CO2-Ausstoß von Kreuzfahrt-Schiffen berechnen

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Mehr Transparenz beim Schadstoff-Ausstoß von Kreuzfahrtschiffen

Mehr Transparenz beim Schadstoff-Ausstoß von Kreuzfahrt-Schiffen

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und Atmosfair haben einen Klimarechner entwickelt, mit dem Kreuzfahrtpassagiere mit wenigen Mausklicks berechnen können, wieviel CO2-Ausstoß ihre Kreuzfahrt verursacht.

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Der Klimarechner berücksichtigt Kabinengröße, Bettenzahl in der Kabine, Kreuzfahrtdauer und Anzahl der Seetage und ermittelt daraus die anteilige Menge an CO2-Ausstoß einschließlich der sich daraus ergebenden Kompensationszahlung. Bei einer 7tägigen Kreuzfahrt mit 2 Seetagen in einer Außenkabine ergibt diese Rechnung beispielsweise einen CO2-Ausstoß von 3.300 kg, was 76 Euro entspricht. Die freiwilligen Klimaschutz-Spenden von Passagieren in dieser Höhe investiert Atmosfair laut der aktuellen Pressemitteilung in Klimaschutzprojekte.

Zum Vergleich: Ein 2010 in Deutschland gekaufter Neuwagen emittiert laut Spiegel Online durchschnittlich 150 Gramm CO2 pro Kilometer. Bei einer Jahresleistung von 20.000 Kilometern ergibt das also 3.000 kg pro Jahr. Ein Hin- und Rückflug von Deutschland nach Florida entspricht einem CO2-Ausstoß pro Passagier von 5.500 kg (Quelle: Atmosfair).

Insgesamt ist die Vergleichbarkeit solcher Werte nicht immer gegeben, da häufig – aber eben nicht immer – auch andere Schadstoffe in sogenannte CO2-Äquivalente umgerechnet und mit einbezogen werden. Der Kreuzfahrtschiff-Klimarechner berücksichtigt derzeit ausschließlich den CO2-Ausstoß.

Entscheidet sich ein Hapag-Lloyd-Passagier dazu, die aus den CO2-Emmissionen seiner Kreuzfahrt entstehenden Umweltkosten an Atmosfair zu spenden, beteiligt sich Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für Reisen ab 2011 mit 25 Prozent des Betrags an der Spende. Per Spendenbescheinungung von Atmosfair ist das dann sogar steuerlich absetzbar.

Durschnittswerte von 67 Kreuzfahrtschiffen

Laut Atmosfair, die den CO2-Rechner für Kreuzfahrtschiffe entwickelt haben, liefert der Klimarechner einen Durchschnittswert, den Atmosfair aus den CO2-Ausstoßwerten von insgesamt 67 Kreuzfahrtschiffen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters ermittelt hat. Zukünftig soll der Rechner weiterentwickelt werden und noch präzisere Angaben bis hin zu den konkreten Werten einzelner Schiffe ermöglichen. Bis dahin bleibt der errechnete Wert ein Durchschnittswert, der von Kreuzfahrtschiff zu Kreuzfahrtschiff deutlich abweichen kann. Daumenregel: Je größer das Schiff und je neuer das Baujahr, desto geringer sind die Emissionswerte. Und auch die Fahrt-Route hat großen Einfluß auf den CO2-Ausstoß: Je größer die zurückgelegte Fahrstrecke und je höher die Geschwindigkeit des Schiffs, desto höher auch der CO2-Ausstoß.

Energieverbrauch auf Kreuzfahrtschiffen

Der Haupt-Energieverbraucher auf einem Kreuzfahrtschiff ist übrigens – nachvollziehbarerweise – der Antrieb, der aber nur rund die Hälfte des Treibstoff-Verbrauchs ausmacht. Die übrigen 50 Prozent teilen sich vor allem auf in Klimaanlage beziehungsweise Heizung, den Energiebedarf des Hotelbetriebs wie Beleuchtung, Küche und Wasseraufbereitung sowie die Zusatzaggregate wie beispielsweise die Bugstrahlruder. (Diese Werte stammen von Celebrity Cruises).

Kreuzfahrtschiff-Klimarechner – unsere Meinung dazu

Der Klima-Rechner ist ein wirklich interessanter erster Schritt hin zu mehr Transparenz bezüglich Schadstoffausstoß von Kreuzfahrtschiffen und macht durch seine Einfachheit beinahe schon Spaß, auch wenn es um ein ernstes Thema geht. Nicht abgedeckt sind bei dieser Berechnung allerdings weitere relevante Schadstoffe, insbesondere Schwefel- und Stickoxide sowie Feinpartikel.

Hapag-Lloyds Kreuzfahrtschiffe kommen bei diesem Klimarechner sicherlich besser weg, als es der Realität entspricht, weil sie relativ klein und vergleichsweise alt sind: MS Hanseatic 1993, MS Europa 1999, MS Bremen 1990, MS Columbus 1997. Vor allem Neuentwicklungen wie beispielsweise die Solstice-Class-Schiffe von Celebrity Cruises aus der Papenburger Meyer Werft haben nach Angaben der Werft einen um bis zu 30 Prozent niedrigeren Verbrauch als vergleichbare Schiffe und haben damit deutlich niedrigere CO2-Werte, als der Klimarechner das in diesem Fall angeben würde.

Man kann gespannt sein, ob es Atmosfair gelingt, den Klimarechner weiter zu verfeinert und vor allem auf einzelne Kreuzfahrtschiffe herunterzubrechen. Denn erst dann wird es möglich sein, bei der Buchung einer Kreuzfahrt auch die Umweltfreundlichkeit des jeweiligen Kreuzfahrtschiffs zu berücksichtigen und gegebenfalls auf ein umweltfreundlicheres Schiff auszuweichen.

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6 Kommentare zu CO2-Ausstoß von Kreuzfahrt-Schiffen berechnen

  1. Konstantin Pfliegl on September 21, 2010 at 12:17 pm

    Ob Urlauber tatsächlich irgendwann bei ihren Planungen die Umweltfreundlichkeit eines Schiffes berücksichtigen – oder gar auf ihr Wunsch-Schiff verzichten, weil es viel Schmutz in die Luft bläst?
    Wer eine Kreuzfahrt bucht, sollte sich bewusst sein, dass das nicht gerade eine umweltfreundliche Form des Urlaubs ist:
    Selbst im Hafen blasen die Schiffe zur Stromerzeugung ihre Abgase in die Luft. Ganz abgesehen vom Müll, den die Schiffe produzieren, zum Beispiel alleine an Getränkedosen.
    Dennoch ist der Weg, den Celebrity mit seiner Solstice-Klasse geht, ein Schritt in die richtige Richtung!

  2. Franz on September 21, 2010 at 12:41 pm

    @Konstantin: Ich bin mir da gar nicht so sicher. Sicherlich ist der Urlaub auf Balkonien umweltverträglicher als eine Kreuzfahrt. Aber vergleicht man eine Kreuzfahrt beispielsweise mit einem Hotelurlaub in der Türkei, dann glaube ich nicht, dass die Umweltbilanz dafür so viel besser ausfällt.

    In den meisten Ländern der Welt sind die Umweltstandards wesentlich schlechter als auf modernen Kreuzfahrtschiffen. Da geht schonmal das Abwasser ungefiltert ins Meer, von Filteranlagen in Müllverbrennungsanlagen ganz zu schweigen, Mülltrennung und Recycling ist dort ein Fremdwort.

    Kreuzfahrtschiffe trennen und recyclen den Müll, haben hocheffiziente Müllverbrenungsanlagen mit Filtern für den Restmüll, arbeiten mit Abgaswärme-Rückgewinnungssystemen, verfügen über hochmoderne Kläranlagen an Bord, die eine Abwasserqualität produzieren, die oft besser ist als das Meer, in dem die Schiffe schwimmen.

    Ich bin überzeugt, dass Kreuzfahrtschiffe mit technischen Weiter- und Neuentwicklungen noch viel Energie-effizienter werden können, keine Frage. Aber so schlecht schneidet diese Urlaubsform glaube ich gar nicht ab.

    Das Thema Treibstoff-Verbrauch im Hafen ist übrigens weniger ein CO2-Thema (denn ein Kraftwerk, aus dem die Energie per Stromkabel an Bord käme, stößt ja auch CO2 aus). Da geht’s mehr um die Art des Treibstoffs und die damit verbundenen Schwefeloxid-Mengen, die für die Bewohner der Hafenstädte gesundheitsschädlich sind. In dieser Hinsicht kann man sicherlich noch einiges tun und viele amerikanische und europäische Häfen verlangen inzwischen im Hafen ja auch den Einsatz schwefelarmer Treibstoffe.

    Royal Caribbean testet übrigens auf der Independence of the Seas gerade ein System, das Schwefel- und Stickoxide sowie CO2 aus den Abgasen filtern soll; Schwefeloxide bis zu 99% – eine spannende neue Technologie ).

  3. Konstantin Pfliegl on September 21, 2010 at 12:57 pm

    Es ist schade, dass die Landstromversorgung kaum angeboten wird, beziehungsweise von den Reedereien nicht gewünscht wird. Meines Wissens nach nutzen aber in Lübeck bereits einige Frachtschiffe diese Art der Stromversorung im Hafen.
    Mittelfristig dürfte der Landstrom auch deutlich billiger sein als der entsprechende Treibstoff.

  4. Franz on September 21, 2010 at 1:26 pm

    Eine EU-Studie (http://www.welt.de/regionales/hamburg/article4542482/EU-schaltet-den-Landstrom-im-Hafen-ab.html) hat 2009 wohl gezeigt, dass Landstrom nicht unbedingt die sauberere Lösung ist – Hauptgrund: Oft kommen noch recht dreckige Kohlekraftwerke für die Energieproduktion an Land zum Einsatz. Flüssigerdgas scheint eine ganz interessante Alternative zu sein, allerdings ist das vor allem auf älteren Schiffen ohne Umrüstung nicht einsetzbar und natürlich muss auch das Gas im Hafen erst einmal bereit gestellt werden. Leider alles etwas kompliziert; aber Probleme sind ja dazu da, dass man sie löst ;-)

  5. Marco on März 16, 2016 at 12:55 pm

    Habe ich es überlesen, oder fehlt der Link zum Klimarechner?

  6. Franz Neumeier on März 16, 2016 at 1:03 pm

    @Marco: Stimmt, sorry, hier ist der Link: http://www.hl-cruises.de/unternehmen/umweltmanagement/klimarechner

    Der Link ist wohl versehentlich bei der letzten Aktualisierung de Beitrags auf der Strecke geblieben.

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