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Corona-Impfung für Kreuzfahrten (Bilder: Meyer Werft, Alachua County)

Meinung: Mit Corona-Impfung bald wieder auf Kreuzfahrt?

Mit Saga verlangt nun die erste Kreuzfahrt-Reederei von allen Passagieren eine Corona-Impfung. Nur vollständig geimpfte Passagiere dürfen aufs Schiff. Wird das der neue Standard in der Kreuzfahrt? Ich habe die aktuell bekannten Fakten zu diesem Thema zusammengestellt und trage ein paar eigene Überlegungen bei.

Die britische Reederei Saga hat eine Zielgruppe mit besonders hohem Altersdurchschnitt und entsprechend vielen Passagieren in Risikozielgruppen. Da liegt eine Impfpflicht nahe. Update: American Queen Steamboat Company (Fluss) und Victory Cruise Lines verlangen ab 1. Juli 2021 von Passagieren und Crew eine Impfung. Kann das auch ein Modell für andere Reedereien, um bald wieder in größerem Umfang mit Kreuzfahrten starten zu können?

Hinweis: Im Beitrag „Regeln der Kreuzfahrt-Reedereien zur Corona-Impfung“ finden Sie eine ständig aktualisierte Übersicht zu Impfpflichten bei Kreuzfahrtreedereien.

Wirtschaftlich stellt sich für die Reedereien zunächst die Frage: Sind zum Zeitpunkt des Neubeginns bereits so vielen Menschen geimpft, dass die Reedereien genügend Kunden finden? Wesentlich wird für die Reedereien dabei auch sein, aus welchen Quellmärkten ihre Passagiere stammen. AIDA, TUI Cruises, Hapag-Lloyd Cruises, Nicko Cruises, Plantours oder Phoenix werden sich mit überwiegend deutschem Publikum leichter tun. Bei Saga kommen die Passagiere fast ausschließlich aus Großbritannien.

Deutlich komplexer ist die Frage, inwieweit eine Pflicht zur Corona-Impfung überhaupt einen zusätzlichen Nutzen für die Kreuzfahrt bringt.

Wissensstand zu den aktuellen Impfstoffen

Wichtig ist zunächst ein Blick auf das, was über die derzeitigen Impfstoffe bekannt ist – und was nicht. Das Robert-Koch-Institut liefert dazu klare Informationen (Stand 19. Januar 2021):

„ … einige geimpfte Personen bleiben ungeschützt“, schreibt das RKI. Eine absolute Sicherheit bringt die Impfung also nicht. Das müsste bedeuten, dass weitere Infektionsschutzmaßnahmen wie bisher aufrecht erhalten bleiben – bei zugleich einer mutmaßlich sinkenden Akzeptanz und Disziplin.

„Zudem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit dem Erreger SARS-CoV-2 beziehungsweise vor einer Übertragung des Erregers auf andere Personen schützt“, schreibt das RKI weiter. Nur eine – wie Fachleute es nennen – sterilisierende Immunisierung würde dazu führen, dass geimpfte Personen andere nicht anstecken können. Derzeit scheint das aber nicht der Fall zu sein. Immerhin reduziert sich das Ansteckungsrisiko durch Geimpfte wahrscheinlich. Erste Anzeichen dafür gibt es beim Impfstoff von Astra-Zeneca, positive Signale aus Tierversuchen auch bei Biontech-Pfizer.

Eine Unsicherheitsfaktor ist weiterhin, ob oder wie gut die Impfungen auch vor zukünftigen Mutationen schützt. Bei den aktuellen Mutationen aus Großbritannien, mit Abstrichen auch Südafrika und Brasilien, gehen Experten im Moment davon aus, dass die Impfstoffe wirksam bleiben. Die Schwierigkeit dabei ist, dass sich neue, problematische Virus-Mutationen einige Zeit lang unentdeckt verbreiten, also trotz Impfung für Ansteckungen sorgen würden.

Eher mittel- bis langfristig: Bislang gibt es keine Erkenntnisse, wie lange die Immunität durch die aktuellen Impfstoffe anhält. Aber das ist eine Frage, die für den Neustart der Kreuzfahrt in den kommenden Monaten zunächst keine Rolle spielen wird. Und es gibt ermutigende Erkenntnisse, dass die Impfung sogar sehr lange anhalten könnte.

Wie viel bringt die Corona-Impfung für die Kreuzfahrt?

Eine Impfpflicht für Kreuzfahrt-Passagiere würde verhindern, dass es an Bord zu Erkrankungen kommt. Bis auf weiteres muss man aber davon ausgehen, dass die Impfung nicht die Weiterverbreitung des Coronavirus‘ unterbindet. Das hätte einige wesentliche Folgen:

Maskenpflicht, Abstandsregeln, Coronatest vor der Reise und andere Hygienemaßnahmen müssten vorerst bestehen bleiben.

Verhindert die Impfung gegen den Cov-Sars-2-Erreger die Weiterverbreitung durch geimpfte Personen nicht, müssten weiterhin geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um diese Verbreitung so weit wie möglich zu unterbinden, um Kontaktpersonen – sei es bei Landgängen oder nach der Rückkehr zu Hause – zu schützen.

Sind keine schweren Erkrankungen an Bord zu befürchten, werden manche Länder und Häfen weniger restriktiv mit der Kreuzfahrt umgehen.

Jedenfalls war einer der Gründe für Hafensperrungen und Anlaufverbote zu Beginn der Pandemie die Sorge, dass eine große Zahl Kranker von den Schiffen das lokale Gesundheitssystem überlasten könnte und für die lokale Bevölkerung nicht mehr ausreichend Betten zur Verfügung stehen könnten. In Südamerika, aber auch in Florida war das ein erhebliches Problem.

Wenig oder nichts ändern würde die Impfung nach aktuellem Stand aber an dem Risiko, das Kreuzfahrt-Passagiere das Virus an Land tragen und dort verbreiten.

Inwieweit die betreffenden Länder dieses Risiko eingehen werden, wird sicherlich auch von der wirtschaftlichen Situation und der Abhängigkeit von den Tourismus-Einnahmen abhängen. Erste Länder wie beispielsweise die Seychellen wollen die Quarantänepflicht für Geimpfte aufheben.

Auftretende Infektionen wären der Kreuzfahrt kaum oder gar nicht mehr zuzurechnen.

Da bei den geimpften Kreuzfahrtpassagieren keine Erkrankung auftritt, bleibt eine potenzielle Verbreitung des Virus an Bord und eine anschließende Weiterverbreitung an teils nicht infizierte Personen zu Hause unbemerkt. Eine Kreuzfahrt ließe sich als Ursprung einer Infektionskette kaum zurückverfolgen. Das hätte zur Folge, dass sich Kreuzfahrt-Reedereien mangels Nachweis und Nachverfolgbarkeit genau so leicht herausreden könnten, wie die Airlines das derzeit bereits jetzt tun, wo – abgesehen von Langstreckenflügen – der Flug als Infektionsquelle nicht identifizierbar ist. Die Behauptung, es fänden keine Infektionen statt, wäre nicht widerlegbar.

Entscheidend wäre also, dass die Reedereien – freiwillig oder durch gesetzliche Regelungen gezwungen – die bisherigen Hygienekonzepte mit Coronatests, Maskenpflicht, Abstand und weiteren Maßnahmen aufrecht erhalten. Gegebenenfalls sind Lockerungen vorstellbar, sobald es konkretere Erkenntnisse zum Verbreitungs- und Übertragungsrisiko durch geimpften Personen gibt.

Die größte Herausforderung könnte die Akzeptanz der Maßnahmen und die Disziplin und Kooperationsbereitschaft der geimpften Passagiere werden.

Schließlich müsste man die Coronaregeln fast ausschließlich aus Rücksicht gegenüber anderen beachten. Dabei dürfte vielen eine strikte Disziplin schwerfallen.

Allerdings ist das keine Besonderheit der Kreuzfahrt. Die Gefahr eines falschen Sicherheitsgefühls und egoistischen Verhaltens wird die Impfung auch an Land hervorrufen. An Land sind Schutzmaßnahmen sogar deutlich schwieriger durchzusetzen als am Kreuzfahrtschiff. Das zeigt die Erfahrung mit den gut funktionierenden Infektionsschutzkonzepten der Reedereien seit Sommer 2020.

Kreuzfahrt nicht isoliert betrachten

Entscheidend aber ist, wie bisher auch schon, die Kreuzfahrt nicht isoliert zu betrachten, sondern in Relation zu den Gegebenheiten an Land. Denn auch an Land ist eine absolute Sicherheit nicht gewährleistet. Es wäre also Unsinn, selbige von Kreuzfahrtreedereien – oder generell Reiseunternehmen – zu fordern oder zu erwarten.

Seit Sommer 2020 haben die Kreuzfahrt-Reedereien bewiesen, dass ihre Hygienekonzepte wirken, wenn sie konsequenter und weitergehender sind als die Maßnahmen an Land. Alle Passagiere werden einem Coronatest unterzogen, Abstände gewährleistet, Maskenpflicht strenger gehandhabt als an Land. Die große Disziplin der Passagiere tut ein Übriges.

Sind Restaurants, Kinos, Fitness-Studios, Theater an Land für Geimpfte wieder geöffnet, spricht nichts dagegen, dies am Kreuzfahrtschiff genauso zu handhaben und durch ein vergleichbares Hygienekonzept wie bisher zu ergänzen. Der Effekt ist eine relative Sicherheit: Das Risiko ist geringer als an Land. Mehr braucht es eigentlich nicht als Voraussetzung, dass Kreuzfahrten stattfinden können.

Was aber, wenn es an Land beim Lockdown bleibt, Geimpfte keine Lockerungen im Vergleich zu nicht Geimpften bekommen? Dann wird es – so wie aktuell auch – von der Infektionslage und den damit zusammenhängenden Rahmenbedingungen abhängen, ob Kreuzfahrten möglich sind.

Wie plant Saga, die Impfpflicht umzusetzen?

Alle Augen sind nun erst einmal auf Saga gerichtet, die als erste Kreuzfahrt-Reederei eine Corona-Impfung für ihre Kreuzfahrten zur Voraussetzung machen. Saga schreibt auf der Website: „ Alle Gäste müssen ihre vollständige COVID-19-Impfung mindestens 14 Tage vor der Reise erhalten haben. (…) Wir haben die Entscheidung getroffen, einem Gast nicht zu erlauben, mit uns zu reisen, wenn er sich entscheidet, den Impfstoff nicht zu erhalten. Die Mehrheit unserer Gäste fällt in die Altersgruppe der Risikogruppen und unsere Priorität ist ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden.“

Für die Kreuzfahrten im Mai und Juni 2021 sieht Saga vorerst weiterhin einen Corona-Schnelltest bei der Einschiffung vor. An Bord ist die Passagierzahl reduziert, es gibt Hygiene- und Abstandsregeln. Von einer Maskenpflicht ist allerdings nicht mehr die Rede (Stand: 21. Januar 2021).

Aber wo bleibt die Solidarität mit den nicht Geimpften?

Ein Argument, dass man nach der Ankündigung von Saga häufig liest, ist die Forderung nach „Solidarität“ mit den nicht Geimpften. Vereinzelt liest man auch von vermeintlicher „Diskriminierung“ von Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen (oder können). Der Neidfaktor spielt dabei vereinzelt ebenfalls eine Rolle. Ist es fair, dass Geimpfte „Vorrechte“ haben, wenn noch nicht jeder die Chance hatte, sich impfen zu lassen? Und was ist mit dem Gefühl, zu einer Impfung genötigt zu werden?

Ich denke, es ist sehr wichtig zu bedenken, dass es hier gar nicht um Vorzugsbehandlung geht. Es geht darum, wieder Normalität zu ermöglichen. Für Geimpfte geht das – im Rahmen des oben diskutierten – vielleicht bald. Es ist kein Vorzug, zur Normalität zurückzukehren. Es ist vielmehr eine Einschränkung, es nicht tun zu können. Aber diese Einschränkung erzwingt die Pandemie – und nicht ein Unternehmen, das sich und seinen Kunden eine gewisse Normalität ermöglichen will. Das sollte man auch akzeptieren, selbst wenn es noch einige Monate dauern wird, bis jeder überhaupt Zugang zu einer Impfung bekommt.

Auch „Diskriminierung“ ist in diesem Zusammenhang der falsche Begriff. Denn es geht um die Auflösung von Beschränkungen, die in Normalzeiten völlig indiskutabel wären. Und „Diskriminierung“ trifft ohnehin nur bei Willkür zu, bei Ausgrenzung beispielsweise aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht – also Attributen, bei denen keinerlei Zusammenhang zur Leistung besteht. Entscheidet aber ein Unternehmen wie Saga, oder in der Luftfahrt Quantas, aus sachlichen Gründen Leistungen nur zu bestimmten Bedingungen anzubieten, dann ist das schlicht Vertragsfreiheit.  

Felix Haselsteiner schreibt in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Januar sehr schlaue Worte auf: „Solidarisch sein heißt dann auch, sich über die Freiheiten des Mitmenschen zu freuen. Spalterischer Neid darf in einem Land, das nicht nur eine Gesundheitskrise beenden, sondern auch eine Gesellschaftskrise vermeiden will, keine Rolle spielen.“ Das trifft es auf den Punkt. Mehr ist dazu gar nicht zu sagen.

17 Kommentare

17 Gedanken zu „Meinung: Mit Corona-Impfung bald wieder auf Kreuzfahrt?“

  1. Ich greife mal die (für mich) wichtigsten Punke des Artikels auf: Die Impfung schützt mich nicht (sicher) vor Ansteckung, ebensowenig schützt sie vor der Weiterverbreitung des Virus, ergo kann ich (möglicherweise) immer noch andere anstecken.
    Also: nichts genaues weiß man (bisher) nicht – wozu dann eine Impfung?
    Anders sieht es aus wenn einmal gesicherte Erfahrungen vorliegen – das kann aber noch lange dauern.
    Ich möchte ja nicht den Teufel an die Wand malen aber was passiert wenn die ersten Kreuzfahrer (mit/nach/wegen der Impfung) auf einem Kreuzfahrtschiff sterben?

  2. @Horst Linder: Ich denke, da liegt ein Missverständnis zugrunde: Die Impfung schützt zu einem sehr hohen Grad davor, dass die Krankheit bei einem Geimpften überhaupt Symptome verursacht oder gar einen schweren Verlauf nimmt. Insofern verhindert die Impfung bei den geimpften Personen Todesfälle. Das ist doch ein gravierender Vorteil im Vergleich zu Nicht-Impfung und bringt uns als Gesellschaft (hoffentlich möglichst bald) an einen Punkt, wo Covid-19 seine Schrecken verliert und wir mit der Krankheit so umgehen können, wie wir das mit zahlreichen nicht-tödlichen Krankheiten schon immer tun. Wenn es einen erwischt, geht man halt zum Arzt; nicht schön, aber auch nicht weiter tragisch.

  3. Hallo Franz,
    welche Zeitspanne wird hier vorgegeben? Da wir für Ende Oktober eine Kreuzfahrt mit Royal Caribbean gebucht haben, aber zur letzten Impfgruppe gehören, werden wir vermutlich diese bis dahin nicht komplett erhalten haben. Kann man dann kostenlos stornieren, wenn diese Pflicht Branchenweit eingeführt wird? Zweiter Aspekt ist, es handelt sich um eine Transatlantik von Ost nach West, ob da die USA nur noch geimpfte reinlassen ist auch noch so ein Knackpunkt.
    Gruss Reisekegsi

  4. Hallo Gerhard,
    klar, die Liste der Fragezeichen ist da noch ziemlich lang. Im Moment ist ja noch völlig offen, ob andere Reedereien ebenfalls eine Impfpflicht einführen wollen und wenn ja, ab wann.
    Wenn es die Impfpflicht zum Buchungszeitpunkt noch nicht gab und Du Deine Reise wegen einer dann verlangten Impfpflicht nicht antreten darfst, hast Du wohl Anspruch auf Erstattung des Reisepreises.
    In Hinblick auf die USA könnte ich mir persönlich durchaus vorstellen, dass die US-Gesundheitsbehörde CDC eine Impfung schlicht zur Voraussetzung macht, dass Kreuzfahrtschiffe wieder fahren dürfen. Dann bliebe den US-Reedereien gar nichts anders übrig. Aber ich denke, in Hinblick auf die CDC-Regeln werden wir in den kommenden Wochen mehr erfahren, wenn der neue CDC-Chef im Amt ist und wie angekündigt sämtliche Corona-Regeln in den USA geprüft und überarbeitet hat. Bis dahin kann man nur spekulieren. Denn nach aktuellem Stand dürfte eine Transatlantik-Reise im Oktober, die in den USA endet, ja ohnehin nicht stattfinden, weil die derzeitigen Regeln Kreuzfahrten bis Ende Oktober auf eine Dauer von höchstens sieben Tagen begrenzen.
    Herzliche Grüße
    Franz

  5. Danke für die Information!
    Das mit der Höchstdauer ist mir bekannt, aber uns wurde seitens der Reederei noch nichts näheres darüber mitgeteilt, langsam kommen wir ja in den Bereich für mögliche Flugbuchungen, da wäre es schon hilfreich Bescheid zu wissen.
    Es bleibt uns nichts anderes als abzuwarten.

  6. Die meisten Reedereien verkaufen solche Reisen im Moment nicht mehr, haben sie aber noch nicht abgesagt, weil sie die – hoffentlich begründete – Hoffnung haben, dass die CDC ihre teils absurden Regeln vielleicht doch noch ändert.
    Bzgl. Flug: Bisher hat Royal es immer so gehandhabt, dass Du auch die Flüge erstattet bekommst, wenn Du sie über die Flugabteilung von Royal buchst, auch wenn es nicht Teil eines Anreisepakets war. Unsere Hawaii-Flüge im September 2020 haben wir auf diesem Weg von Royal problemlos erstattet bekommen.

  7. Wir hätten sowieso über die Flugabteilung von RCL gebucht, Unsere letzten vier Kreuzfahrten wurden auch fast problemlos von ihnen abgewickelt. Nur TUI-Cruises lässt auf sich warten. Bisher nur Standardantworten und Floskeln zu lesen.
    Auch hier werden wir uns noch in Geduld üben.

  8. Was ist mit denjenigen Personen, welche Allergien haben? Die dürfen ja (noch) gar nicht geimpft werden? Gehört habe ich, dass Quantas nur noch geimpfte Passagiere auf ihre Flüge mitnimmt. Ob das so richtig ist und durchgeführt wird, kann ich aber nicht sagen. da weisst du bestimmt mehr.
    Gruss Ursula

  9. @Ursula: Saga ist da im Moment mehr als eindeutig: Keine Impfung – keine Kreuzfahrt, egal aus welchem Grund. So hart das ist, es ist natürlich sinnvoll. Offen ist ja auch noch die Frage, wie die Crew geimpft werden soll – das wird anfänglich bei Saga sicherlich noch nicht möglich sein, denn in der Crew arbeiten typischerweise eher keine 75jährigen ;-)
    Quantas hat meines Wissens bisher nur angekündigt, dass sie es machen wollen, es aber noch nicht umgesetzt. Ich denke, die werden sich vernünftigerweise auch nicht die letzten paar verbleibenden Langstreckenpassagiere auch noch wegdefinieren wollen, solange noch so wenig Menschen geimpft sind wie aktuell.

  10. Die Deutsche Seemannsmission stellt auf Twitter (https://twitter.com/DSM_Nordkirche/status/1352563172352389120) eine spannende Frage zu diesem Beitrag: „Sollten nicht auf jeden Fall zuerst die Seeleute geimpft sein? Und sollte dann nicht die Frachtschifffahrt Vorrang haben?“

    Hintergrund ist, dass Seeleute aufgrund von immer noch anhaltender bzw. aktuell wegen der Coronavirus-Mutationen wieder neu hinzukommender Reisebeschränkungen große Probleme haben, zu ihrem Arbeitsplatz (Schiff) und nach ihrem Vertrag auch wieder nach Hause zu kommen. Das stecken nicht nur harte, menschliche Schicksale dahinter, sondern auch die Funktionsfähigkeit des globalen Transportwesens.

    Um ehrlich zu sein, bin ich mir sehr unsicher, wie ich diese Forderung einordnen soll. Denn letztlich gibt es viele Gruppen von Menschen, die sehr legitime und dringende Gründe haben, warum sie die Impfung möglichst früh bekommen sollten. Wie gewichtet man da? Weltweit wird derzeit meist dem Pflegepersonal und Hochrisikogruppen, also v.a. Senioren, der Vorzug gegeben. Indonesien geht den anderen Weg und impft zuerst die jüngeren Generationen unter 59 Jahren, weil die mehr Kontakte haben und das Virus mehr verbreiten. Eine wirklich schwierige Diskussion, bei der es wohl keinen goldenen Mittelweg gibt. Leider.

  11. Das Impfproblem ist vielfältig. Man kann dingend auf einen Impftermin warten und noch nicht dran sein. Man kann eine Impfung ablehnen und trotzdem unbeschränkt reisen wollen. Die Diskussion möchte ich hier aber nicht führen.

    Aber wer der zweiten Gruppe angehört, sollte bedenken, freies unbeschränktes Reisen war immer schon eingeschränkt durch Einreisebestimmungen von Ländern, die eine Impfung zwingend verlangten. Besonders auf Fernreisen war dies früher normal und führte zu keinem Aufschrei wegen Diskrimierung.

    Und hier ist wohl das entscheidendere Problem. Die Reedereien werden abhängig sein von den Impfbestimmungen der Länder der jeweiligen Route. Man braucht kein Prophet mit der Vorhersage zu sein, dass die Anzahl der Länder mit einer Impfnachweispflicht wohl zunehmen wird. Und wer Routen mit diesen Ländern buchen will, wird die Impfung benötigen oder er kann schlicht nicht fahren.

    Und dies wird auf dem deutschen Markt möglicherweise für den Neustart irgendwann in 2021 verschiedene Auswirkungen für Reedereien haben. Liegt der Kundenstamm im jüngeren Bereich, wird man eventuell häufiger noch Routenänderungen sehen, da ihre Kunden noch keine Impfungmöglichkeit hatten. Reedereien mit traditionell älterem Stammkunden sind diesbezüglich dann eventuell im Vorteil.

  12. Wir haben im Mai eine Kreuzfahrt: Tallin, Sankt Petersburg, Helsinki, Stockholm gebucht. Kann mir jemand sagen ob man in diesen Ländern ohne Impfung überhaupt Landgänge unternehmen darf? Gruß Simone

  13. @Simone: Die Entwicklung ist gerade erst am Anfang, da ist noch überhaupt nicht absehbar, wenn welche Länder (und ob überhaupt) Impfungen bei Landgängen verlangen oder ob vorerst das bisherige Landgangskonzept fortgeführt wird, dass nur Ausflüge in geschlossenen Gruppen übe die Reederei gebucht erlaubt sind. Ich denke, da kann man im Moment einfach nur abwarten, das weiß niemand, auch nicht die Reedereien oder die Länder selbst …

  14. Herr Habersack schreibt: „Aber wer der zweiten Gruppe angehört, sollte bedenken, freies unbeschränktes Reisen war immer schon eingeschränkt durch Einreisebestimmungen von Ländern, die eine Impfung zwingend verlangten. Besonders auf Fernreisen war dies früher normal und führte zu keinem Aufschrei wegen Diskrimierung.“ Er zielt hier vermutlich unter anderem auf die Gelbfieberimpfung oder eine Tetanusimpfung. Doch die Gelbfieberimpfung ist eine Lebendimpfung und Antikörper sind hier bereits innerhalb von 10 Tagen bei mehr als 96% der geimpften vorhanden. Auch eine Auffrischung ist hier nach aktuellen Studien nicht mehr notwendig, da vermutlich ein lebenslanger Schutz besteht. Folglich handelt es sich hier um eine Schutzimpfung, das heißt, dass die Impfung vor einer Infektion und nicht nur vor einem schweren Verlauf schützt. Bei der Corona-Impfung handelt es sich lediglich um eine Prophylaxe-Impfung, ähnlich der Grippeimpfung. Die Grippeviren unterliegen jährlich mehreren natürlichen Mutationen, daher muß der Impftstoff jährlich verabreicht und angepasst werden und hat auch daher nur eine Wirksamkeit von etwa 30%. Die Gelbfieberimpfung ist nahezu zu 100 % wirksam!!!!

  15. @Sven Meschede:
    Dass die Impfungen unterschiedliche Wirkmechanismen haben, ist unbestreitbar. Und die Gelbfierberimpfung in früheren Jahren war keinesfalls nebenwirkungsfrei, wie ich selbst beim ersten Mal vor über 40 Jahren erlebt hatte. Man nahm dies hin, wenn man reisen wollte. Die Frage der Schutzwirkung der Covid-Impfstoffe vor der Weitergabe von Infektionen ist momentan nicht abschließend geklärt, es gibt aber erste Hinweise in der wissenschaftlichen Diskussion.

    Dies ist aber nicht die eigentliche reisepolitische Frage. Die Meldungen der letzten Tage lassen es zumindest nicht ausgeschlossen erscheinen, dass Einreisebestimmungen beliebter Destinationen eine Impfung vorschreiben könnten. Griechenland und Zypern wollen ja anscheinend Kreuzfahrten mit rein israelischen geimpften Reisenden zulassen,halten sich aber ziemlich bedeckt gegenüber TUI Mein Schiff für Griechenlandkreuzfahrten mit deutschen Gästen.

    Und englische Zeitungen spekulieren darüber, ob englische geimpfte Touristen diesmal auf Mallorca nicht mit deutschen Touristen um Liegestuhlplätze konkurrieren müssen, da ungeimpfte Deutsche nicht einreisen dürften. Und angeblich buchen die Engländer wie die Weltmeister für den Sommer.

    Vieles in der Flut der Meldungen ist natürlich aktuell reine Spekulation.

    Bei einem Restaurant in meiner Heimatregion kann man sich unterdessen schon Weihnachtsgänse to go ab dem 11..11.2021 reservieren lassen. Unter dem Motto: „Planen sie rechtzeitig, nur noch ein Lockdown und Weihnachten steht vor der Tür.“

  16. Moin zusammen,

    zuerst einmal kann man zurück blickend nur zu der Erkenntnis kommen, dass wir in all den Jahren des Massentourismus und des jährlich wachsenden Flugverkehrs einfach eine Riesenportion Glück hatten, dass es nicht früher schon zu einer globalen Pandemie katastrophalen Ausmaßes kam. Ebola, Mers, Masern, Poliomyelitis, Sars_1,, Influenzaausbrüche, Bedrohungen gab es reichlich. Was hätte das für uns bedeutet zu einer Zeit, da Mikrobiologie und Virologie noch nicht so weit fortgeschritten waren, man ein Virus noch nicht bis hin zum Protein-Aufbau entschlüsseln und Impfstoffe passgenau zurechtschneiden konnte? Sind wir mal froh, dass wir heute über scharfe Waffen verfügen!

    Die Diskussion erinnert mich sehr an jene, die auch in meinem Kollegium gerade läuft (Luftverkehr). Auch hier wird es vermutlich darauf hinaus laufen, dass Crewmitglieder künftig nur noch in zahlreiche Lände einreisen können, wenn eine Impfung nachgewiesen werden kann. Das wird von jenen beklagt, die sich (aus welchem Grund auch immer) nicht impfen lassen wollen. Ich höre immer wieder, sie hätten ein „Super-Immunsystem“ nach eigenem Bekunden. Wenn das nur kein folgenschwerer Irrtum ist! In allerletzter Konsequenz kann das bedeuten: „Lässt du dich nicht impfen, kann das Unternehmen dich nicht weiter beschäftigen.“ Jedenfalls nicht in der alten Funktion.

    Auch bei Privatreisen, ob Pauschal-, Individualtrip oder auch Kreuzfahrt, beobachte ich dieselbe Schein-Argumentation verbreitet, nach dem Motto: “ Wie kann man mich zur Impfung zwingen, wenn ich nach YX reisen will?“ – „Wie kann man mir den Zugang zum Schiff verweigern, wenn ich keinen Impfnachweis habe?“ Die Antwort ist einfach und – wie ich finde – nachvollziehbar: es ist geboten, vernünftig und sinnvoll. Habe ich keinen Impfnachweis, dann kann ich nicht (mehr) nach XY reisen, nicht mehr auf Kreuzfahrt gehen mit Reederei XYZ. Es gibt keine Garantie auf einen immer währenden gültigen Status Quo.

    Wieder wird beklagt, dass es „ungerecht“ sei solche Hürden aufzustellen, aus einer, wie ich meine, etablierten Vollkasko-Mentalität heraus, die zur verbreiteten Ansicht führt, es dürfe sich unter gar keinen Umständen irgendetwas an unseren Lebensumständen ändern. Dieser Annahme liegt ein schwerer Denkfehler zu Grunde, denn unsere Lebensumstände haben sich schon immer ständig verändert. Es mag viele Menschen geben, die ihr eigenes Leben als konstanten Fluss betrachten, ohne viele Änderungen. Auch ich kenne einige, die weiterhin am Bankschalter (gegen Gebühr!) ihr Bargeld abholen. Wir kennen inzwischen alle die „faxenden“ Gesundheitsämter. Ich wette, dass hie und da sogar noch Wählscheibentelefone und Röhrenfernseher im Einsatz sind. Jeder darf sich privat jeder modernen Entwicklung entziehen, es ist sein gutes Recht.

    Da aber, wo es das öffentliche Wohl gebietet, sind seinen Optionen Grenzen gesetzt, und das ist gut so: er wird „gezwungen“ im PKW sich anzugurten, er MUSS einen Katalysator am KFZ haben, darf nicht mit dem Smartphone spielen wenn er am Steuer sitzt, er MUSS die Schadstoffmessung seiner Heizung zulassen und ggf. eine neue einbauen, er wird u.U. sogar dazu gezwungen, die Schotterwüste in seinem Vorgarten gegen ein begrüntes Biotop auszutauschen – all das weil es dem Gemeinwohl dient. Gemeinwohl steht in bestimmtem Umfang über individuellen Interessen, und das betrifft auch einen geforderten Impfnachweis, wenn es um Reisen oder einen Vertrag mit einem Unterhaltungsveranstalter geht. Die Risikoabschätzung wurde durch hochrangige Mediziner und Impsstoffforscher vorgenommen, so dass es geboten ist zu vertrauen. Das mangelnde Vertrauen ist vermutlich unser größtes gesellschaftliches Problem – denn schwindet es, zerbricht der Zusammenhalt.

    Die grundlegende Fehleinschätzung, denke ich, liegt darin begründet, dass viele Mitbürger bisher glaubten, wir lebten in einem zu 100% sicheren und für alle Zeit statisch-geregelten Gemeinwesen, wären quasi auf Watte gebettet und beschützt vor allen Gefahren, die vielleicht in fernen Weltregionen drohen mögen. Das ist nicht so. Die Watte ist in Wirklichkeit eine dünne Schicht Theaternebel, darunter aber liegen rostige Stahlplatten, glühende Lava und hungrige Krokodile. Es liegt an uns, ein intaktes Sicherheitsnetz zu spannen.

    Das Netz hat jedoch in einer sich immer mehr indivdualisierten Gesellschaft Löcher bekommen, dass offenbart die Pandemie eindrucksvoll. Offenbar haben wir uns an den Tanz auf dem Vulkan gewöhnt und haben uns das Wahrnehmen von Warnsignalen abtrainiert. Die sich stellenden Fragen rütteln an den Grundfesten unserer Gesellschaft. Was wollen wir? Wie wollen wir leben? Was geschah mit unseren Tugenden? Wissen wir noch was sich gehört? Kennen wir noch die „Guten Sitten“ und Rücksichtnahme? Besitzen wir noch den Gesunden Menschenverstand? Es wird höchste Zeit sich (wieder mehr) mit Ethik zu beschäftigen und wenn wir den Kompass von allein nicht wieder finden, mag es hilfreich sein, die alten und die heute lebenden Philosophen zu befragen – ihre Antworten mögen überraschen und in der Lage sein uns zu erden, wenn wir bereit sind zuzuhören.

  17. Volker, Du sprichst mir aus der Seele. Den Vergleich mit Theaternebel und den Krokodilen darunter finde ich klasse, weil er die Situation in sehr wenigen Worten sehr deutlich beschreibt. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft, oder gar die ganze Welt, die aktuelle Situation auch als Chance nutzt, sich genau dessen wieder deutlicher bewusst zu werden und nötige Veränderungen in Gang zu setzen. Ein paar Ansätze dazu sind ja immerhin erkennbar, wenn man genau hinsieht. Nämlich überall dort, wo Menschen an dem Punkt angekommen sind, wo ihnen vollkommen klar ist, dass sie nicht mehr weitermachen können wie bisher, weil es schlicht unmöglich geworden ist und es die finanzielle auch nicht mehr zulässt, „auf das Ende der Krise“ zu warten, um danach weiterzumachen, als wäre nichts gewesen.

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