Interview: „Wir haben Natur, Berge, Wüste und wunderschöne Strände“

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Das hierzulande noch weitgehend unbekannte Emirat Ras Al Khaimah will möglichst bald ein neues Ziel für Kreuzfahrtschiffe werden. Haitham Mattar, CEO der Ras Al Khaimah Tourism Development Authority, erklärt im cruisetricks.de-Interview, wie er das schaffen will und warum das Emirat ganz anders ist als beispielsweise Dubai oder Abu Dhabi.

Bedouin Oasis Camp in Ras Al Khaimah
Bedouin Oasis Camp in Ras Al Khaimah

Was mich an diesem Interview besonders gereizt hat, war mit jemandem zu sprechen, der ein Land als neue Kreuzfahrt-Destination ins Spiel bringen will. Wie macht man das? Wie schwierig ist es und was muss man bieten, um ins Geschäft zu kommen?

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Und natürlich habe ich mich mit Haitham Mattar auch darüber unterhalten, was das hierzulande noch weitgehend unbekannte Emirat Ras Al Khaimah zu bieten hat, das Touristen und Kreuzfahrer nicht auch in Abu Dhabi oder Dubai erleben können. Die Antworten haben mich persönlich sehr neugierig auf Ras Al Khaimah gemacht …

Wenn man als neue Destination, als neuer Hafenstopp ins Kreuzfahrtgeschäft einsteigen will: Wie geht man da eigentlich vor, wie kommen man da ins Geschäft?

Wir wurden bereits von einem der großen Tour-Anbieter aus Dubai angesprochen, ob wir Interesse hätten. Und als wir dann tiefer gegraben und genauer hingesehen haben, stellten wir fest, dass wir ja sogar schon ein Cruise Terminal haben. Wir haben insgesamt fünf Häfen und einer davon hat dieses Terminal, das geschlossen worden war.

Haitham Mattar (l.) im Interview mit Franz Neumeier, cruisetricks.de (Bild: Marina Noble)
Haitham Mattar (l.) im Interview mit Franz Neumeier, cruisetricks.de (Bild: Marina Noble)

Das haben wir also zusammen mit dem Tour-Anbieter besucht und die waren absolut begeistert davon und wollen es sogar selbst betreiben. Ich glaube, das wird kein schwieriges Unterfangen für uns und die Tour-Anbieter sind offen dafür, Schiffe hierher zu bekommen.

Aber wir nehmen natürlich auch direkt Kontakt mit den Reedereien auf, wir präsentieren uns gegenüber den Kreuzfahrtreedereien und versuchen, Interesse und Begeisterung dafür zu wecken, uns anzulaufen. Denn die Reedereien wollen natürlich sehen, dass wir es ernst meinen und was wir zu bieten haben. Aber die Details besprechen wir mit den Tour-Anbietern und die Tour-Anbieter sprechen dann mit den Reedereien.

Ganz neu ist das Kreuzfahrtgeschäft für Ras Al Khaimah also eigentlich gar nicht, wenn Sie schon ein Cruise Terminal haben …

Ja, das Terminal wurde 2011 für ein paar Anläufe genutzt, dann aber nicht mehr. Wir werden es reparieren und renovieren. Die Ausstattung ist immer noch da, beispielsweise die Security-Scanner. Das sind aber alte Geräte, wir werden sie durch neue ersetzen und müssen das Gebäude wieder herrichten. Wir müssen auch die Fahrrinne ein wenig ausbaggern, weil sich dort über die Zeit Sand abgelagert hat, nur ein wenig. Wenn ich optimistisch bin, würde ich sagen, wir sind startklar, um im 1. Quartal 2017 die ersten Kreuzfahrtschiffe zu empfangen.

Das wirklich interessante an einem Hafenstopp in Ras Al Khaimah ist, dass es ja keine nennenswerte Routenänderung erfordert. Die Schiffe fahren ja auch jetzt schon direkt an uns vorbei.

Wenn Sie Kreuzfahrt-Touristen mit anderen Urlaubern vergleichen: Wo liegt für Ras Al Khaimah der Vorteil bei Kreuzfahrt-Passagieren?

Da sind zwei Dinge, die uns helfen. Kreuzfahrtpassagiere kommen in die Stadt und geben dort direkt Geld aus. Und sie kommen, erkunden und werden sich bewusst, dass diese Stadt überhaupt existiert. Und wir haben die Hoffnung, dass sie irgendwann zurückkommen und dann länger bleiben. Es geht darum, Wahrnehmung zu schaffen, gute Erfahrungen zu vermitteln, bekannter zu werden.

Herrscht zwischen den Emiraten eigentlich Wettbewerb? Versuchen Sie sich gegenseitig die Kreuzfahrt-Passagiere abzujagen, oder arbeiten Sie bei der Planung mit den anderen Emiraten zusammen?

Die Tourism Boards der verschiedenen Emirate treffen sich regelmäßig unter dem gemeinsamen Dach des National Council of Tourism and Antiquities für die Vereinigten Arabischen Emirate. Es gibt also ein Gremium in den VAE, das uns alle vereint. Das Interesse dieses Gremium ist es, Anreize für den Besuch der VAE zu schaffen, Konkurrenz untereinander zu vermeiden und sicherzustellen, dass sich die Angebote der einzelnen gegenseitig ergänzen.

Wir als Ras Al Khaimah sind in einer hervorragenden Position, weil wir keine großen, glitzernden Hochhaustürme und großen Shopping Malls haben. Wir haben Natur, wir haben Berge, wir haben Wüste und wunderschöne Strände. Und die Kultur, die Menschen, die Tradition und die Geschichte, was die anderen nicht bieten können, weil sie mehr das Stadterlebnis haben. Dubai ist in der großartigen Position, dass es als Stadt für Theme-Parks und Shopping bekannt ist. Das ist großartig für uns, weil die Leute das dort machen können und dann zu uns für ein komplett anderes Erlebnis kommen und eine vollkommen andere Perspektive auf die Emirate gewinnen können.

Was hat Ras Al Khaimah für Kreuzfahrt-Urlauber zu bieten?

Das Kreuzfahrtgeschäft in der Region hat schon vor einigen Jahren begonnen, mit Startpunkt in Abu Dhabi und Stopps in Dubai, Fujeirah, Oman. Wir sind an der Einwohnerzahl gemessen ein kleines Emirat, aber wir sind das flächenmäßig viergrößte Emirat. Es ist ein Emirat, das so viel zu bieten hat in Hinblick auf Natur, Geschichte und Kultur. Eine Menge Dinge in diesem Teil der Welt hat in Ras Al Khaimah seinen Ausgangspunkt. Viele Stämme aus Ras Al Khaimah sind in andere Emirate weitergezogen, um dort zu leben. Die Wirtschaft in Ras Al Khaimah hat begonnen aufzublühen, als unsere Industrie angefangen hat zu wachsen. Wir haben kein Öl wie andere Emirate. Aber wir haben den größten Keramikproduzenten der Welt, den größten Hersteller generischer Medikamente der Region, die größte Zementfabrik, die größte Fertigungsstraße für Fahrzeuge des Herstellers Tata und viele andere, große Industriebetriebe, die die Wirtschaft stützen.

2011 entstand das Tourism Board und Tourismus gewann an Bedeutung und begann, seinen Teil zum Bruttoinlandsprodukt beizutragen. Wir sind vor etwa einem Jahr eingestiegen. Und als wir uns umsahen, ist man überall davon ausgegangen, dass das Emirat viele Strandressorts, Strände zu bieten hat, mehr nicht. Aber wir können so viel mehr bieten, etwas was Geschichte angeht. Wir haben aber auch die höchsten Berge innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate, bis 1.910 Meter hoch. Die räumliche Nähe von Bergen, Meer und Wüste ermöglicht es uns, den Menschen ein vielfältiges Angebot zu machen für eine Menge von Aktivitäten, die sie innerhalb eines kurzen Zeitraums machen können.

Wir haben auch eine sehr schöne Altstadt. Die ist echt, das ist nicht künstlich errichtet. Es ist, was es ist aus der Zeit, als es ursprünglich entstand. Es wurde nicht restauriert, es wurde nicht beeinflusst, es ist genau im ursprünglichen Zustand. Man sieht immer noch die Fischer vom Meer kommen und die Fische zum täglichen Verkauf bringen. Man sieht die Menschen Gewürze verkaufen und das Kunsthandwerk, das in Ras Al Khaimah entsteht. Und man sieht Menschen Datteln verkaufen. Wir haben Dattelfarmen und es gibt tatsächlich 18 verschiedene Sorten von Datteln.


(Alle Bilder: Ras Al Khaimah Tourism Development Authority)

Wir sind ein mehr bodenständiges, authentisches Emirat, das es geschafft hat, seine arabische Authentizität, seine Kultur, seine Traditionen zu erhalten. Es ist das reichste Emirat in Hinblick auf historische Stätten. Wir haben auch ein komplettes Dorf, das so erhalten ist, wie die Emirati ursprünglich lebten, vor 200 Jahren, bevor das Öl in der Region entdeckt wurde.

Das ist wirklich aufregend für Kreuzfahrt-Passagiere zu sehen, wie die Leute in Abu Dhabi in netten, glänzenden Türmen leben und dann kommen sie hier her und sehen, wie die Menschen früher gelebt haben. Das macht es spannend zu sehen, wie wir mit einfachsten Einrichtungen und minimaler Infrastruktur vom Fischen und Perlen-Tauchen lebten. Das ist ein Dorf mit Moscheen, Wachtürmen, Häusern, alten Souks. Wir sind gerade dabei, dieses Dorf zu restaurieren, und zwar mit den gleichen Werkzeugen und Techniken, wie die Häuser ursprünglich errichtet wurden.

Menschen, die mit einer Kreuzfahrt hier her kommen, können all diesen Reichtum an Kultur, Ursprünglichkeit und Geschichte sehen und erleben. Was die Menschen hier anzubieten haben, ist phänomenal. Und noch eine Sache möchte ich erwähnen: In Ras Al Khaimah leben mehr Einheimische, weswegen man viel mehr Einheimische trifft als in den meisten anderen Emiraten. Für Menschen, die hier während einer Kreuzfahrt Halt machen, können mehr mit Einheimischen interagieren, die ihnen Empfehlungen geben, wo sie hingehen, was sie sich anschauen können – mehr als in anderen Emiraten.

Machen Sie sich keinen Sorgen, dass die große Zahl an Kreuzfahrtpassagieren genau das recht schnell kaputt machen, allein durch die schiere Masse an Besuchern?

Unser Terminal ist für kleine bis mittelgroße Schiffe geeignet, Schiffe bis 1.500 Passagiere. Diese Schiffe laufen heute Abu Dhabi und Dubai an. Aber das sind die Schiffe, die wir ansprechen wollen – nicht die riesigen 5.000-Passagiere-Schiffe. Wir arbeiten auch sehr eng mit Touranbietern an Land zusammen um sicherzustellen, dass die Menschen von den Schiffen verschiedene Dinge an Land tun können, aber jeweils in verschiedenen Gegenden, damit nicht alle gleichzeitig am selben Ort sind. Es gibt so viel in den verschiedenen Teilen der Stadt zu sehen, sodass wir 200 Menschen da, 100 Mensch hier, 50 Menschen dort haben können und die zirkulieren. Wir können das organisieren, dass die Menschen nicht die vielen, schönen Ecken der Stadt überfluten, wenn sie durch kleine Gassen laufen.

Wir danken Haitham Mattar für das Interview, das wir mit ihm in einem Münchner Hotel geführt haben.

Haitham Mattar (Bild: Ras Al Khaimah Tourism Development Authority)
Haitham Mattar (Bild: Ras Al Khaimah Tourism Development Authority)

Der gebürtige Libanese mit US-amerikanischem Pass Haitham Mattar war bis 2015 für Hilton Worldwide als Senior Vice President of Sales and Marketing im Mittleren Osten, Afrika, Osteuropa, der Türkei und Russland tätig. Als CEO der Ras Al Khaimah Tourism Development Authority kümmert er sich jetzt darum, das Emirat bekannter zu machen und möglichst bald auch kleinere mit mittelgroße Kreuzfahrtschiffe ins Land zu bringen.

Geheimtipp Ras Al Khaimah

Wer Ras al Khaimah übrigens schon während einer Kreuzfahrt schon will, bevor die ersten Schiffe dort direkt am Cruise Terminal anlegen: Von Dubai ist es nur rund eine Autostunde bis hierher.

Fort Dhayah (Bild: Ras Al Khaimah Tourism Development Authority)
Fort Dhayah (Bild: Ras Al Khaimah Tourism Development Authority)
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Für einen Urlaub an Land überwiegen in Ras Al Khaimah die Hotels der Mittelklasse – keine aufwändigen und damit übertrieben teuren Luxus-Hotels wie an anderer Stelle in den Emiraten. Und die erschwinglichen Hotel liegen hier auch mal direkt am Strand. Nur hat sich das bis zu uns noch nicht herumgesprochen …

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