Schaurige Kreuzfahrt: Auf den Spuren der Titanic
RMS Titanic (Quelle: WikiCommons)
Am 8. April 2012 geht die Balmoral auf eine Kreuzfahrt, die man bestenfalls als schaurig bezeichnen kann: Zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic fährt die Balmoral mit zahlenden Passagieren auf der Titanic Memorial Cruise die historische Route der Titanic nach. Über der Stelle, an der die Titanic heute auf dem Meeresgrund liegt, soll am 14. April 2012 eine Gedenkfeier abgehalten werden – genau zu der Uhrzeit, als die Titanic damals begann zu sinken.
Damit die Kreuzfahrt so authentisch wie möglich wird, hat der britische Veranstalter Miles Morgan Travel treffenderweise die Balmoral von Fred. Olsen Cruise Lines gechartert. Die Muttergesellschaft von Fred. Olsen Cruise Lines, Harland and Wolff in Belfast, Nordirland, hatte damals die Titanic gebaut. Gebaut wurde die Balmoral allerdings – und das wird den einen oder anderen Passagier vielleicht beruhigen – 1988 von einer grundsoliden Werft, nämlich der Papenburger Meyer Werft, als Crown Odyssey für Royal Cruise Line. Später war die Balmoral als Norwegian Crown für NCL und wiederum als Crown Odyssey für Orient Lines unterwegs. Auch die Verlängerung des Schiffs 2007/2008 gibt keinen Anlass zur Sorge – die Operation wurde bei Blohm + Voss in Hamburg gemacht.
Essen von der Titanic-Speisekarte
Die Balmoral fährt auf der Titanic Memorial Cruise 2012 die Original-Route an der französischen Küste entlang, hält kurz in Cherbour und macht einen Stopp im irischen Hafen Cobh. Und im Bord-Restaurant soll es sogar Gerichte geben, die an die Speisekarte der desaströsen Jungfernfahrt der Titanic angelehnt sind.
Ganz authentisch lässt sich die Fahrt der Titanic allerdings nicht nachbilden. Die Balmoral ist nicht schnell genug, um mit der Titanic mitzuhalten, und so muss das Schiff zwei Tage früher in Southampton losfahren, um zum richtigen Zeitpunkt die Unglückssstelle zu erreichen. Die Balmoral startet am 8. April, die Titanic war erst am 10. April zu ihrer Jungfernfahrt aufgebrochen.
Alles authentisch, nur ohne Eisberg
Zu authentisch will der Veranstalter der Kreuzfahrt es auch in einem anderen Punkt nicht werden lassen: Anders als die Titanic soll die Balmoral nach der Gedenkfeier in der Nacht zum 15. April weiter nach Halifax fahren, wo der Fairview Lawn Cementery befindet, auf dem 121 Opfer der Schiffskatastrphe beerdigt sind. Und schließlich geht es weiter nach New York, das auch das ursprüngliche Ziel der Titanic war. Eine Begegnung mit einem Eisberg ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
Die Kreuzfahrt steht natürlich ganz in Zeichen der Titanic-Katastrophe und wir begleitet von zahlreichen Vorträgen von Titanic-Experten und Nachkommen von Überlebenden. Zu den vortragenden Passagieren dieser Kreuzfahrt gehört auch Schriftsteller Arthur Cropley, Großneffe von Charles Herbert Lightoller – zweiter offizier und ranghöchster Überlebender der Titanic. Wie Cropley wird auch Philip Littlejohn, Enkel des Überlebenden Alexander James Littlejohn, auf der Balmoral einen Vortrag halten. Littlejohn hatte 2001 einen Tauchgang zum Wrack der Titanic unternommen.
Wer an der denkwürdigen und zugleich schaurigen Kreuzfahrt teilnehmen will, muss sich allerdings beeilen, die Fahrt ist bereits in den meisten Kabinenkategorien ausgebucht. Ein billiger Spaß ist die Reise nicht – derzeit kostet die günstigste noch verfügbare Kabine 3.350 britische Pfund, inklusive Rückflug von New York nach London.
Mehr Pläne zum Titanic-Jahrestag
Auch anderswo haben die Vorbereitungen für den 100. Titanic-Jahrestag begonnen und es verspricht, ein gutes Geschäft zu werden, allen voran Regisseur James Cameron, der an einer 3D-Version des 1997er-Kino-Hits “Titanic” arbeitet.
Mehr der historischen Aufklärung dient wohl das Titanic Belfast Project des Ulster Folk and Transport Museum, wo derzeit für knapp 100 Millionen britische Pfund in Belfast ein Titanic-Museum errichtet wird, das pünktlich zum Jahrestag 2012 fertig sein soll.
Und eine Forschergruppe der Woods Hole Oceanographic Institution im US-Bundesstaat Massachusetts arbeitet derzeit mit immensem Aufwand sogar an der Erstellung eines 3D-Modells des Titanic-Wracks, durch das einmal virtuelle Tauchgänge möglich sein sollen.
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