Zwangstrinkgelder müssen in den Reisepreis

von
Artikel drucken

Verpflichtend zu zahlende Trinkgelder, oft auch Servicegebühr genannt, müssen im Reisepreis enthalten sein. Eine separate Berechnung ist nicht zulässig. Der Bundesgerichthof hat ein entsprechendes Urteil des OLG München gegen MSC Kreuzfahrten bestätigt.

ANZEIGE

In den Rechtsstreit ging es um Wettbewerbsrecht: Im Magazin „mobil“ der Deutschen Bahn war im Jahr 2012 eine Kreuzfahrt auf der MSC Poesia mit der Preisangabe „ab 799 Euro zzgl. Service Entgelt“ beworben worden. Als Fußnote war angemerkt, dass ein Serviceentgelt von 7 Euro pro beanstandungsfreier Nacht an Bord zu zahlen sei. Der Verband Sozialer Wettbewerb hatte daraufhin wegen Verletzung der Preisangabeverordnung geklagt und Recht bekommen.

Der BHG bestätigte (Aktenzeichen: I ZR 158/14), was das Oberlandesgericht München in seinem vorausgegangenen Urteil bereits festgestellt hatte: Das vom Kunden zu entrichtende Service-Entgelt sei keine freiwillige Leistung, sondern ein verpflichtender Preisbestandteil, der laut Preisangabeverordnung in den tatsächlich zu zahlende Endpreis, aufzunehmen sei, da die Zahl der von der Reise umfassten Nächte und die Höhe des Service-Entgelts von Anfang an feststehen.

Für Kreuzfahrt-Passagiere hat das Urteil nur eine indirekte Auswirkung. Da es sich um Wettbewerbsrecht handelt, also Fragen des fairen Wettbewerbs beispielsweise zwischen verschiedenen Reedereien oder Reiseveranstaltern, haben Passagiere daraus keinen etwaigen Anspruch gegenüber einer Reederei.

MSC Kreuzfahrten hat seine Trinkgeld-Politik bereits während des noch laufenden Rechtsstreits im April 2014 geändert. Die Reederei verlangt das Service Entgelt nun nicht mehr zwingend, sodass auch ein eine Einbeziehung des Service-Entgelts in den Endpreis bei der Werbung für entsprechende Kreuzfahrten juristisch nicht mehr verpflichten ist.

Stattdessen empfiehlt MSC nun – wie die meisten anderen internationalen Reedereien – den Passagieren ein Trinkgeld in gleicher Höhe wie das zuvor verpflichtende Service Entgelt. Aktuell lautet die Empfehlung 8,50 Euro pro Person und Nacht an Bord, in der Karibik 12 Dollar (vergleiche unser Beitrag „Trinkgeld auf Kreuzfahrtschiffen“).

Bitte unterstützen Sie uns!

Ein Mausklick genügt! Wir bekommen Vermittlungs-Provision, wenn Sie einen der folgenden Links klicken vor Einkäufen bei Amazon.de -- sowie Buchungen bei AIDA und TUI Cruises direkt oder allen anderen Reedereien über Seereisedienst.de.
(Für Sie entstehen keinerlei Kosten! -- Info: Wie funktioniert das?).

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien und folgen Sie uns auch auf Twitter und/oder Facebook!

Immer aktuell informiert werden? Abonnieren Sie unseren kostenlosen, wöchentlichen cruisetricks.de Newsletter abonnieren oder unseren  RSS-Logo RSS-Feed.

2 Kommentare zu Zwangstrinkgelder müssen in den Reisepreis

  1. Monika Witt on Oktober 24, 2015 at 6:01 pm

    MSC-Trinkgeld

    Das verstehen wir nicht, wir haben noch in der 1. Juni-Woche auf der Orchestra die sog. Servicegebühr täglich auf unser Bordkonto aufgebucht bekommen!
    Bei einer vorherigen Reise konnte man das zwar an einem entsprechenden Counter berichtigen bzw. stornieren. Das war allerdings der reinste Stress. Der Schalter war nur stundenweise besetzt und entsprechend lang war die Schlange der Interessenten. Man konnte also wählen: entweder geschätzte 3 Stunden anstehen oder aber in der Zeit zu Abend essen!

  2. Franz Neumeier on Oktober 25, 2015 at 6:44 pm

    Es ging bei dem Urteil um Wettbewerbsrecht – also vereinfacht ausgedrückt um die Frage, ob gemäß deutscher Preisangabeverordnung ein anderer Reiseveranstalter unfair benachteiligt ist, wenn ein Veranstalter das verpflichtende Service-Entgelt nicht in den Reisepreise einrechnet, mit dem es wirbt. Das Urteil betrifft also den Endkunden/Passagier erstmal in keiner Weise.

    Tatsälich wäre es natürlich einmal interessant, von einem Gericht prüfen zu lassen, ob die automatische Belastung des Bordkontos mit dem Trinkgeld gegen z.B. Verbraucherschutzrecht verstößt – dürfte aber schwierig werden, weil der Verstoß außerhalb der deutschen Hoheitsgebiet stattfindet … Ist aber eben auch ein komplett anderes Thema als das, um das es in diesem Urteil hier ging.

Schreibe einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

ANZEIGE
ANZEIGE

UNSERE BÜCHER

cruisetricks.de Kreuzfahrt-Ratgeber Buch-Cover Ihr kompletter Kreuzfahrt-Reiseführer!
weiterlesen »
Kreuzfahrtschiff-Guide Oasis und Allure of the Seas Schiffs-Reisefürer mit Tipps, Tricks & allen Details
weiterlesen »
cruisetricks.de Kreuzfahrt-Reportagen Kreuzfahrten zum Lesen und Genießen!
weiterlesen »

Buch-Tipp

Magazin-Cover Welcome Aboard 2016
Welcome Aboard 2016
Das grosse, jährliche Kreuzfahrt-Magazin für alle Schiffs- und Kreuzfahrtfans.
jetzt gleich bestellen ...

Gewinnspiele

Kreuzfahrt gewinnen
statt buchen:

Unsere Liste aktueller Kreuzfahrt-Gewinnspiele

Handy-Klingeltöne

Laden Sie sich Ihr Lieblings-Schiffshorn als Handy-Klingelton herunter - bei uns gratis.