Napoli Sotterranea: Neapels geheimnisvolle Unterwelt

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Selbst wer schon oft in Neapel war, entdeckt in dieser faszinierenden Stadt immer noch etwas Neues. Zum Beispiel „Napoli Sotterranea“, die faszinierende Unterwelt Neapels. Endlosen Aquädukte und Zisternen, deren Ursprünge schon rund 5.000 Jahre zurück liegen. Ein komplett von Häusern um- und überbautes, römisches Theater. Unser Ausflugs-Tipp für den nächsten Kreuzfahrt-Hafenstopp in Neapel: Entdecken Sie diese geheimnisvolle Stadt unter der Stadt.

Napoli Sotterranea

Napoli Sotterranea

Neapel gehört zu den relativ wenigen Kreuzfahrthäfen, in denen man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Selbst beim fünften oder zehnten Mal wird es in Napoli nicht langweilig: Die Ausgrabungen von Pompeji und Herkulaneum, der Vesuv, eine Fahrt entlang der Amalfi-Küste und nach Sorrent, mit der Fähre zu den Inseln Capri, Ischia oder – für Insider – Procida, die historische Altstadt Neapels selbst oder auch Führungen in das authentische Neapel hinter der touristischen Kulisse sind Highlights einer Mittelmeer-Kreuzfahrt.

Neapel und Kreuzfahrt-Terminal

Neapel und Kreuzfahrt-Terminal

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Aber tief unter der Stadt verborgen liegt eine geheimnisvolle, andere Welt aus Zisternen und Aquädukten, in Tuffstein gehauenen Hallen, schmalen Spalten und einem Labyrinth aus Gängen.

Mit dem Graben fingen die Menschen schon vor rund 5.000 Jahren an, die Griechen nutzten den Tuffstein für Häuser, Tempel und Festungen und gruben den Stein mehr oder weniger direkt unter den neu zu errichtenden Gebäuden aus.

Die Römer verbanden die vielen so entstandenen Höhlen dann in einem Aquadukt- und Zisternen-System, das unter der Stadt etwa 80 Kilometer lang ist und sich im Umland sogar auf insgesamt rund 400 Kilometer Länge erstreckt.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Höhlen- und Zisternensystem als riesiger Luftschutzbunker. Relikte aus dieser Zeit sind in einem Museum an einem der Eingänge zu Napoli Sotterranea zu sehen.

Zu Neapels Unterwelt gibt es heute mehrere Zugänge und natürlich werden Touristen-Führungen angeboten. Wenn Sie keine Zeit beim Anstehen an der Kasse verschwenden wollen, buchen Sie den Ausflug in die Unterwelt Neapels bei der Reederei oder über lokale Tour-Anbieter.


Ganz auf das oberirdische Neapel muss man übrigens nicht verzichten bei einem Ausflug in die Unterwelt: Der Fußweg zum Einstieg führt geradewegs durch die Altstadt und die berühmten Gasse der Krippen-Bauer, die Via San Gregorio Armeno.

Römisches Theater unter den Häusern der Altstadt

Wir haben Napoli Sotterranea auf unsere Kurzreise mit der Costa Diadema im Februar 2015 besucht und dabei neben einem Teil des Zisternen-Systems auch ein römisches Theater erkundet, das erst vor wenigen Jahren unter alten Häusern der Stadt entdeckt wurde.

Theatro Romano

Theatro Romano

Von dem historischen Theater sieht man freilich nicht viel. Denn es ist tatsächlich komplett mit Häusern um- und überbaut. Der Zugang liegt direkt in einer für die neapolitanisch Altstadt so typischen, winzigen Wohnungen. Außer einem Schild neben dem Eingang deutet nichts darauf hin, was für ein historischer Schatz sich hinter einer ganz normalen Tür in einer ganz normalen Gasse mitten in Neapel verbirgt.


Die Wohnung ist heute natürlich nicht mehr bewohnt. Sie dient als kleines Museum am Zugang zu den Resten des römischen Theaters. Schiebt man das Bett zur Seite, gibt sie eine Falltür frei. Darunter führt eine Treppe hinab in eine Art Kellergewölbe – und dort kann man Mauerwerk des römischen Theaters bewundern und sich auf einer Zeichnung eine Vorstellung davon machen, wie das Theater ehemals aussah. So unscheinbar wie der Einstieg ist auch der Ausgang. Von außen würde man hier einfach nur eine Kellertreppe in einem beliebigen Hinterhof vermuten.

Auch wenn man von dem Theater selbst nicht wirklich viel sieht – es ist dennoch beeindrucken, weil es einen ganz neuen Blick auf die Stadt Neapel, ihre Jahrtausende alte Geschichte und die Stadtentwicklung vermittelt.

Bei Kerzenlicht durch enge Tuffstein-Schluchten

Napoli Sotterranea

Napoli Sotterranea

Emotional und optisch viel eindrucksvoller sind dagegen die alten Zisternen und Aquädukte unter der Stadt. Über eine lange Steintreppe steigen wir 40 Meter hinab unter die Erde, bevor wir in eine große, in den Tuffstein gehauene Halle kommen. Zu Römerzeiten war hier alles voll Wasser, doch jetzt ist es trocken, nur in der Ferne hört man Wasser plätschern. Die Führerin versichert übrigens, dass heutzutage selbst bei Starkregen keine Gefahr eines Wassereinbruchs besteht.

Die Luft riecht erstaunlich frisch und nicht etwa muffig, wie man das vermuten könnte. Wir gehen weiter, die Gänge werden enger, die Beleuchtung düsterer. Bis wir an einer in den Stein gehauen Theke ankommen, wo Kerzen bereit stehen. Wir sind tief unter der Erde, ab hier gibt es kein elektrisches Licht mehr und wir werden uns mit Kerzen in der Hand durch lange, enge Schluchten drücken, die so schmal sind, dass man sich oft mit Bauch und Rücken zu den Tuffstein-Wänden drehen muss, um durchzukommen. Nichts für Menschen mit Platzangst.

Der Weg führt aber auch vorbei an mit Wasser gefüllten Becken, über denen die hohen Schächte ehemaliger Brunnen zu erkennen sind. Und tatsächlich gibt es hier unten auch den Versuch, allerlei Pflanzen anzubauen – Basilikum, Salbei und andere Kräuter. Bei künstlichem Sonnenlicht erhofft man sich durch das gleichbleibend kühle, feuchte Klima in dem Höhlensystem besonders gute Ausbeute beim Anbau.


Durch die völlig Stille der Gänge, Spalten und Hallen der Napoli Sotteranea zu wandern hat fast etwas Mystisches. Löscht man am Ende des Wegs seine Kerze und steigt wieder hinauf ans Tageslicht, hinaus in die lebhafte Stadt, kneift man erst einmal die Augen zusammen, schüttelt verwundert den Kopf und brauche einen Moment, um wieder in der realen Welt anzukommen.

Napoli Sotterranea entdecken

Wer beim nächsten Hafen-Stopp in Neapel auf Erkundungstour in Napoli Sotterranea gehen will, hat drei Möglichkeiten: Römisches Theater und die Unterwelt-Tour, die wir gemacht haben, haben ihren Ausgangspunkt an der Piazza Gaetano 68, gegenüber der Pastisseria Capriccio di Salvatore Capparelli (www.napolisotterranea.org/en/naples-underground/). Und ein weiterer Zugang zu Napoli Sotterranea ist gleich um die Ecke nahe der Gambrinus Bar an der Piazza Plebiscito (www.lanapolisotterranea.it/orari_ing.htm). Die Führungen dauern jeweils etwas zwei Stunden.

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Ein paar Tipps zum Abschluss: Auch im heißen neapolitanischen Sommer ist ein lange Hose und eine Jacke empfehlenswert. Im Untergrund herrschen ganzjährig etwa 17 Grad, die sich bei der hohen Luftfeuchtigkeit noch etwas kühler anfühlen. Gutes Schuhwerk ist ebenfalls zu empfehlen, da einige der Wege und Treppen uneben sind. Aufzüge gibt es übrigens keine – wer in den Untergrund will, muss Treppen steigen. Die ganz engen Stellen im Kerzenschein kann man übrigens auslassen, wenn eine Platzangst überfällt – allerdings ist das auch der faszinierendste Teil der Führung.

Vesus - einmal ganz ohne Wolken

Vesus – einmal ganz ohne Wolken

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