Vulkanausbruch: Ist der Flug zur Kreuzfahrt gefährdet?

Montag, 23. Mai 2011 von

Aschewolke auf Island (Bild: Matt Rigott)

Aschewolke auf Island am Sonntag, 22. Mai (Bild: Matt Rigott)

Die gewaltige Eruption des isländischen Vulkans Grimsvötn, die stärkste des Vulkans seit 100 Jahren, könnte erneut den europäischen Flugverkehr behindern und damit auch Kreuzfahrtpassagieren das Erreichen ihrer Kreuzfahrt erschweren. Zwar sind die Winde derzeit schwach und blasen die Aschewolke eher Richtung Norden. Doch diese vorläufige Entwarnung gilt nur für die nächsten 24 bis 48 Stunden. Dann nämlich könnten nach den aktuellen Wettervorhersagen die Winde drehen und in Richtung Großbritannien und europäisches Festland drehen.

Ein grundlegender Unterschied zum Ausbruch des Eyjafjallajokull im April 2011 gibt allerdings Anlass zur Hoffnung: Die Ascheteilchen des Grimsvötn sind offenbar deutlich größer als die der Feinstaubwolke des Eyjafjallajokull, sodass die Teilchen schneller zu Boden sinken und daher in geringerer Menge bis aufs europäische Festland kommen, wenn sie überhaupt soweit getrieben werden.

Die britische Zeitung The Independent zitiert einen Sprecher der Civil Aviation Authority mit den Worten, Behörden und Fluggesellschaften hätten aus der Aschewolke 2011 gelernt und die Situation werde diesmal anders gehandhabt als noch im vergangenen Jahr. Mit einer kompletten Schließung des Luftraumes sei demnach kaum zu rechnen. Die Zeitung zitiert auch einen isländischen Geophysiker, der bei dem aktuellen Vulkanausbruch von deutlich weniger schwerwiegenden Folgen für den Luftverkehr ausgeht und Sperrungen nur für sehr begrenzte Zeit und nur für kleinere Gebiete für denkbar hält.

Erinnerungen an die Aschewolke in April 2011

Im April 2011 war auf Island der Vulkan Eyjafjallajokull ausgebrochen und hatte mit seiner Aschewolke den europäischen Flugverkehr für eine Woche komplett lahmgelegt und insgesamt mehrere Wochen lang für Probleme gesorgt. Tausende Kreuzfahrtpassagiere hatten ihr Schiff verpasst oder mussten lange Umwege, An- und Abreise mit Bus und Bahn in Kauf nehmen. AIDA und TUI Cruises hatten damals Schiffe nach Marseille beziehunsweise Genua umgeleitet, um die Passagiere von dort aus per Bus zurück nach Deutschland zu bringen und auf dem selben Weg neue Passagiere an Bord zu nehmen.
Die damals brandneue Celebrity Eclipse hatte sogar eine Kurzkreuzfahrt vor ihrer Taufe abgesagt und war nach Spanien gefahren, um dort gestrandete britische Urlauber nach Hause zu bringen.

Wer sich Sorgen um seine Kreuzfahrt macht, kann derzeit nur wenig tun. Denn noch gibt es keinen konkreten Vorhersagen, ob, wann und welche Flüge möglicherweise ausfallen und wie lange der Vulkan noch Dampf und Asche in die Atmosphäre blasen wird. Wer trotzdem Vorsorge treffen will, sucht sich eventuell geeignete Bus- oder Zugverbindungen heraus, reserviert möglicherweise schonmal einen Sitzplatz in passenden Zügen und kalkuliert die Fahrzeit mit dem eigenen PKW zu Hafen, soweit der sinnvollerweise ohne Flugzeug erreichbar ist. Wirklich problematisch dürfte es allerdings tatsächlich erst werden, wenn der Flugverkehr wie 2011 für mehrere Tage großflächig blockiert wäre. Danach sieht es zumindest momentan nicht aus.

Keine Versicherung gegen Aschewolke möglich

Übrigens: Eine Reise-Versicherung gegen Flug-Ausfälle und entsprechendes Nichterreichen des Kreuzfahtschiffs wird bei deutschen Versicherungen nach wie vor nicht angeboten. Lediglich wer Flug und Kreuzfahrt als Paket gebucht hat, bekommt auch den Kreuzfahrt zurückerstattet, wenn diese Reise als Pauschalreise im Ganzen ausfällt, etwa weil der Flug abgesagt wird. Wer hingegen den Flug separat gebucht hat, bekommt zwar den Flugpreis erstattet, bleibt aber auf dem Kreuzfahrtpreis sitzen, wenn das Schiff regulär fährt.

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5 Kommentare zu Vulkanausbruch: Ist der Flug zur Kreuzfahrt gefährdet?

  1. Her am Mai 24, 2011 um 7:38 am

    eine Versicherung gegen die Aschewolke gibt es zwar nicht, jedoch kann man ja das Anreisepaket des Veranstalters buchen. Somit bleibt man nicht auf den Flugkosten sitzen. Allerdings lassen die Veranstalter sich diese Anreispakete ordentlich bezahlen, siehe hier http://www.holidaycheck.de/thema-AIDA+und+Kundenzufriedenheit+Die+Realitaet-id_123390.html
    oder http://www.holidaycheck.de/schiffsbewertung-AIDAaura+Rundreise+Kanada+und+USA+mit+der+AIDAaura-ch_sb-id_9105.html

  2. Franz Neumeier am Mai 24, 2011 um 8:08 am

    @Her: So pauschalisiert würde ich die Anreisepakete der Reedereien nicht verdammen (schon gar nicht auf Basis eines Berichts eines Reisenden bei Holidaycheck, der “non-stop” nicht von “direkt” unterscheiden kann und dann hinterher seinen Ärger über sich selbst auf die Reederei projiziert …).

    Die Anreisepakete sind manchmal recht teuer, oft aber auch vergleichsweise günstig. Einrechnen muss man zunächst einmal die Anreise-Nebenkosten, die man bei selbst gebuchtem Flug zusätzlich hat – v.a. der Transfer vom Flughafen zum Schiff, der je nach Hafen sehr teuer sein kann, beispielswiese Southampton oder Rom, wo der Flughafen sehr weit vom Hafen entfernt ist. Da kommen gleich mal 100 Euro zusätzlich zusammen.

    Dazu kommt, dass Reedereien oft Flug-Kontingente kaufen, die günstiger sind als der Flug am freien Markt und diesen Preisvorteil auch an die Kunden weitergeben.

    Royal Caribbean hat beispielsweise zur Zeit ein Angebot, bei dem Kinder das Anreisepaket kostenlos bekommen. Der Flugpreis für die Erwachsenen mag über dem Preis bei Buchung direkt über Lufthansa liegen, aber gerechnet auf eine 3- oder 4-köpfige Familie mit Kindern ist bei solchen Angeboten der Flug via Reederei unschlagbar günstig.

    Noch ein Vorteil bei einigen Reedereien: Die Gepächfreigrenze ist bei diesem Flügen oft höher – gerade bei der innereuropäischen Beschränkung auf 20 bzw. zukünftig 23 kg ist es schon ganz angenehm, wenn man stattdessen auch mal 30 kg mitnehmen darf (siehe http://www.cruisetricks.de/fuer-fluganreise-neue-gepaeck-regeln-bei-lufthansa/ ).

    Es kommt wirklich immer darauf an, wann man bucht, auch die Frage ob innerhalb oder außerhalb der Hauptferienzeiten, ob die Reederei noch günstige Kontingente hat etc. – Nachfragen schadet nicht, selbst buchen kann man dann immer noch, wenn’s im Einzelfall zu teuer ist.

    Nicht komplett ignorieren würde ich auch das hohen Kostenrisiko, wenn beim selbst gebuchten Flug etwas schief geht. Mal schnell ein Bahnticket kaufen (dann zum Vollpreis, weil Last Minute keine Super-Spar-Tarife mehr verfügbar sind) oder sich uns Auto setzen bei den heutigen Benzinpreise ist auch kein Spaß. Und die Bequemlichkeit des mitgebuchten Flugs ist mir zumindest ein paar zusätzliche Euro durchaus wert. Aber das ist natürlich auch eine ganz persönliche Geschmackssache …

  3. uwe am Mai 25, 2011 um 12:46 am

    … und nun ist es soweit: Der Flughafen Hamburg wird heute (Mittwoch) gesperrt, meldet der NDR:
    http://www.ndr.de/regional/aschewolke117.html

  4. uwe am Mai 25, 2011 um 12:49 am

    … und hier die entsprechende Meldung der Deutschen Fugsicherung:

    http://www.dfs.de/dfs/internet_2008/portal/deutsch/start/index.html

  5. Franz Neumeier am Mai 25, 2011 um 7:10 am

    Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute, eher in einem Nebensatz, dass die DLR eine Studie zur Aschewolke 2010 veröffentlicht hat in der steht, dass damals die Aschekonzentration bei allen DLR-Messflüge durch die Aschewolke deutlich unter dem heutigen Grenzwerte lagen. Aus heutiger Sicht (!) hätte es also keinerlei Luftraumsperrungen bedurft. Ich hoffe inständig, dass diesmal weniger hysterisch gehandelt und wegen weitgehend nicht auf Fakten gestützter Prognosen wieder wild Lufträume gesperrt werden.

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