Symbolbild: Kreuzfahrtschiff, Corona-Impfung

Coronatest- und Impfpflichten in der Kreuzfahrt: ein aktueller Überblick im August 2022 (aktualisiert)

Test- und Impfpflichten entfallen immer häufiger, einerseits. Andererseits werden die verbleibenden Reiseregeln immer unübersichtlicher. Und sie ändern sich fast täglich. Zur Orientierungshilfe fassen wir den aktuellen Stand am 23. August 2022 zusammen und zeigen, worauf Sie achten sollten.

Welche Corona-Regeln Kreuzfahrt-Urlauber derzeit beachtet und erfüllen müssen, hängt von vier Faktoren ab:

  • Regeln der jeweiligen Reederei, teils mitbestimmt durch nationale Vorschriften,
  • Vorschriften einzelner Länder, die von den Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden,
  • Zeitpunkt der Kreuzfahrt, sprich: wann kommen neue Lockerungen – oder wieder Verschärfungen?
  • und ganz unabhängig von Regelungen der Reederei: Gibt es Vorschriften für die Einreise in das Land, in dem die Kreuzfahrt beginnt – etwas die Impfpflicht bei Einreise in die USA?

Vor allem die sehr unterschiedlichen, nationalen Regularien machen die Situation unübersichtlich und kompliziert. In manchen Ländern gelten strenge Impfpflichten, in anderen gibt es gar keine Einreiseregeln mehr, Einheitlichkeit sucht man vergebens. Und wie die Regeln in einigen Wochen oder Monaten aussehen werden, weiß ohnehin niemand – auch die Reedereien nicht. Deshalb können wir in diesem Beitrag auch nur eine Orientierungshilfe geben.

Mein Schweizer Kollege Beat Eichenberger hat sich übrigens mit dem Wirrwarr der Corona-Regeln in der Kreuzfahrt aktuell auch in einem Kommentar beschäftigt: „Cruise-Branche leistet sich Test-Chaos”.

Dringende Empfehlung: Regeln individuell prüfen und beobachten

Die dringende Empfehlung lautet: Für jede Kreuzfahrt sollte man die Bedingungen und Vorschriften individuell, frühzeitig und kontinuierlich vor der Reise genau prüfen. Dazu holt man einerseits die reiserechtlich wichtigen Regelungen der Reederei oder des Reiseveranstalters ein, bei dem man bucht. Ausschlaggebend ist dabei nicht, was irgendjemand in irgendeiner Facebook-Gruppe behauptet, sondern allein die offiziellen Angaben der Reederei.

Zusätzlich sollte man vor der Buchung auch einen Blick auf die – leider oft sehr komplizierten – Regeln der Länder werfen, die das Schiff anläuft. Denn Reedereien warten oft recht lange ab, bevor sie die eigenen Regeln an nationale Vorschriften anpassen – in der Hoffnung oder mit der berechtigten Vorausschau, dass sich die Vorschriften bis zum Kreuzfahrt-Beginn noch ändern.

Wichtig vor allem für Genesene und Ungeimpfte: Länder-Regeln genau studieren

Wer alle gerade verfügbaren Impfdosen bereits hat, muss sich recht wenig Gedanken machen. Doch insbesondere Ungeimpfte, Passagiere ohne Booster und auch Genesene ohne zugleich aktuellen Impfstatus sollten sich die Regeln sehr genau ansehen.

Längst nicht überall wird der Genesenen-Status nämlich beispielsweise als Ersatz für eine Impfdosis akzeptiert. Im sonst noch sehr strengen Kanada kann dagegen ein positiver PCR-Testnachweis der nicht älter als 180 Tage ist, auch schonmal von der Testpflicht vor einer Kreuzfahrt befreien.

Beispiel Katar: möglicherweise zweite Booster-Impfung nötig

Ein typisches Beispiel für die teils zögerliche Haltung von Reedereien ist aktuell Katar. Im Winter 2022/23 laufen unter anderem AIDA, Costa, MSC und TUI Cruises den Hafen von Doha indem arabischen Staat an. Bislang hat aber nur MSC die seit März dort geltenden Vorschriften in die eigenen Reisehinweise aufgenommen. Die drei anderen Reedereien warten noch auf eine klare Definition der Regeln seitens der Behörden in Katar, die für Kreuzfahrt-Anläufe möglicherweise lockerer ausfallen könnten als die allgemeinen Reiseregeln des Landes.

Für Kreuzfahrt-Passagiere, die diese Reisen buchen, kann es aber kritisch werden, weil sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht die nötigen Impfungen haben, um die – zumindest derzeit geltenden –  Anforderungen von Katar zu erfüllen. Sehr vereinfacht gilt dort:

  • Pflicht zur Booster-Impfung, wenn die Grundimmunisierung länger als neun Monate zurückliegt,
  • Pflicht zu einer zweiten Booster-Impfung, wenn der erste Booster mehr als zwölf Monate zurückliegt.

Europa ist restriktiver als die USA

Seit der Kehrwende der US-Seuchenschutzbehörde CDC (siehe unser Beitrag „Viele US-Reedereien streichen Coronatests und Impfpflicht“) hat sich die Situation in der weltweitern Kreuzfahrt umgekehrt: War die USA lange Zeit restriktiv bis hin zur Absurdität, fallen dort gerade fast sämtliche Regeln, Impf- und Testpflichten, während europäische Reedereien weitgehend an Tests und insbesondere der Impfpflicht teils inklusiv Booster festhalten. Anders wiederum in Kanada, wo es beispielsweise eine Testpflicht für Kreuzfahrtpassagiere sowie ein im Rest der Welt weitgehend abgeschafftes Online-Einreiseformular gibt.

Bei deutschen und europäischen Reedereien gelten daher meist weiterhin Impf- und teils Booster-Pflichten, während US-Reedereien auch bei ihren Europa-Kreuzfahrten von der Impfpflicht abrücken. Umgeimpfte dürfen nun wieder mitfahren. Sie müssen lediglich ein negatives Testergebnis vorlegen, was Geimpfte oft nicht mehr tun müssen.

Reederei-Regeln zu Impfung und Coronatests

Weil die nationalen Vorschriften so unterschiedlich sind, aber auch aufgrund eigener Beurteilung der Reedereien, sehen die Regel überall geringfügig oder auch sehr stark unterschiedlich aus. Die Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen und deutschen Reedereien haben wir bereits angesprochen.

Um Kosten zu sparen, sollte man bei noch vorhandener Testpflicht genau hinsehen, welche Art von Coronatests die Reedereien akzeptieren. Immer mehr Reedereien wie beispielsweise Celebrity Cruises oder Princess Cruises lassen nämlich inzwischen auch unbeaufsichtigte Antigen-Schnelltests zu. Faktisch versichert man also lediglich noch im Gesundheitsfragebogen, dass man einen Test mit negativem Ergebnis durchgeführt hat.

Das große „Aber“ kommt, wenn während der Kreuzfahrt bestimmte Länder angelaufen werden. Dann nämlich sind alle stark gelockerten Reederei-Regeln hinfällig und für die komplette Kreuzfahrt gelten die Regeln des Landes mit den strengsten Vorschriften.

 Solche Ausnahmeländer mit unterschiedlichen Anforderungen bei Tests und Impfpflichten sind derzeit vor allem: Australien, Bermudas, Griechenland, Kanada, Katar, Neuseeland und Singapur. Außerdem gelten teils Ausnahmen bei der Passage des Panama-Kanals und bei Atlantik-Überquerungen, beispielsweise bei Holland America Line.

Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick zu den meist sehr detailreichen Regelungen der wichtigsten Redereien mit großen Kreuzfahrtschiffen. Bitte verstehen Sie die Tabelle lediglich als grobe Orientierung und beachten Sie die vielen Details und Ausnahmen auf den Websites der Reedereien, die in der Tabelle verlinkt sind.

Die meisten der folgenden Regeln gelten ab Anfang September, je nach Reederei zu etwas unterschiedlichen Terminen:

ReedereiImpfpflichtCorona-AntigentestQuelle
AIDAnein (außer Reisen ab 16 Nächte sowie Transatlantik)jaLink
Carnival Cruise Linenein (außer Reisen ab 16 Nächte und Ausnahme Australien)nur bei Reisen ab 16 Nächte; immer für Ungeimpfte; es genügt SelbsttestLink
Celebrity Cruisesneinnein (außer Ungeimpfte, teils destinationsbezogen, beispielsweise: Honduras, Haiti, Kolumbien)Link
Celestyal CruisesneinneinLink
Costanein (Ausnahme: Arabien, Transatlantik)nein (außer Ungeimpfte)Link
Cunard Lineja, Booster nach EU-Regeln (270-Tage-Grenze)nein (mit destinationsbezogenen Ausnahmen)Link
Disney Cruise LineneinneinLink
Hapag-Lloyd CruisesjajaLink
Holland America Lineneinnein (mit destinationsbezogenen Ausnahmen)Link
Hurtigruten Expeditionsjanein (außer Antarktis)Link
MSC Cruisesnein (außer Arabien)nein (außer Ungeimpfte; in Arabien: ja für alle)Link
Norwegian Cruise LineneinneinLink
Oceania Cruisesneinnein (außer Ungeimpfte)Link
Phoenix Reisen (Hochsee)jajaLink
Plantours (Hochsee)ja (Booster)jaLink
Ponantja (Booster nach 270-Tage-Frist)neinLink
Princess Cruisesnein (außer Australien)nein (außer Australien)Link
Regent Seven Seas Cruisesneinnein (außer Ungeimpfte)Link
Royal Caribbean Internationalnein (außer Australien, Singapur, Transatlantik)nein (außer Honduras, Haiti, Kolumbien, Transatlantik, Australien; Selbsttest genügt)Link
Seabournnein (destinationsbezogene Ausnahmen)nein (destinationsbezogene Ausnahmen)Link
Seacloud Cruisesja (Booster nach 270-Tage-Frist)jaLink
Seadream Yachtclubnein (destinationsbezogene Ausnahmen)nein (destinationsbezogene Ausnahmen)Link
Silversea Cruisesnein (viele komplizierte Ausnahmen)nein (außer Ungeimpfte)Link
Star Clippersneinnein (außer Ungeimpfte)Link
TUI Cruisesnein (außer Asien, Arabien, Transatlantik)jaLink

Mehr Erleichterungen für die Crew

Für Passagiere ist die Maske an Bord von Kreuzfahrtschiffen schon länger gefallen, Impfpflicht und Test verschwinden nach und nach. Im nächsten Schritt gibt es nun auch Ansätze, die Corona-Regeln für die Crew signifikant zu lockern. Celebrity Cruises startet laut Crew-Center ein Pilotprogramm, bei dem Crew-Mitglieder, die keinen Kontakt zu den Passagieren haben, für zwei Wochen keine Masken mehr tragen müssen. Vor Ausgang dieses Experiments soll dann abhängen, ob weitere Lockerungen vertretbar sind.

6 Kommentare

6 Gedanken zu „Coronatest- und Impfpflichten in der Kreuzfahrt: ein aktueller Überblick im August 2022 (aktualisiert)“

  1. Hallo
    wie sieht es mit der Impflicht am Nil ( Ägypten ) ?
    braucht es eine Impfung bei 5 Tagen wo man unterwegs ist ?
    lg
    Thomas

  2. @Thomas Bucher: Ägypten hat derzeit keine Corona-bezogenen Reisebeschränkungen mehr, also weder Impfpflicht noch Coronatests. Allerdings würde ich mich immer zusätzlich beim Reiseveranstalter erkundigen, ob er selbst möglicherweise noch eigene Reisebedingungen diesbezüglich hat.

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