Kreuzfahrtschiff, Symbolbild

Meinung: Schon wieder dieser „schwimmende Petrischalen“-Unsinn?

Vermehrte Meldungen über Corona-Infizierte auf Kreuzfahrtschiffen, in Häfen abgewiesene Schiffe, wegen Covid-19 abgebrochene Reisen: Die Medien vor allem in den USA und Großbritannien sind wieder voll mit Negativ-Meldungen über die Kreuzfahrt. Verfällt die Medienwelt wirklich wieder in die planlose Hysterie der Anfangszeit der Pandemie, obwohl wir es inzwischen doch besser wissen sollten? Meine Meinung dazu …

Es geht leider schon wieder los: Kaum wird die Infektionslage unübersichtlicher und steigt in den USA die Angst vor Omikron, sucht man Pseudo-Schuldige oder Blitzableiter. Als Opfer für so etwas ist die Kreuzfahrt immer willkommen.

Ich will nichts schönreden: Omikron stellt nicht nur für die Gesellschaft, sondern natürlich auch für die Kreuzfahrt eine große Herausforderung dar. Es ist keineswegs ausgemacht, dass „weiter so“ mit verschärften Hygiene-Regeln funktionieren wird. Und Sars-Cov-2 hat uns schon einige unangenehme Überraschungen beschert. Deshalb mit aller Vorsicht: Das hier Gesagte gilt mit aktuellem Kenntnisstand am 29. Dezember 2021 …

Aber anders als in der Anfangsphase der Pandemie wissen wir viel mehr über das Virus und seine Ausbreitung. Wir haben doppelte und dreifache Impfungen, Testmöglichkeiten, bald sogar Medikamente gegen Covid-19. Und es verfestigt sich die Annahme der Wissenschaft, dass Omikron weniger schwer verläuft. Und immerhin gilt jetzt endlich auch in den USA wieder eine Maskenpflicht in den Innenräumen der Schiffe.

Politiker-Profilierung auf Kosten der Kreuzfahrt

Doch kaum fallen jetzt mehr positive Fälle auf Kreuzfahrtschiffen auf, stellen einige Politiker und Medien in den USA die Kreuzfahrt schon wieder insgesamt infrage, fordern gar die Stilllegung der Schiffe.

Der US-Senator und notorische Kreuzfahrt-Hasser Richard Blumenthal packt schon wieder die Mär von den schwimmenden Petrischalen aus.

Mein kanadischer Kollege Aaron Saunders bringt es bei Twitter auf den Punkt:

„An diejenigen, die über Kreuzfahrtschiffe schimpfen: Schiffe haben Impfpflichten. Testprotokolle. Masken-Regelungen und HEPA-filternde Klimaanlagen. Im Vergleich dazu ist der Inlandsreiseverkehr in den USA der Wilde Westen. Flugpersonal kann jetzt sogar schon fünf Tage nach der Covid-Erkrankung zur Arbeit zurückkehren.“ (Anm.: ohne erneuten Test)

Blick auf die Realität statt auf Traumwelten

Ich habe oben bewusst formuliert „fallen mehr positive Fälle auf“, denn positive Covid-19-Testergebnisse gab es schon vor Omikron auf Kreuzfahrtschiffen regelmäßig. Nur rückt das jetzt wieder stärker in den Fokus der Medien, sodass es wirkt, als sei das etwas Neues. Und dabei schwingt immer diese Traumwelt-Vorstellung mit, Kreuzfahrten könnten auf wundersame Weise mit null Covid-19 funktionieren, wenn es der Rest der Welt nicht kann.

Positivfälle sind unvermeidlich und nicht überraschend, wenn die Corona-Zahlen an Land hoch sind. Statistisch bedingt rutschen eben trotz Test vor oder bei der Einschiffung einige Infizierte durch, wenn sie sich erst kurz vor der Reise anstecken. Die Zahlen sind auf den Schiffen jedoch deutlich niedriger als an Land.

Nicht erkannte Fälle sind bis zu einem gewissen Grad auch unproblematisch, solange an Bord kein größeres Ansteckungsgeschehen stattfindet. Es bedeute sogar, dass die Infektionsschutzmaßnahmen an Bord funktionieren und sich niemand neu ansteckt, obwohl der eine oder andere positiv ist.

Die aktuelle Situation ist freilich etwas anders gelagert. Anders als bisher (soweit bekannt), beziehen sich die positiven Fälle nun besonders auf Crew-Mitglieder. Das ist insofern problematisch, als Crew nicht am Ende der Kreuzfahrt absteigt, sodass Infektionsketten an Bord wahrscheinlicher werden.

Wahrscheinlich finden inzwischen wegen Omikron auch Ansteckungen an Bord zwischen Passagieren statt, auch wenn das anhand der bekannten Daten nicht genau zuzuordnen ist. Immerhin bezieht die US-Seuchenschutzbehörde bei ihren Berechnungen auch Fälle mit ein, die bis fünf Tage nach der Ausschiffung gemeldet werden. Sie differenziert aber in ihrer Farb-Klassifizierung der Schiffe nicht nach Ansteckung an Bord und bereits mitgebrachter Infektion.

Unabhängig davon ist ein genauerer Blick nötig, bevor man die Kreuzfahrt vorschnell verdammt. Denn die Details bedeuten einen großen Unterschied.

Wie ernst ist die Lage in der Kreuzfahrt also wirklich?

In beziehe mich in meiner Argumentation auf die US-Behörde CDC, weil dort, anders als in Deutschland und Europa, viele Daten zu dem Thema öffentlich zugänglich sind. Berücksichtigen sollte man bei der Bewertung, dass beispielsweise die Maskenregelungen in den USA deutlich lockerer gehandhabt werden als hierzulande – die Zahlen also nur begrenzt repräsentativ sein dürften für die Situation in Europa.

Fakt 1: Die CDC stuft ein Kreuzfahrtschiff bereits als „Gelb“ ein, wenn 0,1 Prozent der Passagier oder auch nur ein einziges Crew-Mitglied positiv getestet wird. „Gelb“ bedeutet: Die CDC leitet eine Untersuchung der näheren Umstände ein. 0,1 Prozent bedeutet aber: Selbst auf den größten Kreuzfahrtschiffen wie der Oasis-Class von Royal Caribbean reichen schon etwa sechs positive Testergebnisse für diese Einstufung bei einer aktuell vermuteten Passagierauslastung von 80 Prozent, also um die 5.200 Passagiere.

Deshalb sind aktuell auch die meisten Schiffe als „Gelb“ eingestuft. Nur sagt das nichts darüber aus, ob die Situation in irgendeiner Weise bedenklich ist.

Selbst auf der Symphony of the Seas, bei der RCIs CEO Michael Bayley vergangene Woche einräumte, dass etwa 48 Personen an Bord (weniger als ein Prozent) positiv getestet worden seien (laut Bayley 99 Prozent mit asymptomatischem Verlauf), ist das nur ein Fünftel der Zahlen, die man derzeit in Florida an Land beobachtet – und die meisten Passagiere des Schiffs stammen aus Florida.

Wo ist das Problem? Wo ist das Drama, das die Medien daraus machen? Wo sind stattdessen die Forderungen, sich die Kreuzfahrt zum Beispiel zu nehmen und an Land entsprechend strenge Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen, um dort auf ebenso niedrige Zahlen zu kommen wie an Bord?

Fakt 2: Es ist (zumindest bislang) nur eine Handvoll Kreuzfahrtschiffe, auf denen die Situation über das Neu-Normale und zu Erwartende hinausgeht. Die US-Medien stellen diese wenigen Schiffe in den Fokus und projizieren die Aussagen auf die gesamte Kreuzfahrt. Zur Einordnung ein paar aktuelle Zahlenbeispiele:

  • Queen Mary 2: 1.473 Passagiere an Bord, zehn positive Fälle am 21. Dezember nach Transatlantik-Reise in New York ausgeschifft; während folgender Karibik-Reise angeblich 17 Passagiere und über 60 Crew-Mitglieder positiv getestet, Schiff läuft auf der Rückreise von Barbados nach Southampton New York nicht mehr an.
  • MSC Seashore: 4.714 Passagiere an Bord vor Weihnachten, MSC bestätigte 28 positive Fälle; 30 Crew-Mitglieder sollen in Miami in Quarantäne-Hotels untergebracht worden sein. Eine unbestimmte Zahl positiver Fälle gibt es offenbar auch auf der aktuellen Reise, neben betroffenen Passagieren sind angeblich 170 Crew-Mitglieder in Isolation (positiv Getestete sowie Kontaktpersonen); Bahamas haben den Hafenstopp auf der Privatinsel Ocean Cay verweigert.
  • Odyssey of the Seas: 3.587 Passagiere und 1.599 Crew-Mitglieder; 55 Personen der am 26. Dezember zu Ende gegangenen Kreuzfahrt sollen positiv getestet worden sein, Aruba und Curacao hatten die Hafenstopps dort verweigert.

93 Schiffe sind aktuell innerhalb des Kontroll- und Einflussbereichs der CDC, sieben davon grün, also komplett Corona-frei, der Rest „Gelb“, also oberhalb der 0,1-Prozent-Schwelle.

Einige davon liegen auch knapp oberhalb der Schwelle von einem Prozent der Personen an Bord, also inklusive Crew. Diese Zahl ist auf einigen Karibik-Inseln relevant, weil der Hafenanlauf dort dann verweigert wird. Das ist, nebenbei bemerkt, wohl auch einer von mehreren Gründen, warum Reedereien positiv getestete Crew-Mitglieder in der Karibik auf andere Schiffe transferieren, die noch nicht im Passagierbetrieb sind, um sie so aus dieser Statistik zu nehmen.

Also: Wegen einer Handvoll Schiffe, die etwas mehr Fälle haben, aber immer noch weniger als im Vergleich zu an Land, gibt es diese ganze Aufregung? Diese Empörung? Den Petrischalen-Unsinn?

Die Lage ist schwierig, keine Frage. Vielleicht erfordert der Umgang mit Omikron vorübergehend zusätzliche Maßnahmen auf den Schiffen. Angesichts der zunehmenden Restriktionen etwa auf vielen karibischen Inseln vielleicht erst einmal die Rückkehr zu „Bubble“-Ausflügen statt individueller Landgänge. Vielleicht muss die eine oder andere Reise abgebrochen oder abgesagt werden, weil die besonderen Umstände es im Einzelfall erfordern. Vielleicht ist ein sehr konsequentes Durchsetzen der Maskenpflicht nötig statt des vor allem in den USA praktizierten Laissez-faire. Aber all das wäre mehr, als fast überall an Land geschieht. Und der Begriff „schwimmende Petrischalen“ gehört ein für allemal auf den Müll.

18 Kommentare

18 Gedanken zu „Meinung: Schon wieder dieser „schwimmende Petrischalen“-Unsinn?“

  1. Danke für die gute Analyse. Doch wir leben leider in einer hoffentlich letzten unabwägbaren Phase der Pandemie. Wir wollen in einer guten Woche auf eine Karibikkreuzfahrt mit der Amadea von Phoenix gehen. Aber seit gestern ist die Reise der Amera von der gleichen Firma unmittelbar auf dem Weg nach Deutschland, von den Kanaren aus, wohl wegen eines Coronaausbuchs an Bord (Vor wenigen Wochen hat es die Artania getroffen). Hoffentlich überleben die kleineren, in der Branche so wichtigen, Unternehmen all diese Rückschläge.
    Volker Zuber, Fürth

  2. Leider ist die Situation im Moment in der Tat mal wieder sehr ungewiss. Und leider hat uns diese Pandemie schon so einige böse Überraschungen beschert, die alle Einschätzungen und Expertenmeinungen auf den Kopf gestellt haben. Ich hoffe, das ist diesmal nicht so und drücke Ihnen die Daumen für ihre Reise – schon weil ich selbst natürlich auch demnächst wieder eine größere Reise geplant habe …

  3. Hallo Herr Neumeier,

    ich stimme Ihnen bei der pauschalen Beurteilung der Kreuzfahrt zu.
    Allerdings müssen sich die Passagiere an Bord auch benehmen, Bei dem oben von Herrn Zuber geschilderten Fall der MS Amera lese ich eben auf einem anderen Portal, dass es bei der besagten Reise bereits bei der Einschiffung in Savona – nach lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Besatzung und einem positiv getesteten Passagier – einen Polizeieinsatz gab.

    Kreuzfahrt ist Freizeit. Wir haben kein Recht darauf. Damit müssen sich – anscheinend insbesondere die Passagier – auch abfinden. Und die Besatzungen müssen das durchsetzen – leider.

    SG
    Ronald

  4. Hallo Ronald,

    doch, natürlich gibt es in einer freiheitlichen Demokratie ein Recht auf Freizeit, als Teil der Freiheitsrechte. Aber ich weiß schon, dass Sie das anders gemeint haben: In diesem Fall geht es ja um vertragliche Vereinbarungen zwischen Reederei und Passagier (keine Teilnahme an der Kreuzfahrt, wenn Corona-positiv) und ggfs. damit zusammenhängende Gesetze. Der Passagier hat diesen Vertrag freiwillig unterschrieben, also muss er sich dann auch daran halten. Insofern gibt es dann natürlich kein Recht auf Teilnahme an der Kreuzfahrt, wenn die vertraglichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind.

    Der entscheidende Punkt ist, und da sind wir uns vollkommen einig, dass Freiheit nicht unbegrenzt im egoistischen Sinne ist, sondern seine Grenzen im Wohl der anderen hat (die ja das gleiche Recht auf Freiheit haben), oder eben Grenzen in Gesetzen oder in vertraglichen Vereinbarungen.

    Herzliche Grüße
    Franz Neumeier

  5. Ich sehe das Ganze auf jeden Fall differenziert und halte per se Kreuzfahrten für eine der sichersten Urlaubsarten derzeit – weil man deutlich einfacher die Wege der Passagiere kontrollieren kann als bei einem normalen Landurlaub – niemand weiß, wo sich Hotelgäste aufhalten, wenn sie das Hotel verlassen.
    Was ich allerdings für verantwortungslos halte ist, wie manche Reedereien mit den theoretisch guten Hygieneprotokollen in der Realität umgehen. Damit wird Vertrauen verspielt. Wenn theoretisch Masken verpflichtend sind und dann wird ohne jeden Hinweis an die entsprechenden Gäste hingenommen, daß keine Masken, Netzmasken oder Masken unterm Kinn auf engem Raum getragen werden. Daß die erlaubten (Whirl)Pool-Belegung zwar an jedem Pool steht, ein Pool-„Wächter“ dasitzt, aber dennoch der Pool zum Bersten gefüllt ist.
    Da klafft die Schere unter den unterschiedlichen Reedereien weit weit auseinander – und da wird dann wohl auch oft die aufgetretenen Fällen eher unter den Teppich gekehrt und finden den Weg nur über Passagiere den Weg in die Öffentlichkeit. Was dann Sensationsheischerei Tür und Tor öffnet.
    Für Geimpfte und Geboosterte, die sich konsequent selbst zum Eigenschutz an die Empfehlungen halten, halte ich das Risiko auf einer Kreuzfahrt schwer zu erkranken für recht gering. Das Risiko einer Infektion ist immer da – da brauchen wir uns nichts vormachen – aber auch schon vor Corona war beispielsweise immer das Risiko einer Norovirus-Infektionen vorhanden. Es gab Schiffe, die das monatelang nicht in Griff bekommen haben, wenn sie das einmal an Bord hatten. Deswegen sind die Gäste dennoch gereist.
    Wir werden in der Zukunft einen Weg finden müssen, wie man mit Corona leben und Normalität erleben kann – denn bis sich Corona „totläuft“ wird es dauern.
    Klar wird aber sein – aus Haftungsgründen wird der Weg mit Sicherheit für Reedereien und Massentransportmittel und auch Hotels dahin gehen, nur noch vollständig Geimpften den Zugang zu ermöglichen – allein um sich vor Regressansprüchen Erkrankter zu schützen.

  6. tja, so ist das….. jede Branche und jedes Segment stellt sich als das größte Opfer dar. Und die alte Weisheit, dass man den Markt nur klein genug definieren muss um der Größte zu sein klappt zahlentechnisch auch hier – eben nur umgekehrt. Aber all diese Zahlenspiele sind rein theoretisch, real in der Praxis sind die Erkrankten und gar Verstorbenen. Und denen nützt eine noch so penible Statistik nix. Genauso wenig wie dem, der beim Erstflug abstürzt, obwohl es bei einer Milliarde Reisekilometer rechnerisch nur 0,003 Todesfälle geben soll. Nun denn – lasst Mal wieder einfach mehr den gesunden Menschenverstand und Vernunft regieren, bleibt vor allem gesund in der Hoffnung, dass 2022 der Coronastern sinkt.

  7. @Peter: Ich denke, Sie gehen da von der weit verbreiteten, aber falschen Annahme aus, dass „nichts tun“ kein Risiko darstellt. Falls (ich betone: „falls“, weil ich es nicht mit Bestimmtheit sagen kann, weil für ein abschließendes Urteil das Datenmaterial dazu fehlt) auf Schiffen weniger Ansteckungen stattfinden wie an Land, gibt es keinen Grund, Schiffe zu verdammen – ganz im Gegenteil. Wenn ich an Land ein höheres Risiko habe als am Schiff, und das scheint im Moment der Fall zu sein, mit aller Vorsicht gesagt, dann gehe ich doch lieber aufs Schiff. Und natürlich kann man ein Risiko, also eine Prognose, in die Zukunft gerichtet, nur anhand von Statistiken und Wahrscheinlichkeiten vornehmen und natürlich – so traurig es ist – trifft die Statistik auf mich dann nicht zu, wenn ich der eine aus einer Million bin, den es trifft. Aber was wäre die Konsequenz? Nur noch Dinge tun, die statistisch null Risiko haben? Das trifft leider auf nahezu nichts auf dieser Welt zu.

  8. Die Aida Nova sitzt in Lissabon wegen Corona an Board fest
    Nein Danke kein Interesse an einer Kreuzfahrt solange das mit Corona gelöst ist.
    Und es gibt genug gefälschte Impfzertifikate sodas man sich auf das nicht verlassen kann.
    Und ich hätte null Bock mit Passagieren an Board wie auch in Geschäften diskutieren zu müssen warum sie die Maske nicht richtig ( unter der Nase ) tragen und dann auch schon mal freche Antworten darauf zu bekommen.

  9. Nach allem, was zahlentechnisch bekannt ist,dürften Kreuzfahrtschiffe – abgesehen von der eigenen Wohnung natürlich – einer der sichersten bzw. am besten vor Infektionen geschützten Orte auf diesem Planeten sein.

  10. Lieber Herr Neumeier,

    vielen Dank für Ihren punktgenauen Kommentar, der fünf Tage später noch einmal an Aktualität gewinnt. Melanie Amann verwendet die schwimmenden Petrischalen im Spiegel: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-omikron-kreuzfahrten-olaf-scholz-robert-habeck-iserlohn-a-aa9ef780-1903-4855-acb9-67cf8680625e. Und dieser Artikel dient den Kollegen von n-tv dann schon als Grundlage, um von einem weiteren Corona-Ausbruch auf einem Schiff der Aida-Flotte zu schreiben…

    Viele Grüße

  11. die jüngsten Ereignisse auf AIDA und Mein Schiff, Europa und Europa 2 zeigen, dass es in der Praxis eben NICHT klappt und die Tourismusbranche insgesamt sollte mehr Verantwortung zeigen statt auf Systemrelevanz zu pochen. Letzteres hat zugegeben in letzter Zeit nachgelassen und das Geschrei der Verbände ist verhaltener geworden. Ich war selbst über 30 Jahre in der Touristik und auch KF-Branche tätig und mir blutet das Herz ob der kritischen Situation der Branche. Aber was nützt es, wenn wir nicht aus der Dauerschleife herauskommen?

    Allen ein gutes, vor allem gesundes 2022, das uns hoffentlich wieder mehr Normalität bringt.

  12. @Peter: Ich will ja nicht sagen, dass die Kreuzfahrt immun gegen Corona und speziell Omikron ist. Aber diese „Petrischalen“-Story ist halt einfach faktischer Blödsinn. Kreuzfahrtschiffe sind im Vergleich zu den meisten anderen Situationen an Land deutlich sicherer. Und natürlich kann man immer einzelne Ereignisse wie Europa/Europa 2 (oder aktuell auch noch ein paar andere) als vermeintlichen Gegenbeweis heranziehen. Aber da könnte ich auch nach jedem Autounfall sagen: seht Ihr, Autofahren geht gar nicht, sofort einstellen … ;-)
    Ich denke, es ist wichtig, den Blick fürs Ganze nicht zu verlieren. Aktuell sind rund 250 Kreuzfahrtschiffe weltweit unterwegs, auf vielen davon gibt es in sehr begrenztem Umfang positive Fälle, was aber auch nicht verwundert und der Umgang damit an Bord wesentlich konsequenter und umfassender ist als irgendwo an Land. Aber Situationen, die wirklich problematisch in dem Sinne sind, dass sie nicht nur das normale Geschehen in der ganzen Welt spiegeln, sondern auffällig viele Fälle auftreten, gibt es eben (zumindest aktuell noch) auf sehr wenige. (und gab es übrigens auch früher, vor Corona, immer wiedermal, z.B. mit Noroviren-Ausbrüchen; die an Bord von Schiffen ebenfalls deutlich seltener vorkamen als an Land).

  13. Meine Sichtweise:
    Die zahlreichen und offenbar auch hier ganz bewusst – völlig überzogenen politischen (Fehl.)-Entscheidungen & immer restriktivere Maßnahmen sind das eigentliche Virus für die aus Klimaschutzgründen seitens der Politik ohnehin unbeliebte Kreuzfahrtbranche.
    Ich bin davon überzeugt das die derzeitige Situation „so einigen ganz da oben“ nicht ungelegen gekommen ist…;-)

  14. Vorfälle wie auf der AIDAnova zeigen, wie schnell so eine Situation aus dem Ruder laufen kann. Wo es noch kurz vorher kein Problem gab – schließlich wird ja beim Passagierwechsel und auch an Bord regelmäßig getestet – schießen bei der nächsten Routinetestung die Zahlen nach oben. Grob überschlagen: 4000 Personen an Bord, „nur“ 60 Fälle, das macht eine Inzidenz von 1500! Von 0 innerhalb weniger Tage. Petrischale pur. Deutschland: Rund 250.
    Und sollte man unter der Decke gehalten haben, dass man schon vorher nicht bei 0 war, so würde das ja zeigen: Die Isolierungsmaßnahmen an Bord funktionieren nicht, das Virus breitet sich trotzdem aus, bis die Notbremse gezogen wird. Pause, Generaldesinfizierung der Petrischale.
    Konnten zu Beginn noch Infizierte in Lissabon abgegeben werden, hat Portugal die Aufnahme der weiterhin neu entdeckten Infektizierten an Bord abgelehnt. Da werden Erinnerungen an die quarantinierten Schiffe vom Anfang der Pandemie wach.
    AIDA konnte die negativ getesteten Passagiere zum Glück noch hektisch loswerden. Von der herrschenden Infektionsgefahr abgesehen: Passagiere gerade erst eingeflogen, in Lissabon festgesessen statt losgefahren, und dann schnell wieder runter von Bord – chaotische Szenen am Airport, Menschen dicht an dicht, Übernachtungen auf dem Fußboden. Was für ein Desaster.
    Oder nehmen wir die Amera: Passagiere entweder außerplanmäßig auf den Kanaren rausgeworfen oder an Bord ohne Zwischenstopp zurück nach Bremerhaven, alle (auch negativ getestet) eingesperrt in den Kabinen, Lunchboxen vor der Tür.
    Die in Zusammenhang mit der Karibik genannte Grenze von „nur“ 1% bedeutet übrigens Inzidenz 1000.
    Im Orient bleiben immer mehr Schiffe liegen – Europa 1&2, Mein Schiff 6, Norwegian Jade, Costa Firenze, …
    Ja, es gelingt momentan aufgrund des permanenten Testens immer noch die Notbremse zu ziehen. Von „unter Kontrolle“ kann da aber keine Rede sein.

  15. @Rick: Der entscheidende Punkt ist doch, dass all diese Anwürfe die Kreuzfahrt isoliert vom Rest der Welt betrachten und sich außerdem nur auf die (immer noch recht wenigen) Fälle beschränken, in denen die Zahlen mal ausreißen. Derzeit sind rund 250 Kreuzfahrtschiffe aktiv, Ausreißer-Situationen gibt es auf einer Handvoll. Daraus zu schließen, dass das alles nicht funktioniert ist wie einzelne Autounfälle herauszugreifen um zu zeigen, dass der Autoverkehr insgesamt verboten gehört. Nebenbei unterstellt es auch noch Dinge, die pure Spekulation sind und das sollte man bei seriöser Argumention nicht tun.
    Ich will hier keine allgemeine Covid-19-Diskussion führen. Aber eine Petrischale ist eine künstlich geschaffene Umgebung mit optimalen Bedingungen zur Vermehrung z.B. von Viren. Ein Kreuzfahrtschiff ist das explizit nicht, im Gegenteil – ich muss die vielen Infektionsschutzmaßnahmen hier glaube ich nicht noch einmal aufführen, die weit über das hinaus gehen, was man in fast beliebiger andere Umgebung an Land hat.
    Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, dann muss man neue Lösungen finden; aber auch die Relation zum Rest der Welt berücksichtigen, wo es ja nicht so ist, als gebe es dort keine immensen Infektionszahlen. Und auch an Land macht man gerade nicht einfach alles wieder dicht. In vielen Umgebungen versucht man nicht einmal ernsthaft zu ermitteln, wie viele Infektionen dort stattfinden.
    Und ja, Notbremse ziehen ist gut – eben als letzte Maßnahmen, wenn alles andere nicht hilft. Aber doch nicht pauschal für eine ganze Branche. Wir schließen ja auch keine Schulen in NRW, wenn in Schleswig in einer Schule hohe Zahlen auftreten.
    Noch einmal deutlich: Mein Kommentar sagt nicht, dass es kein Covid-19 auf Kreuzfahrtschiffen gibt und ich sage nicht, dass die Kreuzfahrt nicht wie alle anderen auch mit Covid-19 zu kämpfen haben. Aber „Petrischale“ ist einfach grober Unsinn und hilft nicht in einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir insgesamt mit Covid-19 umgehen. Nebenbei: Jeder kenn die Lage und jeder entscheidet frei, ob er sich in diesen Zeiten auf eine Kreuzfahrt einlässt. Ich denke, diese freie Entscheidung sollte man auch jedem frei überlassen, solange die Situation in dem beschriebenen Rahmen bleibt und nicht eine relevante Gefährdung Unbeteiligter nach sich zieht.

  16. … es bleibt dabei, auch dieses Jahr werden wir wieder Pauschalreisen (ohne Schiff und ohne Absagen etc.)) machen…..wie in den vergangenen drei Jahren.
    Norbert

  17. @Norbert Decker: Eine Kreuzfahrt ist rechtlich ebenfalls eine Pauschalreise ;-) Aber ernsthaft: Eine Quarantäne-Anordnung kann einen an Land genauso leicht treffen. Da braucht nur einer aus der Ausflugs-Bus-Reisegruppe positiv getestet zu werden, dann ist man evtl. enge Kontaktperson und muss in Quarantäne. Bzgl. Absagen: Ja, könnte sein, dass das Risiko da im Vergleich zu Kreuzfahrten gerade geringer ist.

  18. @Rick
    Man kann sicher über vieles bezüglich Kreuzfahrten unterschiedlicher Meinung sein, aber Fakten sollte man besser korrekt beschreiben und von Wertungen in Formulierungen trennen. Pauschale Verallgemeinerungen waren noch nie sinnvoll und angemessen.

    Ich zitiere:
    „Oder nehmen wir die Amera: Passagiere entweder außerplanmäßig auf den Kanaren rausgeworfen oder an Bord ohne Zwischenstopp zurück nach Bremerhaven, alle (auch negativ getestet) eingesperrt in den Kabinen, Lunchboxen vor der Tür.“

    „- außerplan rausgeworfen-“ bedeutet korrekt, aufgrund behördlicher Vorgaben der jeweiligen Länder müssen Covid-positiv getestete Passagiere in Quarantäne an Land, mit diesen Passagieren darf das Schiff den Hafen nicht verlassen. Und im Notfall wäre die medizinische Versorgung auf den Kanaren deutlich besser als auf dem Schiff.

    “ – alle (auch negativ getestet) eingesperrt in den Kabinen, Lunchboxen vor der Tür.“ bedeutet korrekt: Diese Maßnahme war nur am letzten Morgen vor der Ausschiffung in Deutschland von den Behörden vorgeschrieben, nicht während der Rückreise von den Kanaren nach Deutschland.

    Phoenix veröffentlich die jeweiligen Tagesprogramme von Bord (auch wenn das Schiff nicht mehr planmäßig unterwegs ist), da man sich leicht korrekt informieren.

    Ich gebe allerdings zu, an der Transparenz von Phoenix könnten sich andere Reedereien durchaus etwas abschauen.

    Die Situation für die Reedereien ist aktuell nicht leicht und finanziell sicher extrem defizitär.

    Und aktuell ist auch der mündige Passagier mehr als sonst gefragt, um die Situation für sich persönlich realistisch einzuschätzen. Die daraus folgenden Reiseplanungen können individuell durchaus und berechtigt unterschiedlich ausfallen, die „Rundum sorglos“ Garantien gibt es nicht, gab es eigentlich nie.

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Neue Kommentare werden aus technischen Gründen oft erst einige Minuten verzögert angezeigt.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner