Kreuzfahrtschiffe in Civitavecchia, Italien

Kreuzfahrt-Neustart in Europa läuft auf Grund

Die Neustart-Phase der Kreuzfahrt in Europa steht vor dem Aus: Angesichts der überall stark steigenden Covid-19-Infektionszahlen sagen die Reedereien immer mehr Reisen ab. Italien steht als Fahrtgebiete auf der Kippe, Griechenland ist im November bereits im Lockdown. Nur die Kanaren sind noch unproblematisch. Von den im Sommer über 25 aktiven Kreuzfahrtschiffen sind aktuell nur weniger als eine Handvoll übrig.

MSC setzt die Neustart-Kreuzfahrten der MSC Magnifica mit Hafenanläufen in Italien, Malta und Griechenland für zunächst gut einen Monat bis einschließlich 17. Dezember aus. Auch TUI Cruises hat die Griechenland-Reisen der Mein Schiff 6 ausgesetzt, führt aber die bevorstehende Reise ab 7. November noch durch. Die Costa Deliziosa war ebenfalls in Griechenland unterwegs und geht nun bis 25. Dezember außer Dienst.

AIDA und Hapag-Lloyd Cruises haben vergangene Woche vorerst das Handtuch geworfen, TUI Cruises die Mein-Schiff-1-Reisen ab Kiel abgesagt. Vielen Reedereien haben im Oktober ihre Sommersaison aber auch ohne äußern Druck beendet, weil es für den Winter kaum eine wirtschaftliche Perspektive gab und Fahrtgebiete in warmen Regionen rar sind.

Die großen Kreuzfahrtschiffe, die derzeit in Europa weiter fahren sollen, sind:

  • Costa Smeralda (Italien)
  • Mein Schiff 2 (Kanaren)
  • Mein Schiff 6 (Griechenland, noch bis 14. November)
  • MSC Grandiosa (Italien, Malta)

Zweiter Neustart wird einfacher

Dennoch ist der Neustart in Europa im Sommer eine kleine Erfolgsgeschichte für die Kreuzfahrt. Denn die Infektionsschutz-Konzepte haben sich weitgehend bewährt, Vereinbarungen mit den Behörden stehen und dürften auch für eine künftige Neustart-Phase weiter gelten. Sobald die Infektionszahlen dies wieder zulassen, dürfte ein zweiter Neustart deutlich leichter fallen und deutlich schneller gehen als im Sommer.

MSC will die MSC Magnifica am 18. Dezember wieder in Dienst stellen und die aktuelle Mittelmeer-Route bis April 2021 fortsetzen, nachdem die mit dem Schiff geplante Weltreise ab Januar nun abgesagt ist. Auch für die MSC Grandiosa plant MSC die aktuelle Reiseroute vorerst bis März 2021. AIDA und Hapag-Lloyd Cruises hoffen, die Reisen zum Ende der Deutschland-Lockdowns im Dezember wieder aufnehmen zu können.

Auch für die Neuanfänge in den USA hat Europa die Maßstäbe definiert, auch wenn der Branchenverband Clia die Kreuzfahrt-Pause für die USA zuletzt bis Ende 2020 verlängert hat, nachdem die US-Gesundheitsbehörde CDC sehr strenge Anforderungen und Auflagen für den Neustart dort definiert hat.

Liste der jüngsten Kreuzfahrt-Absagen

MSC gab am 5. November bekannt, die Neustart-Kreuzfahrten der MSC Magnifica mit Hafenanläufen in Italien, Malta und Griechenland auszusetzen. Die zehntägige Fahrtroute der MSC Magnifica mit Hauptstarthafen Genua beinhaltet neben italienischen Häfen auch Valletta auf Malta sowie Katakolon und Piräus in Griechenland. Die MSC Magnifica war seit 19. Oktober wieder in Dienst.

AIDA und Hapag-Lloyd Cruises hatten bereits nach Bekanntgabe des neuerlichen Deutschland-Lockdowns für November ihre Kreuzfahrten abgesagt – auch für die Kanaren.

TUI Cruises musste die Reisen der Mein Schiff 1 kurzfristig absagen, nachdem die Behörden in Schleswig-Holstein ihr ursprüngliches Okay zurückgezogen hatten. Am 6. November folgte die Absage von drei Griechenland-Reisen der Mein Schiff 6 ab Starttermin 14. November.

Costa sagt ebenfalls am 6. November die Italien-Griechenland-Kreuzfahrten der Costa Deliziosa ab und nimmt den Betrieb des Schiffs nach aktueller Planung erst wieder zum 26. Dezember auf, dann auf einer Fahrtroute mit ausschließlich italienischen Häfen.

Als letzte große Reederei hat MSC am 5. November auch die für Anfang 2021 geplante Weltreise der MSC Magnifica abgesagt. Andere Reedereien hatten Weltreisen für Anfang 2021 bereits Wochen zuvor gecancellt.

Lockdown in Griechenland für November

Griechenland hat ab 3. November für zunächst 14 Tage einen kompletten Lockdown für die Thessaloniki verhängt und dort den Flughafen dort geschlossen. Aber auch in der Präfektur Attika, in der auch die Hauptstadt Athen liegt, sind seit 3. November auch Gaststätten, Bars und Museen geschlossen.

Die Infektionszahlen steigen in Griechenland aber landesweit stark an. Deshalb gab die Regierung am Mittwoch einen landesweiten Lockdown ab 7. November für die Dauer von drei Wochen bekannt. Zu den Maßnahmen gehören eine strikte Ausgangssperre und ein Reiseverbot zwischen verschiedenen Regionen Griechenlands.

Starke Einschränkungen in vielen Regionen Italiens

In Italien enthält das neueste, seit 5. November gültige Covid-19-Dekret der Regierung zwar nicht das ursprünglich vorgesehene Kreuzfahrt-Verbot. Jedoch gelten für viele Landesteile nun unter anderem auch Ausgangssperren oder deutliche Reisebeschränkungen. Die Infektionszahlen steigen stark an.

Kanaren-Kreuzfahrten von TUI Cruises

Einzig die Kanarischen Inseln sind aktuell als Fahrtgebiet noch unproblematisch. Die Kanaren sind vom Robert-Koch-Institut nicht als Risikogebiet eingestuft. Entsprechend will TUI Cruises am 6. November von dort aus Kreuzfahrten mit der Mein Schiff 2 starten. Die Passagiere werden mit Charterflugzeugen eingeflogen.

Costa und MSC halten an Italien-Kreuzfahrten fest

Trotz der stark steigenden Zahlen und immer schärferen Infektionsschutz-Maßnahmen in Italien halten MSC und Costa vorerst an ihren Kreuzfahrten dort fest.

MSC fährt mit der MSC Grandiosa auf Sieben-Nächte-Reisen lediglich italienische Häfen sowie Valletta auf Malta an. Das Kreuzfahrtschiff ist bereits seit 16. August wieder aktiv. Dafür will MSC die Infektionsschutzmaßnahmen an Bord noch weiter hochfahren und beispielsweise die Passagiere auch während der Kreuzfahrt ein zweites Mal auf Covid-19 testen sowie die Crew nun wöchentlich.

Die Costa Smeralda fährt sogar ausschließlich zu italienischen Häfen. Costa hatte zuletzt bereits die Zahl der Schiffe von drei auf zwei reduziert und die Costa Diadema außer Betrieb genommen.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Kreuzfahrt-Neustart in Europa läuft auf Grund

  1. Der zweite Test für alle Passagiere ( am ersten Seetag deswegen die Routenänderung) läuft auf der Grandiosa schon mindestens die dritte Woche. Die Crew welche Umgang mit Passagieren hat wird die Woche, nach eigener Aussage, mindestens zweimal getestet.

    Gruß von der Grandiosa

  2. @lioclio: Der jetzt “neu” eingeführte, zweite Test soll zur Mitte der Reise stattfinden, bislang hing das glaube ich mit den italienischen Gesetzen bzgl. Malta zusammen (?). Jetzt wird es halt als Standard definiert und dann ggfs. auch auf andere Schiffe übertragen, wenn die wieder fahren. Es ist wohl ein wenig der Versuch, Stärke und Kontrolle in einer Zeit zu demonstrieren, in der das Risiko einfach steigt, weil die Zahl an an Land überall so stark steigen … Schöne Reise weiterhin!

  3. Test zur Mitte der Reise, genau dass stand gestern auf meiner verpflichtenden „Einladung „.
    Am Anfang hieß es tatsächlich mal das dieser zweite Test nur für Paxe mit Ausflug auf Malta verpflichtend wäre. Lang her.

  4. Dann hat MSC das offenbar schon vorweggenommen, was sie jetzt erst ankündigen. Wäre spannend zu wissen, ob und ggfs. wie viele Passagiere diesem zweiten Test dann “zum Opfer fallen”, sprich: positiv sind und in Isolation müssen (und auch deren Kontaktpersonen). Aber das wird sich MSC vermutlich sehr, sehr bedeckt halten mit Informationen ;-)

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