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MSC Seaside: Mehr Details und Beobachtungen

MSC Seaside in Nassau, Bahamas

Vor allem die Außenbereiche konnte ich bei der Indienststellung der MSC Seaside im kalten Europa nicht wirklich beurteilen. Auf unserer Karibik-Reise habe ich mir deshalb Zip-Line, Wasser-Rutschen, Pools und das breite Promenadendeck genau angesehen und auch sonst noch einige interessante Eindrücke und Details gesammelt.

Noch mehr Details, beispielsweise zur Ein- und Ausschiffung, Nebenkosten und Ähnlichen gibt es in Carmens ausführlichem Bericht zur MSC Seaside auf cruisediary.de.

Besonders neugierig war ich darauf, wie das zum Meer hin offene, neue Konzept der MSC Seaside funktioniert und angenommen wird: das sehr breite Promenadendeck, der Pool unten auf Deck 8 am Heck, das Buffet-Restaurant ebenfalls auf Deck 8.

Das breite Promenadendeck

Auf der MSC Seaside ist es zunächst einmal perfekt gelungen, die Rettungsboote zu verstecken. Sie hängen unter der weit ausladenden Promenade, die sich weit über die Bordwand hinaus erstreckt. Beim Blick nach unten sieht man von den Kabinenbalkonen also keine Rettungsboote, sondern nur Promenade und Meer.

Promenade

Allerdings ist die Promenade – als Windschutz durchaus sinn- und wirkungsvoll – fast durchgehend mit hohen Scheiben verglast, sodass man sich von der Promenade nicht über die Reling lehnen und nach unten schauen kann.

Vor allem in Hinblick auf das recht lebhafte Pooldeck der MSC Seaside ist die Promenade ein attraktives Rückzugsgebiet, wenn man einfach nur Wind, Meer und Sonne genießen, in Ruhe ein Buch lesen oder sich die Beine ein wenig vertreten will. Über Das Buffet-Restaurant hier habe ich ja schon berichtet.

Promenade

Anders als beispielsweise auf den Schiffen der Breakaway-Klasse von Norwegian Cruise Line ist die Promenade der MSC Seaside weitgehend unkommerziell: Es gibt lediglich eine Bar und im hinteren Bereich, wo der Hotelaufbau des Schiffs schmaler wird, hat das Buffet-Restaurant zahlreiche Tische im Freien. Ansonsten ist die Promenade aber frei für Liegestühle und hat einige zusätzlich mit Glasscheiben windgeschützte Sitzecken. Als netten Gag findet man dort auch auf beiden Seiten jeweils eine „Infinity Bridge“, die mit Glasboden ein wenig über die Bordwand hinausgeht.

Promenade, Infinity Bridge

Der „South Beach Pool“ am Heck

Lebhafter wird es am Heck, wo Treppen nach unten zum South Beach Pool auf Deck 7 führen, selbiger übrigens für Erwachsene reserviert ist. Dort gibt es eine große Theke mit der wirklich leckeren, wenn auch nicht ganz günstigen Eiscreme von Venchi, Bar und Café mit vielen Tischen, Sofa-Sitzgruppen und rund um den Pool auch Liegestühle. Der Pool fasziniert – vor allem bei einem Schiff dieser Größe – mit seiner Nähe zum Meer. Statt am Pooldeck auf Deck 16 liegt der Pool eben ganz unten auf Deck 7. Und wer will, fährt mit den gläsernen Aufzügen hinauf zur „Bridge of Sighs“ mit ihrem Glasboden und betrachtet sich das Ganze von oben.

South Beach Pool

Was auf der MSC Seaside auffällt: Alle drei großen Pools – South Beach auf Deck 7, Miami Beach in Schiffsmitte auf Deck 16 sowie mit verschiebbarem Glasdach versehene Jungle Lounge Pool – sind zwischen 1,60 und 1,90 Meter tief, also nicht nur Platschbecken. Das bringt MSC durchaus Kritik vor allem von den amerikanischen Passagieren ein, die bei warmem Wetter gerne auch mal mehrere Stunden im Pool sitzend verbringen – was bei dieser Wassertiefe naturgemäß nicht funktioniert.

South Beach Pool

Ebenfalls auffällig und sehr positiv: An jedem Pool gibt es „Pool Safety Guards“, die ständig das Geschehen beobachten und daher im Notfall sofort helfen könnten. Lange waren Reedereien vor allem in den USA kritisiert worden, weil sie keine solchen Bademeister an den Pools eingesetzt hatten – das ändert sich nun gerade, so auch bei MSC.

Wasser-Rutschen

Racer-Rutschen

Am unklarsten war mir bei den neuen Features der MSC Seaside, wie die interaktive Wasserrutsche funktionieren sollte. Auf einem Slideboard sitzend rutscht man hier durch eine recht breite Röhre. Am Board befinden sich links und rechts Handgriffe, in die je zwei farbige Knöpfe integriert wind. Rutscht man nun in der Röhre durch einen farbigen Licht-Ring, drückt man den passenden Farbknopf. Je präziser man genau an der richtigen Stelle Knöpfe drückt, desto mehr Punkte gibt es.

Slideboard-Rutsche

Um ehrlich zu sein: Ich hatte mir das spektakulärer vorgestellt. Die Rutsche ist ganz witzig und in einer Gruppe kann man sich da vielleicht auch spannende Schlachten um den Highscore liefern. Aber besonders rasant ist die Slideboard-Rutsche nicht und wenn man sich nicht genau an die Anweisungen hält (vor allem: Füße ausstrecken und übereinander legen), bleibt man mit dem Board in der Röhre auch schonmal einfach stehen.

Das Video gibt einen ungefähren Eindruck von der Slideboard-Rutsche – ich gebe aber zu, dass die Qualität zu wünschen übrig lässt, denn die Helligkeitsunterschiede in der Rutsche sind für ein gutes Video einfach zu extrem:

Eine gewisse Faszination hat die Technik – denn vor dem Start registriert man das Slideboard mit Hilfe der Kabinenkarte oder de RFID-Armbandes auf seinen Namen, sodass die Highscores ohne große Umstände personalisiert gespeichert werden können.

Aber mir persönlich gefallen die zwei parallel laufenden Renn-Rutschen wesentlich besser. Sie sind richtig rasant und lang, sodass man einerseits spannende Rennen rutschen kann, andererseits auch allein großen Spaß in diesen rasanten Röhren haben kann.

Aquapark und Zip-Line

Für den „Forest Aquaventure Park“ bin ich definitiv zu alt – aber das ist ein klasse Wasserspielplatz für Kinder, die dort auch riesigen Spaß hatten. An allen Ecken spritzt es, es gibt Wasserkanonen und einen gewaltigen Eimer, der alle paar Minuten gewaltige Wassermengen über den Spielplatz ergießt.

Forest Aquaventure Park

Sehr gut gelungen ist die Integration dieses Wasserspielplatzes: sehr windgeschützt und dennoch unter freiem Himmel, gelegen zwischen dem Kids- und Teensclub und dem eher von Kindern frequentierten Jungle Lounge Pool. Auch der Aufstieg zu den Wasserrutschen und zur Zip-Line ist hier angesiedelt.

Forest Aquaventure Park, Blick vom Rutschen-Einstieg

Apropos Zip-Line: Die ist nicht so rasant, die die Länge von 105 Metern vielleicht vermuten ließe, dennoch aber sehr interessant, wie während der Fahrt einen faszinierenden Blick auf den hinteren Teil des Schiffs von oben bekommt. Details inklusive einem 360-Grad-Video zur Zip-Line gibt’s im separaten Beitrag „Mit der Zip-Line einmal über die MSC Seaside gleiten“. Ein wenig überraschend: Eine Zip-Line-Fahrt kostet satte 10 Dollar, wer öfter fahren will, kauft am besten einen 50-Euro-Pass, der dann für unbegrenzte Fahrten für alle Bewohner einer Kabine gilt.

Zip-Line über den Miami Beach Pool

Kabine

Die Kabinen weisen wenig Besonderheiten auf, haben ein angenehm braun-dunkelrotes Design mit einem großflächigen Spiegeltisch und einen soliden Hocker im Holzdesign, der sich wegen seiner ungepolsterten Oberfläche auch als Sofatisch nutzen lässt.

Problematisch ist der geringe Stauraum. Außer einem relativ kleinen Wandschrank mit Schiebetüren bleibt eigentlich nur der eigene Koffer unterm Bett, um seine Kleider zu verstauen. Aktuell noch fehlende Kleiderhaken neben der Tür sollen laut Hoteldirektor immerhin demnächst nachgerüstet werden.

Schrank in der Kabine

Etwas Planung ist auch nötig zum Aufladen von Kamera- und Smartphone-Akkus: Die Steckdosen führen nämlich nur Strom, wenn die Kabinenkarte in dem zugehörigen Schlitz neben der Tür steckt. Anders als auf anderen Schiffen lässt sich das System auch nicht mit einer EC- oder Visitenkarte überlisten, den es erkennt, ob tatsächlich eine Kabinenkarte oder etwas anderes in dem Schlitz steckt. Als Stromsparfunktion ist das begrüßenswert, eine Möglichkeit zu Aufladen von Akkus auch wenn man sich nicht in der Kabine aufhält, wäre dann aber doch ganz praktisch.

Sehr angenehm ist dagegen die Verdunkelung der Kabine in der Nacht. Die Vorhänge sind vollkommen lichtdicht und lassen auch an den Rändern kein Tageslicht durch. Das schwach leuchtende, große Telefondisplay lässt sich einfach mit einem Kissen abdecken, wenn man es nachts völlig dunklen haben möchte.

Balkonkabine auf der MSC Seaside

Die Klimaanlage lässt sich sehr präzise einstellen und bläst nirgendwo unangenehm kalt – ein Detail, das fürs Wohlbefinden in der Kabine sehr wichtig ist.

Angenehm ist auch das recht große, tiefe Waschbecken im ansonsten eher kleinen Badezimmer.

MSC Seaside in interaktiven Panorama-Bildern:

(Vollbild-Modus lässt sich mit dem Button rechts unten aktivieren/deaktivieren.)

360-Grad-Panorama-Bilder des MSC Yacht Clubs gibt’s im Beitrag „Der Yacht Club auf der MSC Seaside”.

Technik und Automatisierung

Kellner-Rufknopf im Buffet-Restaurant

An einigen Stellen habe ich die Technik an Bord der MSC Seaside schon angesprochen. MSC hat hier ein sehr umfassendes Smart-Ship-Konzept umgesetzt, das einem an vielen Stellen mal mehr, mal weniger auffällig begegnet – so wie bei den „intelligenten“ Kartenschlitzen in der Kabine zur Steuerung der Stromversorgung. Oder dem unspektakulären, aber sehr praktischen Kellner-Rufknopf auf den Tischen der Buffet-Restaurants.

Neben der Kabinenkarte mit RFID-Technik gibt es optional RFID-Armbänder: Für die Buchungsklassen Bella und Fantastica kosten die 5 Dollar, bei Aurea, Wellness und Yacht Club sind sie kostenlos. Mit Karte oder Armband kann man die Kabinentür öffnen, Getränke an der Bar bestellen, sich für den Highscore der Slideboard-Rutsche registrieren, die Schließfächer im Spa verriegeln und noch einiges mehr.

Recht umfangreich ist die neue „MSC for Me“-App mit Decksplänen, Tagesprogrammen, individuell zusammenstellbarem Programm, Theater- und Restaurant-Reservierungen oder auch eine exakte Ortung von Kindern (Bluetooth in den Kinder-Armbändern) beziehungsweise auch des eigenen Standortes (sofern man am Smartphone auch Bluetooth aktiviert hat). Was dagegen fehlt ist eine Chat-Funktion, über die man Kontakt mit anderen Passagieren halten könnte. Insgesamt ist die App recht umfangreich, in der Bedienung aber ein wenig verwirrend und nicht sonderlich intuitiv.

Internet

„Streamer“-Internet-Paket

Das Internet an Bord der MSC Seaside ist zuverlässig, schnell und nahezu überall verfügbar. Die Geschwindigkeit reichte für mich sogar aus, um ein wirklich großes 360-Grad-Video in vertretbarer Zeit hochzuladen.

Sehr angenehm hat MSC das Login gelöst, das bislang und auch bei anderen Reedereien immer ein Quell des Ärgers ist, weil es selten richtig klappt und häufig Fehler produziert.

Stattdessen gibt es auf der MSC Seaside dafür nun einfach einen Stopp- und Start-Button. Zwar musste ich die Button manchmal zweimal antippen, damit etwas passierte, aber letztlich gab es nie Probleme, Abbrüche oder Fehlermeldungen, die einen im Unklaren ließen, ob die Verbindung nun getrennt ist oder nicht. So problemlos würde ich mir das beim Internet-Zugang auf Kreuzfahrtschiffen immer wünschen.

Meine Lieblingsplätze auf der MSC Seaside

Auf einem so großen Schiff wie der MSC Seaside ist es gar nicht so einfach, ein paar wenige Lieblingsplätze zu benennen. Denn das Schiff hat einige Ecken, die mir besonders gut gefallen – etwa die Balustraden des Atriums, wo man abends lange einfach nur stehen und die Leute auf den Swarovski-Treppen und an der Seaview-Bar beobachten kann.

„Sightseeing“ im Atrium

Ein herrlicher Platz zum Frühstücken unter freiem Himmel ist der Außenbereich des Buffet-Restaurants auf dem Promenadendeck. Tagsüber sind die windgeschützten Sitzecken auf der Promenade ein ruhiger Rückzugsraum, um ein Buch zu lesen oder ein wenig zu dösen.

Promenade, Außenbereich des Buffet-Restaurants

Ich gestehe, wir haben die Top Sail Lounge des Yacht Clubs zum Pre-Dinner-Cocktail sehr genossen, das Yacht-Club-Restaurant mit herrlichem Blick aufs Meer und die Terrasse vor der Top Sail Lounge mit Blick seitlich aufs Schiff und nach vorne. Schade, dass es einen Blick nach vorne für Nicht-Yacht-Club-Passagiere überhaupt nicht gibt.

Top Sail Lounge: Cocktail vor dem Abendessen

Der schönste Punkt auf der MSC Seaside ist für mich aber der Bereich um die „Bridge of Sighs“. Der Blick von hier aus aufs Meer ist klasse und wird noch etwas beeindruckender, wenn man ein Deck höher steigt, mit Blick auf die Bridge of Sighs, hinunter zum South Beach Pool und auf die Spur, die das Schiff durchs Meer zieht, bis zum Horizont.

Bridge of Sighs