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Kreuzfahrthafen Port Everglades

Großer Fortschritt in den USA: CDC veröffentlicht konkrete Details für einen baldigen Neustart der Kreuzfahrt

Die US-Gesundheitsbehörde hat die lange erwarteten und vehement eingeforderten Richtlinien zu Test-Kreuzfahrten definiert. Zudem hat sie die Regeln für reguläre Kreuzfahrten veröffentlicht. Zuletzt hatte die CDC bereits eine Alternative für Kreuzfahrten mit geimpften Passagieren aufgezeigt.

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Aufatmen bei den Kreuzfahrt-Reedereien, die wieder von US-amerikanischen Häfen aus fahren wollen: Die US-Gesundheitsbehörde hat gleich zwei wichtige Dokumente veröffentlicht, die eine relativ schnelle und konkrete Vorbereitung für den Neustart zulassen. Der erhoffte Neustart Mitte Juli bis Anfang August wird damit deutlich realistischer.

Bei den nun veröffentlichten Dokumenten geht es einerseits um konkrete Regeln und Beschränkungen für Passagier-Kreuzfahrten ab US-amerikanischen Häfen und in US-Gewässern.

Zum Problem könnte allerdings noch ein Gesetz in Florida werden, das den Reedereien verbietet, von ihren Passagieren einen Impfnachweis zu verlangen. Bislang haben alle US-Reedereien für ihre Neustart-Kreuzfahrten außerhalb der USA, also in der Karibik und in Europa, eine Impfpflicht angekündigt.

Impfung nicht behördlich vorgeschrieben, aber strikte Maskenpflicht auch im Freien (Update: inzwischen gelockert)

Vollkommen glücklich dürften allerdings weder Reedereien noch Kreuzfahrt-Fans über die CDC-Regeln sein. Für die meisten Diskussionen dürfte die strikte Masken-Pflicht an Bord führen: Selbst beim Sonnenbaden am Pool gilt die Maskenpflicht (zumindest für nicht geimpfte Passagiere) und auch im Restaurant darf die Maske lediglich kurzzeitig unmittelbar zum Essen abgenommen werden (gilt auch für Geimpfte). Immerhin dürften die Passagiere aber ohne Maske zum Schwimmen in den Pool – dort dann mit Mindestabstand zwei Meter.

Update: Die CDC hat die unten aufgeführten Regeln inzwischen deutlich gelockert, sofern 95 Prozent der Passagiere und Crew-Mitglieder geimpft sind. Masken müssen nur noch dort getragen werden, wo Abstände nicht gewährleistet sind und selbst Buffets zur Selbstbedienung sind für Geimpfte nun erlaubt.

Zu den Bedingungen  der CDC für Kreuzfahrten ab US-Häfen im Rahmen der aktuell bis 30. Oktober 2021 befristeten „Conditional Sailing Order“ gehören unter anderem:

  • Covid-19-Labortests vor der Einschiffung nach zuvor genehmigten Verfahren
  • Abstandsregel zwei Meter und entsprechende Bodenmarkierungen in öffentlichen Bereichen
  • strikte Maskenpflicht ausnahmslos überall an Bord auch im Freien mit Ausnahme kurzer Zeiträume beim Essen und Trinken (nicht aber während der gesamten Zeit am Restaurant-Tisch) sowie beim Schwimmen im Pool; Geimpfte müssen im Freien keine Maske tragen.
  • keine Buffets zur Selbstbedienung
  • Essen und Bars in Außenbereichen sowie Room-Service für die Mahlzeiten müssen angeboten werden
  • begrenzte Personenzahl und Abstandsmaßnahmen in allen öffentlichen Bereichen inklusive Fitness-Studio und Pools
  • diverse Vorschriften für die Klimaanlage und Luftzufuhr
  • ursprünglich verpflichtend, später korrigiert zu einer Empfehlung: Landgänge ausschließlich in geschlossen Gruppen (Bubble-Konzept), nicht individuell.

Covid-19-Impfungen für Kreuzfahrt-Passagiere schreibt die Behörde nicht vor, empfiehlt sie aber.

Für Klarheit sorgt die CDC nun auch in Hinblick auf Corona-Tests bei der Einschiffung: Sie akzeptiert sowohl PCR- als auch Antigentests. Vollständig geimpfte Passagiere müssen nicht getestet werden, ebenso genesene – hier allerdings nur aus dem engen Zeitrahmen von 90 Tagen nach Genesung.

Regeln für Test-Kreuzfahrten vor dem eigentlichen Neustart

Andererseits definiert die CDC nun auch die genauen Bedingungen, zu denen die vorgeschriebenen Test-Kreuzfahrten vor dem eigentlichen Neustart stattfinden müssen. Mit diesen Tests sollen die Reedereien der CDC beweisen, dass ihre Infektionsschutzkonzepte funktionieren und praktisch umsetzbar sind. Testfahrten müssen 30 Tage vor Beginn bei der CDC angemeldet werden.

Vorgeschrieben ist – entgegen der ursprünglich strengeren Planung – nur noch mindestens eine Test-Kreuzfahrt je Schiff mit einer Dauer von zwei bis sieben Tagen mit mindestens zehn Prozent der Passagierkapazität. Alle Testpassagiere müssen über 18 Jahre alt und vollständig geimpft sein oder ausdrücklich erklären, dass sie keiner Risikogruppe angehören.

Würden während der Reise 1,5 Prozent der Passagiere oder 1 Prozent der Crew positiv getestet, müsste die Kreuzfahrt abgebrochen werden und der Test wäre gescheitert.

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PCR-Tests werden drei bis fünf Tage nach der Reise durchgeführt. Mindestens 75 Prozent der Passagiere müssen ihre Testergebnisse vorlegen. Sie verpflichten sich auch dazu, das Auftreten von Symptomen bis 14 Tage nach Ende der Reise zu melden.

Nach einer erfolgreichen Test-Kreuzfahrt kann das jeweilige Schiff dann zeitnah von der CDC die Genehmigung für reguläre Kreuzfahrten erhalten.

Alternative zu Test-Kreuzfahrten: 95 Prozent der Passagiere geimpft

Reedereien können die Phase der Test-Kreuzfahrten sogar ganz vermeiden, sofern auf dem jeweiligen Schiff mindestens 95 Prozent der Crew (ursprünglich hatte die CDC hier 98 Prozent verlangt) sowie 95 Prozent der Passagiere vollständig gegen Covid-19 geimpft sind. Inwieweit das auch auf Kinder zutrifft, ist noch unklar. Mit der Impfung der Crew haben Redereien in einigen US-Häfen bereits begonnen.

Florida verbietet Impfnachweis als Bedingung

Für Komplikationen sorgt allerdings der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis. Einerseits hatte er sich vehement für den Neustart der Kreuzfahrt eingesetzt und dafür sogar die Bundesregierung in Washington und die CDC verklagt. Zahlreiche Arbeitsplätze und Unternehmen hängen in Florida an der Kreuzfahrt.

Andererseits verbietet DeSantis allen Behörden, Schulen und Privatunternehmen, die in Florida aktiv sind, von Kunden einen Impfnachweis zu verlangen. Zunächst gilt dies per Verordnung („executive order“), ab 1. Juli tritt ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Rund 40 Prozent der Republikaner-Wähler wollen sich Umfragen zufolge nicht impfen lassen und DeSantis befindet sich offenbar bereits in der Vorbereitung auf seinen Wahlkampf zur Wiederwahl im kommenden Jahr.

Theoretisch könnten Reedereien die Testkreuzfahrten auch ohne Impfnachweis der Freiwilligen durchführen. Allerdings würde dabei das Risiko auf einen Fehlschlag der Tests deutlich steigen und damit wiederum den Neustart gefährden.

Die Alternative der CDC ohne diese vorgeschalteten Tests greift nur bei mindestens 95 Prozent geimpften Passagieren, sodass diese Variante zumindest von den mit Abstand wichtigsten Häfen – Miami, Fort Lauderdale und Port Canaveral – möglicherweise ausscheidet.

Inwieweit Florida allerdings überhaupt die Befugnis hat, die Kreuzfahrt in diesem Punkt zu regulieren, scheint noch unklar zu sein. Die Test-Kreuzfahrten könnten eventuell dennoch mit geimpften Test-Passagieren stattfinden, weil es sich dabei formell möglicherweise nicht um „Kunden“ der Reedereien handelt und die Verordnung darauf nicht anwendbar wäre. Klare juristische Aussagen gibt es dazu bislang aber nicht (Stand: 6. Mai 2021).

Das vorläufige Ende der Verzögerungstaktik der CDC

Eigentlich sollten Kreuzfahrten in den USA theoretisch schon seit 1. November 2020 wieder möglich sein. Doch die US-Gesundheitsbehörde hatte sich monatelang Zeit gelassen, die entsprechenden Ausführungsanweisungen („technical instructions“) zu veröffentlichen, nach denen die Reedereien den Neustart überhaupt erst einmal vorbereiten können.

Am 2. April hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC die Kreuzfahrtindustrie noch zu heftigen Protesten veranlasst, weil sie nach über fünf Monaten Wartezeit erneut keinen wesentlichen Fortschritt in Hinblick auf einen Wiederbeginn der Kreuzfahrt in den USA ermöglicht hatte. Die Bundesstaaten Florida, Alaska und Texas sind seitdem – freilich mit wenig Erfolgsaussichten – sogar gegen die CDC vor Gericht gezogen, um eine Öffnung zu erzwingen.

Nach einigen positiven Signalen in den vergangenen Wochen hat die CDC nun alle vorerst nötigen Informationen und Dokumente veröffentlicht beziehungsweise in einigen wesentlichen Punkten praktikabler gestaltet, damit die Reedereien den Neustart konkret in Angriff nehmen können.

Schwieriger ist die Situation dagegen wieder bei der Crew-Rekrutierung geworden. Durch aktuell sehr hohe Infektionszahlen in einigen typischen Herkunftsländern für Kreuzfahrtschiff-Crew wie etwa Indien oder Brasilien stellen einige Reedereien wie etwa NCL und Royal Caribbean zeitweise niemanden aus solchen Hochinzidenz-Ländern ein oder führen aufwendige Test-, Impf- und Quarantäneprozeduren ein.

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