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AIDAperla in Palma de Mallorca

AIDA schafft den Neustart mit der AIDAperla auf den Kanaren

AIDA ist wieder im Geschäft: Mit der AIDAperla ist seit 20. März 2021 ein AIDA-Schiff mit Passagieren mit Basishafen Gran Canaria auf Kanaren-Kreuzfahrt. Der erste Neustartversuch im Oktober 2020 mit der AIDAblu in Italien war nach nur zwei Wochen wieder zu Ende gewesen und auch im Dezember 2020 waren zwei AIDA-Schiffe kurz kurzzeitig aktiv.

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Eigentlich sollten die AIDAperla und die AIDAmar schon am 6. März neu starten, ebenso die AIDAblu in Italien, doch die Verlängerung des Deutschland-Lockdowns verhinderte das. Nun beginnt die Rostocker Reederei erst einmal vorsichtig nur mit einem Schiff, der AIDAperla auf den Kanaren.

Die AIDAperla startet zu ihrer siebentägigen Route jeweils samstags in Gran Canaria. Auf den Kanaren-Kreuzfahrten der AIDAperla werden die Inseln Gran Canaria, La Palma, Teneriffa (zwei Tage), Fuerteventura und Lanzarote angelaufen. Voraussetzung für die Teilnahme an diesen Kreuzfahrten ist ein negativer PCR-Test.

AIDA-Neustartversuche: Eine regelrechte Pechsträhne

Die Neustart-Versuche von AIDA waren von unglücklichen Zufällen und viel Pech begleitet. Aus dem zunächst geplanten Neustart mit der AIDAperla am 5. August wurde nichts, weil der Flaggenstaat Italien keine Zustimmung erteilte, während TUI Cruises mit maltesische Flagge bereits seit 24. Juli ab Hamburg fahren konnte.

Für den neuen Termin 15. August kam das Okay aus Italien dann so spät, dass AIDA mehr Zeit für die Umsetzung der Vorgaben brauchte und den Start erneut verschieben musste: auf 6. September mit der AIDAblu ab Kiel und 12. September mit der AIDAperla ab Hamburg. Aber auch daraus wurde nichts.

AIDAblu, AIDAperla und AIDAmar kurzzeitig im Einsatz

Am 17. Oktober 2020 war die AIDAblu dann im Mittelmeer tatsächlich gestartet, nur um zwei Wochen später aber schon wieder stillzuliegen. Vom nächsten Lockdown in Deutschland ausgebremst wurden die AIDAperla und die AIDAmar auf den Kanaren. Die AIDAperla fuhr immerhin von 5. Dezember bis Weihnachten. Die AIDAmar schaffte nur eine einzige Reise ab 20. Dezember, bevor der neue Stillstand kam.

Ein wesentlicher Grund dafür war ein Hacker-Angriff auf AIDA zu Weihnachten, der die Unternehmens-IT für Wochen lahmlegte und auch die beiden Schiffe vorzeitig in den Hafen zurückzwang.

TUI Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und MSC mit mehr Glück

Mehr Glück hatte bislang TUI Cruises, die beispielsweise auf den Kanarischen Inseln durchgehend seit Anfang November 2020 unterwegs ist. Auch Hapag-Lloyd Cruises hat auf den Kanaren bereits seit November Kreuzfahrten durchgeführt, jetzt im März allerdings einige Reisen abgesagt.

Auch MSC Cruises fährt 2021 schon wieder: Die MSC Grandiosa ist seit 24. Januar auf ihrer Italien-Malta-Route unterwegs, wenn auch mit immer wieder kleineren Veränderungen der Route jeweils aufgrund der lokalen Infektionslage.

8 Kommentare

8 Gedanken zu „AIDA schafft den Neustart mit der AIDAperla auf den Kanaren“

  1. Wir waren im Januar 3 Wochen und jetzt 4 Wochen auf der MS1 und es hat alles hervorragend geklappt.
    Etwas hat uns nur geärgert, nach der ersten Hälfte konnte man sich noch für 25 Euro testen lassen, jetzt am Ende ging es nicht mehr. Für uns aber kein Problem, Schnelltest am nächsten Tag kostenlos beim DRK und Übermittlung ans Gesundheitsamt, dafür keine Quarantäne. Etwas bedenklich fanden allerdings diverse Passagiere, dass viele Crewmitglieder auf Gran Canaria in Gruppen einkaufen gehen durften. So bekam die Crew Gelegenheiten, wichtige Einkäufe in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum zu tätigen. Ansonsten sind wir vom Hygiene Konzept bei TUI überzeugt. ‚Einige Leute sind dort seit Mitte Dezember an Bord und hatten jetzt noch einmal um 2 Wochen verlängert, weil sie sich dort an Bord verständlicherweise sicherer fühlen als in Deutschland mit den täglich steigenden Zahlen.

  2. @Marita: Die Landgänge zum Einkaufen für die Crew sind meines Wissens sehr genau reglementiert auf nur wenige Crew-Mitglieder, einen recht limitierten Zeitraum begrenzt und in Begleitung eines höherrangigen Offiziers – jedenfalls war das im vergangenen Herbst in Griechenland so geregelt und ist natürlich auch abhängig davon, was die Behörden zulassen. Ich denke, so wie jeder von uns gelegentlich dringende Einkäufe erledigen muss, ist das für die Crew eben auch nötig. Ich sehe bei entsprechender Vorsicht und mit Masken da nicht wirklich ein Risiko, zumal ja auch die Crew regelmäßig getestet wird.

  3. Das größte Risiko ist ja wohl eher nicht auf dem Schiff…nur: wie kommt man auf das Schiff?

    Anreise per vollgestopftem Flieger?

    Anreise per Bahn?

    Anreise per Bus?

    Mit dem eigenen Auto habe ich keine Lust mehr, Langstrecken alleine sind bei meinem Krankheitsbild nicht ohne,
    nach rund 2 Millionen Kilometern auf dem Buckel (davon mehr als 25 Jahre im Außendienst der Pharmaindustrie)
    kann ich mir schöneres vorstellen, als sich hinter das Lenkrad zu klemmen…

    …an der frischen Luft im schönen Schwarzwald mit meinen Hunden z.B.

    Anreise und Abreise sehe ich daher schon kritisch.

  4. Die Kanaren wären als Inseln jetzt wohl mit eigenem Auto, Zug oder Bus auch schwierig zu erreichen ;-) Die Flüge, mit denen Kreuzfahrt-Urlauber derzeit zu den Kanaren fliegen, sind Chartermaschinen, was bedeutet, das alle Passagiere vor dem Flug einen negativen PCR-Test vorlegen müssen und an Bord Masken tragen. Generell ist das Ansteckungsrisiko im Flugzeug nach den bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungen sehr gering. Insofern ist die Fluganreise zu den Kanaren-Kreuzfahrten von AIDA und TUI Cruises wohl kein wirkliches Problem.
    Allgemein gesprochen: Bahnreisen ist zumindest aktuell ebenfalls nicht wirklich riskant, denn die Fernzüge/ICEs sind weitgehend leer, d.h. man hat viel Platz und Abstand und in Kombination mit Lüftung durch die Klimaanlage sowie Maske dürfte das recht sicher sein. Und wer ganz sicher gehen will, nimmt das eigene Auto – da muss halt jeder für sich abwägen, ob er die Anstrengungen des Autofahrens oder den Urlaub höher bewertet …
    Es wie immer und überall derzeit: Nicht das Reisen als solches ist ein Problem (auch wenn uns die Politik das gebetsmühlenartig versucht, einzureden), sondern das Verhalten der Menschen ganz unabhängig davon, was sie gerade tun. Ein Arbeitsplatz kann sehr sicher, aber auch hoch riskant sein, Einkaufen, Schulen, öffentlicher Nahverkehr: Nichts davon ist per se gefährlich oder riskant. Es kommt darauf an, wie es ausgestaltet ist und wie die Menschen sich verhalten. Bei Pauschalreisen lässt sich das hervorragend steuern und beeinflussen, auch bei der An- und Abreise. Meine Meinung und Überzeugung.

  5. Lieber Franz,

    ich schätze Deine Arbeit – und auch die Deiner nach journalistischen Prinzipien arbeitenden Kollegen – sehr, aber auch Reisejournalisten, die völlig legitimerweise auch Interessenvertreter Touristikindustrie sind, müssen sich einmal schonungslos bewusst machen, dass das Reisen als solches sehr wohl ein Problem ist. Es ist gewissermaßen das Grundproblem, was aus einer lokalen neuen SARS-Virusvariante erst eine Pandemie machte. Das Virus diffundierte ja nicht von sich aus in eine Linienmaschine von Wuhan nach Shanghai hinein und stieg dort dann reiselustig in einen Direktflug nach Mailand um. Mit den Mutationen aus GB und SA die uns gerade die dritte Welle bescheren verhält es sich nicht anders, auch hier liegt das Problem in Reiseaktivitäten begründet.

    Beruflich habe ich täglich mit Medizinern zu tun – keine Virologen, aber echte Kapazitäten auf Ihrem Fachgebiet, und deren Haltung zu diesem Thema (wie auch zum Impfen) ist eindeutig. Besonders eindrücklich ist die Schilderung eines Kunden (er ist mittlerweile selbst daran erkrankt) aus den Niederlanden, wo die aktuell schlimme Covid-Situation eindeutig mit der Welle der Reiserückkehrer im Spätsommer 2020 und den damaligen liberalen Regelungen in Verbindung zu bringen ist. Mit der (zweifellos verkürzten) Argumentation, Reisen als solches sei nicht das Problem, macht man sich bei der Ärzteschaft unglaubwürdig.

    Von daher widerspreche ich Dir hier entschieden – die Politik kommt zunächst ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nach, mit dem Aussprechen von Reisewarnungen beziehungsweise der Bitte, auf Reisen zu verzichten, Schaden vom Volk abzuwenden.

    Du hast zweifellos Recht, dass in der derzeitigen Situation das eigene Verhalten bei (vereinfacht gesagt) eigentlich allem was man außerhalb der eigenen 4 Wände tut, entscheidend ist, um die Pandemie in Anbetracht der in der EU misslungenen Impfstrategie einzubremsen. Das betrifft genauso auch das Reisen. Aber die Politik ist nicht so blauäugig, anzunehmen, dass sich das Verhalten aufgrund Vernunft und Einsichtsfähigkeit verändert. Es wird nicht ausreichen, auf Mallorca einfach Bier- und Schinkenstraße dicht zu machen! Das führt nur dazu, dass wie in der abgesagten Adventsmarktzeit mit den „Glühweinwanderungen“ Schlupflöcher gesucht werden. Auch TUI Cruises tat sich hier im Kreise der Corona-Relativierer unschön hervor, indem man mit verschwurbelter juristischer Argumentation und nicht vorhandener Einsichtsfähigkeit auf den „Blauen Reisen“ ab Kiel bestand, bis diese behördlich unterbunden wurden. Für die nachhaltige Änderung des Verhaltens hin zu Verantwortung und Risikobewusstsein ist ein Charakterzug vonnöten, um den ich die Asiaten beneide und der uns leider etwas abgeht – das ist der Gemeinsinn.

    Ebenso hast Du Recht, dass Pauschalreisen (insbesondere als Kreuzfahrt auf einem Hochseeschiff mit fixem An- und Abreisearrangement) im Hinblick auf Risikoverhalten und Gruppendynamik sehr gut gesteuert werden können. Aber ist das politisch vermittelbar, dass der Pauschalreiseveranstalter beziehungsweise Reeder und dessen Kunde gegenüber dem Individualreisenden privilegiert wird? Ich denke nein, auch wenn man rein risikobezogen und faktenbasierend so argumentieren kann. Auch juristisch dürfte eine Unterscheidung „Guter Tourismus – böser Tourismus“ von den Gerichten kassiert werden.

    Trotzdem ist da ein Hoffnungsschimmer: die laut Umfragen erstaunlich hohe Ablehnung der Bevölkerung des österlichen Mallorcatourismus interpretiere ich nicht als Neid (wie das hier in den letzten Monaten einige „Trotz-Pandemie-Kreuzfahrer“ oft machen), sondern als ein durchaus solidarisches Bekenntnis zum Verzicht – unter der Prämisse, seinen Teil dazu beizutragen, dass es so hoffentlich bald besser und Reisen wie wir es kennen und lieben wieder möglich wird. Man sieht, dass die Mehrheit den Zusammenhang zwischen Reisen und Pandemie akzeptiert hat. Diese Einsicht öffnet sanftem inländischen Tourismus mit Verantwortungsbewusstsein hoffentlich eine Tür, wozu ich auch Hotels und Flusskreuzfahrten zähle. Um die Hochseekreuzfahrt muss man sich auch nicht so sehr sorgen; die wird mit zunehmender Durchimpfung der Gesellschaft wieder allmählich in Gang kommen.

    Herzliche Grüße

    Andreas

  6. Lieber Andreas,

    natürlich hast Du recht, dass Reisen dazu beiträgt, Viren in andere Regionen und Länder weiterzuverbreiten und dass sich nur durch Reisen das Coronavirus von China aus in die ganze Welt ausgebreitet hat. Nur würde das bedeuten, Aber ich halte den Umkehrschluss für falsch, dass man die Verbreitung verhindern kann, indem man Urlaubsreisen verbietet/unmöglich macht.

    Das würde nur funktionieren, wenn Du jeglichen menschlichen Kontakt nach außen komplett abblockst, also auch keine Pendler an der Grenze nach Tschechien und Frankreich, keine Liefer-LKWs, absolut nichts – und das ist natürlich unrealistisch. Das bekommt gerade einmal Neuseeland oder Australien durch ihre Abgeschiedenheit und Insellage halbwegs hin.

    Weniger Reisen würde also die Verbreitung, wenn überhaupt, nur verlangsamen, aber keinesfalls verhindern. Wenn die britische Variante aber in Deutschland schon 75% der Fälle ausmacht, dann spielt in diesem Zusammenhang das Reisen ohnehin keine Rolle mehr. Alles andere wäre wie Augen zuhalten und dann glauben, dass andere einen dadurch nicht mehr sehen können (so wie unsere Politik das zu Beginn der britischen Variante ja leider gemacht hat: „Das müssen wir jetzt erst einmal genau beobachten“ — „Ooops, jetzt isse da, da schließen wir doch ab nächster Woche schnell mal die Grenzen.“ … Was für ein Unsinn, erst reinlassen und dann schließen. Gekommen wäre sie allerdings ohnehin, weil totale Abschottung halt mitten in Europa einfach nicht geht).

    >Aber ist das politisch vermittelbar, dass der
    >Pauschalreiseveranstalter beziehungsweise
    >Reeder und dessen Kunde gegenüber dem
    >Individualreisenden privilegiert wird?

    Es mag politisch nicht vermittelbar sein, ändert aber nichts daran, dass es notwendig ist. Denn der Staat darf Grundrechte nur dann einschränken, wenn es dafür einen sehr triftigen und handfesten Grund gibt. „Ich weiß nicht, wie ich’s den Leuten erklären soll“ ist Ausdruck politischer und kommunikativer Hilflosigkeit oder fehlerhafte Kommunikation in der Vergangenheit und daraus entstandener Vorurteile. Also ein Rücktrittsgrund für einen Politiker, aber kein sachlicher Grund, Rechte einzuschränken.

    Es ist auch kein Privileg, Grundrechte zu haben, sondern in einer Demokratie eine absolute Selbstverständlichkeit. Die Besonderheit ist die Einschränkung (siehe oben – sehr genau zu begründen), nicht die Freiheit, weshalb letztere auch nie ein „Privileg“ sein kann und darf, sondern erst einmal grundsätzlich gegeben ist.

    >Auch juristisch dürfte eine Unterscheidung
    >„Guter Tourismus – böser Tourismus“ von den
    >Gerichten kassiert werden.

    Vielleicht macht die Politik diese Unterscheidung aus dieser Sorge heraus nicht (wohl aber eher aus dem Grund der Vermittelbarkeit) und lässt Kreuzfahrten von deutschen Häfen genauso wenig zu wie Beherbergungen in Hotels an Land. Und aufs Ausland hat die Bundesregierung keinen Einfluss, deshalb sind Kanaren-Kreuzfahrten möglich – wo übrigens auch Hotelübernachtungen erlaubt sind und Restaurants geöffnet haben.

    Allerdings geht es ja nicht um eine emotionale oder willkürliche Bewertung von Gut und Böse. Wenn eine bestimmte Reiseform kein höheres Risiko als der normale Alltag darstellt, würden Gerichte Regelungen kippen, die diese Reiseform beschränken, eben weil es keine Rechtfertigung dafür gibt. Undifferenzierte und schlecht begründete Verbote sind ja schon vielfach aufgehoben worden.

    Ich denke es ist an der Zeit, endlich differenzierter an das Thema heranzugehen. Pauschales „einfach mal alles verbieten, was auch nur irgendwie, vielleicht, nach Lieschen-Müller-Rechnung halbwegs riskant sein könnte, ohne dass man’s so genau weiß“ mag im März 2020 die einzige Möglichkeit gewesen sein, aber nicht mehr heute. Inzwischen weiß man sehr viel mehr, hat Fakten und Erfahrungen gesammelt, die manche Dinge in einem anderen Licht erscheinen lassen als noch vor einigen Monaten oder vor einem Jahr.

    >… Reisejournalisten, die völlig legitimerweise auch Interessenvertreter der Touristikindustrie sind …

    Nein, definitiv nicht. Keinesfalls sind wir Interessenvertreter. Wenn wir uns nicht persönlich kennen würden und ich Dich nicht sehr schätzen würden, würde ich das als Beleidigung auffassen ;-) Als Journalist halte ich selbstverständlich eine professionelle Distanz sowohl zu Reiseunternehmen als auch deren Kunden. Meine Aufgabe ist es, möglichst unabhängige Informationen zu liefern. Zu diesen Fakten gehört z.B. auch, dass das RKI sehr klar und deutlich festgestellt hat, dass Pauschalreisen bislang keinen relevanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen hatten.

    >… müssen sich einmal schonungslos bewusst machen, dass das Reisen als solches sehr wohl ein Problem ist.

    Du kannst mir glauben, dass ich den ganzen Tag nichts anderes tue, als mich mit der Reise-Industrie in diesen Zeiten zu beschäftigen und alle Aspekte zu analysieren und Informationen zusammenzutragen. Also setze ich mich mit dieser Frage selbstverständlich intensiv auseinander. Aber genau deshalb kann ich eben diese pauschale Verdammung des Reisens einfach nicht nachvollziehen.

    Wie problematisch Reisen durchaus sein kann, und da stimme ich Dir wieder zu, hat der Sommer und Herbst beispielsweise hier bei uns in der Voralpen- und Alpenregion gezeigt. Wenn zu viele Menschen alle an denselben Ort wollen, dann wird’s schwierig. Auch da hat eben der Pauschaltourismus und die Kreuzfahrt im Speziellen den Vorzug, dass sich das exakt steuern lässt.

    Ich denke aber, dass man auch geeignete Maßnahmen finden kann, andere Tourismusformen (ich denke z.B. an Ressorts, Ferienhäuser u.ä.) ähnlich unproblematisch zu gestalten. Beim Shopping haben wir uns „Click & Collect“ einfallen lassen – warum nicht auch z.B. Reservierung für die Zufahrtsstraße zum Spitzingsee spätestens zwei Tage vor Anreise und dafür gibt’s eben pro Tag nur z.B. 350 Tickets, wenn’s dort nur 500 Parkplätze gibt (Zahlen willkürlich gewählt, keine Ahnung, wie viele Parkplätze die dort haben) …

    Herzliche Grüße
    Franz

  7. Lieber Franz,

    Danke für die ausführliche Antwort. Ich möchte gerne das, was ich mit „legitimer Interessenvertretung“ (klar, dass man das als provokant empfinden kann, aber so war es nicht gemeint) eines Fachjournalisten bezeichnete, anhand eines Beispiels ausführen: Wenn ich eine Automobilfachzeitschrift kaufe und dort ein Test eines objektiv nicht besonders guten Fahrzeugs verfasst wird (z.B. eines rumänischen Herstellers in französischem Besitz) erwarte ich es dennoch, dass der Autor den Focus vorwiegend auf die positiven Eigenschaften legt. Das negative soll und darf er nicht verschweigen, aber das Glas muss als halbvoll und nicht halbleer betrachtet werden. Diese positive Herangehensweise entspricht der Erwartungshaltung des Lesers und auch der Hersteller, der das Fahrzeug zu Testzwecken zur Verfügung stellt, darf diese Einstellung erwarten. Man könnte durch die Blume die Frage aufwerfen, ob der potentielle Kunde nicht besser für ein anderes Fahrzeug mehr Geld ausgeben sollte und dem Leser die Beantwortung dann selbst überlassen, aber ein Verriss wäre unfair. Und was der Leser einer Autozeitschrift an dieser Stelle sicher nicht lesen möchte, wäre ein allgemeines Pamphlet gegen den Verbrennungsmotor oder generell gegen die Individualmobilität als unzeitgemäße Umweltverschmutzung. Wenn der Journalist dieser Ansicht sein sollte, kann er von sich aus dort kündigen.

    Also erwarte ich hier von Dir durchaus diese Deine positive Herangehensweise an das Thema Reise und Kreuzfahrt auch in dieser schwierigen Zeit der Pandemie und stelle keinesfalls in Zweifel, dass Du Dich intensiv mit Pro und Contra beschäftigst. Meine Einlassung bezog sich auf Deine Aussage, dass Reisen an sich nicht das Problem ist, die Politik das jedoch gebetsmühlenartig wiederholt und Du das bedauerst beziehungsweise kritisierst. Ich gebe Dir ja – das hat sich aus meinem Beitrag hoffentlich ergeben – im Prinzip recht, aber ich denke, der Politik (die selbstredend viele Fehler gemacht hat) bleibt gar keine andere Wahl. Denn die Information, Reisen ist unter Einhaltung sehr zahlreicher verbindlicher Regeln vertretbar, gehört leider nur an die Adresse von Menschen mit hohem (Selbst-) Verantwortungsbewusstsein und die von Dir geforderte differenzierte Herangehensweise an dieses Thema ist meiner Meinung nach gering ausgeprägt.

    Das zeigt sich an einem deutlichen Beispiel: ALLE Medien – egal ob „seriös“ oder „Boulevard“ – entsenden nun ganze Bataillone von Journalisten und Reportern nach Mallorca (und schaffen somit ganz nebenbei neue Infektionsgefahren, in meinen Augen ein Unding). Natürlich auf der Suche nach Exzessen und Skandalen, gierig auf ein neues Ischgl hoffend. Glänzende Schlagzeilen wären garantiert und das Unverständnis der Bevölkerungsmehrheit, die zuhause bleibt, würde sich zur Empörung steigern. Ganz klar: niemand aus dem Spektrum der Medien – von RTL bis zum Spiegel – erwartet offenbar, dass sich das Gros der Mallorcaurlauber selbstverantwortungsbewusst verhalten wird. Und – in Anbetracht der aktuellen Restaurant-und Barschliessungen und abendlichen Ausgangssperren dort – die Regionalregierung der Balearen auch nicht.

    Das mit dem Thema „Privilegien“ oder/und „verfassungsmäßige Freiheitsrechte“ hast Du ja im Podcast schon angesprochen und wäre auch eine Diskussion wert, aber ich muss vertagen.

    Herzliche Grüße nach München

    Andreas

  8. Lieber Andreas,

    ich denke, wir haben da keine echten Differenzen, ich stimme Dir im Wesentlich in allen Punkten zu. Ich habe für mich aber noch einen etwas anderen Weg gewählt in Hinblick auf „Interessenvertretung“ und den Weg bin ich auch schon in meiner Zeit als Redakteur und Chefredakteur div. Computerzeitschriften gegangen. Ich bin der Überzeugung, dass meine persönliche Meinung (außer in expliziten Meinungsbeiträgen/Kommentaren, die als solche gekennzeichnet sind) ohnehin für die meisten Leser nicht relevant ist. Ich sehe meine Aufgabe darin, Informationen zu liefern, auf deren Basis sich der Leser selbst eine Meinung bilden kann. Insofern komme ich erst gar nicht in die Situation, etwas „verreißen“ oder „loben“ zu müssen und ich habe auch noch nie verstanden, warum man von Journalisten so etwas wie einen „Verriss“ überhaupt erwartet. Der Leser hat doch viel mehr davon, wenn er die Fakten bekomme und sich dann in seiner individuellen Situation und Sichtweise selbst ein Urteil bilden kann – ggfs. auch einen Verriss.

    Bzgl. gering ausgebildetes (Selbst-)Verantwortungsgefühl: Faktisch dürftest Du da in Teilen recht haben. Aber zwei Aspekte sprechen für mich dennoch massiv gegen eine solche Argumentation:

    a) Ist es eine Bankrotterklärung für eine freiheitliche Demokratie, wenn ich den Menschen kein verantwortliches Handeln mehr zutraue. Nebenbei ergibt sich aus einer solchen Grundeinstellung der Politiker auch eine Self Fulfilling Prophecy: Weil die Menschen merken, dass man’s ihnen eh‘ nicht zutraut, lassen sie sich noch mehr hängen.

    b) Auf der anderen Seite ist es ein massiver Verrat an den Menschen (deren Zahl man glaube ich außerdem deutlich unterschätzt, weil differenzierte Argumente nicht so publicityträchtig sind), die sich eben doch verantwortungsvoll verhalten und damit das Fundament einer stabilen Demokratie bilden. Alles nur noch am größtmöglichen Idioten auszurichten, vernichtet jede freiheitliche Gesellschaft. Schon deshalb müsste die Politik absolut alles dafür tun, dass das nicht so läuft. Da zählt für mich auch nicht die Ausrede, dass es „jetzt nunmal in der Notlage nicht anders geht“. Dass es nämlich durchaus anders geht, zeigt etwa die neuseeländische Regierung. Schau‘ Dir mal die täglichen Video-Updates auf Facebook der Regierungschefin Jacinda Ardern an, dann weißt Du, was ich meine.

    Zum Verhalten der Medien auf Mallorca sei nur noch hinzugefügt, dass es noch schlimmer ist, als Du ahnst. Kollegen auf Mallorca haben mir erzählt, dass sie TV-Teams beobachtet haben, die aktiv auf junge Urlauber zugehen und sie dazu überreden versuchen, doch für die Kamera mal ein wenig auf wilde Party zu machen, um die Vorurteile zu bestätigen, obwohl die Situation auf Mallorca im Moment eine komplett andere ist. Darin liegt eines der großen Probleme unserer Zeit. Aber die löse ich als Politik nicht, indem ich die Menschen in Deutschland wie Kleinkinder behandle und ihnen ihre Freiheitsrechte mutwillig entziehe, weil ich sie per se als dumm und verantwortungslos einstufe …

    Das ist alles nichts, was sich über Nacht lösen lässt. Ich finde es aber wichtig, so oft wie möglich deutlich darauf hinzuweisen und es als Problem zu benennen, dass wir nicht hinnehmen dürfen, sondern gemeinsam lösen müssen. Vorurteile und Polarisierung abzubauen, ist ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung.

    Herzliche Grüße
    Franz

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