Zu spät vom Landgang zurück, Schiff verpasst – was nun?

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Ein schöner Anblick - außer man steht an der Pier, weil man eigentlich mitfahren wollte

Ein schöner Anblick – außer man steht an der Pier, weil man eigentlich mitfahren wollte

Wer auf einer Kreuzfahrt zu spät vom Landausflug zurückkehrt, hat viele Lacher auf seiner Seite, aber leider trotzdem das Nachsehen: Die Mitpassagiere stehen an der Reling des abfahrenden Schiffs und winken – halb schadenfroh, halb mitleidig. Hat das Schiff einmal abgelegt, ist es zu spät. Wir haben uns genauer angeschaut, wie man aus dieser misslichen Lage wieder herauskommt.

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Grundsätzlich ist der Passagier selbst verantwortlich dafür, rechtzeitig vor Abfahrt des Kreuzfahrtschiffs wieder an Bord zu sein. Wichtiger als die Abfahrtszeit ist dabei die im Tagesprogramm und an der Tafel an der Gangway angegebene „back on board“-Zeit, die in der Regel eine halbe bis dreiviertel Stunde vor der tatsächlichen Abfahrtszeit liegt.

Denn die Abfahrtszeit beim Hafenstopp eines Kreuzfahrschiffs ist tatsächlich wörtlich zu nehmen: Zu diesem Zeitpunkt fährt das Schiff los – zuvor muss unter anderem die Gangway eingeholt und die Leinen losgemacht werden. Deshalb sollten Passagiere bereits deutlich davor wieder an Bord sein. Wer das Schiff verpasst, hat übrigens nicht nur Pech gehabt, sondern trägt auch die Kosten beispielsweise für das Hinterherfliegen zum nächsten Hafenstopp des Schiffs selbst.

Was tun, wenn das Schiff weg ist?

Wer das Schiff tatsächlich verpasst, ist weitgehend, aber nicht ganz auf sich alleine gestellt. Denn jede Reederei hat einen sogenannten Hafenagenten, der für die Abwicklung der Hafenstopps der Schiffe von der Landseite aus zuständig ist. An diesen Hafenagenten können sich Passagiere wenden, wenn das Schiff weg ist – er wird zumindest bei den Formalitäten und der Organisation der Weiterreise helfen und das Schiff beispielsweise auch darüber informieren, wann und in welchem Hafen die Passagiere wieder an Bord kommen.

Soweit die Reederei die Ausweise oder Reisepässe der Passagiere hat, wird sie diese Ausweispapiere beim Hafenagenten hinterlegen. Manche Reedereien durchsuchen dafür sogar die Kabine der Gäste. Denn der Reisepass kann essenziell sein, wenn es darum geht, dem Schiff mit dem Flugzeug nachzureisen – vor allem außerhalb der EU und besonders in Ländern mit Visumspflicht (für selbige es für Kreuzfahrt-Passagiere zwar oft Ausnahmen gibt, die aber entfallen, wenn der Passagier nicht wieder mit dem Schiff ausreist). Aus diesem Grund empfiehlt es sich, zumindest eine Kopie des Reisepasses auf Landausflüge mitzunehmen – je nach Reiseland und Diebstahl-Risiko an Land auch das Original. Eine Pass-Kopie hilft zumindest bei der Ersatzbeschaffung im deutschen Konsulat vor Ort.

In einigen, seltenen Fällen schaffen es Passagiere, ein lokales Boot zu organisieren, das dem Kreuzfahrtschiff hinterher fährt und sie doch noch an Bord bringt – so wie in einem Youtube-Video von 2008 mit der Navigator of the Seas vor Kreta:

http://www.youtube.com/watch?v=AEXE9Dk4Y0M

Ob der Kapitän eine solche halsbrecherische Aktion überhaupt zulässt, ist keineswegs sicher. In jeden Fall sollte man zuvor direkt oder via Hafenagent der Reederei mit dem Schiff Kontakt aufnehmen und die Aktion genehmigen lassen – sonst zahlt man den teuren Bootstransfer und muss doch unverrichteter Dinge umkehren.

Für den Notfall vorbereitet

Auch wer nicht vorhat, das Schiff zu verpassen, sollte neben Ausweispapieren beim Landgang immer auch die Telefonnummer des Schiffs sowie des Hafenagenten dabei haben. Meist stehen diese Nummern im jeweiligen Tagesprogramm, bei einigen Reedereien zumindest die Nummer des Schiffs auch auf der Bordkarte.

Entscheidender Vorteil: Sobald absehbar ist, dass man nicht rechtzeitig vor der Abfahrtszeit des Schiffs am Hafen sein wird, sollte man Hafenagenten oder das Schiff anrufen und Bescheid geben. Weiß der Kapitän, dass Passagiere auf dem Weg sind und wann sie voraussichtlich den Hafen erreichen werden, ist die Chance größer, dass er auf die fehlende Passagiere wartet. Eine Garantie ist das freilich nicht – wann das Schiff fahren muss, hängt auch von den (teils sehr hohen) Liegeplatzgebühren im Hafen und der bevorstehenden Fahrtstrecke des Kreuzfahrtschiffs ab. Ist der nächste Hafen nur drei oder vier Fahrstunden entfernt, kann der Kapitän auch mal eine Stunde später ablegen. Muss er dagegen die ganze Nacht mit hoher Geschwindigkeit durchfahren, um den nächsten Hafen pünktlich zu erreichen, stehen die Chancen für Zuspätkommer eher schlecht.

Auch sollte man auf Landgang immer ein wenig Bargeld (beispielsweise für ein schnelles Taxi) und eine Kreditkarte (für ein Flugticket zum nächsten Hafen) dabei haben.

Die Amerikaner haben übrigens auch einen sehr passenden Fachausdruck für Passagiere, die im letztem Moment –  oder auch zu spät – zum Schiff kommen: „Pier Runners“. Das folgende Youtube-Video zeigt anschaulich, woher die Bezeichnung kommt:

http://www.youtube.com/watch?v=J8qlmSIMVzE

Das wichtigste Utensil ist also eine funktionierende Uhr, die auch tatsächlich auf die Zeitzone eingestellt ist, die für die Abfahrt des Schiffs gilt – wenn an sich da unsicher ist, einfach beim Verlassen des Schiffs nach der aktuellen Uhrzeit fragen.

Unverschuldet zu spät

Ob Verspätung eines Regionalzugs, Reifenpanne beim Taxi oder eine falsch gestellt Armbanduhr – solche Ausreden zählen nicht. Wer den Landgang auf eigene Faust organisiert, muss selbst sicherstellen, dass er rechtzeitig zurück ist. Je mehr Passagiere zur Abfahrtszeit fehlen, desto größer sind natürlich die Chancen, dass der Kapitän noch etwas wartet – etwa wenn bei der Rückfahrt  von Rom nach Civitavecchia ein Zug unterwegs steckenbleibt und gleich hunderte von Passagieren dadurch nicht rechtzeitig zum Hafen kommen.

Bei einem über das Schiff beziehungsweise die Reederei gebuchten Landausflug trägt dagegen die Reederei die Verantwortung dafür, dass die Passagiere rechtzeitig zurück im Hafen sind. Das gilt auch für den seltenen Fall, dass ein Schiff – aus welchen Gründen auch immer – früher als zur ursprünglich angekündigten Zeit den Hafen verlässt. Letzteres kommt gelegentlich vor, wenn sich die Wetterlage drastisch verschlechtert und beispielsweise ein Unwetter die Sicherheit des Schiffs gefährden würde.

Verspätet sich die Rückkunft eines „offiziellen“ Landausflugs, ist zwar nicht garantiert, dass der Kapitän auf die fehlenden Passagiere wartet. Aber es ist dann an der Reederei, die Passagiere im nächsten erreichbaren Hafen wieder an Bord zu bringen, Transfers und gegebenenfalls Hotelübernachtungen zu organisieren – auf Kosten der Reederei.

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