Norwegian Cruise Line will an die Börse gehen

Mittwoch, 27. Oktober 2010 von

NCL Corporation Ltd. (Norwegian Cruise Line) will so bald wie möglich an die Börse gehen, mit einem Volumen von maximal 250 Millionen Dollar in Aktien. Die amerikanische Kreuzfahrtgesellschaft hat die dazu nötigen,  offiziellen Papiere eingereicht und veröffentlicht. Die Ankündigung kommt nur wenige Tage nach der Vertragsunterzeichnung für zwei neue Mega-Kreuzfahrtschiffe mit je 4.000 Passagieren mit der Papenburger Meyer Werft.

Bislang ist NCL in Privatbesitz: 50 Prozent gehören dem in Hongkong beheimateten Kreuzfahrt- und Glücksspiel-Konzern Genting HK. 37,5 beziehungsweise 12,5 Prozent gehören den Finanzinvestoren Apollo Funds und TGP Viking Funds, die ihre Anteile vor zwei Jahren von Genting übernommen haben. Apollo Funds hatte 2008 die Kontrolle über das “Board of Directors” bei NCL übernommen, nahezu das gesamte Management ausgetauscht und einen deutlichen Kurswechsel in der Unternehmenspolitik eingeleitet. Unter anderem wurde das Verlustgeschäft von NCL America in Hawaii deutlich geschrumpft, von drei Schiffen auf nur noch eines und der Auftrag für ein Schwesterschiff zur Norwegian Epic gestoppt. Im Vertriebsbereich setzt NCL aggressiv auf Direct Sales und hat den Angaben in den Börsen-Papieren den Anteil der direkt, also nicht über Reisebüros verkauften Tickets von 13,3 Prozent 2007 auf 27 Prozent in diesem Jahr gesteigert.

NCL ist mit derzeit 11 Schiffen die drittgrößte Kreuzfahrtgesellschaft der Welt – mit deutlichem Abstand zu den beiden größten: Carnival Corp. verfügt mit seinen Tochtergesellschaften über insgesamt 98 Schiffe, Royal Caribbean Cruises Ltd. mit seinen Töchtern über 38 Schiffe. Die beiden neu georderterten Schiffe bringen NCL zwar einen Kapazitätszuwachs von gut 30 Prozent, aber auch Carnival und Royal Caribbean bauen ihre Flotten weiter aus und haben zusammen 16 neue Schiffe in Planung. Carnival und Royal Caribbean dominieren den US-Markt mit 84 Prozent Passagieranteil, NCL kommt dort auf 11 Prozent. Sowohl Carnival als auch Royal Caribbean sind börsennotierte Unternehmen.

Den Erlös aus dem Börsengang, dessen Termin derzeit noch nicht feststeht, plant NCL teils in die Tilgung von Schulden zu stecken, aber auch zur Finanzierung zukünftiger Unternehmungen einzusetzen – sprich: Neubauten und Renovierungen von Schiffen.

Die offiziellen Papiere zum Börsengang, das so genannte S 1 Formular, muss in den USA veröffentlicht werden und enthält zahlreiche spannende Details über das Geschäft von NCL. Die juristische Sprache der Papiere ist zwar etwas schwierig zu lesen, ein Blick lohnt sich aber trotzdem, wenn man ein wenig Einblick in das Geschäft und in die Zahlen einer Kreuzfahrtgesellschaft bekommen will.

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