket gebucht hatten oder selbst. Wir bekamen erst mal ein Survival-Kit und ein T-Shirt mit X-Logo (nicht die käufliche Version). So wussten wir sehr schnell an Bord, wer sonst noch alles sein Gepäck nicht hatte. Mir tat allerdings ein paar leid, dass noch am 10. Tag das T-Shirt anhatte und meinte, dass Lufthansa ihr Gepäck nun in Miami hätte und sie es für den Rückflug ausgehändigt bekommen… Hahaha…

    Am 2. Tag durften wir unsere Wäsche kostenlos in den Express-Dienst geben. Für den Abend bekamen wir Leih-Smokings da formeller Abend war. Aber alles aus “Plastik” (Polyester)…

    Am 3. Tag endlich in Georgetown. Wir hatten an der Rezeption nach dem Weg zum Flughafen gefragt, weil wir dort es durch den Zoll bringen wollten. Da meinte man bloß zu uns: Sie haben Urlaub. Unser Agent kümmert sich darum. Und als wir wieder an Bord kamen, standen alle auf dem Weg in unsere Kabine wie auf dem Spalier und riefen “Your bags are here” und freuten sich mit uns.

    Eine andere Geschichte aus UK: Wir waren von Newcastle von einem Schiff runter und mussten nach Southampton auf die QM2, die uns nach Hamburg bringen sollte. In Heathrow kommt das Gepäck nicht. Zufällig ist ein Purser, der auf dem Weg zu seinem Dienst war, auch nicht. Der hatte jedoch die Secret Numbers in seinem Handy und hat den Gepäckdienst in Newcastle “rundgemacht”.

    Am Gepäckservice haben wir das gemeldet… und dass wir bis 16.00 Uhr in Southampton das bräuchten und dass sie bloß nicht auf die Idee kommen es direkt nach Hamburg zu bringen, was ja einfacher wäre.

    Wir sind an Bord und haben das gemeldet. Sofort kam Rasiercreme, usw. usw. aber keine T-Shirts… Für die Leih-Smokings wurden die Maße genommen…

    Kurz vor 16.00 Uhr ist Auslauf und der Kapitän sagt, dass wir nicht durch das Ro-Ro-Schiff vor uns an der Ausfahrt gehindert werden, sondern durch fehlendes Gepäck, das jeden Moment kommen soll. Wir sahen gerade noch vom Promenaden Deck, wie sie unser Gepäck durch eine offene Luke am Schiff reingeworfen haben.

    Weil sie keine Zeit mehr zu screenen hatten, musste ich dann unser Gepäck im Atrium öffnen und vorführen… sehr nett… zum Glück, hatten wir keine SM-Ausrüstung oder andere peinliche Sachen bei…

    Rasierschaum usw. durften wir behalten.

    Auf den Leih-Smoking haben wir verzichtet und lieber unsere eigenen angezogen.

    Kleiner Tipp noch für alle Betroffenen: Cunard hat natürlich sofort angerufen und für uns nachgefragt. Nur die bekamen keine Auskunft. Man muss daher bei der Gepäckstelle von British Airways unbedingt sagen, dass Cunard ermächtigt ist, in unserem Namen Auskünfte einzuholen.

  9. Franz Neumeier on April 7, 2014 at 12:28 pm

    Hat Air France wirklich RFID-Tags? Oder nur, wenn man den Koffer direkt in CDG eincheckt? Denn in München kann ich mich nur an ein ganz normales Papier-Label aus dem Drucker (mit Bar-Code) erinnern. Und, wie ich gelernt habe, ist in dem Bar-Code nur eine Gepäcknummer o.ä. codiert, aber nicht der eigentliche Zielort des Koffers (was natürlich den Vorteil hat, dass man elektronisch einen Koffer schnell umleiten kann; aber den Nachteil, dass eben jemand manuell den Zielflughafen erfassen muss und dadurch beim Verladen schonmal Fehler passieren).

    Die 400 Euro bei Lufthansa klingen äußerst großzügig. Air France nannte an der Hotline einen Betrag von maximal 100 Euro, die ich ausgeben dürfe (wofür man je nach Ort nicht einmal eine absolute Basic-Minimalausstattung bekommt). Auskunft gegenüber Star Clippers oder meine Frau in Deutschland war mit der entsprechenden Referenz-Nummer dagegen kein Problem bei Air France (nur dass die Hotline vollkommen ahnungslos und hilflos war, sodass uns das eh’ nicht weitergebracht hat).

    Express-Wäsche meiner Jeans (alles andere hatte ich ja am Leib, also über Nacht selbe gewaschen und getrocknet) hat Star Clippers übrigens nicht in Rechnung gestellt und war auch sonst sehr hilfsbereit.

  10. Carmen Winkler on April 7, 2014 at 2:33 pm

    Hilfreich fand ich auch jedes Mal die Frage nach den zwei Buchstaben vor der Gepäcknummer. Ähm, ich hab mich gerade durch “wenn Sie Bla wollen, drücken Sie bitte die 1” durchgekämpft zum Gepäckservice der AF und Sie melden sich mit “Gepäckservice der AF”, meinen Sie nun wirklich, dass ich ein Gepäckstück der KLM vermisse??
    Ebenso hilfreich war das mehrfache Angebot der Telefonnummer des AF Büros in Havanna. Auf meine Antwort, warum ich da anrufen soll, ich hätte den Koffer ja nicht verloren, sondern die AF, also rufen doch bitte Sie in Havanna an, hieß es, wir können nicht telefonieren, wir können nur ein Telex (!) schicken. Sämtliche Telexe nach Havanna und Paris blieben übrigens unbeantwortet (jedenfalls fand sich keine Antwort im Computersystem des Call Centers).
    Aber immerhin verfügt das Call Center über Google, denn bei Manitoba musste der Herr am Telefon dann auch erst mal nachsehen :-)!
    Gruß
    Carmen

  11. Jan on April 11, 2014 at 3:47 pm

    Hehe, danke für diesen Bericht. Habe gut gelacht!
    Habe auch schon eine Kreuzfahrt ohne Gepäck hinter mich gebracht – eine Woche Mittelmeer auf der Adventure of the Seas. Man arrangiert sich, würde ich sagen. Der Overnight-Express-Wäscherei an Bord ein großes Dankeschön! Habe den Sticker mit der Kabinennummer heute noch in meinem damals einzigen T-Shirt kleben.
    Jetzt darf geraten werde, welche Fluglinie dies zu verdanken war? Genau! Natürlich Air France in CDG. 90 Minuten reichen dort nicht, um das Gepäck aus Hamburg nach Malaga umzuladen. Die Telefongespräche mit Air France waren genauso großes Kino wie bei Franz.
    Der Koffer wurde für Rom und Palma angekündigt – letztendlich tauchte er in Hamburg wieder auf – 2 Tage nach Rückkehr. In diesem Fall aber immerhin ohne Diebstahl!

    @Franz: Jetzt hast Du Deinen Lesern den Mund wässrig gemacht. Deine nächste Expedition möge doch bitte nach Ohrid in Mazedonien gehen. Bitte mach uns schicke Bilder von den Kofferbergen dort oder wahlweise dem Schwarzmarkt, auf dem Du dann Deine Shirts zurückkaufst :-)

  12. Franz Neumeier on April 23, 2014 at 7:40 am

    @Jan: Ich hatte inzwischen per E-Mail Kontakt zu dem für die Gepäckverarbeitung in Ohrid verantwortlichen Flughafenmanager dort. Er schreibt, dass ihm dieses Problem völlig unbekannt sei und ihm bewusst noch nie ein solcher Koffer-Irrläufer untergekommen sei. Er meinte auch, dass das “OHD”-Label auf meinem Koffer definitiv nichts zu suchen gehabt hätte – er hätte den Regel zufolge von Anfang an ein “Rush”- oder “Expedite”-Label bekommen müssen …

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