Mit der Star Flyer in die Karibik: Kreuzfahrt auf einem Großsegler

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Die Star Flyer vor Curacao

Die Star Flyer vor Curacao

Für Aufsehen sorgt die Star Flyer selbst im Panama-Kanal, der schon viele ganz besondere Schiffe gesehen hat. Der mit 63 Metern höchste Passagier-Großsegler der Welt zieht alle Blicke auf sich, wenn er sich den Schleusen nähert. Da stehen die Offiziere der größten Panamax-Containerschiffe beim Vorbeifahren ebenso auf der Brücke und fotografieren herüber wie die Soldaten des brandneuen US-Kriegsschiffs „San Diego“ und die Beobachter auf den Aussichtsplattformen an den Schleusen.

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Segel helfen der Star Flyer freilich im Panama-Kanal wenig – viel zu eng. Da muss der Schraubenantrieb ran, der dem Schiff zu einer Geschwindigkeit von maximal zwölf Knoten verhilft – mit Segel sind es 17 Knoten und passt der Wind optimal, fährt die Star Flyer in der Spitze auch mal 22 Knoten. Ohne Segel, das werden wir später noch am eigenen Leib erfahren, macht die Star Flyer allerdings auch mal nur drei oder vier Knoten. Nämlich dann, wenn ein kräftiger Passat-Wind genau von vorne bläst, die See ordentlich aufpeitscht und jegliches Segelsetzen sinnlos macht. Aber das ist ein ebenso spannender und faszinierender Teil des wunderbaren Abenteuers „Kreuzfahrt auf der Star Flyer“ wie die vielen traumhaften Momente auf dem Großsegler.

Erlebnis Panama-Kanal

Schleuse im Panama-Kanal

Schleuse im Panama-Kanal

Das Hapag-Lloyd-Containerschiff „Paris Express“ fährt die ganze Zeit knapp vor uns, ist immer ein paar Minuten früher an den Schleusen. Gut, dass es jeweils zwei Kammern gibt und so schleusen wir parallel zur „Paris Express“ durch. Bei der Star Flyer ist viel Platz links und rechts zur Schleusenmauer, das Containerschiff hat dagegen nur wenige Zentimeter Luft.

Kräftige Lokomotiven ziehen die Schiffe in die Schleusen hinein und heraus. Das beschleunigt den Prozess erheblich und erspart kompliziertes Manövrieren, vor allem für die großen Frachtschiffe.

Mit der Star Flyer in den Miraflores Locks

Mit der Star Flyer in den Miraflores Locks

Je zwei Lokomotiven halten das Schiff am Bug und am Heck genau auf Position in der Mitte der Schleuse, bei großen Schiffen sind es auch mal doppelt so viele Loks. Auch für erfahrene Flusskreuzfahrer, die schon viele Schleusen gesehen habe, ist Panama-Kanals ein faszinierendes Schauspiel. Nicht nur die vermeintliche Leichtigkeit, mit der die kleine Loks die gigantischen Schiffe vorwärts bewegen, sondern auch die enormen Dimensionen der Schleusen sind einmalig.

San Blas: Inseln wie im Märchenbuch

San Blas Islands

San Blas Islands

Ein strahlend weißer Sandfleck mitten im türkisblauen Meer, ein paar malerische Palmen: So sehen die meisten der 365 San-Blas-Inseln vor der Küste Kolumbiens aus. Comic-Zeichner malen einsame Karibik-Inseln genau so, nur dass diese hier vollkommen real sind. Weitgehend unberührte Korallenbänke laden zum Schnorcheln ein, der weiße Sand schreit geradezu nach einem Liegestuhl. Nur ganz wenige Kreuzfahrtschiffe kommen hier her, gerade einmal zwei oder drei im Monat. Stilecht mit dem Segler vor Anker zu gehen, erfüllt Kitschpostkarten-Träume der obersten Kategorie.

Kuna-Dorf auf einer der 365 San-Blas-Inseln

Kuna-Dorf auf einer der 365 San-Blas-Inseln

Ein leicht ambivalentes Gefühl hinterlässt dagegen die Begegnung mit den einheimischen Kuna-Indianern. Ein Besuch in einem ihrer Dörfer mit Hütten hauptsächlich aus Schilf und nur vereinzelten Steinhäusern versetzt die Kreuzfahrer in eine völlig fremde Welt – und beide Seiten tun sich schwer, mit der Situation umzugehen. Wer die Kunas fotografieren will, zahlt pro Bild einen US-Dollar und vor allem die Kinder warten mit Papageien auf der Schulter oder kleinen Kätzchen im Arm regelrecht auf die Foto-Touristen. Die Foto-Gebühren sind ein willkommenes Zusatzeinkommen, der Verkauf von teils sehr schönen und bunten Patchwork-Nähereien ebenfalls.

Aber auch dieses Erlebnis gehört zum Abenteuer einer Kreuzfahrt auf einem ungewöhnlichen Schiff in Regionen, die nicht perfekt glattgekämmt und mit touristischen Scheinwelten aufgepeppt sind. Solche Begegnungen prägen sich in die Erinnerung, bewegen emotional, während der zehnte oder zwölfte, identische „Diamonds International“-Shop in jedem beliebigen größeren Karibik-Hafen außer Langeweile wenig Eindruck hinterlässt. Auf großen Kreuzfahrtschiffen begegnet man kolumbianischen Ureinwohnern bestenfalls in einer künstlichen Folklore-Show mit nur wenig Bezug zur Realität.

Segel setzen!

Segel setzen!

Segel setzen!

Nach dem Stopp bei den San Blas Islands heißt es für die Star Flyer dann endlich: Segel setzen! Die Seile knarzen und ächzen, wenn die Spannung zunimmt. Man hört die Kraft, die an ihnen zerrt. Ein Seil quietscht beim Durchdrehen an der Winde, bis der Matrose so fest anzieht, dass sie greift. Mit Hilfe der Winde ziehen die Matrosen die Segel langsam aber stetig nach oben. Man sieht, spürt und hört, wie erst ein sanftes Lüftchen ein wenig am Segel zupft, dann ein schon stärkerer Luftzug am Segeltuch rüttelt und schließlich als mächtiger Wind hineinbläst, Seile und Tuch spannt und aufbläht.

Bildergalerie: Star Flyer

Erhaben: die Star Flyer unter Segeln

Erhabener Anblick: die Star Flyer unter Segeln

Eine halbe Stunde später: Plötzlich flattert eines der Segel laut knatternd im Wind. Ein kurzer Befehl vom Kapitän, schon sind fünf Matrosen zur Stelle und versuchen das Segel zu zähmen, das sich ein paar Momente lang wie wilder Mustang gebärdet, Seile durch die Luft peitschen lässt, eine Block fast wie ein Geschoss an einem lockeren Seil hin- und herschießt. Ein paar geübte Handgriffe, schon ist das Seil wieder gespannt. Als wäre nichts gewesen strafft sich das Segel und bläst sich im Wind auf. Gibt’s den Begriff „Segelflüsterer“? Die Matrosen könnte man getrost mit einem solchen Titel bedenken.

Mehr Seefahrt geht kaum

Blick vom Krähennest am vordersten Mast in Richtung Heck der Star Flyer

Blick vom Krähennest am vordersten Mast in Richtung Heck der Star Flyer

Eine Reise auf der Star Flyer hat mehr Seefahrt-Charakter als so ziemlich jede andere Kreuzfahrt. Große, offene Decks, auf denen einem der Wind um die Nase weht, bei stärkerem Seegang auch mal ein Schwall Gischt übers Deck zieht – in der schwülen Hitze der Karibik übrigens eine willkommene Erfrischung. Unzählige Seile flirren im Wind: Insgesamt rund elf Kilometer Seil sind es, das hat Kapitän Klaus Müller einmal ausgerechnet. Der seemännische Oberbegriff für die Seile lautet übrigens „Tampen“ – das sei der Korrektheit halber erwähnt. Die Segel-Profis mögen mir aber verzeihen, dass ich der Allgemeinverständlichkeit willen trotzdem von „Seilen“ spreche.

Offene Decks, der Wind bläst den Passagieren um die Nase, komplizierte Frisuren sollte man sich auf der Star Flyer sparen. Meer-Erlebnis pur. Kein Vergleich zu den glasverkleideten Pooldecks großer Kreuzfahrtschiffe mit möglichst wenig Kontakt zu Wind und Meer und meist kaum einer Chance, das Meer so richtig zu genießen.

Gemeinsames Nichtstun – herrlich!

Cruise Director Andreas' "Welcome Aboard" in der Tropical Bar

Cruise Director Andreas’ “Welcome Aboard” in der Tropical Bar

Die maximal 170 Passagieren der Star Flyer sind innerhalb weniger Tage eine große Familie. Man trifft sich an der großen, zentralen Tropical Bar, nicht nur für Bier und Cocktails, sondern auch mal einfach nur, um gemütlich auf einer Bank zu sitzen, zu reden, das Rauschen, Plätschern, Schlagen und Flirren von Wind und Wellen zu genießen.

So ziemlich jeder Weg übers Schiff führt vorbei an der Tropical Bar, quasi dem Marktplatz des Schiffs. Das ist nichts für Einzelgänger, die am liebsten ganz für sich alleine sind, aber herrlich an entspannten Seetagen, an denen man eigentlich absolut nichts vorhat und sich die Zeit gemeinsam mit Nichtstun vertreibt. Mit einem Buch aus der Bibliothek, die direkt neben der Tropical Bar liegt. Bei einer Tasse Tee oder Kaffee ein kleines Schwätzchen halten und den manchmal spannenden, zumindest aber kurzweiligen Geschichten der Mitreisenden lauschen.

Ziemlich bald merkt jeder auf der Star Flyer, dass „Nichtstun“ die vielleicht schönste Beschäftigung auf einer solchen Großsegler-Kreuzfahrt überhaupt ist. Gemeinsames Nichtstun macht besonders viel Spaß.

Stoff für Sehnsucht und Träume

Träume und Sehnsucht inklusive: Star Flyer im Sonnenunergang

Träume und Sehnsucht inklusive: Star Flyer im Sonnenunergang

Auf keinem anderen Kreuzfahrtschiff haben wir bisher so intensiv erlebt, dass die Erholung im ersten Moment beginnt; mit dem ersten Fuß, den man an Bord setzt. Wir waren in Panama City erst nach Einbruch der Dunkelheit am Schiff angekommen und hatten mit dem Tenderboot zur Star Flyer übergesetzt. Schon beim zweiten Cocktail nach dem Abendessen – natürlich an der Tropical Bar – hatten wir Gefühl, daheim zu sein; als wären wir schon seit Tagen an Bord. Der anstrengende Langstreckenflug, die Hektik der Stadt, der Alltag zu Hause ganz fern und unwirklich. Einfach herrlich.

Auf keiner Kreuzfahrt ist aber auch nach der Reise die Sehnsucht nach Schiff und Meer so intensiv, beinahe schon schmerzlich. Die direkt Nähe zum Meer auf dem kleinen Schiff, das Segelschiff-Feeling mit all seinen Geräuschen, vom Plätschern des Wassers an der Bordwand beim Einschlafen bis zum Flirren der Tampen im Wind, aber auch ungewöhnliche Ziele wie die San-Blas-Inseln machen eine Reise auf der Star Flyer zu etwas sehr besonderem.

-> weiterlesen in Teil 2: Star Flyer – Highlights und Tipps

Anmerkung*: Cruisetricks.de fuhr auf der Star Flyer auf Einladung von Star Clippers.

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