Wie all inclusive sind “all inclusive”-Angebote wirklich?
“All inclusive” liegt im Trend, auch bei Kreuzfahrten. Vor allem deutsche Kreuzfahrtpassagiere stören sich oft an den hohen Nebenkosten wie beispielsweise die als “Zwangsgebühr” betrachteten Trinkgelder und als teuer empfundene Getränke. Der Reisepreis einer Kreuzfahrt beinhaltet zwar deutlich mehr als ein Hotel mit Vollpension an Land, aber trotzdem sind längst nicht alle Leistungen an Bord inklusive. Und so wundert sich so mancher Passagier am Ende der Reise über eine überraschend hohe Nebenkostenrechnung: Landausflüge, Spa-Behandlung, Cocktails und Getränke, Trinkgelder, Internet-Zugang, Einkäufe in den Bordshops und vielleicht hat man auch noch ein paar Euro im Spielcasino verzockt.
Doch wie “all inclusive” sind die “All Inclusive”-Angebote bei Kreuzfahrten eigentlich? Eine wirkliche “all inclusive”-Kreuzfahrt ist kein billiger Spaß. Denn Kreuzfahrtgesellschaften, bei denen wirklich (fast) alles inklusive ist, gehören nicht gerade zu den Billigheimern am Markt – beispielsweise Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Silversea Cruises und Regent Seven Seas.
Wer sich solche Luxus-Kreuzfahrten nicht leisten kann oder will, muss vor der Buchung genau recherchieren, welche Leistungen inklusive sind und mit welchen Nebenkosten er rechnen muss. Besonders genau lohnt es sich hinzuschauen bei Getränken und beim Trinkgeld. Denn da variieren zum einen die Getränke-Preise nicht unerheblich und je nach Reederei muss manchmal wirklich jedes Getränk extra bezahlt werden. Manchmal aber auch nur das, was man außerhalb der Mahlzeiten an der Bar oder am Pool bestellt. Je nach Kreuzfahrtgesellschaft sind unterschiedliche Getränke zu unterschiedlichen Tageszeiten auch mal kostenlos verfügbar – meist Kaffee, Tee, Wasser, Eistee oder amerikanische Lemonade.
Premium Alle Inklusive: TUI Cruises
Am deutschen Markt kommt TUI Cruises dem “all inclusive”-Ideal am nächsten. Auf Mein Schiff 1 und 2 heißt das Programm “Premium Alles Inklusive” – was klingt, als wäre sogar mehr als alles im Reisepreis eingeschlossen. Das stimmt natürlich so nicht, denn es bedeutet keineswegs, dass wirklich alles eingeschlossen ist. Immerhin aber einiges mehr als bei anderen Reedereien dieser Preisklasse. Nämlich vor allem sämtliche Trinkgelder sowie (fast) alle Getränke einschließlich Alkohol den ganzen Tag über.
Extra zahlt der Passagier nur in Spezialitätenrestaurants sowie für besonders teure Alkoholika wie Champagner, teure Weine und Premium-Spirituosen. Und natürlich für Landausflüge, Spa-Behandlungen und bei Einkäufen in den Bord-Shops.
All-Inclusive-Option: MS Columbus
Ein interessantest Konzept hat Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für die MS Columbus: Hier kann der Passagier eine All-Inclusive-Option einfach dazubuchen. Je nach Reise ab 99 Euro ist die zu bekommen und beinhaltet dann sowohl Trinkgelder und Getränke an Bord als auch einige ausgewählte Landausflüge.
All-Inclusive Value à la Regent Seven Seas Cruises
Ohne Übertreibungen in der Werbung kommt Regent Seven Seas aus. Beim “All-Inclusive Value” spricht die Leistung für sich selbst: Bei der Luxus-Reederei ist absolut alles inklusive – fast jedenfalls. Spa-Behandlungen, Casino, Einkäufe im Bordshop, Internet und Telefon bezahlt der Passagier auch hier extra.
Bei Regent Seven Seas fallen weder Trinkgelder an, noch kostet Champagner und teurer Wein extra (Ausnahme: einige ganz extreme Spitzenweine). Selbst die Zigarren im Connoisseur Zigarren-Club sind inklusive. Und die Landausflüge. Und alle Spezialitätenrestaurants an Bord. Nur um eine rechtzeitige Tisch-Reservierung muss sich der Passagier kümmern.
Freilich hat das auf den Schiffen wie der Seven Seas Mariner, Seven Seas Navigator und Seven Seas Voyager auch seinen Preis. Unter 250 Euro pro Nacht ist bei Regent Seven Seas nichts zu bekommen.
All-Inclusive Value à la Silversea Cruises
Anders als bei Regent Seven Seas sind bei Silversea Cruises’ “All-Inclusive Value” Landausflüge nur bei bestimmten Kreuzfahrten inbegriffen, überall aber gibt es immerhin einen kostenlosen Shuttlebus vom Hafen in die Stadt. An Bord bekommt der Passagier dagegen das komplette Paket. Inklusive sind Trinkgelder, sämtliche Getränke, Kaffee-Spezialitäten und Alkohol auch in der auf Wunsch individuell bestückten Minibar und das Essen aus dem Bordrestaurant kann man sich auch frisch und heiß Gang für Gang in der Kabine servieren lassen. Ähnlich wie bei Regent liegen auch hier die Preise bei 250 Euro pro Nacht und aufwärts.
Rechnet sich “all inclusive” überhaupt?
Eines sollte man bei “all inclusive” nicht übersehen: Kreuzfahrtgesellschaften haben nichts zu verschenken. Leistungen, die der Passagier in Anspruch nimmt, muss er auf die eine oder andere Weise auch zahlen. Einfache Regel: Man bekommt genau das, was man auch bezahlt. Die Frage ist nur, auf welchem Weg man bezahlt – ob direkt oder indirekt.
Jedes All-Inklusive-Konzept basiert daher auf einer Mischkalkulation der Reederei: Alle Passagiere zahlen (über einen höheren Kreuzfahrtpreis) in einen großen Topf ein und bedienen sich anschließend wieder daraus. Wer generell eher genügsam ist, wenig Alkohol trinkt und Landausflüge ohnehin lieber günstig auf eigene Faust macht, der zahlt bei All Inclusive tendenziell drauf. Allerdings kann natürlich die Tatsache, dass man während der Reise von Bezahlvorgängen und Preisen verschont bleibt, so viel zusätzliche Erholung und Entspannung bedeuten, dass allein dies schon den höheren Kreuzfahrtpreis mehr als aufwiegt.
Ebenfalls sehr interessant: Ein Gesamtpreis-Vergleich zwischen verschiedenen Angeboten. Wie groß ist der Unterschied zwischen einem Billig-Schiff plus sämtlicher Nebenkosten und einem teureren All-inclusive-Schiff? Oft ist das Ergebnis einer solchen Rechnung überraschend. Und erwischt man ein besonders günstiges Schnäppchen bei einer Luxus-Reederei, kann selbst hier der Gesamtpreis durchaus mithalten mit einem Massenmarkt-Schiff, wenn man dort die Nebenkosten dazurechnet.
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Bei dieser Aufstellung von AI-Konzepten fehlen die
zwei sehr guten Azamara Schiffe!
mfg
m.a.
Danke für die Anmerkung. Was die Qualität von Azamara angeht kann ich nur zustimmen. Und bei Azamara Club Cruises ist tatsächlich ebenfalls sehr viel inklusive. Die Spezialitätenrestaurants aber nur für die Suiten-Gäste. Es gibt noch eine Reihe weiterer Kreuzfahrtgesellschaften, bei denen *fast* alles inklusive ist – der Beitrag wäre etwas lang und unübersichtliche geworden, wenn ich alle die “mehr oder weniger inklusive”-Angebote aufgelistet hätte ;-)
Ich denke, ich werde demnächst nochmal eine komplette Zusammenstellung möglichst vieler Reedereien machen und zeigen, welche Leistungen wo inklusive sind. Ist allerdings nicht ganz unkompliziert, weil es doch einige Marktteilnehmer gibt, die (meist aus gutem Grund) nur sehr ungern verraten, welchen Nebenkosten den Passagier an Bord erwarten …
ich bin bei msc reingefallen. die verlangen täglich 6 euro extra für trinkgelder usw. und versichern, dass somit nichts mehr extra anfällt. aber hat man dann ein getränk gekauft, dann stehen auf der quittung plötzlich doch wieder 15 % Serviceentgelt (zuschlag zu dem preis, der auf der karte steht). also hab ich das doch doppelt bezahlt! für mich ist das komplett das gegenteil, was vorher behauptet wurde und somit eine ganz fiese abzocke.
@Marion: Ein ganz schwieriges Thema, in der Tat. Allerdings muss man sagen, dass MSC sowohl im Katalog (ab Katalog 2010/2011, 2. Auflage) unter dem Stichwort “Mahlzeiten” als auch auf den Getränkekarten an Bord (allerdings nur auf der letzten Seite) ausdrücklich auf die 15% Service-Entgelt hinweist.
Letztlich entsprechen die 15% dem Trinkgeld, das auf internationalen Schiffen ohnehin überall üblich ist. Wirklich ärgerlich würde es erst, wenn man dei 15% übersieht und dem Kellner nochmal ein Trinkgeld obendrauf gibt …
Ein Hinweise in der Getränkekarte auf jeder, nicht nur auf der letzten Seite würde sicherlich viel Ärger ersparen. Und online im FAQ-Bereich zu “Trinkgeld” wäre es auch kein Fehler, die 15% zu erwähnen, auch wenn es ganz genau genommen kein Trinkgeld ist, denn ein Trinkgeld ist ja definitionsgemäß komplett freiwillig und das Service-Entgeld wird zwingend verlangt.
Hier gibt es eine gute Übersicht der Getränkekosten
http://www.facebook.com/note.php?created&¬e_id=132825890124027&id=129143287158954
Um einiges umfangreicher ist unsere Zusammenstellung von Getränkepreisen, die ich oben auch verlinkt habe: http://www.cruisetricks.de/geheimsache-getraenkepreise/. Hab’ ich vielleicht nicht deutlich genug verlinkt ;-)
Auch Seabourn bietet “all inclusive” an. Finde ich “wegen der zusätzlichen Entspannung” sehr, sehr gut.
Man kann auch mal abends an der Bar (und überhaupt zu jeder Zeit und überall) auf die Frage, ob man etwas trinken möchte, guten Gewissens “Nein, danke” antworten: Auch das kann sehr entspannend sein.
Auf den Seabourn-Schiffen ist man übrigens mit dem Getränke-Ausschank überaus großzügig.
Wir werden nächste Woche die Promotion-Aktion auf der Azamara Journey ausprobieren. Neben Wasser, Kaffee und Wein ist dann auch ein Open Bar Angebot inklusive, mal schauen, was es alles zusätzlich zu trinken gibt. Ich denke, wenn man auf einer Route viele Schiffstage hat, rechnet sich ein All Inklusive Paket noch besser.
Hallo,
gerade zurück von der Azamara Journey. Wir bekamen einen roten Punkt auf unsere Bordkarte und konnten dann wirklich fast alles geniessen. Viele Sorten Bier, Wein, Cocktails, Liköre (selbst unser deutscher Jägermeister) war frei, selbst die Minibar in der Kabine war grosszügig bestückt und kostenlos. Tolle Sache, wenn es angeboten wird.