Interview: TUI Cruises’ Umwelt-Managerin Lucienne Damm

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Lucienne Damm, TUI Cruises

TUI Cruises’ Environmental Manager Lucienne Damm (Bild: TUI Cruises)

Für den Kreuzfahrtschiff-NeubauMein Schiff 3“ hat TUI Cruises umfangreiche Umweltschutz-Maßnahmen angekündigt, von Einsparungen beim Treibstoffverbrauch von 30 Prozent bis zum Einbau eines kombinierten Schwefel- und Stickoxid-Filters. Cruisetricks.de hat sich mit TUI Cruises‘ Environmental Manager Lucienne Damm unterhalten, um weitere Details zu erfahren.

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Update: Weitere Fragen und Antworten von Lucienne Damm gibt’s auch in unserer Podcast-Folge 2 – “Umweltschutz auf der Mein Schiff 3”

cruisetricks.de: Grenzwerte für Stickoxide sind erst für Neubauten ab 2016 vorgeschrieben. TUI Cruises baut SCR-Katalysatoren also ohne gesetzlichen Zwang auf der Mein Schiff 3 ein. Warum investiert eine Reederei so viel mehr als vorgeschrieben in Umweltschutzmaßnahmen, die ja auch den laufenden Betrieb verteuern?

Lucienne Damm: Wir investieren in diese Umwelttechnologien mit der Zielsetzung,  die Auswirkungen der Kreuzfahrt auf die Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Wir stellen uns  als Unternehmen dieser Verantwortung, um die Umwelt, um die Destinationen, um das Gut, das wir ja auch als Unternehmensgrundlage nutzen, sinnvoll zu bewahren. Dabei kann man sich entweder nur an die Regeln halten – oder einen Schritt weiter gehen. Wir haben uns für den Weg entschieden, proaktiv Zeichen zu setzen, um zu zeigen, dass wir als Unternehmen ein Teil dieser Gesellschaft sind und entsprechend Verantwortung übernehmen.

Das hat am Anfang natürlich auch etwas mit Investitionen zu tun. Aber der Rückgewinn an Zustimmung und dass auch wir uns mit dem Produkt wohlfühlen, das wir verkaufen, der ist sehr, sehr hoch.

Buchen Kreuzfahrt-Passagiere Ihrer Erfahrung nach lieber bei einer Reederei, die sich dieser Themen ernsthaft annimmt, oder muss das Bewusstsein dafür auch bei den Passagieren erst noch entwickelt werden?

Teils, teils. Es gibt natürlich Kunden, die Wert darauf legen, dass sich  Unternehmen Umwelt- oder auch sozialen Fragen stärker stellen – und das nicht nur im Kreuzfahrtbereich, sondern generell da, wo es um Konsum geht. Nicht nur bei touristischen Produkten ist es aber derzeit leider so, dass das Kriterium Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung noch keine große Rolle spielt. Da gibt es ganz interessante Studien, auch bezogen auf die Reisebüros, dass dies auch in Kundengesprächen bisher kaum eine Rolle spielt.

Das heißt, da müssen Sie noch viel Aufklärung und Überzeugungsarbeit leisten …

Ich denke, gerade in den Reisebüros könnte das Thema stärker gesetzt werden. Da sitzt der Kunde, hat Zeit, hat verschiedene Produkte zur Auswahl. Aber nur wenn der Vertrieb auch weiß, wie ein Unternehmen oder ein Produkt aufgestellt ist, kann er dem Kunden  auch eine entsprechende Kaufempfehlung geben. Da tut sich langsam etwas, davon bin ich überzeugt. Das sieht man ja auch in anderen Bereichen, ob das nun Ökostrom oder der Trend zu Bio-Lebensmittel sind. Das Bewusstsein kommt, aber der Umweltgedanke ist noch nicht wirklich kaufentscheidend.

Entschwefelungsanlage und SCR-Katalysator verbrauchen im Betrieb ja selbst auch zusätzliche Energie und verschlechtert die Energieeffizienz. Warum haben Sie sich trotzdem für den Einbau beider Anlagen entschieden?

Es ist richtig, die Abgasreinigungssysteme benötigen für den Betrieb zusätzliche Energie. Wir haben den Verbrauch kalkulieren lassen und sind auf zwei Prozent Mehrverbrauch gekommen. Daraufhin haben wir den verantwortlichen Ingenieuren die Aufgabe gestellt, diese zwei Prozent an einer anderen Stelle wieder einzusparen – durch ambitioniert Energieeffizienz-Maßnahmen, die wir im sehr großem Stil auf der Mein Schiff 3 implementieren werden. Denn am Ende ist uns die Gesamtbilanz wichtig.

Der Mehrverbrauch zieht auch einen zusätzlichen CO2-Ausstoss nach sich. Unserer Meinung nach überwiegen in der Gesamtbilanz aber klar die Vorteile der Entschwefelungsanlage, die eine Minimierung umwelt- und gesundheitsgefährdenden Schadstoffe wie Schwefel-, Stickoxid- und Partikelemissionen erreicht. Daher haben wir uns für die Kombination aus Entschwefelungsanlage und Katalysatoren entschieden.

TUI Cruises gibt an, Mein Schiff 3 werde 30 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als vergleichbare Schiffe. Wie definieren Sie diese Vergleichsgröße genau?

Wir haben über unsere Muttergesellschaft RCCL Zugriff auf die Daten einer Reihe von modernen Kreuzfahrtschiffen, die in den letzten fünf Jahren gebaut worden sind, daraus wurden  konkrete Referenzwerte gebildet. Darunter sind auch sehr große Schiffe, so konnte man auch in Bezug auf die Schiffsgröße einen vernünftigen Referenzwert herunterrechnen – sehr kompliziert, sehr mathematisch. Von diesem Referenzwert hat man den Zielwert ausgegeben, den wir um 30 Prozent unterschreiten wollten – und das ist uns auch gelungen.

Inwieweit werden Sie die bestehende Flotte, also Mein Schiff 1 und 2, ebenfalls mit Scrubbern oder Katalysatoren nachrüsten und die Energie-Effizienz optimieren?

Nachrüsten ist wirklich schwer. Ein Beispiel ist der berühmte Rußfilter in der Nachrüstung. Wir sind  mit Herstellern im Gespräch und haben diese Option auch schon durchrechnen und durchzeichnen lassen. Dabei mussten wir aber feststellen: Hier würde man zu tief in die Schiffsstabilität eingreifen, das könnte man nicht verantworten und auch technisch eigentlich kaum umsetzen.

Nichtsdestotrotz versuchen wir natürlich kontinuierlich, gemeinsam mit unseren Zulieferern Techniken oder vielleicht auch ganz neue Innovationen zu entwickeln. Dies betrifft auch den Bereich der Rußfilterung. Dazu kann und möchte ich noch nicht viel sagen, weil wir hier über Projekte reden, die erst in den Startlöchern stehen. Es gibt derzeit keine Technik, die für Kreuzfahrtschiffe dieser Größe verfügbar und nachrüstbar ist, das muss man ganz klar so sagen.

Bei der Mein Schiff 1 und 2 sind mittelfristig Energie-Effizienz-Maßnahmen der Schlüssel zu einem noch umweltfreundlicheren Schiffbetrieb. Denn hier kann man gut nachrüsten. Das können Sie sich vorstellen wie bei einen Kühlschrank, den man sich kauft und nach drei Jahren gibt es Modelle, die noch effizienter arbeiten. Genau so kann man auch auf den Schiffen beispielsweise an den Klimaanlagen, an den Kühlsystemen, an den Belüftungssystemen noch viel optimieren, um den Treibstoffverbrauch noch weiter zu reduzieren.

Parallel wollen wir das Thema Abgastechnik nicht ganz beiseitelegen und arbeiten auch hier an Lösungen zur Nachrüstung. Dabei ist es ein Vorteil, Teil eines großen Kreuzfahrtkonzerns zu sein, wo viel geforscht wird, z.B. in Form von Testphasen und in Pilotprojekten. Denn hier partizipieren wir, wenn ein Versuchsprojekt erfolgreich sein wird.

Vielen Dank, Lucienne Damm, für das Interview.

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