Themenkreuzfahrten: Klassik, Golf, Vampire, Drag Queens & Co

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Musik-Kreuzfahrt (Bild: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten)

Musik-Kreuzfahrt (Bild: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten)

Von schrill bis gediegen, von klassischer Musik oder Golf bis Heavy Metal und Poker – Themen-Kreuzfahrten gibt es inzwischen für fast jeden Geschmack. Findige Reedereien und Veranstalter lassen sich immer neue Themen-Reisen einfallen. Ein komplettes Schiff voller Nudisten? Vampire in Alaska? Drag Queens auf hoher See? Gibt es alles!

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Doch auch wenn Themenkreuzfahrten schon lange in den Katalogen der Veranstalter stehen, entwickeln sie sich erst jetzt zu einem richtig großen Trend in der Kreuzfahrt. Für erfahrene Kreuzfahrer, die schon alles gesehen haben, sind sie eine willkommene Abwechslung. Für Neulinge sind Themenreisen oft den erste Einstieg in die Kreuzfahrt.

Tür die Reedereien sind Themen- und Event-Kreuzfahrten freilich auch ein lukratives Geschäft sowie ein Instrument zur Neukundengewinnung, wie TUI-Cruises-Chef Richard J. Vogel erst kürzlich auf dem Kreuzfahrt Kongress in Hamburg vorrechnete. Zum einen verkaufen sich die Themenreisen gewöhnlich zum vollen Katalogpreis und sind schnell ausgebucht. In Zeiten mit beinahe schon ruinösen Rabattschlachten im Kreuzfahrtmarkt ein gutes Mittel, die Preise zu halten.

Zum anderen holt sich die Reederei über Themen-Reisen viele neue Kunden, die normalerweise nicht über einen Kreuzfahrt-Urlaub nachdenken würden: Rund 15 Prozent der Passagiere der beiden Rockliner-Kreuzfahrten mit Udo Lindenberg bei TUI Cruises buchten später auch eine reguläre Reise auf Mein Schiff 1 oder 2. Bei der Klassik-Kreuzfahrt mit den Wiener Philharmonikern habe diese Quote laut Vogel sogar bei über 27,6 Prozent gelegen.

Themen-Kreuzfahrt: Was genau ist das eigentlich?

Themenkreuzfahrten unterscheiden sich in ihrem Charakter teils erheblich: Idealerweise steht auf einer solchen Seereise das komplette Schiff unter einem Motto, der Passagier bucht die Reise nur deshalb und die Reise wird erst gar nicht als reguläre Reise angeboten. Beispiele dafür sind die Heavy-Metal-Kreuzfahrt „Full Metal Cruises“ auf der Mein Schiff 1 im Mai 2013 oder auch die regelmäßigen Gay-Kreuzfahrt des US-Veranstalters Atlantis. Solche Reisen veranstaltet entweder die Reederei selbst oder ein Veranstalter chartert ein Schiff komplett für diesen Zweck.

Daneben gibt es aber auch zahlreiche weniger spektakuläre Themen-Kreuzfahrten, bei denen nur ein Teil der Passagiere auf Themenreise geht und die übrigen eine ganz reguläre Kreuzfahrt buchen – und meist gar nichts davon wissen, dass parallel auf dem Schiff auch eine Themen-Kreuzfahrt stattfindet.

Das kann eine kleine Gruppe von 40 Strick-Fans auf einer „Knitting Cruise“ sein, die gemeinsam stricken und anderen Passagieren bestenfalls durch Zufall überhaupt auffallen. Oder beispielsweise die „Dancing with the Stars“-Kreuzfahrt bei Holland America Line mit Tanzkursen und Tanzveranstaltungen passend zur gleichnamigen amerikanischen TV-Sendung. Das kann aber auch eine Kreuzfahrt sein, auf der 1.500 Drag-Queen-Fans ihren Lebensstil in schrillen Kostümen ausleben, mit zahlreichen „members only“-Veranstaltungen an Bord.

Tipp: Eine aktuelle Auswahl an Themenkreuzfahrten im Jahr 2013 haben wir in unserem Beitrag “Themenkreuzfahrten 2013” zusammengestellt.

Themenkreuzfahrer vs. reguläre Gäste

Heikel ist in diesen Fällen vor allem das Verhältnis zwischen Themenkreuzfahrern und „Normalbuchern“ im Bordalltag. Denn je nachdem, wie massiv diese Gruppen auftreten und wie häufig wegen exklusiver Themen-Veranstaltungen bestimmte Bereiche des Schiffs für andere Passagiere unzugänglich sind, fühlt sich der eine oder andere davon durchaus erheblich gestört.

Als besondere Härtefälle gelten unter Kennern übrigens Volksmusik- und Schlager-Kreuzfahrten, wohingegen Heavy-Metal-Fans – auf den ersten Blick überraschenderweise – als sehr angenehme Gäste auf Schiffen gerne gesehen sind. Solche Kreuzfahrten sind oft, aber nicht immer Vollcharter oder von der Reederei explizit als Themenreisen ausgewiesene Kreuzfahrten, sodass sich kein Passagier versehentlich auf eine solche Kreuzfahrt verirrt. Aber es gibt Ausnahmen, wie beispielsweise die „Stadl Kreuzfahrt“ des Musikantenstadl im April 2013 mit Andy Borg auf der Allure of the Seas.

Themenkreuzfahrten vorab identifizieren?

Als Schlager-Fan versehentlich in eine Klassik-Themenkreuzfahrt zu stolpern ist ungefähr genau so ärgerlich wie als Volksmusik-Fan in eine Musikanten-Stadl-Kreuzfahrt zu geraten aber nicht an den Themen-Events teilnehmen zu dürfen, weil man die Kreuzfahrt regulär bei der Reederei gebucht hat statt beim Themenreise-Veranstalter. Vorab informieren ist also durchaus sinnvoll.

Aber wie kann man herausfinden, ob auf der bereits gebuchten oder einer ins Auge gefassten Kreuzfahrt eine größere Gruppe an Themen-Kreuzfahrern an Bord ist? In der Praxis das gar nicht so einfach, wenn nur ein Teil der Kabinen eines Schiffs an Teilnehme einer Themen-Reise vergeben werden.

Zunächst ist natürlich eine Nachfrage bei der Reederei sinnvoll – die weiß allerdings nicht immer über alle Details Bescheid, wenn die Themenreise nicht von der Reederei selbst, sondern von einem Drittveranstalter organisiert ist. Trotzdem sollte die Reederei zumindest Auskunft darüber geben können, ob größere Reisegruppen an Bord sein werden.

Am effektivsten ist aber eine Suche im Internet: Über sogenannte „Roll Calls“ sind die beste Informationsquelle. Roll Calls sind einzelne Threads in Online-Foren, in denen die Teilnehmer einer Reise bereits vorab diskutieren, manchmal gemeinsame Landausflüge planen, sich gegenseitig über das Schiff oder Sehenswürdigkeiten in den Häfen austauschen und Ähnliches. Vor allem für internationale und amerikanische Schiffe sind die Roll-Call-Threads bei Cruise Critic die beste Anlaufstelle, für deutsche Schiffe findet man Ähnliches nur sehr vereinzelt beispielsweise bei Kreuzfahrten-Treff.

Darüber hinaus lohnt sich vielleicht auch einfach eine Google-Suche nach dem Namen des Schiffs, Datum und den Stichworten „themed cruise“ beziehungsweise „Themen-Kreuzfahrt“ oder „Event-Kreuzfahrt“. Eine Garantie, möglicherweise geplante Themen-Reisegruppen zu finden, gibt es dabei freilich nicht.

Die juristische Seite: Minderungs-Anspruch, Rücktrittsrecht?

Rechtsprechung gibt es zu diesem Thema bislang kaum. Lediglich drei teils schon recht alte Urteile lassen einen gewissen Rückschluss darauf zu, wie Gerichte Beeinträchtigungen für andere Passagiere auf Themenkreuzfahrten beurteilen könnten.

1993 sprach das Landgericht Frankfurt einem Kläger 40 Prozent Reisepreisminderung zu, weil auf einer Kreuzfahrt mit 560 Passagieren eine Schweizer Folklore-Gruppe mit 500 Mitgliedern das Unterhaltungsprogramm mit Blasmusik, Jodeln und Trachtentänzen dominierten (LG Frankfurt/Main vom 19.4.1993 – 2/24 S 341/92 NJW-RR 1993, 951 f.).

Zumindest am Rande relevant könnte auch ein Urteil des Amtsgerichts Frankfurt von 1996 sein, das keinen Anspruch auf Reisepreisminderung sah, als ein Passagier wegen Nichteinhaltung der Kleiderordnung an Bord geklagt hatte (AG Frankfurt/Main vom 9.5.1996 – 32 C 1579/95-41, RRa 1996, 200). Das ließe sich wohl beispielsweise auch auf eine Drag-Queen- oder Volksmusik-/Trachten-Themenkreuzfahrt übertragen.

In Hinblick auf Beeinträchtigungen für Passagiere, die regulär gebucht haben, ist auch das folgende Urteil interessant: Das Landgericht Lübeck räumte einem Passagier das Recht auf kostenfreien Rücktritt von der Reise ein, den die Reederei erst nach seiner Buchung über umfangreiche Film-Dreharbeiten an Bord des Schiffs und dadurch entstehende Einschränkungen informiert hatte (LG Lübeck vom 10.3.2000 – 1 S 109/99, RRa 2000, 133 f.).

Restriktive Sichtweise deutscher Gerichte

Insgesamt ist zu beobachten, dass deutsche Gerichte relativ restriktiv sind, wenn es um Reisepreisminderung oder Reiserücktritt geht. Beeinträchtigungen müssen in der Regel sehr gravierend und vor Ort nicht behebbar sein, damit die Gerichte auf Minderung- oder gar Rücktrittsrecht erkennen.

So bezog sich das Folklore-Gruppen-Urteil beispielsweise auf ein sehr kleines Schiff, auf dem lediglich 60 Passagiere nicht der Themen-Gruppe angehörten. Auf einen Megaschiff wie der Allure of the Seas dürfte es ungemein schwerer fallen, mit einer gravierenden Beeinträchtigung beispielsweise durch die Musikantenstadl-Kreuzfahrt zu argumentieren. Denn das Schiff bietet im Prinzip genug Ausweichmöglichkeiten, sodass Passagiere diesen Veranstaltungen weitgehend aus dem Weg gehen können – so wie sie auch andere, reguläre Unterhaltungsangebote an Bord ignorieren können.

Diese Sichtweise nehmen deutsche Gerichte jedenfalls in solchen Fällen meist ein. Anders verhielt sich Carnival Cruise Line im aktuellen Fall um die Drag-Queen-Kreuzfahrt auf der Carnival Glory (2. Dezember 2012 ab Miami): Der Reiseveranstalter „Al and Chuck Travel“ hatte seinen Teilnehmern nicht klar kommuniziert, dass Drag-Queen-Outfit lediglich bei den Darstellern, nicht aber bei den Teilnehmern gewünscht ist. Daraufhin erlaubte Carnival gezwungenermaßen das schrille Outfit für alle – und räumte gleichzeitig allen anderen Passagieren ein kostenloses Rücktrittsrecht von der Reise ein, inklusive Erstattung eventueller Storno-Kosten für die Anreise.

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