Raddampfer American Queen: Interview mit CEO Jeff Krida

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Jeff Krida, CEO der Great American Steamboat Company

Jeff Krida, CEO der Great American Steamboat Company

Nach mehrjähriger Pause ist die American Queen, ein klassischer amerikanischen Mississippi-Raddampfer, wieder im Kreuzfahrtbetrieb. Am 27. April von Priscilla Presley in Memphis neu getauft fährt das nostalgische Luxusschiff nun wieder auf dem Mississippi und Ohio River – sehr zur Freude der zahlreichen Raddampfer-Fans.

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Im Interview mit Cruisetricks.de und unserer Schwester-Website Steamboats.org erklärt der CEO der Great American Steamboat Company, Jeff Krida, Strategie und Zukunftschancen der neuen Dampfschiff-Reederei. Cruisetricks.de-Leserin Christina Wiessner hat dankenswerterweise einige aktuelle Fotos der American Queen beigesteuert.

1995 gebaut fuhr die 436 Passagiere fassende American Queen lange für die Delta Queen Steamboat Company, die über die Jahre mehrfach den Besitzer wechselte und nach dem Verkauf an Ambassadors International zur “Majestic America Line” wurde. Ende 2008 stellt die Reederei den Dienst ein, seitdem war die American Queen außer Dienst. Details zum Comeback der American Queen und eine Bildergalerie finden sich in unserem Beitrag “Raddampfer American Queen fährt ab April 2012“.

Cruisetricks.de: Raddampfer-Fans sind glücklich, dass die American Queen wieder Kreuzfahrten anbietet, aber diese Fans allein reichen nicht, um das Schiff ganzjährig zu füllen. Welche Zielgruppe spricht The Great American Steamboat Company mit dem Schiff an?

American Queen

American Queen

Jeff Krida: Unsere Zielgruppe ist recht breitgefächert. Wie Sie wissen hatten die Raddampfer in der Vergangenheit eine loyale und hingebungsvolle Gefolgschaft, aber wir werden angesichts des weltweit explosionsartigen Wachstums der Flusskreuzfahrt eine weit größere Kundenbasis anziehen können. Wir zielen auf erfahrene Urlauber ab, die nach einem einzigartigen Reise-Erlebnis mit kurzen Anreisewegen suchen, die Geschichte und Nostalgie lieben und die nicht nur etwas Neues lernen, sondern auch das Kernland Amerikas erleben wollen, mit seinen warmherzigen und freundlichen Menschen, großartigem Essen, herrlichen Landschaften sowie auf ganz vielen Gebieten bereichert nach Hause kommen wollen.

Frühere Eigentümer der American Queen hatten große finanzielle Schwierigkeiten. Was werden Sie anders machen, um erfolgreich zu sein?

Wing Bridge und Schornstein der American Queen

Wing Bridge und Schornstein der American Queen

Wir haben das Glück zu wissen, welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden und wie wir diese Fehler vermeiden. Wir haben auch das Glück, Leute in unseren Reihen zu haben, die die Delta Queen Steamboat Company so großartig gemacht, ja in den 1980ern und 90ern die Welt mit ihr regelrecht verzaubert haben. Wie Sie wissen war ich während der Zeit Präsident des Unternehmens, als die Schiffe der Delta Queen Steamboat Company bei allen wesentlichen Reisepublikationen in den Top-10-Listen für Essen, Service und Entertainment ganz oben standen. Wir haben außerdem ein sehr talentiertes Team von Neueinsteigern, die von luxuriösen Hochseekreuzfahrt-Reedereien kommen. Sie verstehen, was erstklassiges Essen und Service bedeuten und teilen zugleich die Begeisterung für die Einzigartigkeit des Raddampfer-Erlebnisses. Wir liefern erstklassiges Essen, beispielhaften Service und haben zudem den Hotel-Bereich des Schiffs signifikant verbessert. Anders als einige frühere Betreiber des Schiffs betrachten wir dies nicht als ein Investmentprojekt, sondern als Herzensangelegenheit.

The Great American Steamboat Company ist nicht die einzige Reederei, die in diesem Jahr mit einem Schaufelrad-Kreuzfahrtschiff auf den Markt kommt. Was hat sich am Flusskreuzfahrtmarkt in den USA in den vergangenen Jahren verändert, dass dieses Geschäft offenbar wieder attraktiv geworden ist?

American Queen in New Orleans

American Queen in New Orleans

Das ist eigentlich ganz einfach: Die Schiffe sind nicht verschwunden, weil es keinen Markt gab, sondern weil es keinen Markt für mittelmäßige und niveaulose Produkte zu horrenden Preisen gab. Flusskreuzfahrten boomen rund um den Globus und die Nachfrage hat nie gefehlt, um die Schiffe zu füllen. Aber wie auf allen Märkten gehen die Kunden anderswo hin, wenn man den Markt vernachlässigt oder wenn sich die Kunden ausgenutzt fühlen. Dankenswerterweise hat das Fehlen der Delta-Queen-Steamboat-Company-Schiffe bewiesen, dass es Nachfrage gibt, weil sowohl Kunden als auch Expedienten ihr Fehlen beklagt haben. Nicht nur die Wiederbelebung der American Queen belegt das – auch unser geschätzter und kollegialer Mitbewerber sieht hier einen Markt. Das ist eine großartige Gelegenheit, drei oder vielleicht sogar noch mehr Schiffe auf dem Mississippi, Ohio und ihren Nebenflüssen fahren zu haben.

Was erwarten Sie für die kommenden Jahre? Ist ein weiteres Schiff, vielleicht sogar ein Neubau eine Option für The Great American Steamboat Company?

American Queen in New Orleans

American Queen in New Orleans

Wie jeder in diesem Geschäft weiß, kommt man mit einem Ein-Schiff-Unternehmen nicht weit. Unser Fokus liegt im Moment natürlich auf der Einführung der American Queen und an der Perfektionierung des Produktes. Aber auf diesen gewaltigen Flüssen gibt es viel Platz für weitere Schiffe und wenn sich die richtige Gelegenheit ergibt, werden wir sie nutzen. Wir sind ein sehr ambitioniertes und auf Wachstum ausgerichtetes Team und Unternehmen.

Speziell in Deutschland gab es schon immer Nachfrage nach Raddampfer-Kreuzfahrten im Mark-Twain-Stil. Wie relevant ist Europa und speziell Deutschland für The Great American Steamboat Company?

Die internationalen Märkte sind extrem relevant. Deutschland, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Japan und China bieten enorme Möglichkeiten. Diese Märkte haben die Schiffe in der Vergangenheit immer gestützt, sodass immer mehr Gäste den Mississippi besuchen und die einzigartigen Aspekte seiner Geschichte, dem kulturellen Erbe und Kultur erleben.

(Bildquellen: Jeff Krida: Great American Steamboat Company; alle American-Queen-Bilder: Franz Neumeier)

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Ein Kommentar zu Raddampfer American Queen: Interview mit CEO Jeff Krida

  1. Borchardt, Klaus-Jürgen on Juli 29, 2012 at 1:36 pm

    Ich bin begeistert von den Bildern der AMERICAN QUEEN
    und würde als Schiffsmodellbauer sehr gerne dieses
    Schiff als Modell nachbauen.
    Gibt es darüber Literatur,Baupläne oder sogar
    Modellbaupläne in Amerika ?
    Könnte man gegebenenfalls den Betreiber zum Erstellen
    solcher Pläne bewegen???
    Für jeden Hinweis bin ich dankbar

    Freundliche Grüße
    Klaus Borchardt

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