Routenänderung wegen Sturm: Entschädigung?

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Ausweich-Routen: Für Passagiere oft ein Ärgernis, aber Entschädigung gibt's nicht immer
Ausweich-Routen: Für Passagiere oft ein Ärgernis, aber Entschädigung gibt’s nicht immer

Kaum ist Hurrikan Sandy über die Ostküste der USA gezogen, die Herbststürme im westlichen Mittelmeer etwas abgeklungen, schon wird kräftig über Entschädigungszahlungen für ausgefallene Hafenstopps und verkürzte Kreuzfahrten diskutiert. Das deutsche Reiserecht regelt diese Frage recht eindeutig, allerdings geraten die Begrifflichkeiten in der Diskussion gerne mal durcheinander. Cruisetricks.de hat sich die Sachlage genauer angesehen.

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Grundsätzlich unterscheidet das deutsche Reiserecht zwischen einer Erstattung von nicht erbrachter Leistung durch den Reiseveranstalter (Minderung wegen Reisemangel) und Schadensersatz, beispielsweise für entgangene Urlaubsfreuden oder auch finanziellen Schaden durch versäumte Flüge oder Fehltage am Arbeitsplatz.

Reisemangel

Ein Reisemangel liegt grundsätzlich dann vor, wenn ein Teil der gebuchten (Pauschal-)Reise nicht oder nicht wie angekündigt stattfindet. Bei einer Kreuzfahrt wäre das also beispielsweise der Ausfall eines Hafenstopps oder eine Verkürzung der Kreuzfahrt wegen Sturm, technischer Probleme oder Ähnlichem. Daraus können sich für die Passagiere zwei mögliche Ansprüche ergeben: Erstattung und Schadenersatz.

Erstattung

Erstattung des Reisepreises wird für den Teil der Reise, der nicht stattgefunden hat. Anders formuliert: Die Leistung, die der Veranstalter nicht erbracht hat, muss der Reisende auch nicht bezahlen.

Auch wenn es aus Sicht des Veranstalters unfair klingt: Bei der Erstattung für einen Reisemangel ist es weitgehend egal, ob der Veranstalter Schuld daran trägt, dass die Reise beeinträchtigt war. Auch bei höherer Gewalt wie dem Hurrikan Sandy, Streik von Lotsen oder Hafenarbeitern oder Vulkanasche, die den (im Pauschalpaket mitgebuchten) Flug zu Kreuzfahrtschiff verhindert, ist die Erstattung fällig.

Die Erstattung bezieht sich allerdings nur auf die beim Pauschalreiseanbieter gebuchten Leistungen. Reist der Passagier auf eigene Faust per selbst gebuchtem Flug zum Schiff, trägt er dafür auch selbst das Risiko (siehe auch Beitrag „Kreuzfahrtschiff verpasst – wer zahlt den Schaden?“). Kreuzfahrten zählen nach deutschem Reiserecht übrigens grundsätzlich als Pauschalreise.

Schadenersatz

Ganz anders sieht es beim Schadenersatz aus: Hier kommt es entscheidend darauf an, ob der Veranstalter eine Schuld oder Mitschuld am Reisemangel trägt. Typischerweise fällt darunter beispielsweise ein Schaden an der Schiffsmaschine. Beim Schadenersatz ist allerdings die Beweislage oft kompliziert, da die Reedereien gerne klare Aussagen zur Ursache beispielsweise einer Verspätung vermeiden. Schwierig ist der Nachweis der Schuldfrage auch dann, wenn der Urlaub beispielsweise durch Ausbruch einer Noroviren-Epidemie am Schiff beeinträchtigt wird.

Eigentlich klingt die Regelung zu Erstattung und Schadenersatz relativ einfach. Dass es trotzdem meist schwierig wird, zeigt sowohl die Frage nach der Beweisbarkeit als auch exemplarisch ein aktueller Fall bei TUI Cruises: Wegen eines Lotsenstreiks in Norwegen im Juni 2012 war die Mein Schiff 2 nicht nach Norwegen gefahren, sondern zu den britischen Inseln. Andere Reedereien entschieden sich dazu, in Norwegen zu bleiben und hatten Glück: Der Lotsenstreik war schnell zu Ende und fast alle Ziele hätten faktisch wohl angelaufen werden können. Vor Gericht streiten sich nun Passagiere mit TUI Cruises, welche Erstattungs- und Schadenersatzansprüche sich aus dieser – von den Klägern als Fehlentscheidung bewerteten – Entscheidung für die Großbritannien-Ersatzroute ergeben.

Höhe der Erstattung

Kompliziert wird es auch, sobald es um die Höhe der Erstattung geht. Denn auch wenn ein Hafenstopp ausfällt und das Kreuzfahrtschiff einen Tag auf See verbringt, hat der Passagier die Restaurants am Schiff und das Unterhaltungsprogramm an Bord genutzt und muss sich diese Leistungen entsprechend anrechnen lassen. Bei einer siebentägigen Reise wird bei Ausfall eines Hafenstopps der Erstattungsbetrag also nur in den seltensten Fällen ein Siebtel des Reisepreises ausmachen, sondern meist deutlich weniger.

Nicht ganz unwichtig ist außerdem die Frage, wie wesentlich der ausgefallene Reisebestandteil für die gesamte Reise war. Auf einer Kreuzfahrt mit dem Titel „Pyramiden und Wüste“ dürfte ein einzelner ausgefallener Hafenstopp beispielsweise in Marseille kaum ins Gewicht fallen, ein zweitägiger Stopp in Alexandria als einzigem Stopp in Nordafrika dafür umso mehr. Subjektive Beschwerden wie „ich habe diese Kreuzfahrt ausschließlich wegen des Stopps in Lissabon gebucht, weil ich dort Freunde besuchen wollte“ schmettern Gerichte regelmäßig ab. Entscheidend ist eine objektive Beurteilung, wie wesentlich ein Reisebestandteil für die Gesamtreise war.

Dieser Punkt ist vor allem deshalb sehr wichtig, weil die Reedereien sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen beziehungsweise Reiseverträgen das Recht sichern, kleinere Änderungen am Reiseroute, Liegenzeiten in den Häfen et cetera vorzunehmen. Andererseits hat der Passagier bei der Änderung ganz wesentlicher Bestandteile der Reise sogar das Recht, vom Reisevertrag zurückzutreten.

Kompensations-Angebote der Reedereien

Bei der aktuellen Situation nach Hurrikan Sandy haben Norwegian Cruise Line und Princess Cruises bereits halbwegs großzügige Kompensationsangebote an ihre Passagiere gemacht, weitere Reedereien werden vermutlich folgen. Diese Angebote haben allerdings nur zum Teil etwas mit Kundenfreundlichkeit zu tun: Sie sollen zum einen eine Vielzahl von arbeitsintensiven Einzelfall-Diskussionen vermeiden, zum anderen aber auch höhere Forderungen von Passagieren unterbinden.

Denn: Wer an Bord ein Entschädigungsangebot annimmt, beispielsweise in Form von Gutschriften auf das Bordkonto, hat damit meist schon eine rechtskräftige Vereinbarung mit der Reederei geschlossen. Spätere Klagen schließt das grundsätzlich erst einmal aus – vorausgesetzt, die Höhe der Kompensation steht nicht in allzu großem Missverhältnis zum tatsächlichen Schaden. In jedem Fall ist die Rechtsposition für den Passagier aber zunächst einmal deutlich schwächer, wenn er bereits ein Kompensationsangebot akzeptiert hat.

Anmerkung: Wir haben gewissenhaft recherchiert, aber wir sind keine Reisejuristen. Daher übernehmen wir für die Richtigkeit der hier genannten Details keine Haftung.  Wir empfehlen, im jeweiligen Einzelfall einen Reisejuristen oder eine Verbraucherzentrale zu Rate zu ziehen.

(Bildquelle: Landkarte auf Basis von OpenStreetMap, © OpenStreetMap-Mitwirkende)

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Ein Kommentar zu Routenänderung wegen Sturm: Entschädigung?

  1. Michaela & Herbert on November 9, 2012 at 2:16 pm

    Für September 2012 war von MSC her auch Ägypten auf dem Plan, der wegen der Unruhen dort dann geändert wurde.

    Von MSC erhielten wir dann die Angebote 1.) Ein besseres Getränkepaket oder 2.) einen Preisnachlass

    Nachdem wir eh nicht noch mehr trinken konnten als üblich hatten wir uns für 2.) den Preisnachlass entschieden.

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