Florida verweigert weitgehend die Aufnahme von Covid-19-Infizierten von Kreuzfahrtschiffen

Die Lage vor der Küste Floridas spitzt sich dramatisch zu: Die US-Küstenwache will keine Rettungshubschrauber oder Boote mehr für die Evakuierung schwerkranker Passagiere oder Crew-Mitglieder von Kreuzfahrtschiffen schicken. Jedenfalls nicht, wenn sie unter einer anderen als der amerikanischen Flagge fahren, so wie nahezu alle Schiffe, die dort derzeit liegen.

Zahlreiche Kreuzfahrtschiffe liegen in der Region zwischen Südflorida und den Bahamas vor Anker, einige direkt vor Miami Beach. Auf diesen Schiffen sind keine Passagiere mehr an Bord, aber auf einigen gibt es Coronavirus-Fälle bei der Crew.

Die Unternehmenszentralen der meisten dieser Schiffe der Reedereien wie NCL, Carnival oder Royal Caribbean sind zwar in Florida.  Die Schiffe selbst fahren unter der Flagge der Bahamas. Und genau dorthin verweist die US-Küstenwache die Reedereien nun. Man solle erst auf den Bahamas im Hilfe ersuchen. Erst wenn vom Flaggenstaat keine Hilfe möglich sei, solle man sich wieder an die US-Küstenwache wenden.

Zudem spricht die Küstenwache davon, Schiffe mit mehr als 50 Menschen an Bord auf unbestimmte Zeit zu isolieren. Kranke sollten in den Bordhospitälern versorgt werden und Reedereien sollten sich um entsprechende medizinische Ausrüstung du Material kümmern.

Begründet werden die neuen Maßnahmen damit, dass die medizinischen Einrichtungen in Florida zunehmend ausgelastet sind.

Sonderfall Zaandam: Covid-19-infizierte Passagiere an Bord

Die Zaandam (Upd.) mit zahlreichen Covid-19-infizierten Passagieren am 2. April in Fort Lauderdale, wo sie am Nachmittag anlegen durfte. Medienmeldungen zufolge wurden 14 schwerkranke Menschen vom Schiff in Krankenhäuser gebracht.

Die Ausschiffung zu den Heimflügen für 1.211 gesunde Passagiere von der Zaandam und Rotterdam sollen am 3. und 4. April stattfinden. Die Passagiere sollen dafür mit Bussen zu gecharterten Flugzeugen direkt aufs Rollfeld gebracht werden. Die Flüge gehen nach Toronto, Atlanta, San Francisco, Frankfurt und am 4. April nach London.

Acht Passagiere und Crewmitglieder waren zuvor explizit positiv auf Covid-19 getestet worden. Insgesamt zeigen aber laut Holland America Line 97 Passagiere sowie 136 Crewmitglieder entsprechende Symptome. Sie seien an Bord isoliert.

An Bord des Schiffs befinden sich laut Holland America Line 442 Passagiere und 603 Crewmitglieder. Auf der Rotterdam, die nach entsprechenden Gesundheitstests vor Panama einen Teil der Passagiere übernommen hatte, sind 808 Passagiere und 583 Crewmitglieder. Sie ist ebenfalls auf dem Weg nach Fort Lauderdale. Zu den Passagieren beider Schiffe zählen 311 Amerikaner, davon 52 aus Florida.

Die Zaandam fährt unter niederländischer Flagge. Hätte sie Hilfe von ihrem Flaggenstaat anfordern müssen, wären dafür in erreichbarer Nähe lediglich die Karibik-Inseln Bonaire, St. Eustatius und Saba in Frage gekommen. Curacao, Aruba und St. Maarten sind dagegen eigene Staaten und gehören lediglich zu Königreich der Niederlande, sind also nicht Teil des Flaggenstaates Niederlande.

Laut Carnival Corp., der Muttergesellschaft von Holland America Line, hat Mexiko die Evakuierung zweier Patienten verweigert. Bereits zuvor haben auch Peru, Ecuador, Kolumbien, Martinique, Kuba, Guadeloupe und Barbados einen Anlauf der Zaandam in ihren Häfen untersagt.

Zunächst war unklar, ob die Zaandam in Fort Lauderdale überhaupt würde anlegen dürfen. Als Alternative stand im Raum, dass sie vor Südflorida hätte vor Anker gehen und die Covid-19-Patienten hätte an Bord behandeln müssen, solange das möglich ist und nur Schwerstkranke hätte an Land bringen dürfen. So hätten es die neuen Regeln der Behörden vorgesehen. In jedem Fall muss sich Holland America Line wohl um private Rettungswege kümmern, weil die US-Küstenwache den Transport nicht wie sonst üblich durchführt.

Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, hatte grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, die Zaandam anlegen zu lassen und die Erkrankten aufzunehmen. CNN zitiert DeSantis aber auch mit den Worten: „Meine Sorge ist, dass wir so hart daran gearbeitet haben, um sicherzustellen, dass wir im Falle eines Covid-19-Ereignisses genügend Platz in den Krankenhäusern haben, dass wir nicht wollen, dass diese wertvollen Betten wegen des Kreuzfahrtschiffes belegt werden.“ Und weiter: „Wie sind bereit, Bürger Floridas aufzunehmen, die sich an Bord befinden.“

Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch der Bürgermeister von Fort Lauderdale, Dean Trantalis, sagten CNN, dass Menschen, die intensivmedizinische Behandlung benötigten, an Land behandelt werden sollen und man die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen werde.

Coral Princess steuert ebenfalls Fort Lauderdale an

Die Coral Princess steuert derzeit ebenfalls Fort Lauderdale an, wo sie am 4. April ankommen soll. Sie hat ebenfalls noch Passagiere an Bord und meldet Fälle von Erkältungssymptomen. Einige von Ihnen seien positiv auf Influenza getestet worden. Update: Inzwischen wurden auch erste Tests auf Covid-19 vorgenommen. 12 von 13 Proben von Passagieren mit Erkältungssymptomen fielen positiv aus.

An Bord der Coral Princess befinden sich 1.020 Passagiere und 878 Crewmitglieder. Das Schiff kommt aus Südamerika. Die Ausschiffung der Passagiere wurde sowohl von Argentinien in Buenos Aires als auch Brasilien in Rio de Janeiro jeweils kurzfristig verboten, obwohl für die Passagiere sogar konkrete Flugbuchungen nachgewiesen worden waren. In Buenos Aires konnten immerhin einige wenige Passagiere von Bord gehen.

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