Praxistest Telefonieren im Ausland: Callback-SIMs

von
Artikel drucken
Telefonieren im Ausland: oft ein teurer Spaß
Telefonieren im Ausland ist oft ein teurer Spaß (Bild: Les Chatfield)

Bezahlbare Möglichkeiten für das Telefonieren bei Kreuzfahrten im Ausland haben wir bereits in unserem Beitrag „Günstige SIM-Cards zum Telefonieren im Ausland“ vorgestellt. Vor allem außerhalb der EU sind Gespräche mit der normalen SIM-Karte des Handys ebenso viel zu teuer wie die Satelliten-Telefonverbindungen über die Telefone am Schiff. Und Telefonzellen sind heutzutage wirklich keine Alternative mehr. Bleiben SIM-Karten von Callback-Anbieter, die auch in exotischen Ländern Minutenpreise deutlich unter einem Euro versprechen. Wir haben getestet, wie praktikabel solche Lösungen sind.

ANZEIGE

Die Bahamas zählen ebenso zu den Ländern, in denen Telefonieren nach Deutschland besonders teuer ist wie die meisten südamerikanischen Länder. Auf zwei Kreuzfahrten zu den Bahamas beziehungsweise rund um die Südspitze Südamerikas haben wir uns deshalb eine SIM-Karte des den relativ neuen Anbieters AuslandSIM unter ganz realen Bedingungen ausprobiert. Vorweg: Verbindungsprobleme hatten wir nirgendwo, ein Netz gab es immer. Gelegentlich mussten wir das richtig Netz allerdings manuell auswählen.

Grundsätzlich funktionieren Callback-Dienste immer nach dem selben Prinzip – die Unterschiede finden sich in den Tarifen und im zusätzlichen angebotenen Service. Alle uns bekannten Callback-SIM-Karten-Anbieter arbeiten mit Telefonanbietern in Estland zusammen. Der Kunde bekommt also eine SIM-Karte mit estnischer Telefonnummer, mit der er weltweit erreichbar ist und  über die Roamingpartner der Telefongesellschaft auch selbst überall telefonieren kann.

Grundprinzip Callback

Das Prinzip ist einfach: Je nach Mobilfunknetz, in dem man sich gerade befindet, wählt man die gewünschte Rufnummer direkt oder stößt mit Hilfe einer kleinen Smartphone-App einen Rückruf (Callback) an, um mit der gewünschten Nummer verbunden zu werden. Kurz, nachdem man die gewünschte Nummer eingetippt hat, klingt also das eigene Handy und die Verbindung wird hergestellt, sobald man abhebt. Für diese Verbindung bezahlt man dann deutlich niedrigere Gebühren.

Smartphone-App: Comfort Callback
Smartphone-App: Comfort Callback

Ein pauschales Urteil über die Bedienerfreundlichkeit ist schwierig, denn abhängig vom verwendeten Handy-Modell gestaltet sich ein Anruf unterschiedlich aufwändig. Die einfachste Variante: Telefonnummer wie gewohnt wählen und die Verbindung wird automatisch hergestellt. Das klappt aber nicht auf allen Geräten. Deshalb stellen Callback-Anbieter Handy-Apps bereit, mit denen sich die Verbindung aufbauen lässt – bei AuslandSIM heißt die App „Comfort Callback“ (siehe Bild links).

SIM Tools
SIM Tools

Handelt es sich um ein älteres Modell, auf dem diese App nicht läuft, ist auf der SIM-Karte selbst ein kleines Tool namens „SIM Tools“ enthalten (siehe Bild rechts), dass nach Einlegen der Karte automatisch am Handy erscheint und – optisch weniger ansprechend, aber funktional ähnlich – für Verbindungsaufbau sorgt, mit dem sich aber beispielsweise auch das Guthaben abfragen und aufladen lässt. Läuft auch SIM Tools nicht, lässt sich der Callback in jedem Fall über eine bestimmte Zeichenfolge per Direktwahl initiieren, nach dem Muster *146*0049…#

Praxistest mit SIM-Karte von AuslandSIM

AuslandSIM ist ein deutscher Anbieter, der mit einer Telefongesellschaft in Estland zusammenarbeitet, die wiederum weltweite Roaming-Abkommen hat. So ist das Telefonieren selbst an exotischen und abgelegenen Orten möglich. Besonders interessant ist bei AuslandSIM die Möglichkeit, eine Lieblings-Rufnummer zu definieren (gegen Aufpreis auch mehrere), mit denen die Gespräche dann noch günstiger sind: meist für 23 Euro-Cent pro Minute. Das bedeutet im Extremfall eine Ersparnis von über 90 Prozent, wenn beispielsweise eine reguläre Handy-Verbindung von den Bahamas oder aus südamerikanischen Ländern nach Deutschland bis zu drei Euro pro Minute kosten würden.

Diesen Preisvorteil erkauft man sich mit nur wenigen Nachteilen: Gelegentlich gibt es eine relativ deutliche Zeitverzögerung von bis zu einer Sekunde, woran man sich allerdings schnell gewöhnt. Ab und zu muss man das Mobilfunk-Netz manuell auswählen, weil der Callback – zumindest bei unseren Tests – nicht in allen Netzen völlig problemlos funktioniert. Und die im Handy-Telefonbuch eingespeicherten Telefonnummern funktionieren nur dort, wo Direktwahl möglich ist – bei unseren Tests auf den Bahamas und in Südamerika ging das nicht.

Einen Haken hat AuslandSIM übrigens: Die SIM-Karte kostet einmalig 49 Euro (inkl. 15 Euro Gesprächsguthaben), lohnt sich also nur, wenn man vorhat, die Karte regelmäßig zu nutzen. Spontan nur schnell für einen einzigen Urlaub ist die Einrichtungsgebühr für die meisten Nutzer höher als die Ersparnis beim Telefonieren.

Komfortable Zusatzfunktionen

Dafür die die Karte aber im Prinzip unbegrenzt nutzbar und bietet einige Möglichkeiten, jeweils gegen eine relativ niedrige Gebühr komfortable Zusatzfunktionen zu buchen: Wer beispielsweise für seine AuslandSIM zusätzlich zu seiner estnischen Mobilfunknummer noch eine deutsche Festnetznummer haben will, bekommt das für einmalig 10 Euro und dann 1,49 Euro monatlich zuzüglich 18 Cent pro Minute bei eingehenden Gesprächen. Ein Feature vor allem für Leute, die auch geschäftlich unterwegs erreichbar sein wollen.

Und noch eine kleine Komfortfunktion von AuslandSIM: Ist man wieder zu Hause, werden eingehende Anrufe optional kostenlos ans heimische Handy oder den Festnetzanschluss weitergeleitet.

Wer seine Kreuzfahrt mit einer USA-Reise verbindet, profitiert davon, dass bei AuslandSIM keine Gebühren für eingehende Gespräche berechnet werden, wie in den USA sonst üblich. Hier unterscheidet sich AuslandSIM von einigen Mitbewerbern, wo für eingehende Gespräche in den USA Gebühren berechnet werden. Wählt sich das Handy mit AuslandSIM in ein Netz in den USA oder Kanada ein, bekommt es automatisch zusätzlich eine US-Telefonnummer mit Ländercode „+1“ zugewiesen. Das Handy ist dann – neben der estnischen Mobilfunknummer – auch über diese Nummer erreichbar, wenn beispielsweise Freunde aus den USA nicht die von dort aus teure estnische Nummer anwählen wollen. Eingehende Gespräche auf die US-Telefonnummer kosten 18 Euro-Cent pro Minute an.

Fazit: Kleiner Mehraufwand für deutliche Ersparnis

Unser Praxistest hat gezeigt – und das lässt sich sicherlich auch auf andere Callback-SIM-Karten-Anbieter übertragen – dass man auf einer Kreuzfahrt vor allem dort deutlich Geld beim Telefonieren sparen kann, wo die Benutzung der heimischen SIM-Karte sehr teuer käme. Dafür muss man ein paar kleine Nachteile in Kauf nehmen: Man ist selbst nicht unter seiner gewohnten Handy-Nummer erreichbar, sonder nur unter einer (für den Anrufer eventuell teuren) estnischen Nummer. Teils haben die Verbindungen eine gewisse Zeitverzögerung bei der Tonübertragung, an die man sich gewöhnen muss. Und das Wählen einer Telefonnummer erfordert ein paar zusätzliche Handgriffe.

All das ist aber vor allem dann leicht zu verschmerzen, wenn man vorwiegend seine Kreuzfahrt genießen und nur gelegentlich nach Hause telefonieren will. Wer eine solche SIM-Karte auch beruflich nutzen will oder muss, sollte sich die (kostenpflichtigen) Zusatzfunktionen der Anbieter genauer ansehen, beispielsweise eine deutsche Telefonnummer, um günstig erreichbar zu sein und Ähnliches.

(Bildquelle „rotes Telefon“: Les Chatfield, Lizenz CC BY 2.0)

Anmerkung*: AuslandSIM hat uns auf Anfrage für diesen Test eine SIM-Karte ohne Einrichtungsgebühr zur Verfügung gestellt.

Bitte unterstützen Sie uns!

Ein Mausklick genügt! Wir bekommen Vermittlungs-Provision, wenn Sie vor Online-Einkäufen oder Kreuzfahrtbuchungen auf bestimmte Links klicken. Dabei entstehen für Sie keinerlei Kosten! So funktioniert's).

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien und folgen Sie uns auch auf Twitter und/oder Facebook!

Immer aktuell informiert werden? Abonnieren Sie unseren kostenlosen, wöchentlichen cruisetricks.de Newsletter abonnieren oder unseren  RSS-Logo RSS-Feed.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

3 Kommentare zu Praxistest Telefonieren im Ausland: Callback-SIMs

  1. Dieter K.Eichmann on Januar 21, 2013 at 12:27 pm

    Als Reisebüromensch reise ich viel und in exotische Destinationen.
    Die besten Erfahrungen habe ich mit dem Anbieter XXSIM gemacht.
    Ankommende Gespräche sind meist kostenlos
    Abgehende werden auch über Estland preiswert abgerechnet.
    MFG D.Eichmann

  2. Franz Neumeier on Januar 21, 2013 at 12:34 pm

    Danke für die Ergänzung, XXSIM kannten wir bislang noch nicht.

  3. lechner on März 10, 2014 at 10:30 am

    Meine Erfahrungen mit XXsim auf einer Karibikkreuzfahrt im Januar 2014 waren desaströs. Ich konnte in 10 Häfen in 8 Ländern (DomRep, Jamaika, Mexiko, Belize, Cayman, Tortola, St. Kitts) kein einziges Mal damit telefonieren. Soweit die in der Liste aufgeführten Provider überhaupt verfügbar waren (z.B. auf Jamaica, Cayman, St. Kitts) wurde die XXsim-Karte dort abgelehnt. Ich habe die Karte deshalb an XXSim zurückgeschickt, aber mein Geld nicht zurückerhalten (nicht einmal den noch vorhanden Aufladebetrag, den ich mangels Verbindung nicht abtelefonieren konnte). Deshalb: Zumindest in der Karibik Finger weg!

Schreibe einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ANZEIGE
ANZEIGE

Buch-Tipp

WERBUNG
Magazin-Cover Welcome Aboard 2017
Welcome Aboard 2017
Das grosse, jährliche Kreuzfahrt-Magazin für alle Schiffs- und Kreuzfahrtfans.
jetzt gleich bestellen ...

Gewinnspiele

Kreuzfahrt gewinnen
statt buchen:

Unsere Liste aktueller Kreuzfahrt-Gewinnspiele

Handy-Klingeltöne

Laden Sie sich Ihr Lieblings-Schiffshorn als Handy-Klingelton herunter - bei uns gratis.