Warum Küchenführungen auf Kreuzfahrtschiffen langweilig sind

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Gähnende Leere: Galley außerhalb der Essenszeiten

Gähnende Leere: Galley außerhalb der Essenszeiten

Sonntagabend an der New Yorker Börse – Montagmorgen auf New Orleans‘ Partymeile Bourbon Street – eine Kreuzfahrtküche während einer Galley-Tour: Stille, leblose Momente, die nicht ansatzweise vermitteln können, was für absolutes Chaos und Durcheinander täglich an diesen Orten herrscht. Der Lärm ist verhallt, das Getöse abgeklungen: Order-Zettel aufgekehrt, Bierflaschen entsorgt, Grills geputzt.

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Ich kann natürlich nachvollziehen, warum Passagiere eine Küchenführung mitmachen wollen. Aber die Führungen sind untauglich um zu verstehen, wie dieser Ort tickt. In der Kreuzfahrtschiff-Galley geht es nicht um Küchengeräte, die Anordnung der Kochstationen oder um Abläufe. Es geht nicht um die die ziemlich nutzlosen Statistiken, mit denen die Guides glänzen, die unzähligen Essen, die in nur wenigen Minuten von hier aus serviert werden. In Kreuzfahrtschiff-Galleys dreht sich alles um die Menschen, die hier arbeiten, schwitzen, fluchen und betrügen.

* Eine Warnung vorweg: Dieser Beitrag kommt nicht ohne einige deftige Kraftausdrücke aus – aber wir haben es eben mit Seeleuten zu tun …

Fluchen und betrügen? Garantiert nicht, während Sie beim exklusiven “Chef’s Table” in der Küche gegessen haben, oder? Aber ich bin mir auch ganz sicher, dass ihre Kinder sich immer gleich benehmen, egal ob Sie als Ihre Eltern sie gerade beobachten oder nicht, richtig?

Brian David Bruns

cruisetricks.de-Gastautor Brian David Bruns ist der Autor der US-Bestseller-Reihe “Cruise Confidential” und sorgt mit seinem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen von Kreuzfahrtschiffen für Aufsehen.

Galley-Führungen sind organisierte Gruppen, die durch blitzblanke Edelstahl-Korridore wandern wie Blut durch ein gesundes Herz fließt. Essenszeiten sind dagegen wie ein gewaltsamer Herzstillstand, bei dem sich Körper mit aller Macht gegen die Blockade stemmen. Dann fängt das Herz langsam wieder an zu schlagen und alles und jeder kämpft noch intensiver, lauter und unberechenbarer. Nur, dass die Körper in der vordersten Reihe nirgendwohin ausweichen können. Der Druck steigt und die Angelegenheit wird hässlich. Letztlich wird bei jedem Essen etwas schiefgehen. Die Kellner werden umher rennen und sich alles zusammen stehlen, was sie brauchen – ganz ähnlich wie bei einer inneren Blutung.

Die Metapher ist Ihnen zu plastisch? Das ist sie eigentlich nicht, denn es ist ein wahrer Dschungel dort. Kreuzfahrtschiff-Kellner zanken sich um Kartoffelrösti wie Hyänen um einen Beute-Fetzen, den sie den Löwen geklaut haben. Nur die Stärksten überleben.

Ich werde niemals den Tag vergessen, an dem ich zum ersten Mal im Dining Room der Carnival Conquest das warme Frühstück holen musste. Ich hatte 16 Bestellungen auf einen Schlag, genau wie alle andern Kellner auch. Gleichzeitig.


„Hi Chef, ” fing ich an, „ich, äh, brauche sechsmal Spiegelei beidseitig leicht gebraten, zwei davon mit Pancakes, eines mit Speck, eines mit Speck und Pancakes, zwei mit Wurst und Speck und eines mit Pancakes, Wurst, Speck und Kartoffelrösti. Dann brauche ich zweimal Spiegelei beidseitig dunkel gebraten mit Pancakes und Wurst und … ”

„Neuling, geh‘ mir aus dem Weg,“ unterbrach mich ein anderer Kellner. Er brüllte: „SECHS BEIDSEITIG DUNKEL, PANKAKES, RÖSTI! SCHNELL!”

„Hey, Philippino,“ rügte ihn ein indischer Kellner. „Lass‘ den Kerl in Ruhe. Ignorier‘ ihn und den Amerikaner. Hilf Deinem indischen Landsmann. Mach‘ mir viermal Rührei, zwei mit Röstis, vier mit …“

“Halunke, lass’ Deine Finger von meinen Pancakes!”

„Hey!“ schrien alle auf, als ein Bulgare dazwischen ging. „Das sind meine Pancakes, Du Bastard! Ich brauche vier Rühreier, zwei mit Speck, einmal mit Wurst und einmal mit Rösti.“

“F@*# you! Chef, sind das meine Kartoffelrösti?”

„Leck mich, Euro-Boy. Kolonialisiere ein anderes Land!“

“Hey, warum gibst Du ihm meine Eier?”, fragte ich. „Amerika hat nie irgendein Land kolonialisiert.“

“Ihr zerbombt alles. Nimm’ mein Erdöl, aber nicht meine Eier!”

„Welcher Trottel hat meine Spiegeleier genommen? Chef, gib‘ mal Gas mit den Eiern!“

„Schau‘ ich für Dich wie ein Huhn [Anm.: chicken = Weichei] aus? Kennst Du schon jemals ein schwarzes Huhn gesehen, motherf@*#er?”

“Nimm Deine verdammte Marmelade von meinem Tablett, Arschloch!”

“Was heißt ‘chicken’ in der Sprache von Euch weißen Affen?”

“F@*# you!”

“Nein, f@*# you!”

“F@*#t Euch doch beide. Wo ist meine Wurst? Nicht die verdammten Bratwürste, die verfluchten Buletten, Trottel!“


An dieser Stelle war auch der letzte Rest an Höflichkeit verloren und die Sprache wurde wirklich hässlich.

Der Witz dabei? Beim Frühstück im Dining Room arbeitet nur rund ein Zehntel der Kellner an Bord. Deshalb: Genießen Sie die Galley-Führung, denn so sicher wie das Amen in der Kirche wollen Sie dort nicht zur Dinner-Zeit sein.

Anmerkung: “Cruise Confidential”-Bestsellerautor Brian David Bruns schreibt regelmäßig Gastbeiträge für cruisetricks.de, in deutscher Übersetzung exklusiv.

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2 Kommentare zu Warum Küchenführungen auf Kreuzfahrtschiffen langweilig sind

  1. Gabriele Gudde on September 24, 2012 at 12:16 pm

    Was die Küchenführungen betrifft, nun j, man möchte schon mal die “Ausmasse” unter Deck je Kreuzfahrtschiffgröße kennenlernen. Aber einmal, dann ists gut – wie erklärt, es fehlt das Flair einer arbeitenden Küchencrew!
    Während wir jedoch auf dem einen oder anderen kreuzfahrtschiff als “Latidude oder Crown & Anchor”-Mitglied in den Genuß einer kostenfreien Führung kamen, wurde dies auf unserer letzten Reise auf der Costa Atlantica vom 06. bis 13. September 12 zu sage und schreibe € 65 pro Person angeboten!!!! Das ist mehr als heftig und in keinster Weise der Preis nachvollziehbar!!

  2. Michaela & Herbert on November 23, 2012 at 2:45 pm

    Auf der MSC Melody war uns Passagieren das betreten der Küche aus Gründen der Hygiene verboten. Es gab auch aus den Gründen der Sicherheit keine Führungen auf der Brücke und auch nicht im Maschinenraum. Einzig und allein eine virtuelle Führung auf einer Videowand hatte es gegeben.

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