Pride of America – ein sehr positives Erlebnis

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Die Pride of America ist ein besonderes Schiff in der Flotte von Norwegian Cruise Line. Sie fährt als weltweit einziges großes Kreuzfahrtschiff unter amerikanischer Flagge und ist ganzjährig in Hawaii unterwegs. Dort haben wir uns das Schiff genau angesehen.

Pride of America
Pride of America

Als kleines Fazit vorweg: Die Pride of America ist voller positiver Überraschungen. Der Service ist entgegen des früheren Rufs der Pride of America exzellent, das Essen ebenfalls auf hohem Niveau. Das Schiff selbst wurde im April 2016 umfangreich renoviert und glänzt mit einem konsequenten, thematischen Konzept, stimmigem Design und bietet viel Freiraum im Inneren, aber vor allem auf den vielen, großzügigen Außendecks.

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Kreuzfahrten in Hawaii sind für Reedereien komplizierter, als man auf den ersten Blick annehmen sollte. Denn amerikanische Gesetze schreiben für Kreuzfahrtschiffe bei rein nationalen Reisen unter der amerikanischen Flagge fahren müssen, das Schiff in den USA gebaut wurde sowie einen amerikanischen Eigentümer hat und die Crew zum Großteil aus amerikanischen Staatsbürgern besteht. Die Alternative dazu ist aufwändig: Es müsste ein nicht-amerikanischer Hafen auf der Fahrtroute liegen. Ein solcher ist aber gut fünf Tagesreisen entfernt, in Kanada oder Mexiko.

Nur die Pride of America darf …

Amerikanische Flagge, auch bei der Rumpf-Bemalung
Amerikanische Flagge, auch bei der Rumpf-Bemalung

Die Pride of America ist daher das einzige Kreuzfahrtschiff, das mit Basishafen Honolulu ausschließlich hawaiianische Häfen anläuft und so in sieben Tagen vier Hawaii-Inseln intensiv bedienen kann: Oahu, Maui, Big Island (Häfen: Kona und Hilo) sowie Kauai.

Die amerikanische Flagge hat noch weitere Folgen: Es gibt kein Spielkasino an Bord, weil hawaiianische Gesetze kein Glücksspiel zulassen. Selbst Bingo wird nur ohne Geldeinsatz, dafür aber mit kleinen Sachpreisen gespielt. Die hübsch gestalteten Shops führen nicht die üblichen Duty-Free-Artikel wie Zigaretten und Schnaps, sondern viel Kleidung, Souvenirs und Schmuck – und sind unabhängig von Hafenliegezeiten von morgens bis abends durchgehend geöffnet.

Design: amerikanisch und patriotisch

Rezeption
Rezeption

Eigentlich wurde die Pride of America nicht wirklich in den USA gebaut, sondern in der Lloyd Werft Bremerhaven. Lediglich der – bei Lloyd noch einmal verlängerte – Rumpf stammt von Ingalls Shipbuilding in Mississippi, was aber ausreicht, um das Schiff als „in den USA gebaut“ zu qualifizieren. Sie bietet Platz für 2.186 Passagiere (Doppelbelegung) und 917 Besatzungsmitglieder.

Im April 2016 wurde die Pride of America umfangreich renoviert und das sieht man ihr auch an: 2005 in Dienst gestellt sieht sie an vielen Stellen fast wie neu aus. Das Innendesign folgt einem klaren Thema: Amerika. Das Atrium ist dem Kapitol in Washington nachempfunden, mit großer, weißer Pracht-Treppe, einem Obelisken und im Steinboden ist das großen Staatssiegel der USA eingearbeitet.

Liberty Hauptrestaurant
Liberty Hauptrestaurant

Die großflächigen Bilder in den Treppenhäusern zeigen bekannte amerikanische Bauwerke wie die Golden Gate Bridge oder Naturwunder wie den Grand Canyon. Es gibt das Hollywood Theater, die Mardi Gras Lounge (benannt nach dem Karneval in New Orleans), die Napa Wine Bar, den Gold Rush Saloon, einen South Beach Pool und die Waikiki Bar. Die große Bibliothek ist nach dem Ocean Liner SS America benannt, die John Adams Coffee Bar trägt den Namen des zweiten Präsidenten (1797-1801), das französische Spezialitätenrestaurant Jefferson’s Bistro den des dritten Präsidenten (Thomas Jefferson, 1801-1909). Abraham Lincoln und George Washington sind mit Statuen im Liberty-Hauptrestaurant vertreten.

Bildergalerie: Pride of America

Das alles klingt sehr traditionell. Im positiven Sinne ist es das auch, denn das Schiff fühlt sich wie eines dieser wunderbaren, alten amerikanischen Hotels an aus einer Zeit, zu der Plastikmöbel und billiger Minimalismus noch nicht Standard waren. Positiv fällt auch das viele Echtholz auf den Außendecks auf. Trotz vieler solcher traditioneller Elemente ist es gelungen, ein frisches Flair zu erzeugen, das gut zum Freestyle-Konzept von Norwegian passt.

Liebe zum Detail: Design der Deckenelemente im "Skyline"
Liebe zum Detail: Design der Deckenelemente im „Skyline“

Und oft fällt die Liebe zu, Detail auf. So finden sich in vielen Räume auch auch Designelemente an der Decke, die ein elegantes Ambiente sorgen. Freilich fällt das nicht so aufwändig aus, wie beispielsweise auf der Seven Seas Explorer der Schwesterreederei Regent Seven Seas Cruises, ist aber für ein Schiff dieser Kategorie bemerkenswert. Ein Grund für das angenehme Ambiente der Pride of America ist aber auch die großzügige Raumgestaltung …

Viel Platz, innen und außen

Beispiel für großzügige Raumgestaltung: Pink's Champagne Bar
Beispiel für großzügige Raumgestaltung: Pink’s Champagne Bar

Eines fällt besonders auf: Sie bietet ausnehmend viel Platz für ein Schiff dieser Kategorie. In den Restaurants ist relativ viel Abstand zwischen den Tischen. Am Buffet ist es zwar zu Stoßzeiten unvermeidlicherweise voll, aber man findet eigentlich immer einen Platz. Kabinengänge ebenso wie Laufwege in den öffentlichen Bereichen sind sehr großzügig und breit. Die Sitzreihen im Theater sind so großzügig bestuhlt, dass niemand aufstehen muss, um andere Passagiere durchzulassen.

Außendecks bietet das Schiff in einem Umfang wie kaum ein anderes, entsprechend findet man auch immer eine Sonnenliege oder ruhiges Plätzchen. Sogar für die Crew gibt es auf Deck 14 seitlich zwei große Außenbereiche. Überdachte Cabanas mit jeweils zwei bequemen Sonnenliegen am Sun Deck, die bei anderen Reedereien vermietet werden, stehen hier allen Passagieren kostenfrei zur Verfügung.


Raucher profitieren ebenfalls von den großen Freiflächen, denn mit der Waikiki Bar am Heck auf Deck 13 gibt es für sie eine eigene, sehr schöne Bar, teils überdacht mit einem Sonnensegel. Ein Deck tiefer liegt die ebenfalls teils mit einem Sonnensegel überspannte, recht große Aloha Lanai Bar, die auch als Außenbereich für das anschließende Buffet-Restaurant dient.

Und natürlich gibt es auf Deck 5 eine breite, umlaufende Promenade, die sich zum Flanieren oder Joggen ebenso eigne wie zum Genießen des Meeresrauschens. Lediglich der Bug ist nicht öffentlich zugänglich, dort führt die Promenade durch eine Art Tunnel.

„All American Crew“

Ungewohnt, aber sehr positiv ist der hohe Anteil an Amerikanern unter den Crewmitgliedern. Hatte die Pride of America in der Vergangenheit einen eher zweifelhaften Ruf in Sachen Service wegen zahlreicher, offenbar wenig motivierter College-Studenten, hat sich das inzwischen grundlegend geändert. In allen Bereichen habe ich exzellenten und sehr aufmerksamen Service erlebt, der über das hinausgeht, was man auf einem Massenmarkt-Schiff erwarten würde.

Viele der Crew-Mitglieder sind bereits seit vielen Jahren dabei und haben sichtlich Spaß an ihrem Job, reagieren schnell auch auf vermeintliche Kleinigkeiten, erinnern sich schnell an Namen ihrer Gäste, sind kommunikativ und insgesamt ausnehmend freundlich und herzlich. Da fühlt man sich richtig wohl.

Mindestens 75 Prozent der Crew muss den Vorschriften zu Folge amerikanische Staatsbürgerschaft haben. Bezahlt wird nach den auf Hawaii geltenden Tarifvereinbarungen mit den Gewerkschaften auf Stundenlohn-Basis. Nicht-Amerikaner dürfen maximal rund drei Jahre an Bord der Pride of America arbeiten, bevor sie auf ein internationales Schiff von Norwegian Cruise Line wechseln müssen.

Pride of America in 360°-Panorama-Bildern:

(Vollbild-Modus lässt sich mit dem Button rechts unten aktivieren/deaktivieren. Die Vorschau-Bilder blenden mit dem Button links daneben ein/aus.)

Nationalitäten an Bord

Die Passagiere der Pride of America stammen überwiegend aus den USA, vor allen von der Westküste. Aber auch Asiaten sind gut vertreten, denn für sie gibt es viele Direktflüge nach Honolulu und die Flugzeit beschränkt sich auf erträgliche sieben bis neun Stunden. Als Deutscher ist man daher deutlich in der Minderzahl – auf meiner Reise waren 66 Deutsche, Österreicher und Schweizer an Bord.

Dennoch gibt es das Menü-Karten, Tagesprogramm und Hafeninformationen wie von Norwegian gewohnt immer auf Deutsch und auch einige Besatzungsmitglieder an der Rezeption sprechen Deutsch, die Koordinatorin für Reisegruppen, ist sogar gebürtige Deutsche und der aus Finnland stammende Hotel Director Kaj Turunen spricht ebenfalls exzellentes Deutsch.

Eine weitere Besonderheit der Pride of America: Aufgrund amerikanischer Vorschriften darf hier das ansonsten für deutsche Passagiere geltende All-inklusive-Konzept nicht angeboten werden. Trinkgelder und Getränke müssen also – anders als auf allen anderen Schiffen von Norwegian Cruise Line bei Buchung in Deutschland, Österreich oder Schweiz – an Bord extra bezahlt werden.

Restaurants und Essen

sehr gediegen: Jefferson's Bistro
sehr gediegen: Jefferson’s Bistro

Auf der Pride of America finden sich viele der von Norwegian Cruise Line gewohnten Spezialitätenrestaurants wieder: das französische Le Bistro, der Italiener La Cucina, das brasilianische Steakhaus Moderno Currascaria sowie das amerikanische Steakhaus Cagney’s. Im (kostenlosen) East Meets West sind eine kleine Sushi-Theke (a la carte) und einige Teppanyaki-Tische integriert.

Bildergalerie: Restaurants

Zuschlagsfrei sind der Asiate „East Meets West“und der klassische „Cadillac Diner“, ebenso natürlich wie das Buffet-Restaurant „Aloha Café“, der „Key West Grill“ am Sonnendeck, das legere Hauptrestaurant „Skyline“ und das „Liberty“ mit etwas anspruchsvollerem Dresscode – sprich: lange Hosen, Ärmel am T-Shirt und vernünftige Schuhe als Mindestanforderung. Selbiges gilt übrigens auch für „Jefferson’s Bistro“.

"Skyline" Haupt-Restaurant
„Skyline“ Haupt-Restaurant

Mit Ausnahme des Teppanyaki habe ich alle Restaurants durchgetestet und auch hier ist mein Gesamteindruck überaus positiv. Die Speisen sind auf den Punkt gegart, selbst die Fleischspieße im Moderno waren perfekt und insbesondere das Filet Mignon butterzart. Besonders lecker ist hier auch die gegrillte Ananas mit frischer, zuckersüßer hawaiianischer Ananas. Der Service war in allen Restaurants sehr schnell und freundlich. Da fällt es schwer, überhaupt einen Kritikpunkt zu finden.

Entertainment: von hawaiianisch bis international

Hollywood Theater
Hollywood Theater

Das Bühnen-Entertainment teilt sich auf der Pride of America auf zwei Räume. Im Hollywood Theater finden große Shows im Las-Vegas-Stil und Shows mit Einzelkünstlern wie einem erstklassiger Magier mit Großillusionen oder dem bekannten amerikanischen Comedian Jeff Harms statt. In der kleineren Mardi Gras Lounge gibt es Themenabende mit Beatles-, Abba- oder Eagles-Musik, aber auch intimere Vorstellungen der großen Bühnenkünstler wie etwa eine Close-up-Zaubershow.

Hula-Kurs am Pooldeck
Hula-Kurs am Pooldeck

Der andere Teil des Entertainments orientiert sich ganz am Fahrtgebiet Hawaii. Die Hawaiian Ambassador gibt Hula-Tanzkurse (mit durchaus professionellem Anspruch) und insgesamt drei Kurse zur Herstellung der traditionellen, hawaiianischen Ketten namens „Lei“ mit Muscheln, Kukui-Nüssen und sogar frischen Blüten. All diese Kurse sind kostenlos. Und für hawaiianische Musik sorgt ein einheimisches Duo mit Gesang und Gitarre mehrere Stunden jeden Abend in mehreren Bars.

Die so wunderbar entspannte, hawaiianische Stimmung setzt sich also durchaus auch an Bord der Pride of America fort. Den sonst auf Kreuzfahrten oft typischen Bruch zwischen Schiffsleben und Landgang spürt man hier kaum.

Kabinen

Balkon-Kabine 10066
Balkon-Kabine 10066

Die Kabinen wurden im Rahmen der Renovierung des Schiffs im April 2016 aufgefrischt, bieten insgesamt relativ viel Stauraum und sind ansonsten vergleichbar mit Standard-Kabinen auf vielen anderen Kreuzfahrtschiffen auch. Ein gutes Bild vermittelt hierzu unsere Bildergalerie.

Bildergalerie: Balkonkabine 10066

Drei der Steckdosen haben amerikanischen Stecker-Standard, eine aber auch europäischen mit 220 Volt. Die Duschkabine hat lediglich einen Vorhang, der aber mit senkrechten Streben stabilisiert ist – ein interessanter Kompromiss.

Mein persönliches Fazit

Pride of America im Hafen von Nawiliwili, Kauai
Pride of America im Hafen von Nawiliwili, Kauai

Man liest es aus meinen Beschreibungen sicherlich heraus – ich bin persönlich sehr begeistert von der Pride of America. Sie vereint für mich vieles von dem, was man sich als regelmäßiger Kreuzfahrt von einem Schiff wünscht: viel Freiraum, eine umlaufende Promenade, Außendecks mit freiem Blick nach vorne und hinten, guten, aber nicht übertriebenen Service, ebensolches Essen und dazu ein spannendes Fahrtgebiet.

Zahlen zur Pride of America

  • Passagiere: 2.186 (bei Doppelbelegung)
  • Crew: 917
  • Baujahr: 2005 (Lloyd Werft Bremerhaven, Rumpf: Ingalls Shipbuilding)
  • Flagge: USA
  • Tonnage: BRZ 80.439
  • Länge: 280,53 m
  • Breite: 32,21 m
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Anmerkung*: Cruisetricks.de reist nach Hawai’i und auf der Pride of America auf Einladung von Norwegian Cruise Line mit zusätzlicher Unterstützung durch Hawai’i Tourism Authority und deren lokale Partner sowie durch United Airlines.

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2 Kommentare zu Pride of America – ein sehr positives Erlebnis

  1. Daniel on August 8, 2016 at 10:38 am

    Ich durfte bereits 2013 am Bord dieses tollen Schiffes durch die Gewässer von Hawaii kreuzen und war ebenfalls sehr angetan vom Ambiente und vom Angebot an Bord. Eine tolle Kreuzfahrt, was nicht zuletzt an einer einmaligen Destination liegt…

  2. Oliver on August 10, 2016 at 1:59 pm

    Ich werde versuchen 2018 mit meinem besten Freund und Kollegen diese Kreuzfahrt zu machen, vorher geht leider noch nicht, weil ich da schon zwei andere Kreuzfahrten geplant habe. Wir werden dann auch so drei Vorübernachtungen einplanen vor der Kreuzfahrt, wegen der heftigen Zeitumstellung die man dort hat.

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