Ölpreise steigen rasant: Kommt jetzt der Treibstoff-Zuschlag?

2. März 2011 von
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Betanken eines Kreuzfahrtschiffs im Hafen von Miami

Betanken eines Kreuzfahrtschiffs im Hafen von Miami

Durch die Unruhen in Nordafrika und insbesondere die unklare Lage in Libyen steigen die Rohölpreise derzeit rasant. Das wirft die Frage auf, ob und wann bei Kreuzfahrten mit Treibstoffkosten-Zuschlägen zu rechnen ist, denn einige Pauschalreiseanbieter wie Thomas Cook haben bereits Treibstoffzuschläge bei Flugreisen angekündigt. Die Reedereien in Deutschland haben bislang noch nichts in dieser Richtung angekündigt und auch in den USA herrscht große Zurückhaltung. Dort nicht zuletzt wahrscheinlich auch deshalb, weil nachträglich verlangte Zuschläge in der letzten Hochpreisphase für Rohöl 2008 einiges an juristischem Ärger nach sich gezogen hatten.

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Update 13.3.2010: Inzwischen verlangen einige Reedereien einen Treibstoffzuschlag. Eine ständig aktualisiert Tabelle gibt’s im Beitrag “Treibstoffzuschlag kommt bei immer mehr Reedereien“.

Lediglich die Flusskreuzfahrten-Reederei A-Rosa prescht im Moment vor und erhebt ab 14. März 2011 für Neubuchungen einen Treibstoffzuschlag von 5 Euro pro Passagier und Nacht. UPDATE 2.3.: nicko tours erhebt nun ebenfalls einen Treibstoffzuschlag, nämlich in Höhe von 4 Euro pro Passagier und Nacht. Bei nicko tours gilt die Erhöhung auch für bereits gebuchte Reise mit Reisebeginn ab 1. April. Ausgenommen sind – wie gesetzlich vorgeschrieben – nur Reisen, die weniger als vier Monate vor Abfahrt gebucht wurden.

Am britischen Markt dagegen verlangen nahezu alle Kreuzfahrtgesellschaften schon seit einigen Wochen Treibstoffzuschläge. Cunard hatte damit bereits Ende 2010 begonnen und den Zuschlag vor einigen Tagen noch einmal von 6 auf 9 Dollar pro Passagier und Tag angehoben.

Im Vergleich zu den Höchstpreisen 2008 sind die Ölpreise derzeit allerdings trotz des starken Anstiegs immer noch vergleichsweise niedrig.

Was sagen die Reedereien derzeit dazu?

Wir haben bei einigen Reedereien nachgefragt, inwieweit in naher Zukunft mit Treibstoffzuschlägen zu rechnen ist.

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten schließt einen Treibstoffzuschlag aus, da Treibstoff entlang der Fahrtrouten der Schiffe langfristig vorbestellt wird und daher keine unerwarteten Preisschwankungen auftreten können.

Kein Thema ist Treibstoffkostenzuschlag derzeit nach Aussage der Reedereien auch bei Deilmann, AIDA , Costa und MSC.

TUI Cruises plane derzeit keine Treibstoffkostenzuschläge, man behalte die Preissteigerungen für Rohöl aber im Auge. Ob TUI Cruises später im Jahr einen Zuschlag erheben müsse, könne man jetzt nicht sagen; man wolle sich an Spekulationen nicht beteiligen.

Bei Transocean schließt man sowohl für den Fluss- wie den Hochseebereich (Astor) Treibstoffkostenzuschlag nicht grundsätzlich aus. TransOcean-Geschäftsführer Norbert Becker: “Auch uns treffen die massiven Erhöhungen der Rohölpreise, daher können wir einen Treibstoffkostenzuschlag nicht grundsätzlich ausschließen.” Man werde im Anschluss an die ITB in Berlin (zweite März-Woche) darüber beraten und den Markt weiter beobachten.

Gar kein Statement zu dem Thema geben Royal Caribbean, Celebrity Cruises und Norwegian Cruise Line ab.

Wie teuer kann es werden, wenn’s denn kommt?

In der letzten Hochpreisphase beim Treibstoff betrugen die Zuschläge für einen 7-Nächte-Kreuzfahrt übrigens zwischen 4 und 10 Euro pro Person und Nacht, für eine 7-Nächte-Kreuzfahrt also 28 bis 70 Euro pro Person zusätzlich zum Kreuzfahrtpreis.

Nachträgliche Reisepreis-Erhöhung zulässig?

Wird eine Reise weniger als vier Monate vor Reiseantritt gebucht, ist eine nachträgliche Preiserhöhung nicht zulässig. Bei früher gebuchten Reisen darf gegebenenfalls der Preis nur bis zum 21. Tag vor Reiseantritt angehoben werden. Der BGH hat außerdem in mehreren Musterprozessen klargestellt, dass eine nachträgliche Erhöhung generell nur dann erfolgen darf, wenn in den AGB des Reiseanbieters klar und eindeutig geregelt ist, wie die Preiserhöhung berechnet wird.

Ob die derzeit in den deutschen Reisebedingungen der Reedereien verwendeten Formulierungen für eine nachträgliche Preiserhöhung den Anforderungen auf den BGH-Urteilen gerecht werden, ließe sich freilich nur wiederum vor einem Gericht klären. Fast alle Anbieter formulieren die Berechnungsmethode für die Erhöhung derzeit wortgleich: Er würden “die vom Beförderungsunternehmen pro Beförderungsmittel geforderten, zusätzlichen Beförderungskosten durch die Zahl der Sitzplätze des vereinbarten Beförderungsmittels geteilt.”

Unisono räumen die Reedereien dem Passagier übrigens ein gebührenfreies Rücktrittsrecht ein, wenn die Preiserhöhung mehr als 5 Prozent des Reisepreises ausmacht.

Grundsätzlich gilt also: Wer bereits gebucht hat, ist von einem Treibstoffzuschlag einigermaßen sicher. Auch deshalb, weil sich die Kreuzfahrtgesellschaften das zukünftige Frühbucher-Geschäft wohl nicht kaputt machen wollen, wo gerade in diesem Jahr der Trend endlich wieder zu längerfristigen Vorausbuchungen geht.

Keine genauen Ölpreis-Grenzen für Zuschlag

Anders als in den USA sehen die deutschen Reisebedingungen der Reedereien übrigens keine genau definierten Grenzen vor, ab denen ein Treibstoff-Zuschlag erhoben werden kann. Lediglich MSC macht hierzu konkrete Angaben in den AGB.

NCL sieht eine Erhöhung des Reisepreises wegen “erhöhten Rohölweltmarktpreisen” vor. Royal Caribbean, Costa, AIDA, TUI Cruises und Carnival sprechen ganz allgemein von “Treibstoffkosten”. MSC formuliert dagegen recht präzise. Der Maßstab für einen möglichen Zuschlag ist hier der NYMEX-Index – für jeden Dollar, der pro Barrel Öl erhöht wird, steigt der Reisepreis entsprechend um 0,33%.

Bislang hat aber – wie oben schon erwähnt – keine der genannten Reedereien von der in den Reisebedingungen vorgesehen Option Gebrauch gemacht.

Genaue Grenzen für Ölpreis und Zuschlag in den USA

In den USA werden die Bedingungen dagegen präziser formuliert: NCL und Royal Caribbean beispielsweise dürfen erhöhen, wenn der WTI-Ölpreis 65 Dollar übersteigt, Carnival definiert die Grenze bei 70 Dollar. Freilich sind diese Grenzen längst deutlich überschritten, ohne dass die Kreuzfahrtgesellschaften in den USA bislang einen Treibstoffzuschlag verlangen würden.

Auch limitieren die Kreuzfahrtgesellschaften in den USA bereits in den Reisebedingungen die Höhe des möglichen Treibstoff-Zuschlags. Bei NCL und Royal Caribbean sind das 10 Dollar pro Tag und Passagiere, wobei Royal Caribbean zusätzlich auf maximal 140 Dollar pro Kreuzfahrt einschränkt und ab dem dritten Passagier in der selben Kabine nur noch die Hälfte verlangt. Carnival setzt die Obergrenze für den Zuschlag bei 9 Dollar pro Passagier und Nacht an.

In der Praxis dürfte es allerdings keinen Unterschied machen, wie genau der Treibstoff-Zuschlag schon vorab definiert wird. Entscheidend wird eher die Durchsetzbarkeit am Markt sein. Und da will – zumindest momentan noch – niemand der Erste sein, der einen Zuschlag von seinen Passagieren verlangt.

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10 Kommentare zu Ölpreise steigen rasant: Kommt jetzt der Treibstoff-Zuschlag?

  1. Raoul Fiebig am März 2, 2011 um 4:54 pm

    Hallo Franz,

    lustig, daß ein Treibstoffzuschlag bei AIDA kein Thema sein soll, ist AIDA doch so ziemlich der einzige Veranstalter, der die Treibstoffzuschläge nie abgeschafft hat und lediglich nach derzeitigem Stand für die Reisen des Katalogs 2012/2013 keinen Zuschlag erhebt. Das war aber in den letzten Jahren auch immer so und wenig später wurden die Treibstoffzuschläge – auch bei dramatisch niedrigerem Ölpreis als heute – stets für den jeweils neuesten Katalog verlängert.

    Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. :)

    Gruß
    Raoul

  2. Franz am März 2, 2011 um 5:08 pm

    Hallo Raoul,

    ich kann natürlich nur die Statements wiedergeben, die ich von den Reedereien bekommen habe, überprüfen läßt sich bei dem Thema leider nichts. Aus den Aussagen muss sich jeder selbst seinen Reim machen.

    Aber ich habe auch eher so das Gefühl, dass alle nur darauf warten, dass der erste zuckt. Bei den Flußkreuzfahrten hat A-Rosa den Anfang ja schon gemacht und nicko hat sofort nachgezogen – wobei das so knapp aufeinander kam, dass beide die Entscheidung wohl unabhängig voneinander getroffen haben und der Zuschlag bei nicko keine Reaktion auf A-Rosa ist.

    Wollen wir mal hoffen, dass sich die Ölpreise wieder etwas beruhigen und die Reedereien aus der letzten Hochpreisphase gelernt haben und sich mit Termingeschäften zumindest teilweise abgesichert haben.

    Oder vielleicht können die Mineralölkonzerne den Reedereien ja diesen E10-Treibstoff billig verkaufen, den an der Tankstelle keiner haben will ;-)

    Herzliche Grüße
    Franz

  3. Franz am März 2, 2011 um 5:09 pm

    Okay, E10 ist keine gute Idee in Schiffsmaschinen – das würden die wohl nicht oder jedenfalls nicht lange überleben ;-)

  4. Konstantin Pfliegl am März 3, 2011 um 10:23 am

    Weiß jemand, wie viel Prozent der Betriebskosten eines Schiffes der Treibstoff ausmacht?
    Bei Flugzeugen sind das wohl knapp 30 Prozent der Betriebskosten. Bei Schiffen dürfte der Anteil deutlich geringer sein und somit weniger ins Gewicht fallen?

  5. Franz am März 3, 2011 um 10:48 am

    Der Anteil scheint geringer zu sein als in der Luftfahrt. Aber die Zahlen, die ich gefunden habe, variieren zwischen 5 und 25 Prozent. Die 5 Prozent beziehen sich wohl auf die “gute alte Zeit” und die 25 Prozent auf die Hochpreisphase 2008. Also liegt es heute sicherlich irgendwo dazwischen, vielleicht bei 15-20 Prozent. Außerdem düfte es natürlich auch deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Schiffen geben wenn man nur betrachtet, dass beispielsweise die Celebrity-Solstice-Class für sich in Anspruch nimmt, 30 Prozent weniger Energieverbrauch zu haben als vergleichbare Schiffe. Reedereien mit älteren Schiffen dürften daher wahrscheinlich mehr unter Druck stehen als solche mit einer modernen Flotte.

  6. Carmen am März 8, 2011 um 2:04 pm

    Plantours & Partner hat heute bekannt gegeben, dass für alle Fahrten beginnend ab dem 15.7.2011 ein Treibstoffzuschlag erhoben wird in Höhe von 5 EUR für Flusskreuzfahrten und 8 EUR für Hochseekreuzfahrten (jeweils pro Person/Tag). Dies soll auch für bereits bestehende Buchungen gelten.

  7. Raoul Fiebig am März 11, 2011 um 10:24 pm

    …und schon ist es soweit: Ab 15.03.2011 erhebt AIDA auch auf Reisen des neuen Katalogs 2012/2013 den bekannten Treibstoffzuschlag.

    Gruß
    Raoul

  8. [...] zwei Wochen hatten wir noch gefragt “Ölpreise steigen rasant: Kommt jetzt der Treibstoff-Zuschlag?” – inzwischen lautet die Antwort immer häufiger: “ja”. Einen Zuschlag [...]

  9. nala am März 14, 2011 um 4:48 pm

    Ich bin ein begeisteter Aida Fahrer und war mir eigentlich ziemlich sicher, dass Aida schon immer Treibstoffzuschlag berechnet oder täusche ich mich da tatsächlich?
    Grüße

  10. Franz am März 14, 2011 um 5:00 pm

    @nala: Für Buchungen aus dem neuen Katalog 2012/2013 gab’s seit dessen Erscheinen vor ein paar Wochen noch keinen Zuschlag. Für den vorhergenenden Katalog aber wohl schon. Insofern hast Du Recht – im Prinzip gab’s nur ein kurzes Zeitfenster für Neubuchungen ohne Zuschlag.

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