Cruisetricks.de Kreuzfahrt-Ratgeber

Ein kleiner Flug-Knigge: Die zehn wichtigsten Regeln für stressfreies Fliegen

Flieger voll? Ärger vorprogrammiert!

Die Anreise zur Kreuzfahrt per Flugzeug, die nerviger Warterei am Flughafen zehren an den Nerven. Sicherheitskontrollen unterscheiden sich kaum noch von einer Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt. Und sitzt man im Flieger, wird es erst richtig lustig. Beim Benehmen mancher Mitreisender wundert man sich, wie sie es überhaupt bis zum Flughafen geschafft haben, ohne verprügelt zu werden.

Freilich kann man’s gerade bei einem Kurzstreckenflug auch einfach locker nehmen, den Blick aus dem Fenster genießen und den unflätigen Pöbel rund um einen herum großzügig ignorieren. Dem Erholungswert des eigenen Urlaubs ist das jedenfalls am zuträglichsten. Bei einem Nachtflug zurück aus den USA hat freilich auch die Dehnfähigkeit der Nerven des geduldigsten Passagiers gewisse Grenzen …

Für alle, die gerne wissen möchten (oder partout nicht von selbst nicht draufkommen), wie man sich in einem Flugzeug idealerweise benimmt, hier die zehn wichtigsten Benimm-Regeln im Flugzeug und Tipps, wie man in Zukunft weniger giftige Blicke von Mitreisenden erntet:

1) Ohrfeige mit dem Rucksack

Beim Einsteigen den Rucksack oder die große Handtasche möglichst seitlich tragen, damit selbige bei den schon sitzenden Passagieren auf den Gangplätzen besonders effektiv und hart einschlagen. Schließlich sitzen diese Leute ja auf einem Gangplatz, weil sie erschlagen werden wollen. Nein! Bitte Rucksack und große Taschen abnehmen und vor sich hertragen.

2) Schrottgefahr fürs Handgepäck

Auch wenn die Flughafenmitarbeiter es beim Verladen vormachen: Gepäck nicht mit Gewalt und möglichst viel Schwung in die schon belegten Ablagefächer knallen und pressen. Schon mal daran gedacht, dass Leute manche Dinge deshalb ins Handgepäck tun (und eben nicht ins aufgegebene Gepäck), weil sie zerbrechlich sind?

3) Sitz-Erdbeben der Stärke 6

Die Rückenlehne des Vordersitzes gehört? Richtig, dem Vordermann! Deshalb beim Aufstehen und Hinsetzen nicht an dessen Rückenlehne ziehen, sondern statt dessen auf den eigenen Armlehnen abstützen. Vor allem dann nicht, wenn der Vordermann schläft. Übrigens: Auch sanfte Tritte in die Rückenlehne oder permanentes Hantieren in der Sitztasche nerven den Vordermann. Und der Touch-Screen heißt „Touch“-Screen und nicht „Hack“-Screen, weil er sich mit sanften Berührungen steuern lässt. Massives Hämmern mit dem Finger auf den Bildschirm ist für den Vordermann alles andere als Schlaf fördernd.

4) Berauschende Düfte

Und bitte, bitte: Schuhe anlassen. Muss ich wirklich erläutern, warum? Ich meine, abgesehen davon, dass man im unwahrscheinlichen Falle eines Druckverlustes in der Kabine – sorry, falsches Tonband – also: im Falle einer Evakuierung des Fliegers ohne Schuhe ziemlich blöd dasteht (ausnahmsweise ernst gemeint, nicht ironisch!).

5) Essen mit Hindernissen

Beim Essen sollte man die eigene Rückenlehne senkrecht stellen, damit der Hintermann Platz zum Essen hat und seine „Pasta or Chicken“ nicht mühselig unter dem zurückgeklappten Sitz hervor angeln muss. Bei einer guten Airline wird Sie eine Flugbegleiterin darauf auch hinweisen. Aber schöner ist es doch, wenn man den Sitz – ganz Reiseprofi – gleich selbst senkrecht stellt.

6) Laptop-Crash

Und vor dem Zurücklehnen, bitte kontrollieren, dass hinten kein Laptop oder ein Getränk nahe an der Lehne steht. Getränk macht Sauerei beim Umfallen, Laptop-Bildschirm macht Krach-Kaputt beim schwungvollen Zurücklehnen. Den Schaden, der dabei entsteht, zahlt übrigens der Zurücklehner – das nur sicherheitshalber angemerkt. Auch bevor man sich mit seinem ganzen Gewicht in den Sitz plumpsen lässt, sollte man darauf achten, was auf dem Esstablett dahinter steht – gleicher Effekt wie beim Sitz zurücklehnen!

7) Ellenbogen-Gefechte

Diese unsäglichen Armlehnen … würden Fluggesellschaften die doch bitte einfach abschaffen (oder noch besser: breiter machen), dann gehörten die stundenlangen, erbittert geführten Kleinkriege mit den Ellbogen endlich der Vergangenheit angehören. Tipp Nr. 1 für ein friedliches Miteinander: Bei Dreierreihen gehören die beiden mittleren Armlehnen dem Passagier in der Mitte. Tipp Nr. 2: Armlehnen hochklappen gibt’s ausschließlich dann, wenn man den Sitznachbarn wirklich, wirklich gut kennt.

8) Wem gehört der Luftraum?

Die Lufthoheit ist besonders im Flieger heilig. Zeitunglesen ist okay, solange das im eigenen Luftraum stattfindet. Glatze kratzen des Vordermanns mit der Zeitung ist nicht drin, selbst wenn der seinen Sitz komplett zurücklehnt.

9) Firmengeheimnisse interessieren mich … nicht!

Ihre lauten Gespräche mit dem Kollegen interessieren die rund herum sitzenden Passagiere nicht? Irrtum, die interessieren sich sogar brennend für Ihre Geschäftsgeheimnisse. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute aus der gleichen Branche um Sie herumsitzen und mit den Information etwas anfangen können. Und wenn sie erst einmal anfangen, über die Assistentin des Chefs zu lästern, haben Sie anschließend garantiert 20 neue Follower bei Twitter – und zehn Freundschaftskündigungen bei Facebook.

10) Erziehungsdebakel

Ein Tipp an Eltern, die mit kleinen Kindern unterwegs sind: Erziehung muss vor dem Flug stattfinden, nicht während. Ein Flugzeug ist der falsche Ort für Erziehungsmethoden wie „einfach schreien und am Boden zappeln lassen“. Vor allem nicht bei Nachtflügen auf denen die Mitreisenden – wie unverschämt und rücksichtslos von denen – schlafen wollen.

„Danke statt Klatschen“

Übrigens: Klatschen nach der Landung ist eine der besten Gelegenheiten zum Fremdschämen. Tut niemandem weh, ist aber endlos peinlich. Ein freundliches „Dankeschön“ an die Crew beim Verlassen des Fliegers zaubert dagegen ein ehrliches Lächeln auf die Gesichert von Kabinen- und Cockpit-Personal.

In diesem Sinne, einen guten Flug beim nächsten Mal wieder. Und wer’s gar nicht ertragen kann, dem sei zum Trost gesagt: Auch in der Business Class gibt’s nervige Kinder, die die ganze Nacht hindurch quengeln. Und auch in der Business Class gibt’s Leute, die meinen, ihre Schuhe ausziehen zu müssen. Upgrade bringt als auch nicht wirklich viel, zumindest nicht in dieser Hinsicht. Dann lieber gleich Bahn fahren. Mit den netten Besoffenen vom Kegelclub aus Irgendwo gleich am Tisch nebenan.

Der Beitrag erschien zuerst am 11. August 2011. Dies ist eine aktualisierte Fassung.