Mehrwertsteuer-Erhöhung für Flusskreuzfahrten?

Montag, 3. Oktober 2011 von

Flusskreuzfahrtschiff Katharina von Bora auf der Elbe

Fluss-Kreuzfahrtschiff auf der Elbe (Katharina von Bora, Nicko Tours)

Flusskreuzfahrten in Deutschland könnten von 2012 an deutlich teurer werden, sagt der deutsche Reiseverband und schlägt Alarm: Zum Jahresende 2011 läuft eine Sonderregelung bei der Mehrwertsteuer aus, die bislang Flusskreuzfahrten in Deutschland nur mit dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent belastete. Der ermäßigte Steuersatz für die „Beförderung von Personen mit Schiffen in Deutschland“ gelte schließlich bereits seit 1984, so der DRV.

Da diese Mehrwertsteuer-Ermäßigung für Flusskreuzfahrtschiffe bislang regelmäßig verlängert worden war, dürfte kaum eine Reederei bei der Planung der Routen und der Kalkulation der Preise für 2012 die nun drohende Umsatzsteuer-Erhöhung eingeplant haben. Entsprechend sauer reagieren Reedereien auf die Politik.

Viking-Flusskreuzfahrten-Geschäftsführer Guido Laukamp: „Die Erhöhung war zum Zeitpunkt der Kalkulation und Katalogerstellung nicht vorhersehbar, da die Politik – wohl auch wegen des Debakels mit der Mehrwertsteuerbegünstigung von Hotels – keinerlei Stellung zur Verlängerung oder Abschaffung der 7-Prozent-Regelung bezog. Insofern hat weder Viking noch irgendein anderer Anbieter die 19 Prozent einkalkulieren können.“

Angesichts der Tatsache, dass die Anfang 2011 von der FDP durchgesetzte Mehrwertsteuerermäßigung für Hotelübernachtungen derzeit ebenfalls wankt, erscheint es als eher wahrscheinlich, dass die 7-Prozent-Regelung für Flussschiffe nicht mehr verlängert wird. Die Folgen sind vor allem für die Flusskreuzfahrt-Reedereien unangenehm, die ihre Preise im Vertrauen auf das Fortbestehen der seit fast 30 Jahren geltenden Steuerermäßigung kalkuliert haben und zumindest bei den bereits gebuchten Kreuzfahrten auf den Mehrkosten sitzenbleiben.

DRV: “Erhebliche Konsequenzen für deutsche Schiffsanbieter”

DRV-Präsident Jürgen Büchy kommentiert: “Das Auslaufen des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes in Deutschland zum Jahresende würde insbesondere vor dem Hintergrund ermäßigter Mehrwertsteuersätze in unseren Nachbarländern (u.a. Frankreich, Niederlande und Österreich) erhebliche Konsequenzen für deutsche Schiffsanbieter bedeuten.“

Betroffen wären alle Flusskreuzfahrten mit Fahrstrecken-Anteil in Deutschland: Unabhängig von Ein- oder Ausschiffungshafen oder Hafenstopps fällt die deutsche Mehrwertsteuer – derzeit 7 Prozent, zukünftig möglicherweise 19 Prozent – auf den Anteil des Kreuzfahrtpreises an, der prozentual den Streckenkilometern in Deutschland entspricht.

Laut Guido Laukamp, Geschäftsführer der Viking Flusskreuzfahrten GmbH und Stellv. Vorsitzender des Kreuzfahrtausschusses des DRV, beträgt beispielsweise der Streckenanteil einer Rhein-Kreuzfahrt von Amsterdam nach Basel 68 Prozent, eine Elbe-Kreuzfahrt von Magdeburg nach Prag 96 Prozent und die ebenfalls sehr beliebte Route über Rhein, Main und Mosel von Trier nach Würzburg verläuft komplett durch Deutschland. Lediglich die typische Donau-Kreuzfahrt ab/bis Passau wird vom Finanzamt verschont – hier müssen wegen der nur sehr kurzen Strecke in Deutschland keine Umsatzsteuern abgeführt werden.

Zwei Beispiele: Eine 7-Nächte-Kreuzfahrt auf der Elbe, heutiger Preis 600 Euro, würde nach der MwSt-Erhöhung 664,60 Euro kosten. Eine 8-Nächte-Rhein-Kreuzfahrt von Amsterdam nach Basel, heutiger Preis 1.300 Euro, würde nach MwSt-Erhöhung 1.457 Euro.

Nachfrageverschiebung ins (günstigere) Ausland?

Da die Flusskreuzfahrten mit hohem Streckenanteil in Deutschland deutlich teurer würden, rechnet Laukamp mit einer Nachfrageverschiebung auf Fahrtrouten im Ausland, die von der Mehrwertsteuer-Erhöhung nicht betroffen sein würden. Die deutsche und vor allem die internationale Nachfrage werde auf ähnlich attraktive, ausländische Routen ausweichen, beispielsweise auf die Donau oder die französischen Flüsse.

Gesetzt den Fall, dass die Umsatzsteuer-Ermäßigung auf 7 Prozent tatsächlich fällt: Was bedeutet das für die Passagiere? Werden daraus resultierenden die Preiserhöhungen ab 2012 auch schon gebuchten Kunden nachträglich ganz oder teilweise nachberechnet?

Die Minimalforderung an die Politik formuliert Viking-Geschäftsführer Laukamp zu dieser Frage so: „Bei Einführung der Luftverkehrssteuer wurden schon gebuchte Kunden geschont, was auch einem allgemeinen Bestandsschutz-Gedanken entspricht. Das ist das Minimum, was die Politik gewährleisten muss. Worauf soll man sich als Wirtschaftstreibender denn sonst noch verlassen können?“

Inwieweit sich Flusskreuzfahrt-Reedereien und der DRV in Berlin ausreichend Gehör verschaffen und eine Verlängerung der 7-Prozent-Regelung durchsetzen können, werden die nächsten Wochen zeigen.

Unser Cruisetricks.de-Kommentar:

Klar, wir wünschen uns günstige Kreuzfahrtpreise, insofern ist eine Steuererhöhung ganz und gar nicht nach unserem Geschmack. Andererseits gibt es bei der Umsatzsteuer einen solchen Wildwuchs an Sonderregelungen, die niemand mehr versteht, dass eine Vereinfachung nicht unvernünftig wäre. Der Ehrlichkeit halber muss man auch sagen, dass diese Ermäßigung ursprünglich mal für den Linienschiffsverkehr gedacht war, also Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs …

Trotzdem: Eine solche Änderung faktisch von heute auf morgen durchzuziehen, ist ein Unding! Ohne Vorlaufzeit kann sich gerade ein langfristig planender Wirtschaftszweig wie die Flusskreuzfahrt nicht darauf einstellen. Egal, wie man zu der möglichen Mehrwertsteuer-Erhöhung bei Flusskreuzfahrten steht: Es ist vollkommen indiskutabel, das Problem seitens der Politik auszusitzen, einfach nichts zu tun und damit die Reedereien völlig unnötig in Schwierigkeiten zu bringen, statt rechtzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen, auf die sich jeder einstellen kann.

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Ein Kommentar zu Mehrwertsteuer-Erhöhung für Flusskreuzfahrten?

  1. Packmichein am November 2, 2011 um 2:04 pm

    Eine Anmerkung zum Cruisetricks-Kommentar:

    Das stimmt ja nicht wirklich, daß das eine kurzfristige Änderung ist.
    Ganz im Gegenteil: Es ist ein Steuergesetz, das es seit einigen Jahren gibt und in dieser Form seit 1984 zwar existiert, aber immer auf den letzten Metern wieder verlängert wurde. Also eigentlich wissen/ahnen alle schon seit geraumer Zeit, daß dies möglicherweise auf sie zurollt.
    D.h., daß im Grunde alle darauf hoffen, daß es auch jetzt zum x-ten Male so laufen wird und der Bundestag eine Gesetzesänderung verabschieden wird und der Bundesrat das genehmigt. Dann hätte die Branche wieder etwas Zeit gewonnen und die Reisepreise würden so bleiben, wie veröffentlicht.

    Im Moment sind die Zeiten schlecht für Steuergeschenke. Umso dankbarer ist die Branche dem DRV und auch Politikern wie dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Beck für die unmittelbare Aufnahme dieses Themas in Berlin.

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