Opfer-Anwalt: „Vier Wege, Kreuzfahrten sicherer zu machen“

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Concordia-Opfer-Anwalt John Athur Eves

Concordia-Opfer-Anwalt John Arthur Eaves

Die vorübergehende Beschlagnahmung des Kreuzfahrtschiffs Carnival Triumph als Pfand für Schadensersatzforderungen gegen Costa hat am vergangenen Wochenende weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Besonderes Aufsehen erregte die Aktion in Deutschland, weil Anwalt John A. Eaves, der die Beschlagnahmung veranlasst hatte, ein deutsches Opfer der Costa-Concordia-Katastrophe vertritt. Die Mutter des Deutschen war bei dem Unglück vor Giglio im Januar ums Leben gekommen.

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Die Carnival Triumph von Carnival Cruise Lines, letztere wie Costa Crociere eine Tochter von Carnival Corp., konnte zwar letztlich mit nur einer halben Stunde Verspätung zu ihrer geplanten Kreuzfahrt aufbrechen. Doch sein Ziel, Publicity zu erzeugen, hatte Anwalt Eaves dennoch erreicht. Nach eigenen Aussagen gehe es in der Klage des deutschen Concordia-Opfers nicht nur um (hohe) Schadensersatzforderungen. Es gehe auch darum, die Kreuzfahrtindustrie, die Verbraucher und die Gesetzgeber weltweit darauf aufmerksam zu machen, dass die Sicherheitsvorschriften für Kreuzfahrtschiffe verschärft werden müssen.

Unser Journalisten-Kollege Matthias Tüxen (www.triptipp.com) hat mit Anwalt John A. Eaves gesprochen und cruisetricks.de den Teil des Interviews zur Verfügung gestellt, in dem Eaves seine Vorstellungen darlegt, was sich in der Kreuzfahrtindustrie verändern muss. Auch wenn das zunächst nur die Sichtweisen eines in diesem Verfahren sicherlich recht parteiischen Anwalts sind, fanden wir seine Ausführungen spannend genug, um sie hier wiederzugeben:

Interview-Ausschnitt im Original anhören:

Anfang Zitat John A. Eaves: „…

Es gibt vier Wege, die [Kreuzfahrt-]Industrie sicherer zu machen:

Erstens: Wir müssen die Kreuzfahrt-Öffentlichkeit über die in dieser Industrie existierenden Probleme informieren. In Amerika haben wir das Sprichwort: Man wählt mit seinen Dollars [Anm. d. Red.: analog im Deutschen: „Abstimmung mit den Füßen“]. Also muss die Öffentlichkeit diese Änderungen verlangen.

Zweitens, ein rein kapitalistischer Ansatz: Durch Steigerung des materiellen Werts von Menschenleben und Erhöhung von Schadensersatzsummen verändert man Unternehmensentscheidungen. Ein Beispiel: Sobald diese Industrie feststellt, dass es billiger ist, in Ausbildung der Crew-Mitglieder zu investieren, dann werden sie in Training und in neue Technologien investieren, statt künftig hohe Schadensersatz-Summen zu bezahlen.

Wir können das auch erreichen, indem wir solche Reiseverträge verbieten, die den materiellen Wert eines Menschenlebens beschränken und die vorschreiben, dass Menschen von überall in der Welt absurde Orte aufsuchen müssen [Anm. d. Red.: als Gerichtsstand für Klagen gegen die Reederei], von denen wir wissen, dass sie nur ausgewählt wurden, um günstig für die Industrie zu sein.

Das nächste, was wir tun müssen – Nummer drei – ist, neu verfügbare Technologien zu koordinieren. Der Ansatz besteht aus zwei Teilen: Es muss eine weltweite Schiffsverkehrskontrolle geben, so wie es auch eine Luftraumkontrolle für Flugzeuge gibt. Und wir müssen die Fähigkeit entwickeln, die Aktivitäten auf dem Schiffs zu koordinieren und zu überwachen, indem wir „Marshals“ auf dem Schiff haben [Anm. d. Red.: „Marshal“ ist in den USA der höchste Rang im Militär, entspricht beispielsweise bei der Navy dem Flottenadmiral].

Und schließlich – Nummer vier – müssen wir die Gesetze ändern. Das globale Recht, das die Gesetze in den Vereinigten Staaten und in der Europäischen Union koordiniert. Es gibt keines, das wirklich global ist, deswegen muss alles zwischen den beiden wesentlichen Playern stattfinden, damit wir einen einheitlichen Standard bekommen.

Die beste Analogie, die mir dazu einfällt: Das derzeitige Recht ist wie ein altes, hölzernes Boot. Es hat einige gute Teile, es hat einige Teile, die kurz nach dem Untergang der Titanic entwickelt wurden, aber es hat mehr Löcher und Lecks und keinen Klebstoff, der alles zusammenhält.

Deshalb fangen wir an, Verbraucherorganisationen in Italien und in Deutschland zu unterstützen, die uns dabei helfen, den Fokus in der Europäischen Union auf dieses Thema zu lenken. Ebenso haben wir im US-Kongress [Lobby-]Arbeit geleistet um deutlich zu machen, dass die Gesetze geändert werden müssen. Wir brauchen Unterstützerorganisationen, die eine Änderung der Rechtslage fordern und wir brauchen auch die Unterstützung von Politikern wie Verkehrsminister Ramsauer. Er hat gesagt, er sei überzeugt, dass wir neue Regeln diskutieren müssen, um die Sicherheit bei den Kreuzfahrtgesellschaften zu verbessern. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, um diejenigen zu unterstützen, die nach Veränderungen rufen.

…“ Ende Zitat John A. Eaves.

Kollege Matthias Tüxen, der uns das Interview mit John A. Eaves dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, befasst sich in einem hörenswerten Podcast mit dem Thema Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen – sehr empfehlenswert! Podcast: 100 Jahre nach der Titanic – Sicherheit auf heutigen Kreuzfahrtschiffen

(Bildquelle: John A. Eaves)

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2 Kommentare zu Opfer-Anwalt: „Vier Wege, Kreuzfahrten sicherer zu machen“

  1. Carsten Fister on April 12, 2012 at 10:33 am

    Ich vermute, mit “Marshal” spielt er eher auf die Sky Marshals (Flugsicherheitsbegleiter) an – also verdeckte Beamte an Bord von Passagierflügen, die bei sicherheitsrelevanten Ereignissen eingreifen können.
    Was Eaves vorschwebt ist also ein staatlicher Sicherheitsbeauftragter, der im Falle einer Havarie den Kapitän unterstützt bzw. kontrolliert.

  2. Franz Neumeier on April 12, 2012 at 10:44 am

    Das verstehe ich ebenso. Deshalb habe ich aber den Vergleich mit den Sky Marshals bewußt vermieden, weil die Sky Marshals an Bord der Flugzeuge letztlich keine Befehlsgewalt haben, sondern eben nur eingreifen, wenn etwas passiert – in erster Linie also zum Schutz des Flugzeugs und der Passagiere vor Gewalttätern und Terroristen. Für die Kreuzfahrtschiffe schwebt dem Anwalt aber offensichtlich eher ein Aufsichtsbeamter für die Offiziere und den Kapitän inkl. Befehlsgewalt vor, und das geht dann doch weit über die Funktion der Sky Marshals hinaus.

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