Mit unserem kostenlosen Newsletter sind Sie immer bestens informiert – gleich abonnieren!
Cruise Port Miami

Das Dilemma der Kreuzfahrt in den USA mit der Gesundheitsbehörde CDC

Auch drei Monate nach Aufhebung des generellen Kreuzfahrt-Verbots in den USA fährt dort kein einziges Kreuzfahrtschiff. Ein konkreter Neustart-Termin für Bahamas- und Karibik-Kreuzfahrten ab Florida ist nach wie vor nicht absehbar. Eine Zusammenfassung des aktuellen Dilemmas der Kreuzfahrt in den USA.

Während in Europa bereits seit Sommer 2020 Kreuzfahrtschiffe in begrenztem Umfang wieder fahren, herrscht auf dem größten Kreuzfahrtmarkt der Welt, den USA mit so wichtigen Fahrtgebieten wie Bahamas und Karibik, Alaska und Neuengland, weiter Stillstand. Alles hängt derzeit offenbar an der zögerlichen Haltung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Einen zusätzlichen Rückschlag müssen die Reedereien mit dem bis Februar 2022 verlängerten Kreuzfahrt-Verbot in Kanada verkraften.

Hinweis: Eine aktuelle Einschätzung zum Status der weltweiten Kreuzfahrt haben wir bereits im Beitrag „Die Kreuzfahrt im Februar 2021 zwischen Hoffen und Bangen: Wie geht es weiter?“ veröffentlicht. Dieser Beitrag fokussiert sich daher nun auf die schwierige Situation in den USA.

US-Kreuzfahrtverbot schon seit November 2020 formell aufgehoben

Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC ein komplettes Kreuzfahrtverbot, die „No Sail Order“, verhängt und mehrfach verlängert. Erst zum 1. November 2020 hatte die CDC – offenbar auf Druck der US-Regierung unter Donald Trump – das Verbot in eine bedingte Genehmigung umgewandelt, die aktuell noch bis 31. Oktober 2021 geltende „Conditional Sailing Order“. Davor hatten Reedereien und Häfen ihren Unmut über das anhaltende Verbot immer deutlicher zum Ausdruck gebracht. „Enough is enough”, sagte NCLHs President und CEO Frank Del Rio Mitte September 2020 – wohl nicht ahnend, dass der Stillstand der Kreuzfahrt in den USA noch sehr viel länger andauern würde.

Die in der Conditional Sailing Order enthaltenen Vorschriften sind so strikt, dass sie kaum zu erfüllen sind. Darüber hinaus sind zahlreiche Details ungeklärt, zu denen die CDC Ausführungsanweisungen („technical instructions“)  angekündigt hat. Auch drei Monate nach Inkrafttreten der Conditional Sailing Order liegen diese Technical Instructions aber im Wesentlichen nicht vor, beklagt die Carnival Corp. in ihrem am 26. Januar veröffentlichten Geschäftsbericht: „„Aus den derzeitigen Rahmenbedingungen ergeben sich zusätzliche technischen Anweisungen und Anordnungen der CDC (…), die derzeit ungewiss sind.“ Ähnlich äußerten sich jüngst auch andere US-Reedereien.

Die CDC bestätigte und rechtfertigte gegenüber Cruise Critic Anfang Februar ihre Haltung: „Die Rückkehr in die Passagierschifffahrt ist ein schrittweiser Ansatz und unser derzeitiger Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der Besatzung und der Zusammenarbeit mit den Kreuzfahrtgesellschaften, um die Anforderungen der ersten Phase umzusetzen, in der alle Besatzungsmitglieder getestet und die Laborkapazitäten an Bord ausgebaut werden.“

63 Kreuzfahrtschiffe startbereit mit Status „grün“

Faktisch haben die Kreuzfahrt-Reedereien inzwischen 64 für den US-Markt eingeplanten Kreuzfahrtschiffe seit November in amerikanische Gewässer verlegt, mit Crew besetzt und über Quarantänemaßnahmen und Tests – mit Ausnahme eines Schiffs – den von der CDC verlangten Status „grün“ erreicht.

Mit diesem rigide ausgelegten Ampelsystem will die CDC sicherstellen, dass von Kreuzfahrtschiffen keinerlei Infektionsrisiko ausgeht, bevor Crew oder Passagiere ein Schiff frei betreten oder verlassen dürfen. Voraussetzung ist dafür unter anderem, dass das Schiff 28 Tage lang frei von Covid-19 ist. Bei einem einzigen positiven Testergebnis (Crew oder Passagier), das auch nicht durch weitere Tests überprüft werden darf, verliert ein Kreuzfahrtschiff den Grün-Status und die 28tägige Wartephase beginnt erneut.

Die Reedereien stehen in den Startlöchern, um die von der CDC verlangten, mehreren Test-Kreuzfahrten vor dem eigentlichen Neubeginn durchzuführen. Ohne die genauen Regeln, wie diese Tests durchgeführt werden müssen, gibt es aber keinen Fortschritt. Für den tatsächlichen Neustart mit Passagieren benötigen die Reedereien aber eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Monaten.

Infektionsschutzkonzepte liegen teils schon seit Monaten vor

Auch umfassende Hygieneschutz-Konzepte und ausführliche Empfehlungen haben die Kreuzfahrtreedereien – teils sogar unternehmensübergreifend – erarbeitet und veröffentlicht. Royal Caribbean Group und Norwegian Cruise Line Holdings haben bereits Ende September 2020 ein gemeinsames Rahmenkonzept vorgelegt und auch für alle anderen Reedereien freigegeben, das von einer hochrangigen Expertengruppe erarbeitet wurde.

Seitdem gab es Weiterentwicklungen und Adaptionen bei einzelnen Reedereien und Anpassungen an neue Gegebenheiten. So haben mit American Queen Steamboat Company und Victory Cruise Lines die ersten beiden US-Reedereien eine Impfpflicht für Passagiere und Crew ab 1. Juli 2021 angekündigt.

Weitgehend unbeachtet bleibt bei der CDC bislang offenbar der Erfolg der Infektionsschutzkonzepte der Kreuzfahrtschiffe, die sich in Europa und Asien bereits seit Sommer 2020 mit inzwischen rund 300.000 Passagieren bewährt haben. Dazu zählen auch Schiffe von Marken der Royal Caribbean Group und Carnival Corp.

Verkapptes Kreuzfahrtverbot ohne klares Ablaufdatum

Zunehmend ist inzwischen von einem verkappten Kreuzfahrtverbot die Rede. Denn schon die rigiden Regeln machen einen Neustart sehr schwierig. Und die auch nach Monaten noch fehlenden Detail-Anweisungen der CDC machen es den Kreuzfahrt-Reedereien unmöglich, ihre Neustart-Vorbereitungen voranzutreiben.

Cruise Critic zitiert einen CDC-Sprecher Anfang Februar mit den Worten: „Wir erwarten, dass die nächste Phase der technischen Anweisungen (Technical Instructions for Port and Local Health Authorities Agreements) in den nächsten Wochen veröffentlicht wird.“

Conditional Sailing Order und Kreuzfahrt-Verbot in Kanada

Die Conditional Sailing Order gilt für alle Kreuzfahrtschiffe, die sich in US-amerikanischen Gewässern bewegen und mindestens 250 Personen – Crew und Passagiere – an Bord haben. Nicht betroffen sind daher einige wenige Kreuzfahrtschiffe mit sehr wenigen Passagieren. Dazu zählen beispielsweise Uncruise Adventures oder bei gezielt reduzierter Passagierzahl auch die Flusskreuzfahrtreedereien American Queen Steamboat Company und American Cruise Lines.

Eine weitere Erschwernis ist Anfang Februar hinzugekommen, als Kanada bekannt gab, seine Häfen für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 99 Personen an Bord noch bis 28. Februar 2022 geschlossen zu lassen. Das verhindert weitgehend Kreuzfahrten in den wichtigen Fahrtgebieten Alaska und Neuengland – siehe Details in unserem Beitrag „Kanada verlängert Kreuzfahrt-Verbot für seine Häfen und Gewässer bis Februar 2022“.  Der Reedereien-Interessenverband Clia will sich hier für ein vorübergehendes Ausnahmegesetz einsetzen, um den Passenger Vessel Service Act (PVSA) auszusetzen, um wenigstens dieses zusätzliche Kreuzfahrt-Hemmnis aus dem Weg zu räumen. Die Chancen stehen dafür aber denkbar schlecht.

Kreuzfahrt-Absagen in den USA aktuell bis Ende April 2020

Die meisten am US-Markt aktiven Kreuzfahrt-Reedereien haben ihre Kreuzfahrten aktuell bis Ende April 2021 abgesagt, manche Routen sogar schon bis in den Herbst hinein. Alaska- und Neuengland-Routen sind seit Erlass des Kreuzfahrtverbots in Kanada vorerst nicht mehr buchbar, offiziell aber noch nicht abgesagt (Stand: 8. Februar 2020).

Dass Kreuzfahrtschiffe von US-Häfen aus schon im Mai 2021 wieder fahren können, ist angesichts der vielen noch zu überwindenden, bürokratischen Hürden in der damit zusammenhängenden Logistik recht unwahrscheinlich. Insbesondere hängt weiterhin sehr viel davon ab, dass die CDC die nötigen „Technical Instructions“ veröffentlicht, die für die Reederei die Grundlage für die nächsten Schritte hin zum Neustart sind.

Offen – und damit Anlass für leise Hoffnung – ist, inwieweit die CDC sich schneller bewegt oder sogar die Regeln der Conditional Sailing Order aufweicht, wenn die Impfquote in den USA schneller steigt, als zunächst angenommen.

Hoffnungsvoll hat sich in dieser Hinsicht bereits der CEO der US-Reedereien American Queen Steamboat Company und Victory Cruise Lines gegenüber Seatrade Cruise News geäußert. Er verordnet seinen Passagieren und Crew-Mitgliedern ab 1. Juli 2021 eine Impfpflicht und ist optimistisch, dass beide Gruppen bis dahin eine Impfung bekommen können. Der Altersdurchschnitt der Zielgruppe der beiden Kreuzfahrtmarken ist relativ hoch und nach dem US-Impfplan gehört auch die Besatzung von Schiffen zur priorisierten Zielgruppe für Impfungen.

Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Neue Kommentare werden aus technischen Gründen oft erst einige Minuten verzögert angezeigt.
Cookie Consent mit Real Cookie Banner