Monsterwellen: schauerlich, aber auch faszinierend

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"Monsterwellen", Susan Casey, Droemer Verlag

"Monsterwellen", Susan Casey, Droemer Verlag

Monsterwelle, Killerwelle, Freakwelle, Kaventsmann – die mysteriösen Riesen-Wellen haben viele Namen, aber eine wissenschaftliche Erklärung für die Ungetüme gibt es bis heute nicht. Bis vor wenigen Jahren konnte man noch nicht einmal ihre Existenz stichhaltig beweisen. Deshalb eignen sich Monsterwellen auch hervorragend für Horror-Geschichten und Panikmache, wenn sich mal wieder ein Reporter oder TV-Journalist in den Kopf gesetzt hat, vor den “unkalkulierbaren Risiken von Kreuzfahrten” zu warnen.

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In unserem Beitrag “Monsterwellen und normaler Seegang” haben wir schon einmal genauer die Theorien zur Entstehung, Risiken und Häufigkeit von Monsterwellen beschrieben. Deshalb nur kurz: Als Monsterwellen gelten Wellen, die mehr als das doppelte der Höhe erreichen wie der aktuell an dieser Stelle herrschende Wellengang. Mysteriös sind solche Wellen deshalb, weil sie sich mit dem bisherigen Wissen über Wellenbewegungen und Physik nicht erklären und damit auch nicht vorhersagen lassen, trotzdem aber gelegentlich auftreten.

Die amerikanische Journalistin Susan Casey hat in einem Buch versucht, den Monsterwellen auf die Spur zu kommen, die wenigen Fakten zu diesen Wellen zu sammeln und sich selbst und ihren Lesern ein möglichst genaues Bild des Naturphänomens “Welle” zu machen. Vorweg: Mit “Monsterwellen – Auf der Suche nach der Urgewalt des Meeres” ist der Autorin das unvergleichlich gut gelungen. Das Buch ist gerade in deutscher Übersetzung im Droemer Verlag erschienen (Details: siehe unten).

Susan Casey: “Monsterwellen”

Susan Casey hat ihren persönlichen Hintergrund im Leistungs- und Extremsport, war Chefredakteurin von “Sports Illustrated Woman” und “Outdoor”. Für das Monsterwellen-Buch ist sie um die halbe Welt gereist, um sich selbst große Wellen anzusehen, vor allem aber mit Menschen zu sprechen, die mit sehr großen Wellen zu tun haben oder hatten.

In dem Buch gelingt es der Autorin, die Leser auf ihre Recherche-Reisen mitzunehmen und mit den Geschichten zu fesseln, als wäre der Leser selbst dabei. Sie verzichtet völlig auf Schlußfolgerungen, zieht kein Fazit und überläßt es dem Leser, sich seine Meinung selbst zu bilden. Allein das schon zeichnet ein Buch zu so einem emotionalen Thema in hohem Maße aus und hebt es wohltuend von vielen sogennannten Sachbüchern der letzten Zeit an, in denen Autoren weniger an der Wahrheit interessiert sind, als den Leser mit vorgefertigten Meinungen hauptsächlich Diskussionmaterial für den Stammtisch zu liefern. Wie gesagt: “Monsterwellen” ist da völlig anders und schon deshalb absolut lesenswert.

Ein Sachbuch, so spannend wie ein Roman

Obwohl sich das ganze Buch mit der Natur von Wellen und der Suche nach Erklärungen beschäftigt, erzählt Susan Cacey die Geschichte ihrer Recherchen so spannend wie in einem Roman. Sie charakterisiert die Menschen, die Sie trifft so präzise, dass der Leser das Gefühl hat, daneben zu sitzen. Etwa den britischen Lloyd’s-Agenten mit seinem trockenen Humor oder den unglaublich abgebrühten und doch sympatischen Schiffsbergungsexperten in Südafrika.

Ganz nebenbei lernt der Leser nicht nur das Wenige kennen, was man über Monsterwellen weiß, sondern erfährt viel Faszinierendes darüber wie Ozeane, Plattentektonik,  Vulkane, Tsunamis und Klimawandel zusammenhängen. Nicht wie in einem wissenschaftlichen Fachbuch, sondern unterhaltsam, spannend in einer beeindruckend plastisch und lockeren Art erzählten Geschichte. Kompliment hier auch an den Übersetzer ins Deutsche, Harald Stadler.

Kreuzfahrtschiffe spielen beim Thema Monsterwellen übrigens, auch in dem Buch, nur eine Nebenrolle. Trotzdem verpasst Susan Casey nicht, die meisten der ohnehin wenigen Monsterwellen-Vorfälle mit Kreuzfahrtschiffen zu erwähnen und die Umstände kurz zu beschreiben. Queen Elisabeth 2 (1995), National Geographic Endeavour (2001 in der Antarktis), SS Rotterdam (1970er-Jahre im Mittelmeer vor Alexandria), Norwegian Dawn (2005 vor der Südostküste der USA) und die Oceanos, die 1991 vor der südafrikanischen Küste als bislang einziges Kreuzfahrtschiff von einer Monsterwelle versenkt wurde (alle 571 Passagiere wurden gerettet). Nicht erwähnt ist die MS Bremen (2001 im Südatlantik), die Norwegian Spirit (2006 bei Tortola in der Karibik), die Prinsendam (2007 in der Antarktis) sowie die Louis Majesty 2009 im Mittelmeer bei Marseille – letztere wohl weil das Buch zu dem Zeitpunkt schon fertiggestellt war. Das nur, um die Liste zu vervollständigen …

Suche nach den Riesen-Wellen

Susan Casey hat für die Recherchen zu dem Buch viel Zeit mit Extrem-Wellenreitern auf Hawaii verbracht, um die Macht von Wellen und Ozean hautnah zu erleben und zu begreifen. Sie reist nach England, um sich mit Versicherungsspezialisten bei Lloyd’s, mit Risiko- und Wellenforschern zu unterhalten. Sie besucht Meeres-Wissenschaftler, die auf Forschungsschiffen gewaltige Stürme mit riesigen Wellen überlebt haben und Wissenschaftler, die Wellen per Satellit beobachten. Und sie fliegt nach Südafrika, um dort mit Schiffsbergungs-Spezialisten zu sprechen, die viel Erfahrung mit dem häufig gewaltigen Seegang ein der Gegend um das Kap der Guten Hoffnung haben.

Monsterwellen – Auf der Suche nach der Urgewalt des Meeres

Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Zeile und ist eine absolute Lese-Empfehlung für alle cruisetricks.de-Leser, die sich für Ozeane, Wind und Wellen begeistern können. Nur wer schon beim Gedanken an ein Schiff ängstlich und seekrank wird, könnte sich nach der Lektüre vielleicht etwas unwohl fühlen ;-)

“Monsterwellen”
Susan Casey, Droemer Verlag, ISBN 978-3-426-27461-3
Link: “Monsterwellen” bei Amazon bestellen19,99 Euro

Anmerkung: Der Droemer Verlag hat cruisetricks.de ein kostenloses Rezensionsexemplar des Buches zur Verfügung gestellt.

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Ein Kommentar zu Monsterwellen: schauerlich, aber auch faszinierend

  1. robbespierre on Januar 19, 2011 at 10:39 pm

    hört sich ja ganz lesenswert an das Buch – ich kann mir nur irgendwie nicht vorstellen wie man so viel über Wellen schreiben kann..

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