Teil 2: ungewöhnliche Kreuzfahrtschiffe

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David B

David B (Bild: Northwest Navigation Co.)

David B (Bild: Northwest Navigation Co.)

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Recht rustikal geht es auf dem vermutlich kleinsten Expeditions-Schiff in Alaska zu: Die 1929 gebaute und liebevoll restaurierte David B ist gerade einmal 20 Meter lang und 4,8 Meter breit. Beheizt werden die Innenräume ganz traditionell mit Holzöfen, die Kabinen für maximal sechs Passagiere sind mit eigener Toilette und Waschbecken ausgestattet, die einzige Badewanne und Dusche an Bord teilt man sich. Telefon-Verbindungen gibt es während der Kreuzfahrt selten, Internet so gut wie nie – perfekt zum kompletten Abschalten und Entspannen.

Allein schon die restaurierte, historische Maschine der David B ist ein Erlebnis für sich und viele Passagiere schwören auf die angenehm einschläfernde Wirkung der typischen Maschinengeräusche für einen gemütlichen Nachmittagsschlaf. Nachts fährt die David B übrigens gewöhnlich nicht, die Maschinengeräusche stören dann also auch lärmempfindliche Schläfer nicht.

Die David B geht auf Expeditions-Kreuzfahrten in der Alaska Inside Passage durch die Fjorde und Gletscherlandschaften, zum Whale-Watching und Naturerlebnis. Eine besondere Fahrt ist die „Learn to Cruise“-Kreuzfahrt – hier lernen die Passagiere alles über Navigation und steuern das Schiff streckenweise selbst.

  • Besitzer: Northwest Navigation Co.
  • Länge: 20 m
  • Breite: 4,80 m
  • Passagierkapazität: 6
  • Indienststellung: 1929
  • BRZ: 52

Aranui 3

Aranui 3 (Bild: markmpitt)

Aranui 3 (Bild: markmpitt)

Eine Reise ins Paradies von Französisch-Polynesien verspricht eine Reise auf dem kombinierten Passagier- und Frachtschiff Aranui 3 von Papeetee auf Thaiti aus zu den Marquesas-Inseln. Auf ihren 14tägigen Versorgungstouren durch die Südsee-Inselwelt nimmt die Aranui 3 auch Kreuzfahrt-Passagiere mit, sogar eine deutschsprachige Reisebroschüre gibt es. Die Reise führt rund 1.500 Kilometer weit zu den spektakulärsten und entlegensten Inseln Französisch- Polynesiens.

Immerhin rund 200 Passagieren bietet die Aranui 3 Platz, die unter französischer Flagge fährt. Die Crew besteht hauptsächlich aus Einheimischen, die für ihre Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit bekannt sind. Der Schiffsname „Aranui“ bedeutet auf Maori übrigens „Die große Straße“. Das Schiffs ist bereits das dritte mit diesem Namen, erstmals 1959 nahm eine „Aranui“ den Fracht- und Passagier-Liniendienst durch die Inselwelt auf.

Die heutige Aranui 3 wurde im Jahr 2000 in Rumänien neu gebaut und – anders als ihre Vorgänger – wegen der relativ großen Passagier-Kapazität als Passagierschiff klassifiziert. Entsprechend erfüllt sie auch die strengen, internationalen SOLAS-Sicherheitsvorschriften. Über Stabilisatoren verfügt die Aranui 3 allerdings nicht – wer nicht ganz seefest ist, sollte daher eher eine Kabine mittschiffs auf einem unteren Deck wählen.

  • Besitzer: Compagnie Polynésienne de Transport Maritime
  • Länge: 117 m
  • Breite: 18 m
  • Passagierkapazität: 200
  • Indienststellung: 2000
  • BRZ: 7.325

Grande Caribe, Grande Mariner

Grande Caribe (Bild: Blount Small Ship Adventures)

Grande Caribe (Bild: Blount Small Ship Adventures)

Die Geschichte der Grande Caribe und Grande Mariner beginnt mit einer Idee: Warum soll man die Passagiere von einem kleinen Kreuzfahrtschiffe erst mit Beibooten zum Strand fahren, wenn sie genauso gut auch direkt aussteigen könnten? Und so ließ Reeder Luther Blount Schiffe bauen, die direkt am Bug eine Gangway bekamen: Das Schiff fährt Bug voraus an den Strand, die Passagiere steigen direkt über diese Gangway ins seichte Wasser aus – denn dank des sehr geringen Tiefgangs der Grand Caribe und Grande Mariner können die Schiffe auch sehr nahe ans Ufer heranfahren.

Die beiden außergewöhnlichen Kreuzfahrtschiffe mit einer Kapazität von 96 Passagieren sind regelmäßig in der Inselwelt der Karibik und vor Neuengland unterwegs, aber beispielsweise auch auf dem Erie-Kanal, dem Hudson River und dem Mississippi River. Letzteres macht die Schiffe ebenfalls zu einer Besonderheit: Sie sind sehr niedrig und dank einfahrbarer Brücke – sonst eigentlich nur bei Flusskreuzfahrtschiffen üblich – kommen sich auch unter niedrigen Brücken noch hindurch.

1997/1998 gebaut und 2009/2010 renoviert fahren die Grand Caribe und Grande Mariner unter amerikanischer Flagge – für Kreuzfahrtschiffe ebenfalls eine Seltenheit.

  • Besitzer: Blount Small Ship Advenures
  • Länge: 55 m
  • Breite: 6 m
  • Passagierkapazität: 96
  • Indienststellung: 1997 (Grande Caribe), 1998 (Grand Mariner)
  • BRZ: 761

Freewinds

Freewinds

Freewinds

Seit 1986 steht die Freewinds in Diensten der Scientology und fährt vorwiegend Routen um die karibischen ABC-Inseln mit Basishafen Willemstad auf Curacao. Buchen kann man eine Kreuzfahrt auf  der Freewinds freilich nicht, sie ist den Scientology-Mitgliedern der höchsten „Bewusstseinsebene“ vorbehalten, selbige die Abgeschiedenheit auf dem Schiff für spirituelle Erfahrungen nutzen können sollen. Daneben gibt es auch Schulungen für niedrigere Ebenen sowie Urlaubsreisen für Scientology-Mitglieder.

Freilich gibt es auch andere Sichtweisen auf die Freewinds, wie beispielsweise die im vergangenen Jahr Scientology-Aussteigerin Valeska Paris berichtet, die nach eigenen Angaben rund zwölf Jahre lang auf dem Kreuzfahrtschiff mehr oder weniger gefangen gehalten worden sei.

Die Freewinds wurde 1968 im finnischen Turku gebaut, als erster Kreuzfahrtschiff-Neubau in Finnland überhaupt. Als „Bohème“ fuhr sie für Commodore Cruise Line in der Karibik, von 1981 an für die finnische Reederei Ab Sally, später noch einmal für Commodore Cruise Line.

1986 wurde das Schiff an ein von Scientology kontrolliertes Unternehmen verkauft und für rund zehn Millionen Dollar umgebaut und in „Freewinds“ umbenannt. Vor der Freewinds hatte Scientology bereits vier weitere Schiffe besessen.

  • Besitzer: San Donato Properties Corp.
  • Länge: 134 m
  • Breite: 21 m
  • Passagierkapazität: 360
  • Indienststellung: 1968
  • BRZ: 9.780

Savannah

Savannah (Bild: Wikipedia)

Savannah (Bild: Wikipedia)

Als atomgetriebene Kreuzfahrtschiff ist die Savannah schon lange nicht mehr in Betrieb, aber sie existiert noch, liegt allerdings ungenutzt in Baltimore und steht seit 1982 auf der Liste der „National Historic Landmarks“ der USA. Die Savannah war ein Prestige-Projekt der Amerikaner und der Versuch, im Rahmen des „Atoms for Peace“-Programms der Welt zu beweisen, wie gut sich Nuklear-Energie auch für zivile Zwecke nutzen lässt.

Die Savannah wurde in den späten 1950er-Jahren als kombiniertes Passagier-und Frachtschiff gebaut, kräftig vom amerikanischen Steuerzahler bezuschusst. Allerdings bietet das knapp 182 Meter lange Schiff lediglich Platz für 62 Passagiere und so fuhren in ihrer aktiven Zeit zwischen 1962 und 1965 gerade einmal insgesamt 848 Passagiere auf der Savannah mit, 4.800 Tonnen Fracht wurden in dieser Zeit transportiert.

In dieser Zeit fuhr die Savannah zahlreiche Häfen weltweit an, unter anderem an der Ost- und Westküste der USA und auf Hawaii, aber auch Bremerhaven, Hamburg, Dublin und Southampton, nicht jedoch Australien, Neuseeland und Japan, deren Behörden einen Anlauf des atomgetriebenen Schiffs nicht zuließen.

1965 wurde das Schiff zu einem reinen Frachtschiff modifiziert und fuhr als solches noch bis 1971, bevor es stillgelegt wurde. Versuche, die Savannah als Museumsschiff zugänglich zu machen, sind bislang gescheitert. Der Atomreaktor befindet sich bis heute an Bord der Savannah.

  • Besitzer: MARAD
  • Länge: 182 m
  • Breite: 24 m
  • Passagierkapazität: 62 (vor Umbau)
  • Indienststellung: 1959
  • BRZ: 13.599

Bildquellen: David B (Northwest Navigation Co.), Aranui 3 (markmpitt, mit freundlicher Genehmigung), Grande Caribe (Blount Small Ship Adventures), Freewinds (Franz Neumeier), Savannah (Wikipedia)

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