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Trends in der Kreuzfahrt 2021

Kreuzfahrt-Trends im Corona-Jahr 2021 und danach

Im Frühjahr 2021 stehen die Signale in der Kreuzfahrt auf Aufbruch. Die Reedereien werden für den Neustart in der Corona-Krise kreativ. Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Trends und versuchen eine Einschätzung, welche Neuerungen und Veränderungen auch für die Zeit nach der Pandemie attraktiv bleiben könnten.

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Die Corona-Pandemie verändert die Kreuzfahrt gerade grundlegend: ungewöhnliche Basishäfen, neue Fahrtrouten, längere Reisen, mehr Seetage, No-Fly-Cruises. Ob aus solchen Notlösungen dauerhafte Trends werden, muss sich noch zeigen. Doch einige der Ideen, die sich aktuell abzeichnen, könnten sich durchaus auch nach der Pandemie durchzusetzen.

Der weitgehende Stillstand der Kreuzfahrt seit Ende März 2020 hat aber auch einen bislang weitgehend verborgenen Effekt, der sich erst nach dem Neustart wieder zeigen wird: Statt alle Ressourcen in den rasanten und boomenden Alltag zu stecken, hatten und haben die Reedereien auch viel Zeit für neue Projekte und Ideen, können gewohnte Routinen hinterfragen und sich intensiver den strategischen Aspekten widmen.

Die Trends, die sich jetzt schon deutlich abzeichnen, sind mutmaßlich nur Vorboten für viele Veränderungen und Innovationen in der Kreuzfahrt-Branche, die jetzt während der Pandemie entstehen oder sich viel schneller entwickeln, als das zuvor möglich oder nötig war. Für Kreuzfahrt-Fans werden das spannende Zeiten.

Regional und national begrenzte Fahrtgebiete

Für den Sommer 2021 ist schon jetzt klar: Kreuzfahrten werden sich erst einmal auf eingeschränkte Fahrtgebiete begrenzen, so wie sie im Winter auf den Kanaren oder in Italien bereits funktioniert haben, ebenso in Taiwan, Singapur, China und Australien. Weniger beteiligte Länder und Behörden bedeutet weniger Risiko in Hinblick auf kurzfristige Änderungen. Und so beginnt im Sommer 2021 beispielsweise die Kreuzfahrt in Großbritannien zwar in recht großem Umfang, aber limitiert auf britische Passagiere und britische Häfen.

Länderübergreifende Routen werden nach und nach hinzukommen, mutmaßlich aber auch immer wieder mit Rückschlägen und Veränderungen zu kämpfen haben. Das ist ein Trend, auf den sich Kreuzfahrt-Urlauber zumindest im Pandemie-Jahr 2021 einstellen müssen, der aber für die Zeit danach sicherlich keinen Bestand haben wird.

„Blaue Reisen“ – Kreuzfahrten ohne Hafenstopps

Die Bezeichnung als „Blaue Reisen“ hat TUI Cruises erfunden, aber das aus der Not geborene Konzept haben natürlich auch andere übernommen: Kreuzfahrten ohne Hafenstopps, oder mit vielen Seetagen und nur wenigen Hafenstopps. Wenn Norwegen keine Touristen ins Land oder an Land lässt, warum nicht die Fjorde vom Schiff aus bewundern? Warum nicht einfach mal zum Sonnenuntergang in die Kaldera von Santorini und das orange-rote Abendlicht auf den leuchtend weißen Häusern der griechischen Insel vom Wasser aus mit einem Glas Sekt in der Hand genießen?

Blick auf Santorins Hauptinsel Thira
Ohne Landgang: Blick auf Santorins Hauptinsel Thira kurz vor Sonnenuntergang

Was zu Beginn der Kreuzfahrten im Sommer 2020 funktioniert hat, kehrt teilweise auch im Sommer 2021 wieder zurück. Beim Neustart in Großbritannien stehen einige solche Kreuzfahrten ohne Hafenstopps am Programm und für den erhofften Wiederbeginn von deutschen Häfen aus wird das ebenfalls wieder eine Option sein, wenn beispielsweise Norwegen seine Häfen weiter geschlossen hält.

Ist das ein Trend, der nach der Pandemie erhalten bleibt? Dass etwas weniger Hafenstopps und dafür zusätzliche Erholungstage ohne Landgang recht reizvoll sein können, haben viele jetzt Passagiere erlebt. Kreuzfahrten mit weniger und dafür längeren Hafenstopps, mehr Seetagen und weniger „jeden Tag ein anderer Hafen“-Stress tauchen daher in Zukunft vielleicht öfter in den Katalogen der Reedereien auftauchen.

No-fly-Cruises: Reisen zu fernen Zielen ohne Flug

„Warum gab es so etwas nicht schon früher?“, werden sich einige fragen, wenn sie die Südamerika- und Antarktis-Kreuzfahrt von Plantours ab 19. Oktober 2021 sehen – mit der Hamburg, von Hamburg aus. Ein wenig Zeit müssen die Passagiere dafür freilich mitbringen: 64 Tage bis in die Antarktis mit Zielhafen Ushuaia. Auf dieser Strecke sparen sich die Passagiere zumindest einen von zwei sonst für die Antarktis nötigen Langstreckenflügen. Wer wieder mit der Hamburg auch wieder zurück nach Europa fährt, kommt am 19. Februar 2022 in Lissabon an.

Eine ähnliche Idee hatte TUI Cruises schon für Weihnachten und Silvester 2020 entwickelt: Von Deutschland aus in die Karibik und zurück mit mehrtägigem Landgang auf einer Privatinsel. Letztlich wurde daraus nichts, die Reise musste wegen des Weihnachts-Lockdowns in Deutschland kurzfristig abgesagt werden. Aber die Idee hatten so viele Passagiere gut gefunden, dass diese Reise sehr schnell ausgebucht gewesen war.

Eine grundsätzlich sehr reizvolle Idee, allerdings eher aus Sicht des US-amerikanischen Publikums interessant, ist die 24tägige Kreuzfahrt der Nieuw Statendam im August 2022. Sie erkundet von Boston aus Island intensiv und hat Häfen wie Reykjavík, Djúpivogur, Seydisfjörur, Akureyri, Isafjörour und Grundarfjörour auf dem Programm.

Notwendiges Übel: Warum nicht auch mal ohne Fluganreise auf Kreuzfahrt?
Notwendiges Übel: Warum nicht auch mal ohne Fluganreise auf Kreuzfahrt?

„No-fly-Cruises“ ist der Trend, der hinter solchen Kreuzfahrten steckt: Ferne Ziele ansteuern, ohne dafür ins Flugzeug steigen zu müssen. Bei den vielfältigen und günstigen Flugverbindungen vor der Pandemie war es wenig verlockend, lange Strecken übers offene Meer in Kauf zu nehmen, wenn man das gleiche Ziel mit dem Flugzeug in wenigen Stunden erreichen konnte.

Jetzt ist alles anders: Das Schiff dient als zuverlässiges und komfortables Zuhause, ohne mehrfach umsteigen zu müssen und zu riskieren, dass neue Reisebeschränkungen die Reise kurzfristig zunichtemachen. Und wer etwas mehr Zeit hat, wird den Gedanken auch nach der Pandemie reizvoll finden, die gerade gewonnene Erholung nicht wieder durch einen Langstreckenflug auf dem Weg nach Hause zunichte zu machen.

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Auch Weltreisen stehen für 2022 und 2023 übrigens hoch im Kurs: Einige sind bereits ausgebucht, die Nachfrage ist enorm. Neue Kreuzfahrtkonzepte mit recht langer Reisedauer sind hinzugekommen, beispielsweise die Grand Cruises bei Costa – 50tägige Kreuzfahrten von Genua nach Buenos Aires und umgekehrt. 

Neue Basishäfen: St. Maarten, Bahamas, Bermudas, Zypern …

Aus der Not heraus geboren ist der aktuelle Trend, Kreuzfahrtschiffe von Häfen aus starten zu lassen, die vor der Pandemie typischerweise nicht als Basishäfen dienten. US-Reedereien leiden unter der restriktiven Politik der Gesundheitsbehörde CDC, die faktisch keine Kreuzfahrten von US-Häfen aus zulässt. Das verhindert vor allem Karibik-Kreuzfahrten von Florida aus.

Also werden die Reedereien kreativ und etablieren für einzelne Schiffe neue Basishäfen, beispielsweise St. Maarten auf den niederländischen Antillen, Nassau auf der Bahamas-Insel New Providence, Bridgetown auf Barbados  oder auch die Bermudas sind per Flugzeug von den USA aus gut zu erreichen und liegen außerhalb des Einflussbereichs der CDC.

Nassau, Bahamas: Warum nicht öfter auch mal als Basishafen statt nur Zwischenstopp?
Nassau, Bahamas: Warum nicht öfter auch mal als Basishafen statt nur Zwischenstopp?

In Europa locken stark vom Tourismus abhängige Länder wie Griechenland, aber auch Zypern mit attraktiven Konditionen die Reedereien. Und so starten im Sommer 2021 wohl auch im Mittelmeer Kreuzfahrtschiffe von Häfen, die zuvor nicht oder zumindest von US-Reedereien nicht typischerweise als Basishafen genutzt wurden.

Vorteil für Karibik-Inseln

Was die angestammten Häfen wie etwa Miami, Fort Lauderdale oder Port Canaveral in Florida in Alarmstimmung versetzt, freut die Profiteure dieser Entwicklung auf den Inseln der Karibik, Bahamas und Bermudas, die sich auf diese Weise dringend benötigte Tourismus-Dollars in die lokale Wirtschaft holen.

Zugleich erhoffen sie sich, durch ihre Reederei-freundliche Politik gute Beziehungen auch für die Zukunft aufzubauen und sich gegenüber den Reedereien als verlässliche Partner in der Krise zu präsentieren. Das könnte ihnen auch langfristig mehr Kreuzfahrt-Tourismus einbringen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird wohl erst die Zeit nach Covid-19 zeigen.

Digitalisierung: von Contact Tracing zu personalisiertem Service

Reedereien, die ihre Neubauten in den vergangenen Jahren mit umfassender Digitaltechnik ausgestattet oder ältere Schiffe nachgerüstet haben, profitieren von dieser Investition während der Pandemie. Entsprechend schnell schreitet die Digitalisierung auch an Bord vieler anderer Kreuzfahrtschiffe gerade voran.

Was als Technik zu einem möglichst genauen Orten von Passagieren an Bord und für individuelle Services gedacht war, bringt nun große Vorteile bei der Kontakt-Nachverfolgung.

Beispielsweise hat MSC seine neuesten Kreuzfahrtschiffe seit der MSC Meraviglia mit Tausenden von kleinen Geräten auf Basis von NFC, Bluetooth und Wlan ausgestattet, darunter rund 700 Wlan-Hotspots, über 350 interaktive Displays, über 3.000 Bluetooth-Beacons sowie Türschlösser auf NFC-Funktechnik.

Princess Cruises hat die meisten Schiffe der Flotte mit der Ocean-Medallion-Technik aus- oder nachgerüstet, mit deren Ortungstechnik die Passagiere sogar ihre Kabinentür berührungsfrei entriegeln oder Bargetränke an beliebige Orte am Schiff bestellen.

Balkon-Kabine A116, Deck 12
Ocean Medallion: automatisches Öffnen der Kabinentür

Royal Caribbean setzt auf der Quantum of the Seas in Singapur Videoüberwachung mit Gesichts- und Personenerkennung in Kombination mit Tracking-Armbändern ein und hat alle Schiffe der Quantum-Class von Anfang an mit umfangreicher Smart-Ship-Technik ausgerüstet.

Was die Kontakt-Nachverfolgung in der Corona-Pandemie sehr nützlich ist, wird aber eben auch danach viele Vorteile bringen. Die Möglichkeiten reichen von personalisierten und sogar verhaltensbasierten Angeboten und Rabatten in Bordshops, bei Ausflügen oder Show-Reservierungen bis zu ortsabhängige Services wie Pizza- oder Getränkebestellungen direkt an die Sonnenliege am Pool.

Bessere Verteilung der Menschen am Schiff schafft mehr individuellen Freiraum

Für die Reedereien sehr interessant sind aber auch „Crowd Control“-Möglichkeiten, die sich aus den Echtzeit-Daten des Aufenthaltsortes der Passagiere und in Kombination mit Informationen über Gewohnheiten und Vorlieben ergeben. Denn damit lässt sich eine gleichmäßige Verteilung der Passagiere über die verschiedenen Einrichtungen an Bord aktiv steuern.

Zugleich lassen sich mit Hilfe der vielen, gesammelten Daten mit sogenannter künstlicher Intelligenz auch Prognosen erstellen. Beispielweise: Wie viele Menschen werden sich unter welchen Bedingungen zu welchen Zeiten wo aufhalten? Beobachtet das System beispielsweise häufig einen zu bestimmten Zeiten großen Andrang in den Shops, könnten künftig zusätzliche Verkaufstische am Pool für Entlastung sorgen. Wird ein hoher Belegungsgrad der Sonnenliegen am Hauptpool prognostiziert, lockt vielleicht ein Livemusik-Act oder eine Kurz-Show im Atrium mehr Passagiere dorthin.

Insgesamt vermittelt eine solche aktive Steuerung der Menschen vor allem auf sehr großen Schiffen das Gefühl, mit eigentlich viel weniger Menschen unterwegs zu sein, weil durch gleichmäßige Verteilung der Passagiere überall am Schiff eine weniger volle, viel individuellere Atmosphäre entsteht. Bei künftigen Kreuzfahrtschiff-Neubauten können mehr Passagierkabinen eingeplant werden, wenn trotz zusätzlicher Menschen nicht das Gefühl entsteht, es sei voller.

Corona-Impfung und Tests vor der Kreuzfahrt: ab sofort dauerhaft?

Der derzeit offensichtlichste Trend wird aber wohl der am wenigsten beständige sein: Corona-Tests und Impfpflichten vor Kreuzfahrten.

In Deutschland und Kontinental-Europa ist eine Impf-Pflicht aufgrund der noch recht niedrigen Impfquote ohnehin für den Sommer und wohl auch Herbst 2021 nicht durchsetzbar oder wirtschaftlich sinnvoll. Ob sich das im Spätherbst oder Winter ändert, muss sich noch zeigen. Für US-Reedereien und in Großbritannien hält die Impfpflicht dagegen gerade Einzug in die Kreuzfahrt.

Corona-Test
Corona-Test vor der Einschiffung: Auf diesen „Trend“ wird in Zukunft jeder gerne wieder verzichten.

Geht es nach den Reedereien, soll die Impfpflicht möglichst bald wieder verschwinden oder erst gar nicht eingeführt werden. NCL-Europachef Kevin Bubolz erklärt kürzlich im cruisetricks.de-Interview: „Ich glaube nicht, dass es langfristig der Standard wird.“ Das Ziel sei es, baldmöglichst zurück zur Normalität zu gelangen, und „Normalität bedeutet, dass man solche Vorschriften nicht machen muss.“

So wie in der einen oder anderen Umsetzung das Impfthema, werden auch die lästigen und teuren PCR- und Antigen-Tests ein notwendiges Übel bleiben, solange die Pandemie anhält – aber eben auch nicht darüber hinaus.

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Tatsächlich liegt nahe, dass nach Abklingen der Corona-Pandemie keine Impfpflicht mehr bestehen wird, so wie auch davor schon nirgendwo eine Impfung etwa gegen Influenza verlangt wurde, obwohl ein überall in der Gesellschaft auch an Land ein latentes Ansteckungsrisiko besteht.

Wann es allerdings soweit sein wird, dass man auf einen Impfnachweis und negatives Coronatest-Ergebnis verzichten kann, ist aktuell nicht abschätzbar.

2 Kommentare

2 Gedanken zu „Kreuzfahrt-Trends im Corona-Jahr 2021 und danach“

  1. Hallo Franz!
    Ich hätte die Frage wie sieht es jetzt in der Coronazeit mit den Gehältern an Bord der Schiffe aus?
    Bekommen deutsche Crewmitglieder auch Kurzarbeitgeld wenn das Schiff nicht fährt und sie dadurch weniger arbeiten? Und wie sieht es mit den meist asiatischen Mitarbeitern aus wo die Schiffe meist nicht fahren und wenn dann oft nur zu einem Drittel mit Passagieren belegt.
    Bekommen die dann auch nur ein Drittel des Trinkgeldes?
    Ich sprach auf einem RCCL mit meinem Kabinensteward und er sagte mir er bekommt nur das Trinkgeld und kein Fixum.
    Alleine durch die Tatsache das die Schiffe meist nur zu einem Drittel belegt sind ist das eine drohende Armutsfalle für diese Mitarbeiter.

  2. @Hans: Um ehrlich zu sein, habe ich da keine gesicherten Informationen, zumal das Thema „Trinkgeld“/“Servicegebühr“ auch nicht bei allen Reedereien gleich geregelt ist und es womöglich sogar Unterschiede in den Arbeitsverträgen je nach Job an Bord geben könnte. Wovon ich aber ausgehe ist, dass es so etwas wie „Kurzarbeitergeld“ für Crew-Mitglieder nicht gibt – das sind ja keine Arbeitsverträge nach deutschem Arbeits- und Sozialrecht. Besatzung (mit ganz wenigen wie z.B. Kapitän) sind ja nicht in einem Dauerarbeitsverhältnis, sondern haben zeitlich befristete Verträge für eine gewisse Anzahl von Monaten. Und wenn das Schiff nicht fährt, haben sie auch keinen Vertrag. Kurz: An dieses Thema mit deutschen Gewerkschafts-/Arbeitsrecht-/Mindestlohn-/Urlaubsgesetz-7Kurzarbeitergeld-Denkweise heranzugehen, macht da keinen großen Sinn ;-)

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