TUI Sonata – TUIs großer Einstieg in die Flussreisen
Nach über zwei Jahren Ausprobieren mit der TUI Maxima auf der Donau steigt TUI jetzt groß ins Flussreise-Geschäft ein. Die Taufe der TUI Sonata am vergangen Samstag (20. August 2010) war der Startschuss für den Flottenausbau: Bis April 2011 kommen noch einmal zwei Neubauten hinzu, die TUI Allegra und die TUI Melodia. Zusammen mit der jetzt schon angebotenen Premicon Queen und der ex-Deilmann Mozart hat TUI dann 6 Schiffe im Vollcharter und mit der charakteristischen, hellblauen Bemalung auf Donau, Rhein, Main und Mosel im Einsatz.
Keine Sorge übrigens: Weder die Premicon Queen noch die Mozart werden das volle hellblau-Design der neuen TUI-Schiffe bekommen. Offenbar denkt man bei diesen beiden besonderen Schiffen an ein wesentlich dezenteres Branding – möglicherweise eine dünne, hellblaue Wellenlinie und ein kleines TUI-Logo.
Die TUI Sonata wurde ebenso in der Stralsunder P+S-Werft gebaut wir die beiden zukünftigen Schiffe Allegra und Melodia. Alle sechs TUI-Schiffe gehören der Premicon AG, selbige die Schiffe an ihre Tochter TransOcean verchartert hat, selbige die Schiffe wiederum an TUI verchartert. Für den nautischen Betrieb der TUI-Schiffe ist die Premicon-Tochter Köln-Düsseldorfer AG verantwortlich und auch den Hotelbetrieb macht eine Premicon-Tochter. TUI ist also vor allem für Vertrieb und Marketing zuständig, hat aber natürlich von Anfang bis ins Detail hinein mit Premicon am Konzept der Schiffe zusammengearbeitet.
An der TUI Sonata sieht man deutlich die Erfahrung von Premicon, zahlreiche Details machen das Schiff zum modernsten Flussschiff, auf dem man derzeit fahren kann. Der bewährte Twin-Cruiser-Aufbau wurde noch einmal verbessert, sodass das Schiff optisch noch mehr als Einheit wirkt. Der Bruch zwischen der (relativ kurzen) Antriebseinheit am Heck des Schiffs zum Passagierteil ist kaum noch wahrnehmbar.
Twin-Cruiser-Konzept
Wer mit dem Twin-Cruiser-Konzept nicht vertraut ist: Die Idee ist, die Dieselmotoren für den Antrieb in einen separaten Schiffsblock zu verlegen und die Verbindung zwischen Antriebseinheit und Passagierkabinen-Bereich elastisch zu machen, sodass sich nahezu keine Vibrationen und Lärm von den Maschinen überträgt. Im Prinzip ist die Antriebseinheit eine Art Schubschiff, die den Passagierteil als antriebslose Barkasse vor sich herschiebt. Zum ersten Mal hat Premicon die selbst erfundene Twin-Cruiser-Technik übrigens 2005 auf der Flamenco angewendet, die für Nicko Tours auf der Donau fährt.
Auf der TUI Sonata liegen interessanterweise die drei (vibrationsarmen) Stromgeneratoren trotzdem im Passagier-Teil des Schiffs, damit das Bugstrahlruder mit einem leiseren und abgasfreien Elektromotor betrieben werden kann.
Dafür sind die Kabinen auf der TUI Sonata ähnlich wie bei Ozean-Kreuzfahrtschiffen in Blockbauweise eingebaut. Eine elastische Lagerung ohne Schallbrücken soll die Kabinen sehr ruhig machen, störende Geräusche aus der Nachbarkabine gehören damit – so zumindest das Ziel – der Vergangenheit an.
Fakten und Zahlen
Kleine Ausflug zu den TUI-Sonata-Fakten: Die TUI Sonata ist 135 Meter lang, 11,4 Meter breit und hat 4 Voll-Decks. Das Schiff nimmt bei Doppelbelegung 186 Passagiere in 93 Kabinen auf und hat eine Crew von 44. Das Personal spricht duchweg sehr gutes Deutsch und setzt sich aus Deutschen und osteuropäern zusammen. Der Kapitän ist Deutscher.
Die TUI Sonata im Detail
TUI will mit der Sonata und ihren Schwesterschiffen ein jüngeres Publikum anlocken – da kann man über Wurzelholz-vertäfelte Wände durchaus streiten. Auf der Sonata fügt sich das aber positiv in die insgesamt sehr hellen und lichtdurchfluteten Räume ein und schafft eine Wohlfühl-Atmosphäre, die wohl bei einem reinem Glas- und Edelstahl-Design auf der Strecke bliebe. Und das Wurzelholz ist hell und glänzend poliert, sodass es nicht altbacken wirkt.
Viel Tageslicht gibt es im Atrium-artigen Empfangsbereich, in dessen Mitte ein großes, kreisrundes Oberlicht-Fenster für die Erleuchtung sorgt. Auch wenn’s auf den Fotos anders aussieht: Die Pflanzen sind allesamt künstlich, aber echten Pflanzen täuschend ähnlich.
Auf der oberen Ebene des Atriums findet sich eine kleine Bibliothek und Gesellschaftsspiele, Sessel und Tische sind rund um das Geländer des Atriums angeordnet und laden auch mal zum Sitzen und Mitpassagiere beobachten ein.
Vinothek, Zigarren-Lounge, Restaurant
Zum Restaurant hin gibt es zwei kleinere Räume – eine Zigarren-Lounge für Raucher samt einem kleinen Humidor. Gegenüber liegt die Vinothek mit zwei Weinkühlschränken und einer kleinen Bar, die sich abends bei (künstlichem) Kerzenschein bestens für eine Weinprobe eignet sowie tagsüber ein ruhiger Ort zum Lesen oder Kartenspielen ist.
Sehr gelungen ist das Restaurant mit raumhoher Verglasung, die von jedem Tisch aus einen guten Blick nach draußen erlaubt – auf einer Flussreise ja nicht ganz unwichtig. Mit viel Abstand zwischen den einzelnen Tischen wird es nie eng, die Kellner haben viel Bewegungsfreiraum. Ein Teil des Restaurants liegt übrigens mit einer Treppe nach unten vom restlichen Restaurant getrennt oberhalb der Antriebseinheit des Twincruisers ganz hinten im Schiff. Stärkere Vibrationen waren dort während der Tauffahrt nicht festzustellen, sodass dies kein Nachteil ist.
Lounge und Lido-Terrasse
Zentrum für die Abendunterhaltung ist die Lounge am Oberdeck mit großer Bar und einer kleinen Tanzfläche sowie Platz für eine kleine Band oder den Flügel. Die Lounge erklärt sich am besten über die Bildergalerie selbst.
Ein Schmankerl für Freiluft-Fans liegt vorderhalb der Lounge: die Lido-Terrasse. Ein paar wenige Stühle und Tische stehen hier überdacht im Freien, sodass man sich hier auch bei nicht ganz so optimalem Wetter den Fahrtwind um die Nase wehen lassen kann, bei einem Glas Wein oder einer Tasse Cappuccino. Eine Treppe verbindet die Lido-Terrasse außerdem mit dem Sonnendeck.
Sauna und Whirlpool
Ein kleines Spa darf heutzutage natürlich auf einem Kreuzfahrtschiff nicht fehlen. Auf der TUI Sonata besteht das Spa aus einer Sauna für geschätzt bis zu 8 Personen mit großen Bullauge für den Blick nach draußen (Vorsicht: Im Hafen besser das Rollo etwas schließen).
Drei Cardio-Trainingsgeräte helfen beim Abtrainieren der Pfunde, die man sich abends im Restaurant angefuttert hat und ein Whirlpool nebst dreier Ruheliegen (ebenfalls mit großem Bullauge) ist für diejenigen, die Wellness ohne Anstrengung genießen wollen. Anders als auf den meisten Ozean-Kreuzfahrtschiffen ist die Benutzung des Wellness-Bereichs übrigens im Reisepreis inklusive.
Sonnendeck
Das Sonnendeck ist über insgesamt drei Treppenaufgänge von überall auf dem Schiff leicht erreichbar und besteht hauptsächlich aus Sonnenliegen sowie einem Bereich mit Sitzgruppen und Sonnenschirmen. Im hinteren Bereich gibt’s ein großes Schachbrett sowie Shuffleboard. Der Lieblingsplatz vieler Passagiere dürfte aber ganz vorne, direkt hinter der hohen Verglasung am Bug des Schiff sein: Windgeschützt kann man hier im Liegestuhl die Sonne genießen und die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen, mit tollem Ausblick nach vorne. Der Kapitän hat jedenfalls eine schlechtere Aussicht …
Essen
TUI setzt auf seinen Schiffen auf Bedien-Restaurants statt Buffet (wie das beispielsweise A-Rosa macht). Nur das Frühstück gibt es – sinnvollerweise – als Buffet. Ein wirkliches Urteil über das Essen an Bord traue ich mir nach nur einem Abendessen und einem Frühstück an Bord nicht zu. Aber das, was die Küche am Gala-Abend zur Taufe aufgefahren hat, war reichlich lecker: Karotten-Ingwer-Suppe, Gebratene Jakobsmuschel „Himmel und Erde“ (mit Blutwurst), gefüllte Gnocchi mit Trüffel und Ziegenkäse (mein persönlicher Favorit; sehr fein), Rinderfilet-Tranche und geschmorte Ochsenbacke an Amarone-Sauce und Kartoffel-Lauch-Purree und zum Nachtisch ein weißes Schokomousse und Champagner-Eis. Alternativ gab’s auch eine vegetarische Variante, von der wir die knusprigen Kartoffelpuffer mit Bratapfel probiert haben (statt der Jakobsmuschel, die ich – nicht TUIs Schuld – einfach nicht ausstehen kann). Alles durchweg sehr schön angerichtet, auf den Punkt gegart und schmackhaft, ohne irgendwie übertrieben zu wirken.
Sehr vielfältig ist das Frühstück, das sogar die Auswahl bei Arosa noch deutlich übertrifft. Vom den üblichen Käse, Wurst, Räucherfisch, Brot, Marmelade in großer Auswahl über trockenes und Bircher-Müsli und Joghurt über viel frisches Obst bis zu einer leicht amerikanische angehauchten Station mit Muffins, Croissants, Toast, Würstchen, gebräunter Leberkäse, Rührei und knuspriger Frühstücksspeck sowie frisch aus individuellen Wunsch gebratenes Omelette.
Kabinen
Die TUI Sonata hat grundsätzlich zwei verschiedene Kabinentypen: Eine Variante mit feststehendem Doppelbett und eine Variante mit Schlafsofa und Klappbett. Kabinen auf Deck 1 und 2 haben einen französischen Balkon, bei dem die gesamte Außenfläche der Kabine verglast ist und sich der mittlere Teil mit zwei Schiebetüren öffnen lässt. Die Doppelbett-Kabinen auf diesen beiden Decks werden auch als Suiten bezeichnet. Auf dem untersten Deck (3) gibt es ebenfalls beide Kabinentypen, aber lediglich mit Bullaugen.
Die Doppelkabinen (=Suiten) sind mit 15 qm etwas größer als die Sofakabinen (12 qm) und bieten neben einem Schreibtisch mit Stuhl auch noch zwei Sessel mit einem runden Glastisch. Diese Kabinen bieten wesentlich mehr Stauraum als die Sofakabinen.
Die Sofakabinen haben dagegen den Vorteil, dass tagsüber ein Bett zum Sofa mutiert und das andere in die Wand geklappt wird, sodass der Raum mit Glastisch, einem Sessel und dem Sofa letztlich mehr Platz bietet als die Doppelkabine mit feststehenden Betten. Dafür entfällt bei diesem Kabinentyp sowohl der Stauraum unterm Bett als auch im Schreibtisch und in den Nachtkästchen.
Insgesamt bieten die nur die Doppelkabinen viel Stauraum. In beiden Kabinen-Kategorien gibt es einen zweiteiligen, deckenhohen Schrank mit zwei einem Hängebereich und einem Teil mit insgesamt 6 Fächern, wobei eines davon teils vom Safe belegt ist. Zusätzlichen Platz gibt es nur in der Doppelkabinen: unterm Bett, zwei Fächer im Nachtkästchen, zwei große Fächer im anderen Nachtkästchen sowie insgesamt 4 Fächer plus zwei Schubladen im Schreibtisch, selbiger in den Sofa-Kabinen wegen des Klappbettes entfällt.
Fön, Flatscreen-TV, Telefon und ein relativ kleiner Safe gehören zur Grundausstattung, ebenso Ohrstöpsel (die man bei diesem Schiff eigentlich nicht brauchen sollte?), Schuhcreme und ein Schuhlöffel. Die Minibar enthält an Getränken (Getränke-Preise in Klammern): Wasser (1 Liter 2,90 Euro) Cola, Schweppes, O-Saft, Apfelsaft (alle 2,60 Euro für 0,2 l) auch Bier (0,33 Liter 2,90 Euro), Weiß- und Rotwein (0,25 Liter 3,20 Euro) und Barcardi, Ballentines und Gin (5 cl für 4,20-4,40 Euro), Underberg (2,90 Euro); und zum knabbern 50 g Pringles für 2,60 Euro und Ritter Sport Vollmilch 100g für 2,70 Euro.
Bildergalerie: TUI Sonata
Bad und Dusche
Ein Highlight sind die Bäder. In beiden Konfigurationen ist die Dusche mit einer Glasschiebetür abgetrennt und richtig groß. In der Doppelkabine ist das Bad zur Kabinen hin mit Milchglas vollverglast, sodass man auch im Bad Tageslicht hat. Nachteil: Wer nachts mal raus muss, erleuchtet mit dem Badlicht unweigerlich auch die restliche Kabine. Ein Thema, das auch beim neuen Bad-Konzept der Norwegian Epic diskutiert wird. In der Sofakabine gibt es lediglich ein mannshohes Milchglas-Fenster von der Dusche in die Kabine, der Lichteinfall bei Tag hält sich da ebenso in Grenzen wie der Lichtausfall bei Nacht.
WLAN und Steckdosen
WLAN-Internet ist übrigens überall am Schiff verfügbar, auch in den Kabinen.
Dünn bestückt ist die Kabine dagegen mit Steckdosen: eine am Schreibtisch und eine Rasierer-Steckdose im Bad. Wer Kamera, Laptop und Handy dabei hat, sollte nehmen den Ladegeräten auch eine Mehrfachsteckdose mitbringen.
Französischer Balkon
Die großflächigen Fenster und der französische Balkon sind etwas zum Genießen: Schiebetür auf, Klimaanlage abschalten (die schaltet nämlich leider beim Fensteröffnen nicht automatisch ab), Füße hochlegen und die Aussicht genießen oder ganz in Ruhe ein Buch lesen.
Etwas problematisch ist das Fehlen eines Fangblechs oder -netzes am französischen Balkon: Fällen einem bei offener Balkontüre etwas herunter, hält bis auf die wenige Zentimeter niedrige Fensterkante den Fall ins Wasser nichts auf, da auch das Metallgeländer des Balkons unten komplett offen ist. Ein unauffälliges, 30 Zentimeter hohes Netz würde hier vermutlich das eine oder andere Drama verhindern (man denke nur an ein Stofftier, das einem Kind auf diese Weise abhandenkommt …).
Einzelzimmer, Dreierbelegung, Kinder
Der Einzelzimmer-Zuschlag beträgt in den Doppelkabinen 40%, in den anderen Kabinen nur 30%, was die TUI Sonata durchaus auch für Einzeleisende interessant macht.
„Interessant“ ist auch die Frage, wo das Zustellbett in den Kabinen stehen soll, dass Katalog verfügbar ist und in dem Kinder bis 15 Jahren sogar kostenfrei mitfahren. Denn in keiner der Kabinentypen ist wirklich viel Platz vorhanden, um ein zusätzliches Bett aufzustellen. Die Dreierbelegung dürfte also in jedem Fall eine eher enge Angelegenheit werden – für eine Familie mit einem Kind aber natürlich eine sehr preisgünstige Möglichkeit für einen Familienurlaub.
Bis 15 Jahren fahren Kinder also in der Kabine der Eltern kostenlos mit, teil sich ein Kind eine Kabine mit einem Erwachsenen, gibt es immerhin noch 25% Kinderermäßigung.
Fazit
Die TUI Sonata ist ein modernes Rhein-Kreuzfahrtschiff, das uns gut gefällt. Die technischen Verbesserungen bei der Twin-Cruiser-Technologie und der elastischen Lagerung der Kabinen dürfte den Komfort noch einmal verbessern. Soweit wir nach nur zwei Mahlzeiten das Essen beurteilen können – was ja auf Kreuzfahrten immer ein ganz wichtiger Punkt ist – gibt‘s da nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil: Kulinarisch dürfte es den TUI-Sonata-Passagieren an nichts fehlen. Die große Dusche ist ein echtes Highlight für ein Kreuzfahrtschiff und die insgesamt am ganzen Schiff sehr hellen Räume schaffen eine moderne, aber zugleich gemütliche Atmosphäre.
Anmerkung: Cruisetricks.de auf der TUI Sonata auf Einladung von TUI zur Tauffahrt für eine Nacht an Bord des Flusskreuzfahrtschiffs.
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