Kreuzfahrtschiffe mit ungewöhnlichen Taufpatinnen

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Mary Lin Moore tauft 1952 die USS Impervious (Bild: US Navy)
Miss Mary Lin Moore tauft 1952 die USS Impervious (Bild: US Navy)

Die Taufpatin eines Kreuzfahrtschiffs ist fast immer eine Schauspielerin, Sängerin oder wie im Falle von Cunard oder Holland America Line schonmal eine königliche Hoheit. Und Sophia Loren hat inzwischen so viele Kreuzfahrtschiffe bei MSC getauft, dass das nächste sogar nach ihre benannt wird: MSC Divina. Doch ab und zu – und uns kommt es so vor, als würde sich das häufen – wird ein ganz anderer Typ von Frau zur Taufpatin eines Kreuzfahrtschiffs, ganz ohne Glamour- und Celebrity-Status.

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Statt VIPs, die meist kaum einen Bezug zu Kreuzfahrt oder gar der jeweiligen Kreuzfahrtgesellschaft haben (Sophia Loren ist da eine Ausnahme), sind die Taufpatinnen immer häufiger Frauen, die eine enge Bindung zu dem jeweiligen Schiff oder der Reederei haben oder sich durch besondere soziale oder gesellschaftliche Leistungen hervorgehoben haben. Erst die Taufe macht sie in der breiten Öffentlichkeit bekannt.

Nebenbei bemerkt: Wer wissen will, wer Mary Lin Moore ist, die auf unserem Aufmacherbild das nicht wirklich bedeutende US-Minenräumboot USS Impervious tauft, den muss ich leider enttäuschen. Ich habe keine Ahnung, wer die junge Frau war und wie sie zu ihrer Taufpatinnen-Ehre gekommen ist. Über Miss Mary Lin Moore ist nicht Bedeutendes überliefert oder zumindest nichts, was via Google auffindbar wäre.

Taufe als Charity-Event

Zum ersten Mal richtig aufgefallen ist uns dieser Trend im April 2010, als die Celebrity Eclipse in Southampton von Emma Pontin getauft wurde. Zumindest außerhalb der Segel-Welt kannte sie davor niemand. Immerhin ist sie eine der besten Sportseglerinnen der Welt, hat sich aller Respekt aber vor allem durch ihre eiserne Willenskraft im Kampf gegen den eigenen Brustkrebs verschafft. Anlässlich der Taufe fand in Southampton ein Charity-Lauf zu Gunsten der Krebsforschung statt. Bereits 2009 taufte Nina Barough in Southampton die Celebrity Equinox. Barough ist die Gründerin der Organisation „Walk the Walk“, die sich in der Brustkrebsforschung engagiert.

Jüngstes Beispiel ist Lindsey Wilkerson, Taufpatin der Carnival Magic, die am 1. Mai 2011 in Venedig getauft wird. Lindsey Wilkerson war als 10jährige an Krebs erkrankt und in dem von Carnival Cruise Lines mit Spenden geförderten St. Judes Children’s Research Hospital in Memphis behandelt wurde. Heute arbeitet sie in diesem Krankenhaus. Anläßlich der Taufe bekommt das Krankenhaus von Carnival im Namen von Lindsey Wilkerson weitere 50.000 Dollar als Spende.

Louise Calder, die Taufpatin der Freedom of the Seas (2006), war in der Betreuung von Waisenkindern engagiert.

Bewerbung für den Job als Taufpatin

AIDA ging einen ganz anderen Weg, blieb aber im grundsätzlichen Trend: Für die AIDAsol wurde die Taufpatin per Online-Abstimmung gesucht, bewerben konnten sich weibliche AIDA-Fans und gewonnen hat die Kapitäns-Tochter und Reisebüroinhaberin Bettina Zwickler – quasi eine ganz volksnahe und bei den AIDA-Fans offenbar hochbeliebte Taufpatin mit ganz engem, persönlichem Bezug zu dem Schiff, das sie am 9. April 2011 taufen durfte.

Diesen Ansatz gab es so ähnlich schon einmal: 2007 wurde die Liberty of the Seas von Donnalea Madaley getauft, eine kanadischen Expedientin, welche die Taufpatinnen-Ehre bei einem Wettbewerb von Royal Caribbean gewonnen hatte. Damals freilich noch ohne aufwändige Online-Wahl via Facebook.

2008 fiel die Wahl für die Taufpatin der Independence of the Seas auf Elisabeth Hill die eine Einrichtung zur Betreuung von Kindern mit körperlichen Behinderungen und Lernschwächen ins Leben gerufen hatte. Vorausgegangen war auch hier eine öffentliche Ausschreibung in Großbritannien, bei der mehr als 1.700 Nominierungen eingegangen waren.

Seabourn Odyssey: 450 Tauf-Eltern

Seabourn machte 2009 dagegen gleich sämtliche Passagiere der Jungfernfahrt zu Tauf-Eltern. Statt einer einzelnen Taufpatin sind jetzt 450 Passagiere zu gleichen Teilen Taufpatin oder Taufpate der Seabourn Odyssey. Die männlichen Passagiere gehören damit zu einem ganz erlesenen Kreis, denn Männer sind traditionell eigentlich nicht als Taufpaten akzeptiert.

Meeresbiologin mit Charity-Hintergrund

Und noch ein letztes Beispiel für eine ungewöhnliche Taufpatin: Die Celebrity Solstice wurde 2008 von Sharon Smith getauft – zum erstenmal stand damit eine Wissenschaftlerin Pate für ein Kreuzfahrtschiff. Professor Sharon Smith forscht an der University of Miami im Bereich Meeresbiologie. Wie bei den weiteren Solstice-Class-Schiffen auch hat Sharon Smith aber auch einen Bezug zu Brustkrebs, dem Charity-Thema bei allen Schiffstaufen der Celebrity-Solstice-Class.

Aus der Reihe getanzt: Fiona und Tinkerbell

Erwähnen möchte ich noch zwei ungewöhnliche Taufpatinnen. Da beide allerdings so gar nicht in den beschriebenen Trend passen, soll es bei der einfachen Erwähnung bleiben: Die Allure of the Seas wurde 2010 von der Comic-Figur Fiona getauft, die Disney Wonder bekam 1999 ihren Segen von Tinkerbell.

Zwischen Ehre und Marketing-Effekt

So uneigennützig und kreativ die Auswahl dieser ungewöhnlichen Taufpatinnen erscheinen mag, darf man nicht zu naiv sein: Die Auswahl der Taufpatin eines Kreuzfahrtschiffs dient der Reederei natürlich auch für Marketing-Zwecke. Ganz ohne geht es heutzutage nicht und Lieschen Müller ohne jeden Bezug zur Schifffahrt und ohne gesellschaftliches Engagement würde als Taufpatin nicht funktionieren – einfach weil sich Passagiere und Medien nicht für sie interessieren würden.

Marketing ist denn auch der Hauptgrund, dass sich eigentlich keine Reederei mehr an die Tradition hält, ein Schiff noch vor dem Stapellauf zu taufen. Den Stapellauf im klassischen Sinne gibt es freilich heute auch nicht mehr. Aber die Taufe findet eben meist erst Wochen nach dem Termin statt, zu dem das Schiff zum ersten Mal Wasser unter den Kiel bekommt. So lässt sich der Tauf-Termin optimal mit den damit verbundenen Marketing-Aktivitäten abstimmen und gleich noch mit der Jungfernfahrt verbinden, die heutzutage ja aus ganz ähnlichen Gründen ebenfalls nicht mehr gleichzusetzen ist mit der ersten Passagierfahrt eines Kreuzfahrtschiffs.

Persönlich finde ich den Trend zu „normalen“ Menschen als Taufpatinnen sehr sympathisch. Sozial und gesellschaftlich engagierte Taufpatinnen haben die Ehre allemal mehr verdient als Promis, die schon ein Stunde nach der Taufe wieder im Flieger sitzen, auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt ihrer Selbstvermarktungs-Tournee.

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