Rettung oder vereitelte Flucht?
Royal Caribbeans Monarch of the Seas hat am Sonntagnachmittag westlich von Freeport, Bahamas, sieben Menschen von einem notdürftigen zusammengebauten Floß gerettet und später der US-Küstenwache übergeben. Die vermutlich aus Kuba stammenden Flüchtlinge waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschätzte 15 Tage auf See, einer von ihnen war dem Bericht eines US-Journalisten, der an Bord der Monarch of the Seas war, während der Überfahrt gestorben. Das Floss war aus Autoreifen zusammengebunden und mit einem selbst gebauten Segel ausgestattet.
Soweit ist das eine Meldung, die wir immer wieder lesen, denn Kubaner und Haitianer versuchen häufig, mit selbst gebauten Booten in die USA zu gelangen. Viele von ihnen kommen bei dem Versuch ums Leben. Ob ihnen die Flucht in die USA gelingt hängt davon ab, ob sie tatsächlich amerikanisches Festland erreichen, denn die US Coast Guard verfährt nach dem “dry feet, wet feet”-Prinzip: Wer es bis auf amerikanisches Festland schafft, darf bleiben, wer noch im Wasser aufgegriffen wird, muss zurück in sein Heimatland. Den Statistiken zufolge wurden allein im Jahr 2009 fast 1.800 Haitianer von der Coast Guard zurückgeschickt.
Doch gerade im aktuellen Fall wird nun in Foren und in Kommentaren zu der News-Meldung heftig diskutiert, ob der Kapitän der Monarch of the Seas den mutmaßlichen Kubanern mit der “Rettung” einen Gefallen getan hat, oder ober er vielmehr ihre Flucht vereitelt hat. Besonders heftig haut – wie so oft – Jim Walker in seinem Cruise Law News Blog auf den Putz und kritisiert Royal Caribbean heftig.
Floridatoday.com zitiert dagegen einen Sprecher der Küstenwache mit den Worten: “We have to commend the cruise ship crew in their efforts to provide the migrants with medical care. The sea is very dangerous and it’s been pretty cold lately and their lives certainly were at risk.”
Und in der Tat riskieren diese Flüchtlinge ihr Leben. und das wissen sie auch schon, bevor sie losfahren. Mit diesem Argument könnte man durchaus den Standpunkt vertreten, die Monarch of the Seas hätte einfach weiterfahren sollen.
Aber kann man das wirklich tun? Man sieht, dass die Flüchtlinge, wie in diesem Fall bei kaltem Wetter und rauher See offensichtlich latent in Lebensgefahr sind. Einfach weiterfahren und sie ihrem Schicksal überlassen? Hoffen, dass sie es lebendig bis zum Festland schaffen? Immerhin sind es von den Bahamas noch einmal über 100 Kilometer Luftlinie bis zur Küste der USA und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ohnehin von der US Coast Guard vorher aufgegriffen werden. Andererseits hatten die Flüchtlinge, sollten sie wirklich aus Kuba kommen, bis dahin auch schon mindestens 450 Kilometer Strecke hinter sich gebracht.
Was ist Eure Meinung? Hat die Monarch of the Seas die Leute gerettet, oder vielmehr ihre Flucht vereitelt? Und konnte der Kapitän der Monarch of the Seas überhaupt anders handeln, nachdem Passagiere das Floß entdeckt hatten?
Damit Ihr Euch noch ein besseres Bild von der Situation machen könnt, hier ein Augenzeugen-Video von CNN iReporter:






Der Kapitän konnte gar nicht anders handeln, als zu helfen.
Ein trauriges, aktuelles Ereignis zeigt, wie sinnvoll es ist, Bootsflüchtlinge zu retten, solange es noch geht: Bei Tortola ist jetzt ein Flüchtlingsboot auf Grund gelaufen. Bisher wurden drei Leichen geborgen, darunter auch zwei Kinder; 14 Menschen wurden gerettet – http://www.offradarcruisenews.com/2010/12/dozens-go-overboard-in-migrant-vessel.html