Haiti: So helfen die Kreuzfahrt-Gesellschaften und Passagiere

Dienstag, 19. Januar 2010
von Franz

Der Standpunkt von Royal Caribbean ist eindeutig: “Wir können Haiti nicht jetzt alleine lassen, wo wir am meisten gebraucht werden.” Als einzige große Kreuzfahrt-Gesellschaft fährt Royal Caribbean Haiti seit vielen Jahren regelmäßig an und fühlt sich deshalb besonders in der Pflicht. Aber auch andere Kreuzfahrt-Gesellschaften, für die die Karibik eines der wichtigsten Ziele ist, helfen.

Carnival

Mindestens 5 Millionen Dollar hat hat der weltgrößte Anbieter von Kreuzfahrten, die Carnival Corp. (u.a. mit den Marken Carnival, Holland America, Costa, AIDA, Princess, Cunard) an Hilfen zugesagt. Das Geld stammt auch aus diversen Passagier-Aktionen an Bord der Schiffe, von Crew und den Büros weltweit.

Royal Caribbean

Royal Caribbean hat trotz Kritik seine Schiffe sofort nach dem Erdbeben wieder an seinem Privatstrand Labadee im vom Erdbeben nicht betroffenen Teil Haitis anlegen lassen und bringt seitdem mit jedem Kreuzfahrt-Schiff Hilfsgüter nach Haiti. Mehr als 1 Million Dollar hat RCCL außerdem an Spendengeldern zugesagt. Für Royal Caribbean arbeiten rund 230 Haitianer in Labadee, insgesamt sind rund 500 Haitianer auf die Einnahmen aus dem Kreuzfahrt-Geschäft mit Royal Caribbean abhängig. Royal Caribbeans Engagement zeigt sich auch deutlich in den zahlreichen Blog-Postings auf dem Blog des RCCL-CEOs Adam Goldstein.

Royal Caribbean hat möglicherweise bis zu 10 Opfer unter seiner Crew auf Haiti zu beklagen. Von den 50 haitianischen Crewmitgliedern, die zum Zeitpunkt des Eredbebens auf Haiti waren, werden noch 10 vermisst. Zu Royal Caribbean International gehören auch die Kreuzfahrtgesellschaften Celebrity Cruises und Azamara Club Cruises.

TUI Cruises, Mein Schiff

Nach eigenen Angaben rund 15.000 Euro hat TUI Cruises mit “Mein Schiff” bisher an CARE für Haiti überwiesen (Stand: 18. Januar). Das Geld stammt unter anderem aus Sammlungen unter den Passagieren auf Mein Schiff, auf einer Touristik-Messe in Wien. Zusätzlich stellt TUI Cruises Cargo-Kapazitäten für den Transport der Hilfsgüter zur Verfügung.

Norwegian Cruise Line, NCL

NCL hat bisher keine Zahlen zu seinen Spenden veröffentlich, sammelt aber Spenden unter Passagieren und Crew und will für jeden gespendeten Dollar verdoppeln. Außerdem will NCL Hilfsgüter bereitstellen.

Disney Cruise Line

Disney hat laut Cruise Critic eine Spende an das Rote Kreuz von 100.000 Dollar zugesagt.

MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG:

Die Diskussionen um die Frage, ob Royal Caribbean Labadee auf Haiti anlaufen sollte, finde ich beschämend. Kommentar wie “ich fühle mich nicht wohl, wenn ich am Strand liege und hundert Kilometer entfernt Tote unter den Erdbeben-Trümmern liegen” sind einfach unglaublich! Fühlt sich der Kommentator vielleicht wohler, wenn er im weit entfernten New York auf seinem Designer-Sofa sitzt und eine Margarita schlürft? Verschwindet dadurch vielleicht das Leid in Haiti, nur weil er – weit entfernt vom Katastrophengebiet – leichter wegschauen kann?

Ich bin überzeugt, dass Royal Caribbean genau das Richtige tut, indem die Indepencence of the Seas und andere Kreuzfahrtschiffe in Labadee anlegen und damit den 230 direkten haitianischen Angestellten und deren Familien den Lebensunterhalt sichern. Der Hafen von Port-au-Prince ist zerstört, dort können gar keine Schiffe anlegen, RCCL bringt Hilfslieferungen auf dem Seeweg. Was soll daran falsch sein?

Und sind wir ehrlich: Vor dem Erdbeben hat kaum jemanden gestört, das Haiti eines der ärmsten Länder der Welt ist; da hat sich niemand am Strand unwohl gefühlt. Tourismus ist eine der wenigen Einnahmequellen für dieses Land und die Kreuzfahrten von Royal Caribbean sind seit rund 20 Jahren eine wichtige Einnahmequelle für Haiti.

Kann man Tourismus in sehr arme Länder diskutieren? Klar. Kann man der Meinung sein, dass diese Art von Tourismus unethisch ist? Klar (auch wenn ich persönlich diese Sichtweise nicht verstehe). Aber sollte Royal Caribbean jetzt wirklich seine Mitarbeiter dort und das Land insgesamt im Stich lassen? Ganz bestimmt nicht. Ein Rückzug aus einer Mischung aus Heuchelei und falsch verstandener Pietät wäre so ziemlich das falscheste, was RCCL jetzt tun könnte. Ich bin glücklich darüber, dass es noch verantwortungsvolle Konzerne gibt, die sich auch um das Wohl von Menschen kümmern.

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2 Responses to Haiti: So helfen die Kreuzfahrt-Gesellschaften und Passagiere

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Franz Neumeier, Franz Neumeier erwähnt. Franz Neumeier sagte: Haiti: So helfen die Kreuzfahrt-Gesellschaften und Passagiere http://bit.ly/7cMykS #haiti #rccl #carnival [...]

  2. Jonathan am Januar 19, 2010 um 9:13 pm

    Diese armen Leute in diesem armen Land. Die tun mir echt leid. Leben schon in Armut und dann das. Einfach schrecklich.

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