Pearl Seas Cruises verweigert Abnahme der Pearl Mist
Was passiert, wenn die Werft ein Schiff abliefert, das den Anforderungen des Kunden nicht gerecht wird? In der kanadischen Werft Irving Shipbuilding (Halifax) ist offenbar genau das gerade passiert. Pearl Seas Cruises hat nach Informationen von Cruise Industry News die Abnahme des 214-Passagiere-Kreuzfahrtschiffs Pearl Mist verweigert. Laut CEO Charlie Robertson erfüllt das Schiff einige gesetzliche Anforderungen nicht. Eine Stellungnahme von der Werft gibt es dazu noch nicht.
Die Pearl Mist war bereits im März 2008 vom Stapel gelaufen und sollte ursprünglich im ersten Quartal 2009 fertiggestellt sein. Schon damals wurde der Start aber verschoben, die längst geplante 2009er-Saison schließlich ganz abgesagt. Jetzt treffen sich Pearl Seas Cruises und Irving Shipbuilding voraussichtlich vor Gericht, um die Angelegenheit zu klären.
Die auf den Marshall Islands registrierte Pearl Mist sollte das erste von mehreren kleinen Kreuzfahrtschiffen in der Flotte der neu gegründeten Kreuzfahrtgesellschaft Pearl Seas Cruises werden. Das modern ausgestattete Schiff verfügt über Stabilisatoren, Aufzügen zu allen sechs Decks und große, Suite-ähnliche Kabinen, alle mit privatem Balkon und großen Fenstern. In insgesamt 108 Kabinen finden bis zu 210 Passagiere Platz. Die Kabinen verfügen über Sitzgruppen, Flachbildschirm-TV, WLAN-Internet-Zugang via Satellit. Die kleinste Kabine hat eine Fläche von 28 Quadratmeter, die größte bis 55 Quadratmeter. Das Schiff verfügt über 6 Lounges, Spa- und Fitness-Bereich sowie Sports-Deck. Einen Swimmingpool wird es allerdings nicht geben.
Das knapp 120 Meter lange Kreuzfahrtschiff soll den Kabinen-Komfort großer Kreuzfahrtschiffe bieten, zugleich aber die familiäre Atmosphäre sehr kleiner Kreuzfahrtschiffe bewahren. Der Vorteil der Pearl Mist wird vor allem die Tatsache sein, dass sie als Neubau älteren Schiffen am Markt einiges an Luxus und Technik voraus hat. Nachteil der Pearl Mist: Als nicht in den USA gebautes und nicht in den USA registriertes Schiff muss es gemäß des Jones Act auf allen Kreuzfahrten immer mindestens einen nicht-amerikanischen Hafen anlaufen. In den USA registrierte Schiffe wie die von American Cruise Lines (ACL) können dagegen auch rein amerikanische Fahrtrouten anbieten.
Die Pearl Mist – so sie denn in absehbarer Zeit zu beiderseitiger Zufriedenheit fertig gestellt wird – soll 7- bis 14-Nächte-Kreuzfahrten in der Karibik, an der Ostküste Kanadas und der USA sowie durch den Panama Kanal und auf den Großen Seen fahren.
Interessanter Randaspekt: CEO von Pearl Seas Cruises ist Charlie Robertson, der zugleich CEO von American Cruise Lines (ACL) ist. ACL betreibt mehrere kleine Kreuzfahrtschiffe unter US-Flagge, unter anderem den Neubau Independence. Derzeit lässt ACL ein weiteres neues Schiff speziell für den Mississippi River im Stile eines Raddampfers bauen – in einer amerikanischen Werft, die ebenfalls von Charlie Robertson kontrolliert wird.
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