mit Maske bei Lufthansa im Flugzeug

Fliegen in Corona-Zeiten: „Wir tun alles für Ihre Gesundheit an Bord“, oder auch nicht – ein Erfahrungsbericht

Die Infektionsschutzmaßnahmen der Airlines im Flugzeug sind umstritten, dennoch fliegen die Maschine mit voller Passagierzahl. Wie die Realität aussieht, habe ich selbst ausprobiert. Und so sehr mich das Konzept für Covid-19-Schutz auf meiner Flusskreuzfahrt mit der A-Rosa Alva überzeugt hat, so problematisch habe ich die Realität bei der Lufthansa auf unserem Flug dorthin erlebt.

Es ist nur eine Momentaufnahme, die Erfahrung von zwei Flügen auf den Strecken München–Porto und Porto–München in der ersten Juli-Woche. Diese Beobachtungen bringen mich in dieser Momentaufnahme zu dem Fazit: Fliegen erscheint mir vorerst nur dann sicher, wenn man selbst aktiv für Infektionsschutz sorgt. Immerhin ist das recht einfach möglich. Tipps dazu am Ende des Beitrags.

Und es gibt positive Signale: Offenbar hat die Lufthansa in den vergangenen Wochen derart massive Beschwerden von Kunden bekommen, dass sie reagiert. Die Crew haben jetzt, so hört man, recht klare Anweisungen und Handlungsempfehlungen für Regelverstöße. Die Maskenpflicht an Bord soll konsequent umgesetzt werden. Auf meinen beiden Flügen von und nach Portugal Anfang Juli war das noch anders …

Update: Inzwischen habe ich weitere Flüge absolviert, nämlich Ende Juli München-Venedig-München und Mitte August München-Neapel-München. Die Erfahrungen bei Air Dolomiti nach Venedig waren recht positiv, allerdings war das Flugzeug auch nur halb ausgelastet. Beim Lufthansa-Flug nach Neapel verlief das Ein- und Aussteigen deutlich geordneter und die Crew war zumindest bemüht, die Passagiere zur Einhaltung der Regeln zu bewegen. Insgesamt bleibt das Bild aber indifferent. Ich werde weiterhin mit einem halbwegs guten Gefühl fliegen, dabei aber konsequent im Flughafen und im Flugzeug eine FFP2-Maske (die ohne Ventil!) tragen, um mich optimal zu schützen.

Meinen Erfahrungsbericht zum Infektionsschutz auf der Flusskreuzfahrt mit A-Rosa in Portugal lesen Sie übrigens im Beitrag „Flußkreuzfahrt mit Maskenpflicht und Social Distancing – ein Erfahrungsbericht“.

Auslastung und Platzreservierungen

Unser Flug von München nach Porto am 1. Juli war nahezu oder ganz ausgebucht, die Mittelplätze durchgehend belegt. Am Rückflug war das Flugzeug schätzungsweise zu etwa 60 Prozent belegt, die Passagiere relativ gut über die Sitzreihen, teils mit leeren Reihen dazwischen verteilt.

München-Porto, am Gate in MUC

Seltsam verhielt sich das Reservierungssystem der Lufthansa: Wir hatten jeweils Fenster- und Mittelsitz reserviert. Beim Hinflug wurde das automatisch geändert auf Fenster – Gang. An Bord wäre dann ein Fremder zwischen uns am Mittelplatz gesessen, hätten wir nicht mit ihm Plätze getauscht. Beim Rückflug waren zwar viele Reihen völlig frei, dennoch wäre ein Fremder direkt neben uns gesessen, wäre er nicht von sich aus in eine der leeren Reihen gewechselt.

Ob sich eine in Bezug auf Abstände optimale Verteilung der Passagiere auf die vorhandenen Plätze im Reservierungssystem der Lufthansa umsetzen lässt, kann ich nicht beurteilen. Wünschenswert wäre es jedoch.

Boarding

Lufthansa lobt sich selbst bei jeder Gelegenheit mit einem an Corona angepassten Boarding-Prozess mit ausreichend Abstand und Boarding in kleinen Gruppen. Bei beiden Flügen haben wir aber das Gegenteil erlebt: Nach dem Pre-Boarding (Familien mit Kindern und Passagiere, die Hilfe benötigen) hieß es nur lapidar: alle übrigen Passagiere. Dabei hätten die Bordkarten durchaus drei weitere Boarding-Gruppen vorgesehen, wie es auch in den Lufthansa-Leitlinien steht.

Die Konsequenz: Gedrängel ohne sinnvollen Abstand, ganz ähnlich wie vor der Coronakrise. Lediglich ganz zu Beginn des Boardingprozesses erfolgte ein wie üblich routinemäßig gehetzter Hinweis auf den gebotenen Abstand beim Einsteigen. Ein Versuch, den Sicherheitsabstand durchzusetzen, etwa durch erneute Erinnerung an Social Distancing per Durchsage oder gar aktives Eingreifen, erfolgte nicht.

unser Flugzeug für die Reise von Porto nach München

Immerhin gibt es beim Einsteigen für jeden Passagier ein recht großes, verpacktes Desinfektionstuch. Dass es vor allem zum Desinfizieren der Oberflächen am Sitzplatz gedacht ist, erfährt man aber nur, wenn man das auf der Lufthansa-Website liest.

Pflicht zu Mund-Nasen-Schutz an Bord

Außer einer Ansage direkt nach dem Boarding und einer Erinnerung kurz vor der Landung machten die Flugbegleiter keine für mich erkennbaren Anstalten, die Passagiere vom Tragen der Maske zu überzeugen. Das ist umso erstaunlicher, als es hier auch um den Schutz der Flugbegleiter selbst vor Ansteckungen geht.

Wir haben einige Passagiere beobachtet, die an ihrem Platz auch über längere Zeit hinweg keine Maske trugen oder die Nase frei ließen. Ein Passagier, der zufällig sowohl beim Hin- als auch Rückflug in der Reihe vor mir saß, hatte die Nase während des gesamten Flugs nicht bedeckt und reagierte auch auf freundliche Bitte von mir nicht. Selbst als ein Passagier ganz ohne Maske über fast die gesamte Flugzeuglänge am Gang zur Toilette und zurück ging, sprach kein Flugbegleiter ihn darauf an.

Getränkeservice und Snacks

Überraschenderweise führten die Flugbegleiter auf dem zweieinhalbstündigen Flug zweimal einen kompletten Getränkeservice durch, dazu gab es einen abgepackten Snack. Warum Lufthansa seine Flugbegleiter einem solchen unnötigen Ansteckungsrisiko aussetzt, erschließt sich mir nicht. Aber zumindest in diesem Punkt entsprach das Erlebte auch dem, was Lufthansa offiziell kommuniziert.

Getränkeservice und Snack

Das ist nur meine persönliche Meinung, aber ich denke, eine Flasche Wasser in der Sitztasche würde für Kurz- und Mittelstrecke völlig ausreichen.

Aussteigen

Lediglich direkt nach der Landung erfolgte per Durchsage der Hinweis, man möge beim Aussteigen so lange auf seinem Platz sitzen bleiben, bis die Reihen vor einem ausgestiegen seien. Bis zum tatsächlichen Aussteigen hatten die meisten das offenbar schon wieder vergessen oder ignorierten es. Bei Stillstand des Flugzeugs am Gate zeigte sich daher auch das aus den Zeiten vor Corona typische Bild: Viele Passagiere springen sofort auf, drängen sich im Gang und lassen den Passagieren in den Reihen vor ihnen keine Chance, ihre Reihe mit ausreichend Abstand zu verlassen. Besonders betroffen sind davon die Passagiere mit Gangplatz, die den drängelnden Mitreisenden nicht ausweichen können.

Seitens der Flugbegleiter wurde keinerlei Versuch unternommen, das Gedränge zu ordnen und Abstände sicherzustellen. Nicht einmal eine erneute Ermahnung per Durchsage gab es dazu.

Stellungnahme von Lufthansa, Ufo und DRV

Auf die Bitte um eine Stellungnahme hat die Pressestelle der Lufthansa lediglich die eigenen Regeln ausführt und auf das geringe Infektionsrisiko aufgrund der Filter in der Klimaanlage, schnellem Luftaustausch in der Kabine und Ähnlichem hingewiesen. Man bedanke sich für die in meiner Anfrage an die Lufthansa gemachten, „wichtigen Hinweise in Bezug auf die praktische Umsetzung unserer Maßnahmen, die wir intern aufnehmen werden.“

Für die oben beschriebenen Ungereimtheiten und Regelverstöße gab es von Lufthansa dagegen keine weitere Erklärung, auch nicht Rückfrage. Auf nochmalige Kontaktaufnahme nach Veröffentlichung dies Beitrags versicherte mir eine Lufthansa-Sprecherin, dass man sich große Mühe gebe, die Regeln einzuhalten. Deshalb habe das Unternehmen auch schon vor einiger Zeit die Maskenpflicht und andere Regeln in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen, um der Kabinencrew eine bessere Handhabe zu geben, falls Passagiere sich nicht daran hielten.

Eine Sprecherin der Gewerkschaft der Flugbegleiter Ufo berichtet gegenüber cruisetricks.de, dass es bei der Lufthansa Group eine große Welle an Passagierbeschwerden gegeben habe. Ufo unterstütze das Kabinenpersonal und gebe ihren Mitgliedern Rückhalt bei der Durchsetzung insbesondere der Maskenpflicht. Sie vergleicht die Maskenpflicht mit dem Rauchverbot an Bord, das seit vielen Jahren konsequent durchgesetzt werde.

Der Deutsche Reiseverband DRV wollte sich nicht konkret zum Verhalten der Lufthansa äußern. DRV-Präsident Norbert Fiebig kommentiert allgemein und als Teil eines längeren Statements: „Auf den Flughäfen, an Bord der Flugzeuge, beim Bustransfer sowie im Hotel gibt es verschiedenste Maßnahmen, die helfen das Infektionsrisiko auf das Mindestmaß zu reduzieren. (…) Um eine zweite Corona-Welle zu vermeiden, ist es schlicht notwendig, sich konsequent an diese vorgegebenen Maßnahmen zu halten.“

Interessanter Aspekt am Rande in Bezug auf die Hochseekreuzfahrt: In der Einigung mit den Behörden zum Neustart in Deutschland haben sich die Reedereien verpflichtet, sowohl ihre Infektionsschutz-Konzept als auch deren praktische Umsetzung an Bord in einem zweiteiligen Verfahren von unabhängigen Dritten zertifizieren zu lassen – also nicht nur Regeln aufzustellen, sondern auch ihre Durchführung prüfen zu lassen.

Fazit: Mit aktivem Eigenschutz scheint mir Fliegen ziemlich sicher zu sein

Ich persönliche ziehe aus diesen Erfahrungen die Konsequenz, mich bei meinem nächsten Flug aktiv vorzubereiten und das Risiko für mich selbst zu minimieren:

  • Sitzplatz mit möglichst weitem Abstand zum Mittelgang reservieren, ideal: Fenster
  • Boarding und Aussteigen mit viel Abstand – notfalls dann eben als letzter, wenn das Gedränge davor zu groß ist
  • Mund-Nasen-Schutz nach FFP2-Standard (ohne Ventil) für gezielte Filterung von möglicherweise in der Luft vorhandenen Viren
  • während des Fluges die Maske nie auch nur kurzzeitig absetzen
  • an Bord weder trinken noch essen; das ist bei relativ kurzen Flügen problemlos auszuhalten
  • als Brillenträger brauche ich das nicht, aber für alle anderen könnte eine Schutzbrille für noch mehr Sicherheit gegen direkte Tröpfcheninfektion sorgen
  • die Luftdüse über dem Sitz schließen (umstritten; es gibt dazu auch andere Sichtweisen; ich persönlich orientiere mich am Covid-19 Aviation Health Safety Protocol der EU vom 30. Juni 2020).

Auch wenn Lufthansa erst kürzlich wieder auf Twitter schrieb: „Wir tun alles für eure Gesundheit an Bord“, verlasse ich mich nach meiner Erfahrung mit diesen beiden Flügen dann doch lieber auf mich selbst.

Das Positive daran: Mit diesen Eigenschutz-Maßnahmen fühle ich mich auch dann auf einem Flug weitgehend sicher, selbst wenn sich die Airline nicht sonderlich um die Einhaltung der Regeln kümmern sollte. Aber das muss natürlich jeder für sich selbst und in der jeweils aktuellen Situation entscheiden.

Immerhin tut sich nach Passagierbeschwerden jetzt wohl etwas, sodass sich die Situation künftig wohl besser darstellen wird als auf meinen Portugal-Flügen. Ich fliege demnächst wieder mit einer Airline aus der Lufthansa-Group und werde berichten.

Wer sich näher mit dem Thema befassen will, dem sei ein aktuelles Interview meiner Kollegin Lilo Solcher mit Dieter Scholz, Professor für Flugzeugentwurf, Flugmechanik und Flugzeugsysteme, empfohlen: „Fliegen oder nicht fliegen?

15 Kommentare

15 Kommentare zu “Fliegen in Corona-Zeiten: „Wir tun alles für Ihre Gesundheit an Bord“, oder auch nicht – ein Erfahrungsbericht

  1. Wir konnten das Ganze schon Anfang Juli auf einem Flug von Frankfurt nach Venedig testen.
    Teilweise haben wir Gleiches erlebt. Jedoch muss ich in unserem Falle die LH in Schutz nehmen.

    Mehrfach wurde auf Mundschutz hingewiesen, mehrfach wurde Abstand angemahnt, das Boarding wurde nach Gruppen durchgeführt… Schwachpunkt waren in allen Punkten unbelehrbare Passagiere.

    Hielten wir beim Boarding Abstand, quetschte sich ständig jemand dazwischen. Bat man um Rücksicht, wurde man schräg angeguckt. Auch mehrfache, deutliche Durchsagen des Personals halfen wenig.

    An Bord das gleiche Bild, wie von Dir beschrieben. Bei jedem dritten Passagier hing die Nase raus.
    In unserem Falle wiesen die Flugbegleiter darauf hin. Jedoch litten offenbar viele Passagiere an Demenz. 5 Minuten später war es vergessen. Welche Konsequenz hätte getroffen werden sollen? Das habe ich mich auch gefragt. Flug abbrechen? Bei einer Stunde Flugzeit wäre der Rückweg wohl länger gewesen als die restliche Flugzeit.

    Bei aller Verantwortlichkeit der Fluggesellschaften kommt es auch maßgeblich auf die Vernunft der einzelnen Passagiere an. Und auch im Flugzeug muss man leider feststellen, sie ist nicht weit verbreitet.

  2. Danke für den Bericht und die Erinnerung daran, dass es diese FFP2 – Masken gibt. Wir werden in Corona-Maskenpflicht-Zeiten trotzdem überhaupt nicht fliegen. Ich habe in den vergangenen Tagen, von einer Studie gelesen, dass Flugzeuge zwar einen regelmäßigen, Filter gereinigten Luftaustausch vornehmen, dessen zeitliche Abstände aber keineswegs reichen, um sicher zu stellen, dass damit alle Viren enthaltenen Schwebeteilchen rechtzeitig rausgenommen werden. Gut, in meiner persönlichen Vorstellung, ist das Risiko sicherlich nicht sehr groß. Aber solange die Maskenpflicht als notwendig erachtet wird, meiden wir Tragezeiten, die über 1 Std. hinausgehen. Das bremst uns natürlich auch für Kreuzfahrtvorhaben aus. Statt dessen werden wir zum ersten Mal nach vielen Jahren, ca. 850 km mit dem Auto nach Passau fahren, sofern unsere Flusskreuzfahrt überhaupt stattfindet. Da ich am Tag nicht mehr als 300 km zurücklegen möchte, wird daraus eine kleine Deutschlandreise..

  3. @Oliver: Bei Deinem Flug hat das Kabinenpersonal offenbar alles realistischerweise machbare versucht. Für das Verhalten renitenter Passagiere kann man Lufthansa schwerlich verantwortlich machen. Ich habe eben auch nochmal mit Lufthansa telefoniert, dort ist man deren Aussage zufolge sehr bemüht darum, die Regeln durchzusetzen und das auch jedem Flug umzusetzen. Ich werde es weiter verfolgen und nach meinem Flug Ende Juli (ebenfalls Venedig) wieder berichten, dann hoffentlich deutlich positiver.

  4. @Rainer: Ich denke, der Luftaustausch (tatsächlich ist es im Flieger eine Luftverdünnung, weil zum Austausch eine komplette Verdrängung nötig wäre, die bei diesen Klimaanlagen nicht möglich ist) sollte reichen, die – wenn überhaupt vorhandene – Virenkonzentration soweit zu verdünnen, dass mit dem zusätzlichen Schutz durch ein FFP2-Maske nichts passieren sollte. Aber letztlich muss auch klar sagen: Wir wissen immer noch viel zu wenig über dieses Virus, als dass man überhaupt irgendwo, egal ob im Flieger oder im Supermarkt, wirklich von “sicher” sprechen kann. Wobei auch der Rest unseres Lebens nie “sicher” ist, sondern immer nur ein recht genau einschätzbares Risiko birgt – bei Corona ist das Risiko halt nur noch nicht so präzise einschätzbar, darin liegt das wesentliche Problem …

  5. @Franz Neumeier: Danke für die genauere Erklärung, bzgl. der Luftzirkulation / Austausch / Verdünnung. Es ist bei uns auch nicht eine eventuell größere Sorge vor Ansteckung, sondern die persönlich empfundene Belastung, eine Maske über einen längeren Zeitraum tragen zu müssen. Ich denke auch, dass uns dieses Problem solange begleiten wird, bis Erkenntnisse und Ergebnisse vorliegen, die das Tragen von Masken, nicht nötig erscheinen lassen

  6. @Ranier: Ich komme im Moment eher nach und nach zu der Erkenntnis, dass uns die Maske noch ziemlich lange begleiten wird. Ich denke aber auch, dass man sich einfach daran gewöhnen wird und sicherlich Hersteller auch immer bessere, bequemere, leichter zu handhabende Masken auf den Markt bringen werden. Mal sehen – vielleicht haben wir auch Glück und der ganze Spuk ist in ein paar Monaten wieder vorbei, wenn es vielleicht Medikamente oder gar eine Impfung gibt.

  7. Danke für den interessanten Artikel.
    Für mich heißt das: keine Kreuzfahrten und erst recht keine Flüge…schon gar nicht mit Lufthansa.
    Meine Lieblingsairlines sind ohnehin KLM und TAP.
    Auf Europastrecken gerne auch Easyjet.
    Die US Behörden haben jetzt jedenfalls die Häfen bis Ende September 2020 gesperrt – und dabei wird es nicht bleiben, behaupte ich mal.
    Wir brauchen halt einen Impfstoff, einige sind ja schon in Erprobung und sehen bisher gut aus.
    Das würde dann die Karten neu mischen.
    Bis dahin: nein, danke…

  8. @Werner Wöhrle: Ich denke, der Impfstoff ist nicht Voraussetzung für die Kreuzfahrt; einiges läuft ja schon wieder und es wird mehr. Die CDC in den USA hat halt im Moment eher das Thema, dass die Infektionsraten in den USA immer noch weiter steigen und völlig außer Kontrolle sind. Bei uns hier ist ja aktuell alles nachvollziehbar und verfolgbar, das ist eine komplett andere Situation. Und für Mers und Sars gibt es beispielsweise bis heute keinen Impfstoff, dennoch haben sie keinen Einfluss mehr auf unser Leben, weil sie anders eingedämmt wurden. Und auch ein Impfstoff gegen Covid-19 würde nicht plötzlich alles in Ordnung bringen, denn die Impfbereitschaft ist nicht gerade hoch. Kein einfaches Thema, bei dem es nur – wie im gesamten Leben – Risiko-Abwägungen gibt und keine Schwarz-Weiß-Lösung, auch wenn letzteres natürlich beruhigender wäre …

  9. Schönen Dank für den Bericht.

    Wie sieht es eigentlich mit den neuen Corona-Schnelltests (Uni-Bielefeld, niederländischer Hersteller) in den beiden Anwendungsfeldern “Flug” und “Kreuzfahrt” aus? Laut Berichten vor einigen Wochen soll damit ein echter Corona-Nachweis innerhalb 15 Minuten bzw. von 560 Testergebnissen in einer Stunde möglich sein. Zum Boarding in der Kreuzfahrt sicherlich ausreichend, auch beim Boarding im Flug wäre das machbar. Beschäftigt sich irgendeine Reederei oder Airline damit, oder wird das alles unter Kostenaspekten wieder weg gewischt?

  10. @Ronald: Vorweg geschickt: In so detaillierte Planungen und Überlegungen geben Reedereien keinen Einblick, solange sie nichts Konkretes haben und solange nicht fest steht, dass etwas funktioniert und umsetzbar ist. Das machen auch andere Unternehmen nicht. Insofern kann ich da nur Vermutungen anstellen.

    Aspekt 1 – Wirtschaftlichkeit: Reedereien waren noch nie Wohlfahrtsinstitute und werden es nie werden, insofern spielen Kosten immer eine Rolle. So wie bei Risikoabwägungen in unserem gesamten Leben das tun. Am deutlichsten wird das bei Airlines, die eben mit voll besetzten Maschinen fliegen dürfen, obwohl der Mindestabstand da nicht ansatzweise eingehalten werden kann. Wenn es unbezahlbar wäre, die Tests für alle Passagiere einzuführen, was ich natürlich derzeit nicht beurteilen kann, also hypothetisch, dann würden die Tests auch nicht eingeführt – denn mit Tests direkt in die Insolvenz ist ja keine Lösung.

    Aspekt 2 – Sicherheit/Gesundheit: Meiner Beobachtung nach tun die Reedereien derzeit so ziemlich alles, um wieder in Fahrt zu kommen und letztlich auch nach und nach wider möglichst viele Passagiere an Bord zu nehmen, solange das sicher ist. Denn von der Sicherheit in dem Fall stehen Gesundheit/Sicherheit und Wirtschaftsinteressen mal auf derselben Seite. Würde nicht alles getan, dass es zu keinem Ausbruch auf einem Schiff kommt und gäbe es dann einen größeren Vorfall, wäre das eine Katastrophe für die Reedereien, weil das Vertrauen dann längerfristig dahin wäre und die Schiffe wohl wieder für längere Zeit in den Lockdown gehen müssten.

    Aspekt 3 – praktische Umsetzbarkeit: Berücksichtigen muss man auch weitere Aspekte, v.a. die praktische Umsetzbarkeit. Dazu gehört u.a., dass die Räumlichkeiten des Kreuzfahrt-Terminals sich dazu eignen. Denn es würde vermutlich wenig bringen, Passagiere vor dem Wissen um die Testergebnisse auf relativ engem Raum zusammen zu bringen / zu lassen, denn dann müsste man wiederum alle von der Reise ausschließen, wenn auch nur ein einzige von ihnen positiv getestet würde. Da wäre also wohl eine Separierung der Passagiere schon direkt bei der Ankunft im Terminal und bis zum negativen Ergebnis nötig.

    Unter all diesen Aspekten wäre ein Schnelltest vor dem Boarding sicherlich optimal für die Reedereien (und Passagiere), weil das eine hohe Sicherheit bieten würde. Für Tests von Verdachtsfällen gibt es ja schon jetzt Testausrüstung an Bord der Schiffe. Daher denke ich, dass die Reedereien solche Testverfahren sicherlich einsetzen werden, wenn sie praktikabel sind. Aber wie gesagt: Dazu kann ich aktuell nur Vermutungen anstellen.

    Nicht zu vergessen: Auch beispielsweise Gesundheitsbehörden haben ja ein nicht unerhebliches Wörtchen mitzureden. D.h., solche Entscheidungen sind auch keine Entscheidungen eines einzelnen Reederei-Managers, selbst wenn der, was ich in der aktuellen Situation nicht annehme, nur aus rein wirtschaftlichen Überlegungen heraus entscheiden wollte.

  11. Manche Leute verstehen halt nur Strafen.
    Es gehörte gleich vorher informiert das bei Nichteinhaltung der Maskenpflicht eine Strafe von 1.000 Euro fällig ist, die Stewardessen diese Sitzplätze notieren und dann bekommen diese Leute diese Strafe.
    Es mehren sich überall auch in Öffis das manche unbelehrbare auch zum Teil randalieren bis zu körperlichen Übergriffen.
    Nur harte Strafen verstehen solche Leute

  12. Hallo, zusammen!
    So weit, dass wir mit Strafen drohen, Maskensünderknöllchen schreiben und alle Verweigerer von der Polizei abführen lassen, wird wir bei LH zum Glück noch nicht. Natürlich geht es auch mir voll auf den Keks, wenn ich Passagiere erlebe, die ihre Make unter die Nase ziehen oder gar nicht tragen und ich hatte bisher zum Glück nur wenige renitente Fälle in dieser Hinsicht. Die überwältigende Mehrheit der Passagiere hält sich an die Regeln – zum Glück. Und wenn eine große Mehrheit die Vorsichtsmaßnahmen befolgt, hilft dieses auch bei der Eindämmung der Pandemie. Bei Impfungen müssen es ja auch nicht 100% sein, je nach Infektiosität reichen deutlich weniger für die berühmte Herdenimmunität.

    Inzwischen sind einige dieser Superspreading Events gut bekannt. Es handelte sich immer um ausgelassene Feiern. Verlobung, Hochzeit, Religiöse Veranstaltunge, lautes Singen, Tanzen, Enge, keine Masken. All das findet zum Glück im Flugzeug nicht statt. Unsere Klimaanlagen wälzen tatsächlich 30 mal pro Stunde die Luft am, alle zwei Minuten einmal. Inzwischen wird die APU am Flughafen aktiv gelassen, Klimaanlage ist auch beim Einsteigen in Betrieb.

    Alle europäischen Fluggesellschaften fahren nun seit Wochen schon ihren Betrieb langsam wieder hoch, Passagierzahlen gehen wieder in die Hunderttausende. Gäbe es im Luftverkehr eine hohe Infektionsgefahr, würden wir hier auch durch die große Rückverfolgbarkeit etc. bereits deutliche Peaks sehen. Wir sehen aber nichts. Das bestätigt offenbar, dass die Maßnahmen wirken. Das Aussteigen gelingt nach meiner Erfahrung mit der Gruppeneinteilung ganz gut, deutlich gedrängter geht es beim Einsteigen zu. Die Passagierbrücken haben an deutschen Flughäfen leider keine Klimaanlage (was ich seit Jahren bemängele, denn sie verwandeln sich an heißen Sommertagen in Brutkästen), und wenn dort eine Übertragung geschah, dann kann man es nicht der Fluggesellschaft anlasten, aber auch nicht als Infektion außerhalb des Flugzeugs identifizieren. Check-In, Gate, Wartezone, Gepäckband – es gibt viele Orte am Flughafen, wo es auf Abstandhalten ankommt.

    Die zu Beginn häufig gehörte Forderung, man müsse den Mittelplatz frei lassen, erachten alle Verantwortlichen aus nachvollziehbaren Gründen als unpraktikabel. Wer will dafür zahlen, wenn eine Schmalrumpfmaschine mit einem Mittelgang (A320/B737) 33% ihrer Kapazität verliert, Langstreckenmaschinen mit 2-4-2-Bestuhlung aber sogar 50%? Der seitliche Platzgewinn mag bei 50 cm liegen, das war’s. Und wer dieses unbedingt möchte, der kann sich gegen Aufpreis gern einen freien benachbarten Sitzplatz dazu kaufen, wie es z.B. Musiker für Bass oder Cello tun. Ja, das kostet Geld, und jemand muss dafür zahlen.

    Da sich inzwischen alle an Billigfliegen gewöhnt haben, ist kaum zu erwarten, dass sich deutlich höhere Ticketpreise etablieren ließen. Hier kommt man nicht umhin auf eine gewisse Kundenschizophrenie zu verweisen, die man auch bei vielen anderen Produkten und Dienstleistungen beobachten kann: alle sind für Qualität und Fairness, bei Fleisch, Eiern, Gemüse, Textilien etc., aber niemand ist bereit, den Mehrpreis zu leisten. Selbst da wo es bereits geht, bei Lebensmitteln mit hohem Biostandard, funktioniert es nicht. So lange bei allen der anerzogene Geiz so tief sitzt wie zur Zeit, wird sich nichts ändern, in keiner Branche. Wir sollten nicht vergessen, dass unsere Gier nach dem Billigen auch den Ausbruch von Corona wenn nicht ausgelöst, aber doch auch gefördert hat. Wir sprechen hier vom Druck auf Ökosysteme.

    Seit dem Shutdown im März habe ich an insgesamt 10 Tagen etwa 35 bis 40 Flüge durchgeführt innerhalb Europas, und ich kann ehrlich sagen, dass die Sicherheitsmaßnahmen weitestgehend befolgt werden. Sehr wenige Querulanten dürfen uns nicht den Blick aufs Große Ganze verstellen! Inzwischen scheinen Passagiere zu vielen Einschränkungen gern bereit zu sein, wenn nur ein Teil ihres gewohnten Lebens, in diesem Falle eine Urlaubsreise, ermöglicht wird. Jene, die ich wegen Fehlverhaltens zurechtweisen musste, beugten sich schließlich der letzten Warnung durch unseren Kapitän. Später lobten viele andere Passagiere unser konsequentes Durchgreifen.

    Ja, das Tragen der Maske ist nicht angenehm, besonders über längere Zeit. Jedoch darf man diese auch im Zug oder im Flugzeug abnehmen zum Essen und Trinken. Manch einer knabbert nun extra langsam an seinem Brötchen und nippt ewig am Wasser, das ist alles erlaubt und diese kleine Freiheit scheint auch das Infektionsgeschehen nicht negativ zu beeinflussen. Bleiben wir also optimistisch! Beim Arbeiten stört nach meiner Erfahrung die Maske viel mehr als wenn man still im Flugzeug oder der Bahn sitzt. Das ständige Herumrennen, Sprechen, Ansagen, heißer Ofen, die erschwerte Verständigung, alles kein Vergnügen, aber immer noch ein kleiner Preis für das, was wir damit erreichen.

    Viele meiner Kollegen und ich haben nun erlebt, dass die viel besuchten Plätze in Europa jetzt von Menschenmassen befreit sind. Barcelona ohne Ramblas-Stau, Venedig mit klarstem Wasser und Fischen zwischen den Gondeln, während die deutschen Küsten oder der Bayerische Wald ausgebucht sind! Die Hoteliers und Gastronomen waren noch nie so sehr um Kunden bemüht wie gerade jetzt. Und irgendwie spürt man immer, dass Wertschätzung wieder in Mode kommt.

    Auch meine Urlaubspläne sind dieses Jahr geplatzt, denn ich wollte Freude in den USA besuchen. Nun habe ich für die zweite Jahreshälfte 2020 schon drei Flusskreuzfahrten gebucht! Ahoi!

  13. Es wäre einmal an der Zeit Regularien einzuführen. Beruflich bedingt habe ich viel mit Atemmasken zu tun und was mir da so auf den Tisch kommt ist mehr als grauenhaft. Masken deren Atemwiderstand beim Einatmen derart hoch ist, das es absolut verständlich ist, wenn der/die eine oder andere die Maske hin und wieder unter die Nase zieht. Masken deren Filterleistungen so miserabel sind, das sie nicht einmal als Spuckschutz taugen. Ich hatte auch schon Masken vorliegen, deren Materialzusammensetzung selbst schon gesundheitschädlich waren.
    Es wäre doch mal eine Idee einen Standard durch eine Teststelle zu schaffen, die in Zusammenarbeit mit den Fluglinien ein Prüfsiegel für Atemmasken erstellt z.B. FlightLight. Sichtbar an der Maske – Sicherheit für Flieger und Personal und die Garantie leicht atmen zu können – FlightLight ;)

  14. @Ralf: Das wäre ein sehr zu begrüßender Ansatz, in der Tat. Zumindest das Airline-Personal sollte daran eigentlich ein sehr hohes Interesse haben, aber natürlich auch die Passagiere, auch wenn da das Bewusstsein für die Problematik meiner Erfahrung nach immer noch nicht bei allen vorhanden ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.